Schule ist gar nicht so leicht [#falschescham]

#falschescham, die Dritte. Ich habe ein Weilchen überlegt, bis ich wusste, worüber ich dieses Mal schreiben werde. Dann kam mir der Zufall zuhilfe – manchmal kann es so einfach sein 😀
Vor zehn Jahren habe ich mein Abitur gemacht. Wow, zehn Jahre ist das jetzt schon her! Und der Zufall war eine Mail in Form einer Einladung zu einem Treffen zum zehnjährigen Jubiläum. Ja, was hat denn das nun mit #falschescham zu tun?

Schule und Missbrauch

Relativ viel. Mein Missbrauch fand während der Schulzeit statt. Vier lange Jahre habe ich die Schule besucht, relativ erfolglos versucht, völlig normal zu sein, und das über mich ergehen lassen. Kein halbes Jahr vor dem Abitur habe ich dann zu meiner Mutter gesagt: Ich gehe da nicht mehr hin.
So. Jetzt hatte ich mit einer Freundin über das Treffen geschrieben und dann hat sie gemeint, dass es schon toll ist, sich an die Schulzeit zu erinnern. Nur… ich erinnere mich kaum daran! Wenn ihr mich nach der Schule fragt, dann kann ich euch das Gebäude beschreiben und unsere Klassenzimmer. Vielleicht noch den ein oder anderen Lehrer, der mehr Eindruck hinterlassen hat, egal ob nun positiv oder negativ. Aber ansonsten habe ich einfach praktisch keine Erinnerung. Ich war zu der Zeit so sehr mit mir selbst beschäftigt, u.a. auch damit, dass ich weiterlebe, dass die Schule unwesentlich für mein Hirn war.
Vermutlich könnte mir eine ehemalige Klassenkameradin begegnen und mir vielleicht sogar den Namen nennen, aber es würde nicht klick machen. Ich erinnere mich weder an Namen noch Aussehen. Die wenigen, an die ich mich erinnere, mit denen bin ich auch auf Facebook vernetzt. Alle darüber hinaus… tja… ausgelöscht. Wobei, mal abgesehen von dem eigentlichen Thema: Leute, die einem Oberfeldwebel Rotbraue als Kommentar in das Abibuch schreiben, an die muss man sich eigentlich nicht erinnern. Nur mal so ein kleiner Kommentar am Rande.
Ist Verdrängung nicht etwas absolut Faszinierendes? Und Beängstigendes? Alles, an was ich mich erinnere, ist tatsächlich… Dunkelheit. Diese Zeit war beklemmend, es war wirklich keine Sternstunde. Das war die Zeit, in der ich mich niemandem anvertraut habe und alles mit mir selbst abgemacht habe. Ich war einsam. Ich war auch kein leichter Charakter, was sich irgendwie von selbst versteht. Ich habe wohl definitiv Leute abgestoßen, um sie zu testen, ob sie wirklich zu mir stehen. Ja, in dieser Zeit fühlte ich mich sehr allein. Immerhin war ich auch ein Teenager. Teenager und sexueller Missbrauch? Was soll ich sagen? Teenagerprobleme hätten mir gereicht.
Die Dunkelheit habe ich irgendwann auch nach außen getragen. Ich habe angefangen mich etwas im Goth Style zu verstecken. Zu eurer Info: Das hat nicht wirklich gut funktioniert. Dunkelheit im Herzen, Dunkelheit im Außen. Das waren wirklich finstere Zeiten.
Das Einzige, was mir gut tat und half, waren Manga und Fanfiction. Wenn ich schreiben konnte, dann konnte ich mich wegdenken. Der unweigerliche Weg Richtung Cosplay, oder? Vermutlich war meine erste Fanfiction deshalb auch ein Self-Insert. Sehr peinlich… aber hey, es hat mich zum Schreiben gebracht und das Schreiben hat mich letzten Endes aus der Situation geholt. Nur… das wird noch Thema eines anderen Beitrags.

Und die Lehrer?

Heute dreht es sich um die Schule. Hat jemals ein Lehrer etwas gemerkt oder gesagt? Nein. Alles, was bei Elterngesprächen Thema war: Die Regina, die kann es eigentlich, sie ist einfach nur faul. Wenn sie wollte, dann…
Was dann? Dann hätte ich vermutlich ein Einser-Abitur geschrieben. Ja. Aber es ging nicht. Selbst wenn ich es gewollt hätte, ich hätte nicht gekonnt. Diese Dunkelheit in meinem Herzen war anstrengend, sie hat mich oft ausgelaugt und demotiviert. Ich bin immerhin – meistens – zur Schule gegangen. Das war schon Aufwand genug. Auch noch etwas für die Schule tun? Ich hätte es gar nicht gekonnt.
Als ich das jetzt gerade geschrieben habe, habe ich mich gefragt, wie es wohl gewesen wäre, wenn ein Lehrer mich gefragt hätte, ob alles okay wäre. Wenn ein Lehrer über dieses Allgemeine hinausgegangen wäre. Hätte ich mich ihm anvertraut? Nein. Natürlich nicht. Ich war nicht bereit dafür und vor allem war ich von dieser falschen Scham geplagt. Ein schwieriges Thema, das sicher auch noch seinen eigenen Beitrag verdient hat. Als Teenager, als Heranwachsender in einer sexuell schwierigen Zeit (und in einer Mädchenschule) – da hätte ich mich sicher keinem Lehrer anvertraut. Deshalb ist die nächste Frage eigentlich auch nichtig: Ja, als Lehrer sollte man eigentlich ein Feingefühl für seine Schüler haben. Aber das sagt sich leichter als es ist.

Erkenntnisse über Erkenntnisse

Wow. Mal wieder eine neue Erkenntnis durchs Schreiben gewonnen. Da kam diese Einladung zur rechten Zeit. Die Schule war nicht als Schule für mich wichtig. Es war einfach nur der Zeitraum, in dem ich mit mir selbst zu kämpfen hatte. Mit meinen Depressionen, damit, den Mut zu finden, mich aus dem Missbrauch zu lösen. Okay, ich hab nebenbei tatsächlich noch das Abi bestanden. Aber irgendwie ist das nebensächlich. Und vielleicht erinnere ich mich genau deshalb nicht mehr an die Schule. Sie war nicht wichtig. Die meisten Leute waren nicht wichtig (Ausnahmen bestätigen die Regel…). Sie war der Rahmen, in dem ich meinen Weg finden musste.

Und das Fazit?

Das Fazit? Leben und sexueller Missbrauch ließ sich nicht vereinbaren. Ja, ich hatte Hobbies, ich habe Sport gemacht, aber auch das habe ich dann aufgehört, weil es einfach nicht mehr ging. Mir hat die Energie dazu gefehlt. Genauso wie für die Schule oder intensive Freundschaften. All meine Energie habe ich darauf verwendet, weiterzuleben. Ich finde, dass das ja schon beachtlich genug ist. Und dann habe ich auch noch das Abi bestanden – mit der Note kann ich in Hinblick auf alles, was damals passiert ist, auch leben.
Ein weiteres Fazit? Verdrängung ist eine ziemlich mächtige Waffe, manchmal funktioniert sie zu gut. Aber ich habe die Schule auch deshalb aus meinem Gedächtnis gelöscht, weil diese Zeit einfach insgesamt zu negativ behaftet ist. Ich kann mich nicht an die Schule erinnern, weil ich mich dann auch an das, was mir passiert ist, erinnern müsste. Da ist der Verlust einer mittelmäßigen Schulzeit mit einer mittelmäßigen Klasse auch nicht ganz so tragisch. Ich sehe es als Selbstschutz.

Depression abzugeben – Uwe Hauck [Rezension]

Depression abzugeben

Für die Rezension heute lasse ich mal die übliche Form weg. Ich bin einfach zu geflasht von Depression abzugeben. Danke Uwe, dass du dieses Buch geschrieben hast und uns an deiner Geschichte teilhaben lässt. Ich empfand dich schon auf Twitter als Inspiration. Daher wollte ich Depression abzugeben auch unbedingt lesen. Es hat jetzt etwas länger gedauert, bis ich dazu kam – zuerst habe ich es in keiner Buchhandlung, in der ich war, gefunden. Dann kam das Leben dazwischen. Aber jetzt habe ich es geschafft und ich wollte es absolut nicht aus der Hand legen. Ich habe jedes Wort aufgesogen und es sind jede Menge kluge Worte darin enthalten.

Depression abzugeben
Depression abzugeben

Eigentlich schreibe ich zu persönlichen und ungewöhnlichen Büchern nicht gerne Rezensionen. Gerade wenn es mich einfach so mitgenommen hat (im positiven Sinne…). In vielen Punkten habe ich ein paar meiner Gedanken wieder erkannt und dachte nur: Ja. Genau das!

Allgemein fand ich schon immer, dass Uwe Hauck sehr kluge Worte twittert. Hier sind sie in einem Buch versammelt. Ich möchte das Buch am Liebsten direkt nochmal durchlesen und dieses Mal mit Marker und Klebezettelchen in der Hand. Andererseits… dann wäre das Buch ziemlich gelb. Zu viele Sätze, die mich bewegen und die ich einfach wunderbar finde. Nicht, dass das schlecht wäre. Ganz im Gegenteil!

Inspiration & Einblick zugleich

Für mich war das Buch nicht nur eine Inspiration, ich habe mich in einigen seiner Verhaltensmuster wiedererkannt. Es gab Momente, in denen ich einfach nur dachte: Genauso ging es mir/empfand ich auch. Das war teils erschreckend, denn nicht immer sind diese Momente schön, sondern eher bedrückend. Aber es ist wichtig, dass man als Betroffener sieht, dass man nicht allein ist. Und es ist wichtig, dass die nicht Betroffenen den Hauch von Ahnung kriegen, wie es in einem aussieht. Es ist einfach wichtig, dass dieses Thema angesprochen wird!
Es ist ein Buch, das einem die Augen öffnen kann, wenn man sich darauf einlässt. Mich hat es aber zeitgleich auch dazu inspiriert, jetzt einen neuen Weg im Umgang mit meiner Vergangenheit zu gehen. Ich hab ja schon lange darüber nachgedacht, aber dank Uwes tollen Worten habe ich mich entschlossen, das wirklich durchzuziehen. Dafür bin ich wirklich dankbar.
Eigentlich ist das ein Buch, das ich wirklich jedem ans Herzen legen möchte. Es enthält so viel Wichtiges. Es ist wunderbar geschrieben. Und es zeigt, dass eine Depression nun mal kein Beinbruch ist. Lasst euch auf das Buch ein, lest es und verbreitet es. Das Buch hat es verdient.

 

Ich verliere jetzt keine weiteren Worte, ihr müsst euch einfach selbst davon überzugen lassen. Und hier könnt ihr es kaufen: Bastei Lübbe

Los. Geht es kaufen! Hopp, hopp!

Warum ich wirklich cosplaye [#falschescham]

Warum cosplayst du?

Die Frage habe ich jahrelang nicht ganz ehrlich beantwortet. Weil es mir Spaß macht, weil ich es spannend finde, ein Kostüm entstehen zu lassen, weil ich die KuraiOfAnagura kenne (ehrlich, ohne sie wäre ich gar nicht in die Szene gekommen!). Das stimmt alles irgendwo, aber es sind nur Halbwahrheiten.

Die erste Convention

Habe ich euch jemals von meiner ersten großen Convention erzählt? Das war die AnimagiC 2007 in Bonn. Ich hatte damals nur ein Ticket für Samstag. Es war gerade ein halbes Jahr her, dass ich mich aus dem Missbrauchsloch gekämpft hatte und allein wäre ich nicht gefahren. Meine Mutter war mit dabei. Unser Hotel war eigentlich gar nicht so weit entfernt von der Convention. Ich erinnere mich noch, wie meine Mutter den ganzen Nachmittag aus dem Fenster hing, um Cosplayer zu beobachten.
Bei mir hingegen stieg die Nervosität an. Ich hatte unglaublichen Schiss. Ich fühlte mich in meinen Klamotten nicht wohl, ich fühlte mich fehl am Platz. Einmal über den Vorplatz laufen? Habe ich mich nicht getraut. Erst abends, nachdem ich beim Griechen einen Begrüßungsouzo, eine Ouzoplatte und einen Abschiedsouzo hatte, hat meine Mutter es geschafft, dass ich über die AnimagiC laufe. Aber ich habe mich total unwohl gefühlt.
Am Samstag war ich dann dort, ich war drin. Aber um ehrlich zu sein: Ich erinnere mich noch kaum an die Con. Keine Ahnung, was ich da letztlich gemacht habe, das ist alles weg. Geblieben ist nur dieses Angstgefühl und dieses Außenseitergefühl. Und der Gedanke, dass das alles anders gewesen wäre, wenn ich ein Cosplay getragen hätte.

Der Moment

Das war der Moment, in dem ich wusste: Ich werde ein Cosplay tragen. Hätte mir jemand gesagt, dass ich 2017 meine Kostüme selbst nähe, ich hätte herzhaft gelacht. Zwar hatte ich 2007 eine Nähmaschine geschenkt bekommen, aber es hat niemand von uns geglaubt, dass Lysop (meine Nähmaschine) und ich nach zehn Jahren eigentlich ganz gute Freunde geworden sind.
Shikamaru Cosplay
2008 war dann meine zweite Convention mit meinem ersten Cosplay: Shikamaru aus Naruto. Es ist ziemlich kennzeichnend, dass es keine Frau war, oder? Ich bin vom Aussehen her wirklich nicht der Typ für männliche Cosplays. Daher habe ich damit aufgehört. Aber in dieser Zeit war ich gar nicht in der Lage zu meiner Weiblichkeit zu stehen. Denn das hat nicht zu dem, wie ich mich gefühlt habe, gepasst. Ganz im Gegenteil: Ich wollte mich verstecken und zwar mein Dasein als Frau. Das wird mir jetzt gerade in diesem Moment, in dem ich diesen Text hier schreibe, bewusst. Wow. Was für eine eigentlich logische Erkenntnis. Mein erstes Cosplay musste ein Kerl sein – es hat nicht geschadet, dass es ein verdammt cooler Typ war. Und die mir-doch-egal-Attitüde auch nicht! Ich glaube, ich sollte mal darüber schreiben, warum ich welchen Charakter ausgesucht habe. Da lerne ich noch mehr über mich selbst. Aber zurück zum Thema…
Ich cosplaye also nur, weil ich mich endlich irgendwo dazugehörig fühlen wollte. Schräg, oder? Meinem schwachen Selbstbewusstsein ist es zu verdanken, dass ich heute bin, was ich bin. Das war zumindest meine Anfangsmotivation. Es halt auch, dass ein Cosplay ja nichts anderes als eine Maske ist. Eine sichtbare Maske, das ist doch mal eine Abwechslung zu den anderen Masken, hinter denen ich mich sonst versteckt habe. Das war dann der Moment, in dem ich wirklich zur Cosplayerin wurde. Hinter diesen Masken konnte ich mal jemand anderer sein und mich aus meinem Alltag befreien.

Die Freiheit des Cosplays

Ein Cosplay bedeutet Freiheit von den Gedanken, die einen sonst bedrücken, man kann sich komplett in jemand anderen verwandeln. Das ist das, was ich am Cosplay liebe. Ich kann mich zurücklassen und meine Probleme, meine Ängste, meine Sorgen, meine Vergangenheit. Obwohl ich sagen muss, dass ich auch im Cosplay Sorgen habe: Bin ich zu dick, sehe ich doof aus, wird alles halten, steht mir der Charakter überhaupt? Das Übliche halt, das wohl jeder kennt, oder? Aber trotzdem ist Cosplay Befreiung für mich. In der Regel sind das die einzigen Momente, in denen ich mal nicht zu viel denke, sondern einfach Spaß habe. Im Zuvieldenken bin ich nämlich großartig. Vielleicht liegt das auch daran, dass die Perücken meinen Riesenschädel so einengen, aber egal wie, es tut einfach gut.
Angggel Lily Cosplay
Übrigens merke ich das auch bei Bildern von mir selbst: Ich finde mich auf Bildern ohne Kostüme noch immer nicht wirklich hübsch und habe da starke Selbstzweifel. Dank meiner lieben Arii habe ich aber gelernt, mich auf Bildern mit Cosplay hübsch und toll und geil zu finden! Sie macht einfach immer so tolle Bilder von mir.
Unser erstes gemeinsames Shooting war Lily. Das waren auch die ersten Cosplaybilder von mir, bei denen ich mich richtig hübsch fand. Cosplay ist eben eine andere Rolle – wenn frau sich hinter der Maske versteckt, kann sie sich auch hübsch finden. Ich habe da echt noch einiges vor mir. Aber ich bin auf dem richtigen Weg!
Ich bin auch trotz allem selbstbewusster geworden. Ich habe kein Idealgewicht (das ist ein anderes Thema, das ich sicher irgendwann auch mal ansprechen werde), aber durch das Cosplay habe ich gelernt, mich trotzdem zumindest größtenteils zu akzeptieren wie ich bin. Wenn ich nicht cosplayen würde, würde ich heute vermutlich nicht hier sitzen und bloggen. Wow. Verrückt. Obwohl ich das gar nicht schreiben wollte: Ich würde vermutlich Säcke statt Klamotten tragen und mich dahinter verstecken. Mein Haar wäre sicher nicht quietscheorange, schminken… davon will ich gar nicht erst anfangen! Cosplay hat mir Selbstbewusstsein beigebracht – obwohl da immer noch Verbesserungspotenzial ist. Aber es war ein Anfang, der wichtig war.

Cosplay kann auch Egoismus heißen

Das klingt jetzt seltsam, aber es ist gut, dass die Cosplayerszene viele Egoisten hat.Evergreen Chimiko Viele Selbstdarsteller, die sich selbst am Wichtigsten sind. Ich könnte euch da so einige Beispiele nennen, aber dann finde ich kein Ende. Oh, oh, ich bin böse! Und gemein… aber es ist nun mal so. Die Selbstdarsteller und Egos sind vielleicht nicht hilfreich im klassischen Sinne. Aber um zu bestehen, muss man das auch ein bisschen abkönnen und sich selbst durchaus etwas in die Richtung erarbeiten. Man braucht gesunden Egoismus, um zu cosplayen! Trotzdem nerven mich die Egoisten, die sich nur um sich selbst kümmern und einfach nur wollen, dass sie im Rampenlicht stehen und tolle Bilder kriegen. Gott, ich kenne da viel zu viele Beispiele, wie mir gerade auffällt.
Also: Ja, das Nähen macht mir schon Spaß (meistens). Zu sehen, wie ein Charakter entsteht, ist grandios! Aber Cosplay bedeutet für mich Freiheit. Selbstbewusstsein. Mich hübsch zu finden. Einfach mal loslassen zu können. Nicht immer ich sein zu müssen.
Trotzdem merke ich noch heute, dass ich in einigem Nachholbedarf habe: Ich bin immer noch zu schüchtern, um Leute anzusprechen. Ich fühle mich nicht gut genug, von Fotografen fotografiert zu werden. Ich finde nicht, dass ich eine gute Cosplayerin bin. Uff. Ihr wolltet also nicht wissen, wie ich ohne Cosplay wäre! Da habe ich noch ein gutes Stückchen Weg vor mir, aber ich arbeite dran. Das ist das Beste, was ich machen kann 😀

Fotobuch Saal Digital [Sponsored]

Heute habe ich mal wieder eine völlig andere Rezension für euch! Auf Twitter habe ich meine Begeisterung ja schon ausgedrückt, jetzt aber nochmal in aller Ausführlichkeit auch hier!

Endlich ein Fotobuch!

Mein heimlicher Traum war es schon sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr lange, ein Fotobuch mit meinen Cosplays zu drucken. Oder auch meine Lieblingsbilder auf Leinwand und dann ins Flur hängen… aber hier und heute geht es um Fotobücher! Und zwar um Fotobücher von Saal Digital. Ich hatte jetzt schon einige Bekannte, die für den Anbieter testen durften – und ich durfte das jetzt auch! Ich habe mich für die Fotobuch-Variante entschieden. Relativ schnell und unkompliziert habe ich den Gutschein-Code geschickt bekommen und konnte anfangen, mein Fotobuch zu erstellen. Nachdem ich mir die Software runtergeladen hatte. Das ist eigentlich ganz unkompliziert und geht superschnell – wenn man nicht gerade MEINEN Laptop hat. Nachdem ich da über zig Umwege erstmal Adobe Air aktualisiert hatte, dann ging es schnell und unkompliziert. Doch Air muss uptodate sein, sonst klappt das mit der Software nicht. Tja. Das Gute ist: Bei mir ist es jetzt topaktuell.

Easy, oder?

Die Software öffnet sich und man kann sofort loslegen. Einfach nur für das Produkt entscheiden und los gehts! Beim Fotobuch hat man da die Qual der Wahl, es gibt verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl. Extras gibts natürlich auch! Ich hab mich für eine schlichte Variante ohne viele Extras entschieden, nach dem Motto quadratisch, praktisch, gut sozusagen. 19×19 cm sollte mein Fotobuch werden. Es war ein relativ spontaner Entschluss. Ursprünglich waren 32 Seiten angedacht – es wurden 34. Mir hat genau eine Doppelseite für meine Kostüme gefehlt. Gut, dass ich noch kein Shooting mit meiner Fotoblogfrau Sayu hatte 😉 Es soll glänzen – so wie ich auf den Bildern! Nein, ich mag matte Bilder eigentlich sehr gerne, hier habe ich mich jedoch für die Glanzvariante entschieden – gespannt, was mich da am Ende wohl erwartet…

und weg damit!

Die Gestaltung war richtig einfach. Ich habe Auto-Format genommen, um zu sehen, was mir die Technik so vorschlägt. In der Regel war ich einverstanden, manchmal habe ich doch noch etwas rumgeschraubt. Das war super einfach. Einfach hinziehen, größer, kleiner machen und entscheiden, wie die Bilder angeordnet werden. Man, war ich erleichtert, dass das so unkompliziert war! Es hat sogar richtig Spaß gemacht, alle Bilder zu sortieren und zu entscheiden, wie es jetzt am Besten aussieht. Dann am Ende musste ich einfach nur noch abschicken und warten.

Es ist da!

 

 

Dann war der große Tag da! Ich sags euch, ich war so aufgeregt und voller Vorfreude – endlich ein Fotobuch mit meinen Cosplaybildern in der Hand halten! Das war ein toller Moment.

Rückseite

 

Zu viel versprochen haben sie jedenfalls nicht. Besonders klasse ist die
Lay-Flat-Bindung, dadurch wirken auch Bilder, die über zwei Seiten gehen oder
die bei einem Format mit drei Bildern in der Mitte landen. Keine seltsamen
Falten im Gesicht 😀
Ich habe mich ja für das glänzende Papier entschieden und war gespannt, ob es
Fingerabdruckanfällig ist. Das mag ich nämlich nicht so. Aber da hat alles
gepasst, auch meine dicken Patschefingerchen haben nichts verursacht.
Interessenhalber habe ich auf der Rückseite meines Fotobuches mal getestet, wie es ist, wenn man
ein Bild etwas vergrößert. Auf dem Original bin ich etwas kleiner. Obwohl das
Bild auf dem Bildschirm noch gepasst hat, verschwimmt es (wenig überraschend)
in der Druckvariante. Also zu viel in der Größe spielen sollte man nicht.
Layflat-Bindung
Wer ein schönes Geschenk sucht oder (so wie ich) sich in seinen Cosplays bewundern
will, macht hier sicher nichts verkehrt. Die Software ist einfach zu bedienen,
der Versand ist unglaublich schnell und die Qualität ist absolut
zufriedenstellend. Außerdem hat es mir Spaß gemacht, das Buch zu erstellen und
die Bilder zu platzieren.
Daher nochmal meinen Dank an Saal Digital! Ich freue mich wirklich über das Fotobuch
und kann mich der Begeisterung meiner Vorgänger nur anschließen.

 

Pallas Athene

Schon seltsam, nach so einem emotionalen Beitrag am Montag heute wieder in den Normal-Modus zu schalten. Aaaber ich habe nun mal in meinem Urlaub nicht nur über diesen Beitrag nachgedacht, sondern auch fleißig an meinem Athene-Cosplay gebastelt. Und gebastelt trifft es hier wirklich. Genäht habe ich keinen einzigen Stich. Doch ich hatte ja auch Rüstungsteile dafür angedacht und da konnte ich den Urlaub bei meiner Mutter und ihre großen Terrasse gut dafür nutzen.
Kopf….dingens

Die Rüstungsteile

So. Geplant waren: eine Armschiene, ein Kopf…dingens und ein Schulterdingens. Na ja. Rüstungsteile halt. Ich habe mir Worbla bestellt und dann festgestellt: Hey, du hast ja noch Reste gehabt! Darüber war ich doch ganz froh, ich bin immer so paranoid, was Mengen angeht. Aber es hat dann gereicht. Ich habe sogar noch etwas über.

athene cosplayGut, dass es nicht so warm war… Worbla muss ja erhitzt werden, um in Form zu kommen. Okay, es war nicht warm, es war brütend heiß! Ich musste tatsächlich Pausen machen, das war schon ziemlich heftig. Irgendwann waren die Rüstungsteile dann jedoch in Form. Und dekoriert. Das war noch mehr Geföne. Also noch mehr heiße Luft!
Uff, ich sags euch: Dazu habe ich mir echt die falsche Woche ausgesucht. 

Nach dem Formen folgte die erste Farbe. Weiß. Unspektakulär, aber muss ja sein. So ein bisschen Grundierung hat noch keiner Bastelei geschadet! Also war irgendwann alles einfach weiß… Yay.

Ja, ich war froh, als ich endlich das wunderschöne Gold auftragen durfte! In Gold sah einfach alles gleich so viel spektakulärer und toller aus. Aber fertig bin ich jetzt noch lange nicht. Ob es was wird, kann ich noch nicht sagen, aber die Dekoelemente sollen noch etwas Farbe bekommen. Passend zu Athene habe ich hier Oliven an Arm und Kopf gestaltet. Die Schulter… na ja, erkennt ihr es? Das sollen Federn sein. Ich bin noch nicht wirklich zufrieden.

Was noch alles fehlt

Also schaue ich jetzt mal, ob die Sachen mit Farbe besser wirken. Und ob das Schulterteil wird. Das ist bisher noch mein Sorgenkind. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht Plan B bis Z parat hätte. Also… seid gespannt. Ich bins auch.
Außerdem stehen als Nächstes die Halterungen an. Irgendwie müssen die Sachen ja auch an mir halten. Wir sind nicht nämlich nicht magnetisch. Ich bin schon ganzaufgeregt, ob das was wird.

Verdrängung, fehlende Worte und ein ganz anderer Beitrag als sonst.

Ich hatte es auf Twitter schon angesprochen, mir brennt da ein Text auf der Seele. Ich überlege schon lange, ob ich mich wirklich traue, das Thema auch auf meinem Blog anzusprechen. Oder besser gesagt: Das Thema überhaupt anzusprechen. Ganz ehrlich, beim Gedanken daran zittere ich am ganzen Körper. Aber gleichzeitig möchte ich es endlich loswerden. Wenn ich blogge, versuche ich da humorvoll heranzugehen. Auf Twitter merkt man schon eher mal, wenn es mir nicht gut geht. Dann kommen Phasen, in denen ich kaum etwas poste oder überwiegend auf meinem geschlossenen Account. Ich gehöre zu denen, die immer wieder von Depressionen überrollt werden. Aber das ist nicht einmal das Hauptthema dieses Blogeintrags. Die Depression hat ihren Grund und DAS ist das Thema.
Eins sage ich euch, während ich hier tippe, habe ich keinen Kloß im Hals, sondern Steine im Magen. Und genau das ist mit ein Grund, dass ich hier überhaupt sitze. Das sollte nicht sein, das darf nicht sein. Ich wurde sexuell missbraucht – und was ist? Ich schäme mich dafür. Ich schäme mich. Aber das sollte ich nicht. Das sollte niemand. Wer jetzt Details befürchtet: Keine Sorge. Das mache ich mit mir selbst aus – das ist nichts, was im Internet breitgetreten werden sollte. Nur so viel sei gesagt: Eine Polizistin sagte bei meiner Aussage dort zu mir, dass hier schon der Tatbestand einer Vergewaltigung vorliegen würde. Aber das werde ich nie so ausdrücken, da kommt die Verdrängungstaktik zum Einsatz.Verdrängen kann ich nämlich gut. Mein Spezialgebiet.
Aber warum schreibe ich hier gerade überhaupt? Weil das, was mir passiert ist, sich auch in meinem Charakter widerspiegelt. Und weil ich darüber sprechen will, warum ich bin, wie ich bin. Warum ich manchmal abtauche, warum mir Treffen in der „Realität“ schwerfallen, warum ich mich mit Beziehungen schwer tue, warum ich mich langweilig und unwichtig finde, warum ich manchmal einfach Angst habe. Ich will aber auch kein Mitleid, ich kämpfe mich durch und ich gehe meinen Weg. Da muss ich auch wirklich sagen: Dank meiner Mutter. Wer keine starke Person an der Seite hat, die einen stützen kann, der tut mir wirklich leid.
So. Wow. Ich habe es geschrieben. Aber da ist noch mehr in mir, da ist so viel, dass ich gar nicht weiß, womit ich jetzt weitermachen soll. Ich fühle mich gerade wie eine Schleuse, die gerade geöffnet wurde, oder ein Damm, der die Flut nicht mehr halten kann.
Jetzt vielleicht doch noch ein paar harmlose Fakten: Es war keine kurze Zeit. Ich habe nicht nur Anzeige erstattet, sondern war auch (erfolglos) vor Gericht – tja, ich kann euch nicht empfehlen, beherrscht dahinzugehen, das wird gegen euch ausgelegt, aber ich bin einfach nicht der Typ, der vor anderen weint und schluchzt, egal wie mies es mir geht. Ich hatte einen wunderbaren Psychologen, der mich auf diesem Weg begleitet hat. Und natürlich meine Mutter immer an der Seite. Ohne sie würde ich nicht mehr leben.
An den Tod habe ich oft gedacht, ich stand auch durchaus kurz davor, meinem Leben ein Ende zu setzen. Als ich das unter Kontrolle hatte, war da manchmal aber immer noch die Frage, ob es nicht leichter gewesen wäre, wenn ich dem Drang nachgegeben hätte. Man, dafür schäme ich mich auch, aber man hat sich in diesen Moment nicht unter Kontrolle. Die Depression kontrolliert
einen. Diese Gedanken haben in dieser Zeit einfach zu mir gehört, ich konnte ihnen nicht entkommen.
Aber ich möchte euch eigentlich nicht mein Leid klagen. Ich möchte einfach nur über ein Tabu sprechen, ein Tabu, das so nicht sein sollte. Ich habe aktuell einen wunderbaren Job, nicht viele, aber dafür hervorragende Freunde, die ich nicht mehr missen möchte. Mir geht es soweit ganz gut. Ja, ganz gut, denn das ist etwas, das mich nie mehr loslässt. Ich habe damals in dieser verdammt beschissenen Zeit mein Abi gemacht, habe studiert und den B.A. of Arts bestanden, bin Buchhändlerin geworden und bin jetzt in München. In der ein oder anderen Sache gibts noch Optimierungsbedarf 😉 Aber ich bin zufrieden.
Trotzdem gehört das, was geschehen ist zu mir dazu – so ähnlich wie mein Name an der Tür. Ja, der war schlecht, aber zutreffend. Ich bin oft sehr ruhig und zurückhaltend, ich bin kein auf-den-Tischen-Tänzer, ich schreie nicht immer gleich hier, aber das muss ja auch nicht sein. Meine Ruhe schätze ich, bei zu viel Trubel brauche ich Zeit, um mich zurückzuziehen. Ich bin sicher nicht einfach, weil viele mich nicht einschätzen können. Es gab mal jemanden, der hat mich als verbittert bezeichnet, ein anderer als distanziert. So bin ich einfach, ich brauche meine Zeit, bevor ich auftaue. Okay, verbittert bin ich wirklich nicht… also ehrlich mal. Bei so Leuten denkt man sich nur, dass die sich mal an die eigene Nase fassen sollten, oder etwa nicht?
Mein Blog ist eine Fassade. Eine Maske, wenn man so will. Mein Humor ist durchaus auch Selbstschutz, aber trotzdem ist das hier alles ein Teil von mir. Ich bin mehr als verletzt worden, da lässt man auch nicht jeden hinter die Mauer, die man aufbaut. Manchmal fühle ich mich auch echt hilflos, weil ich da einfach schlecht drin bin. Ich würde gerne mehr Menschen treffen, aber ich bin eine kleine Mimose: Wenn ich es versuche und dann klappt es nicht, dann ziehe ich mich wieder total zurück. Was das mit dem ganzen Beitrag hier zu tun hat? Das ist ein weites Feld… Aber wer A sagt, muss auch B sagen. Ich nehme mir Absagen und Verletzungen zu Herzen und die begleiten mich lange. Sehr lange. Nur ein Beispiel (natürlich ohne Namen!): Während der Verhandlung hätte ich einen Freund brauchen können. Es gab jemanden, dem ich zu hundert Prozent zugetraut hätte, für mich da zu sein. Ich habe vorher nie um Unterstützung gebeten, denn darin bin ich echt schlecht. Da bin ich über meinen Schatten gesprungen. Es war mein erster Versuch, jemand anderen darum zu bitten, für mich da zu sein. Ist natürlich schief gegangen. Die Person könne nicht für jeden da sein, sie hätte an dem Tag schon jemanden stundenlang mit seinen Problemen geholfen. Tja, mir fällt das ja eh schon schwer, aber ich sags euch: So etwas verbessert die Situation nicht. Gerade so ein harscher Ton. Das ist bald fünf Jahre her und ich knabbere immer noch daran. Ich bin halt Steinbock 😉
Was ich eigentlich sagen möchte: Es gibt alles ein großes Bild, das zusammenhängt. Es gibt viele kleine und große Bausteine, die einen Menschen zu dem machen, was er ist. Und dann gibt es so Bausteine, die die Gesellschaft nicht sehen will. Die heute noch Tabus sind.
Es gab damals auch Zeitungsartikel über die Verhandlung. Mein Name kam nie darin vor, ich habe keine Interviews gegeben, der Täter schon. Eines Tages saß ich in der Bahn, vor mir zwei Frauen, die sich über meinen Fall unterhalten haben. Sexueller Missbrauch auf dem Land – Sensation! Nur… wurde der Täter bemitleidet. Der arme Kerl. Ich würde ihn nur ruinieren wollen,
seinen Ruf schädigen. Ja, das war das, was er der Zeitung sagte. Sexueller Missbrauch kann einfach nicht sein, das passte nicht in das Bild des friedlichen Dorfambiente. Heute denke ich mir: Ich hätte etwas sagen sollen. Ich hätte mich wehren sollen. Ich hätte mich in vielerlei Hinsicht wehren sollen. Aber ich konnte nicht. Ich saß da wie gelähmt. Mich zu offenbaren, dass ich die Klägerin und somit das Opfer war? Neverever. Warum? Da sind wir wieder bei dem Eingangsproblem: Weil ich mich verdammt nochmal schämte.
Selbst vor Gericht wurde mir Scham eingeredet! Ich hatte eine Richterin (zuerst), die mich fragte, warum ich nichts gemacht habe? Im Prinzip habe ich die Schuld zugesprochen bekommen. Ich hätte mich wehren sollen. Ja, das ist wohl wahr, aber liebe Richterin, das hätte ich sagen sollen, stellen Sie sich vor, Sie sind in dieser Situation. Ausgeliefert. Das ist gar nicht so leicht, wie es klingt. Ehrlich nicht. Aber deshalb solle ich doch kein schlechtes Gewissen habe. Ich bin doch nur in diese Situation geraten.
Ich hatte Pech, dass es ausgerechnet mich erwischt hat. Aber auch wenn ich die Situation nicht auflösen konnte (ich war übrigens ein Teenager… eh noch
unsicher, also…), ich habe ein paar Jahre später den Schritt zur Anzeige gewagt. Weil ich nicht wollte, dass noch mehr Leute das erleiden müssen. Muss ich mich also schämen? Nein. Ich habe den Weg aus dieser verdammten Scheiße gefunden. Nein. Ich habe mich zurück ins Leben gekämpft. Nein. Ich habe Anzeige erstattet und vor Gericht gegen ihn gekämpft.
Ja, im Nachhinein hätte ich einiges anders machen können, aber es ging nicht. Ich habe das gemacht, was mir möglich war. Und jetzt gehe ich den nächsten Schritt auf meinem Weg: Ich schreibe diesen Text. Sexueller Missbrauch ist ein Tabuthema, über das man nur selten spricht, und wer steht schon gerne dazu, dass er missbraucht wurde? Aber verdammt nochmal, ich wurde
missbraucht.

Alles in Farbe – Annie Sloan [Rezension]

Titel: Alles in Farbe
Untertitel: 40 neue DIY-Ideen für Möbel, Wände, Türen, Böden & Textilien
Autor: Annie Sloan
Original: Annie Sloan Paints Everything
Aus dem Englischen: Wiebke Krabbe
Verlag: DVA
Erschienen: April 2017
ISBN: 978-3-421-04064-0
Preis: 29,95€
Leseprobe
 
Kaufen beim Verlag!

Ich kann mir nicht vorstellen, dass viele Bücher ihren Titel dem Slogan auf einem Rührstab für Farbe verdanken, aber genau das ist in diesem Fall passiert.

 

Ich liebe Farbe (was man auch unweigerlich meinem Instagram-Profil entnehmen kann). Sie macht das Leben einfach herrlich bunt und richtig eingesetzt hat man einfach wunderbare Akzente. Nur hätte ich nicht gedacht, dass ein Buch über Farbe mich so langweilen könnte.

Dank dem DVA-Verlag und dem Bloggerportal durfte ich in Annie Sloans „Alles in Farbe“ reinschauen und war eigentlich voller Vorfreude. Das war vermutlich ein Fehler. Es gibt vierzig Tipps, wie man mit Farbe sein Zuhause verschönern kann. Letztlich erschien es mir nur wie ein Werbebuch für Annie Sloans eigene Farbe. Chalk Paint im Übrigen. Sicher eine schöne Idee, aber so exzessive Werbung schrägt mich dann eben doch ab.

Außerdem muss ich jetzt mal ganz offen und ehrlich sein: Ich fand viele Projekte einfach… nicht schön. Dass es nicht mein Geschmack war und dass es auch nicht in meine Wohnung passt, das ist hier eine völlig andere Sache. Ich kann auch Dinge toll finden, die eigentlich nicht meinen Geschmack treffen, ich liebe gut gemachte DIY-Sachen. Aber hier fand ich einiges einfach… nicht schön. Irgendwie hätte ich mir da von Annie Sloan mehr erwartet.

Bei Interieurbüchern muss ich normalerweise einmal das ganze Buch durchblättern und DANN lese und bestaune ich nochmal alles in Ruhe. Hier war ich relativ schnell lustlos und hatte das Bedürfnis, das Buch einfach wegzulegen. Obwohl ich noch nicht mal durchgeblättert hatte!
Tatsächlich lag es dann auch erstmal ein paar Tage, bevor ich mich noch einmal intensiver damit befasst habe. Das Ergebnis war… das gleiche. Mich sprechen die Ideen nicht an, mich nervt die intensive Eigenwerbung und so wirklich neu und außergewöhnlich fand ich die Projekte auch nicht. Zwar wirbt der Untertitel mit neuen DIY-Ideen, aber ehrlich mal: Ein Sideboard hat doch jeder schon mal umlackiert, oder? Oder einen Stuhl? Das ist ja an und für sich okay, immerhin sieht jedes Design ja ein bisschen anders aus, aber dann spreche ich nicht von neuen DIY-Ideen. Außergewöhnliche DIY-Ideen wären doch eine Möglichkeit gewesen, oder?

Ich merke, das Buch ist nicht meins – immerhin hänge ich mich schon an so Kleinigkeiten auf und insgesamt hat es mir ja auch nicht gefallen. Farbe hat normalerweise so etwas Frisches und Belebendes, doch in diesem Buch wird diese Lebendigkeit für mich nicht transportiert. Der Farbfunke sprang nicht über, die Inspiration erst recht. Schade. Ich hatte mir einfach mehr erhofft.

 


 

Annie Sloan ist Expertin für Farbe und dekorative Malerei. Mittlerweile hat sie mehr als 20 Bücher veröffentlicht, darunter auch der Klassiker „Wohnen mit den richtigen Farben“. Bekannt ist sie auch für die von ihr entwickelte Farbe Chalk Paint TM, die bei mehr 1500 Fachhändlern weltweit erworben werden kann. Annie Sloan lebt mit Mann und drei Söhnen abwechselnd in Oxford und Frankreich.

 

Annie Sloan zeigt, was man mit Farbe in der Wohnung alles machen kann. Wer jetzt nur an Wände denkt, liegt falsch: Auch Fußböden, Textilien, Lampen und vieles mehr kann mit Farbe einen völlig neuen Anstrich bekommen. Drei Kapitel beinhaltet das Buch, die viele Ideen und Tipps für den neuen Look zeigen. Schritt-für-Schritt-Anleitungen vereinfachen das Nachmachen. Das Beste: Man braucht keine Vorkenntnisse und muss nicht der nächste Picasso sein – Individualität kann so einfach sein!

 

Mein Dank geht an DVA für das Rezensionsexemplar.

Quellen
Autorenvita; Inhalt

Armada – Ernest Cline [Rezension]

Armada von Ernest Cline erschienen bei Fischer Tor

Titel: Armada
Untertitel: Nur du kannst die Erde retten
Autor: Ernest Cline
Original: Armada
Aus dem Englischen: Sara Riffel
Verlag: Fischer Tor
Erschienen: 2017
ISBN:  978-3-596-29660-6
Preis: 14,99€
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Ich starrte gerade aus dem Fenster des Klassenraums und träumte von Abenteuern, als ich die fliegende Untertasse entdeckte. 

 



Den meisten von euch sollte es mittlerweile schon aufgefallen sein: Ich bin ein kleiner Nerd. Ich habe auch ein Faible für Games, kann sie aber nicht spielen, da wird mir immer so schwindlig. Trotzdem faszinieren sie mich. Als ich als sah, dass bei Fischer Tor ein neues Buch von Ernest Cline veröffentlicht wurde und es sich unter anderem auch um Games handelt, musste ich es haben! Praktischerweise bin ich mal mit der deutschen Bahn gefahren und praktischerweise hatte sieVerspätung, so dass ich jetzt stolze Besitzerin von „Armada“ bin. Das war das einzig Positive daran – dadurch fühle ich mich dem Titel noch mehr verbunden. Es hilft, wenn man eine gemeinsame Story hat…

Spaß beiseite: „Armada“ war wirklich das perfekte Buch auf dieser anstrengenden Zugfahrt. Ernest Cline hat mich ja schon bei Ready Player One total begeistert! Nachdem ich nun dieses Buch beendet hatte, hätte ich am liebsten RP1 noch mal gelesen. Ihr seht also schon jetzt: Ich mag das Buch. Ja, ich mag es, aber ob ich es auch liebe? Trotz unserer gemeinsamen Geschichte habe ich keine rosarote Brille auf. Nein. Aber warum es nicht die ganz große Liebe ist, dazu komme ich später. Fangen wir lieber erstmal mit Zack an, Zack Lightman, Gamer, Schüler, Zack Attack genannt und Mitglied der Top Ten im Computerspiel Armada. Ganz ehrlich? Ich würde mich gut mit ihm verstehen. Ich mag Zack, er ist ein super Typ. Etwas aufbrausend, ja, aber er gibt sein Bestes. Und bei Armada ist er mit Leidenschaft bei der Sache – in dem Spiel schadet sein Leichtsinn auch nicht! Zack ist wirklich perfekt, um in „Armada“ einzusteigen. Man kann ihn einfach gut leiden. Er ist kein Superheld, er ist kein Loser, er ist halt einfach ein Gamer, der noch nicht so genau weiß, was er damit anfangen soll. Aber ist das bei vielen Hobbies, in denen man besonders gut ist, nicht immer so? Deshalb finde ich Zack einfach gut.

Die Story selbst braucht etwas lange, bis der Controller bereit ist und die Kanonen geladen sind. Und dann ist der Kampf leider auch schon wieder viel zu schnell vorbei. Erst lernen wir Zack richtig kennen, wo er arbeitet, wie es so in der Schule läuft, seine Mutter, seine besten Freunde, die Mikes. Ich mag Zack, aber nach einer Weile wurde ich etwas ungeduldig. Der Klappentext hatte mir Action versprochen, anfangs war es eher eine Teenager-Gamer-Studie. Aber dann war es so weit! Es ging richtig los, Zack wurde in die EDA einberufen – endlich hatte ich die gewünschte Action! Leider ging dann gegen Ende auch die Liebe zwischen „Armada“ und mir in die Brüche. Ich fing an, an dem Buch zu zweifeln und war einfach nicht mehr zufrieden in unserer Beziehung. Denn das Ende war so… kurz. Zu schnell. Zu moralisch. Zu gestellt. Zu künstlich. Zu plötzlich. Zu falsch. Zu lame. Wir hätten – trotz der langen ersten „Datingphase“ – glücklich werden können, bis das Ende kam.
Es hat mich einfach so unzufrieden hinterlassen. Das war einfach alles so gewollt. Ich könnte hier jetzt viele Details und Fragen schreiben, die ich „Armada“ stellen möchte, aber das wäre etwas zu sehr Spoileralarm! Gings noch jemandem so? Für mich war das Ende unglücklich gewählt, gerade im Vergleich zu der langen Anlaufzeit wirkte es zu gequetscht und irgendwie so, als würde drei Mal die Hälfte fehlen. Da hatte Ernest Cline eine grandiose Idee, aber die wirkt für mich nicht zu Ende gedacht. Schade eigentlich. Aber ich sag euch was: Ich mag das Buch trotzdem. Ist halt nicht die große Liebe.

Doch allein die vielen Nerd-Hints auf Filme und Games waren so toll – und im Gegensatz zu dem Ende auch total durchdacht! Allein dafür lohnt es sich schon, den Roman zu lesen. Quietsch. Das hatte total den Wow-Faktor. Und wenn man dann noch Zacks „Soundtrack“ folgt, das gibt einfach die richtige Stimmung!

Noch eine kleine Anmerkung: Wenn ihr euch vielleicht gerade so denkt, na ja, die redet immer nur von Zack, das wird ja wohl nicht der einzige Charakter im Buch gewesen sein… Nee. Natürlich nicht! Nur wäre jeder weitere Charakter schon fast zu spoilerartig. Aber ich mag die Charaktere. Einige hätten vielleicht etwas mehr Tiefe kriegen können, aber nach dem langen Vorspann blieb da einfach nicht die Zeit. Das Buch birgt echt ein unglaubliches Potenzial, verzettelt sich aber ein bisschen. Dadurch bleibt weniger Spielraum (ha! Gamer und so… okay, der war lahm, ich gibs ja zu!) für die Figuren. Aber schon das, was hier angeschnitten wurde, spricht echt sehr dafür, wie sehr Ernest Cline das durchdacht hatte. Wenn nur die Seitenanzahl dafür gereicht hätte.

 



Kurzum: Super Idee, super Hints, super recherchiert, super Autor, super Protagonist. Das Ende war dann eher meh. Die moralische Keule war etwas zu stark, alles ging zu schnell und war für mich nicht so gut wie der Rest des Buches.

 

 

 



Ernest Clines erster Roman Ready Player One wurde sofort zum Bestseller und hat mittlerweile schon den Status eines Klassiker. Eigentlich ist er jedoch auch Drehbuchautor aus Austin, Texas. Und er freut sich darüber, dass Steven Spielberg seinen Erstling verfilmen wird.

Zack Lightman – seines Zeichens: Nerd und Geek. Nichts mag er mehr als den Virtual-Reality-Shooter Armada. Doch das dieses Spiel mal zu seiner Wirklichkeit wird, davon hätte er nicht zu träumen gewagt. Dann passiert jedoch genau das: ein Alien-Raumschiff taucht auf und Zack wird rekrutiert. Erst Aliens, dann eine Operationsbasis auf dem Mond und ein Kampf, der das Schicksal der Erde entscheiden wird. Das ist nun Zacks Realität.

 

Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

Es gibt eine Stille des Herbstes bis in die Farben hinein [Cosplay]

Der Herbst ist da! Das ging schnell, oder? Gerade erstmal war Sommer und jetzt schon Herbst. Aber gut, Herbst ist wirklich nur auf meiner Schneiderpuppe, denn: Das Kostüm ist – Trommelwirbel bitte – fertig. Gut, dass praktisch noch vier Monate bis zur Convention sind. Das ist mir noch NIE passiert. NIE! NIIIIIIIIE! Tja. Obwohl, eine Sache ist noch nicht fertig. Mein wunderbarer Korb. Der ist aber gekauft und wird spontan dekoriert, denn durch ihn brauch ich ja immerhin auch keine Handtasche. Also – Überraschungskorb! Ihr werdet ihn im September aber definitiv auf Instagram und Twitter und Facebook bewundern können (ja, bewundern…)

Vor ein paar Wochen sah das Ganze noch eher unherbstlich aus, jetzt aber strahlt es genauso wie ein schöner Herbsttag~ Finde ich zumindest! Der Herbst besteht für mich nicht nur aus bunten Laub, sondern auch aus Getreide, Äpfeln, Trauben und Birnen, Sonnenblumen und so viel mehr. Der Herbst ist bunt und vielfältig und wunderschön mit seinen Farben! Das wollte ich auch auf meinem Kostüm umsetzen. Ich habe einige gesehen, die nur Blätter hatten, aber das ist nur eine Seite dieser wundervollen Jahreszeit.
Den Rock kennt ihr ja schon. Da hat sich auch nicht viel verändert. Also, auf den neuen Sachen/Dingen/Gegenständen und zum Grund meiner Freude.

Einmal nach dem Nähen

Ui!Beklebt!

Punkt 1: Das braune Oberteildingens.
Nur dass es jetzt in erster Linie… nicht mehr braun ist. Meine philosophische Ader wollte hier den Effekt eines dunklen Baumstamms mit jeder Menge Herbst erzielen. Also: brauner Untergrund und dann fröhliches Kleben. Meine Heißklebepistole und ich haben zwei traumhafte Nachmittage miteinander verbracht! Wir mussten es aufteilen, weil sie irgendwann so heiß wurde, dass sie Löcher in meine Materialien gebrannt hat. Ups. Jetzt ist es aber fertig und ich finde es so toll. Ich bin ganz verliebt!
Ich freu mich schon darauf, das zu tragen! Knihihihihihihihi! (Das war ungefähr das Ausmaß meiner Begeisterung – ich quietsche!)

Punkt 2: Headpiece!
Das Grundgerüst sah so aus:

Ich heirate doch nicht!
Schon besser! Es herbstet auf dem Kopf

Weiß. Unspektakulär. Irgendwie langweilig. Unherbstlich. Aaaalso hab ich geschnitten. Und geschnitten. Und geschnitten. Dann hab ich geklebt. Und geklebt. Und geklebt. Dann hab ich gequietscht, weils mir echt gut gefällt. Mir gefällt irgendwie sehr viel an diesem Kostüm, merke ich gerade. Aber egal, so soll es ja sein! Spaß und Freude sind für mich die wichtigsten Faktoren beim Cosplay, aber auch beim Bloggen. Deshalb gibt’s manchmal hier auch Pausen, denn zwingen mag ich mich nicht.
Oh oh! Kleiner Exkurs in philosophische Blogosphären 😉 Aber zurück zum Headpiece. Das ist… fertig. Ich freu mich schon, es zu tragen. Das Beste ist ja: KEINE PERÜCKE! Ich feiere das so sehr. Endlich mal ein Con-Tag ohne Kopfschmerzen und eingeengtem Kopf. Wenn man halt auch so einen Dickschädel hat wie ich. Ich oller Dickkopf! Mein Kopf ist also fertig. Yay!

Schnell, praktisch, gut.

Punkt 3: Das war gar nicht geplant, aber mein Hals sah so leer aus und es gab eine herbstliche Lücke zwischen meinem Kopf und dem Rest meines Körpers. Also, was macht frau in so einem Fall? Ein Halsband! Damit habe ich ja diverse Erfahrungen gemacht (Sailor Mars, Princess Mars, Lily, Meg…). Warum also nicht auch noch bei Herbst? Halsbänder kann ich jetzt echt gut. Kurz an die Maschine gesetzt, genäht, fast fertig. Und weil ein Halsband ohne Farbe ja auch echt langweilig gewesen wäre, habe ich noch ein bisschen mitbeklebt. Hurra! Fertig! Und ich bin von allem zusammen eigentlich schon ziemlich hin und weg.

Schuhe beklebe ich nicht. Da bleib ich pragmatisch. Die möchte ich gerne auch noch außerhalb des Cosplays anziehen. Also sind das einfach nur Schuhe in Herbstfarben. Reicht ja auch, oder? Und sie sind hübsch (auch wenn ihr sie noch nicht gesehen habt) – irgendwann folgt ein Bild in komplett (also im September), da seht ihr sie dann. Bis dahin könnt ihr auch nur erahnen, wie ich komplett aussehe. Ich sags mal so: Gut 😀 Das ist zumindest meine seeeehr große Hoffnung!

Oh wow. Herbst ist tatsächlich fertig. Und zum ersten Mal habe ich so viel Zeit, dass ich das mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachten kann. Ich bin froh, dass ich mal keinen Convention-Stress habe, das ist ein tolles Gefühl. Aber es hat mir auch einfach so viel Spaß gemacht und war eine so wunderbare Ablenkung in einer wirklich furchtbaren Zeit. Ich konnte mich kreativ austoben, ohne Vorlage und einfach treiben lassen. Es war einfach toll… Hach… man könnte weinen, ich sehe es nie wieder. Aber ich freue mich jetzt erstmal darauf, es zu tragen und ich weiß jetzt schon, ich werde Spaß darin haben!
Das bedeutet aber auch: Das nächste Mal seht ihr Herbst… im Herbst 😉

PS: Fällt eigentlich jemandem die literarischen Überschriften meiner letzten Herbst-Posts auf? Ich hab den Germanisten in mir herausgekitzelt. Dieses Kostüm lässt mich echt poetisch werden 😀 

Die Blütensammlerin – Petra Durst-Benning [Rezension]


Titel: Die Blütensammlerin
Autor:  Petra Durst-Benning
Verlag: Blanvalet
Erschienen: März 2017
ISBN: 978-3-7341-0012-3 

Preis: 9,99€
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Es hatte die ganze Nacht hindurch geschneit.



Ich fühle mich in Maierhofen zuhause. Ich mag Bücher, die das in mir hervorrufen. Wenn die erste Seite so ist wie nach Hause fahren, dann bin ich schon glücklich. Vielleicht trifft man auf den weiteren Seiten noch alte Bekannte – so ein Buch ist wie ein toller Plausch. Und das lese ich ab und an sehr gerne. „Die Blütensammlerin“ war ein sehr unterhaltsamer Plausch unter Freunden, aber auch neue Bekannte konnte man hier treffen. Ein bisschen Dorfklatsch war dabei, aber in erster Linie wollte man einer lieben Person einfach aus ihrem tiefen Unglück helfen.

Christine ist dieses Mal die Protagonistin des Buches: Bereits in „Die Kräuter der Provinz“ hat sie sich als Charakter langsam entwickelt, hier bekommt sie jetzt den eigenen Auftritt. Verdientermaßen, immerhin hat der erste Band dafür gesorgt, dass sie jetzt geschieden ist. Und was da früher alles hinter ihrem Rücken passiert ist… Da wird einem direkt klar: Christine ist eher naiv und geht vom Guten im Menschen aus. Das Ende vom Lied: Sie lebt allein in einem großen Haus, aus dem ihr Ex sie schmeißen will, wenn sie nicht zahlt. Blöde Ausgangssituation, oder? Aber das Schöne an einem Dorf ist: Man hält zusammen.

Das ist also die Ausgangssituation. Nicht wirklich toll. Aber Maierhofen wäre nicht Maierhofen, wenn sie eine solche Situation nicht zum Besten umwandeln würden! Also steht bald ein Plan und Christine baut sich ihr eigenes Leben auf. Es dauert ein bisschen, bis alles läuft und vor allem dauert es recht lange, bis die angekündigte Single-Kochgruppe für den Wettbewerb in Maierhofen steht und anwesend ist. Bis dahin hat man nur die Sicht von Christine, dann wechselt die Perspektive immer mal wieder. Acht Singles kommen in Maierhofen zusammen und jeder hat seine eigenen Probleme. Burnout ist nur eines davon. Dieser bunt zusammengewürfelte Trupp hat seine positiven, aber auch seine verdammt negativen Seiten. Zu viel verrate ich euch nicht, denn vieles an dieser Geschichte entsteht durch die Interaktionen untereinander. Und eines noch: Am Ende gibt’s auch eine dicke fette Überraschung! Ich hab vor Freude innerlich gequiekt, weil ich diese Wendung so genial finde. Pärchen finden sich natürlich auch, aber darauf liegt nicht einmal das Hauptaugenmerk. Zumindest für mich nicht. Es ist sehr viel Freud und Leid in dieser Story. Und noch viel mehr lecker Essen! Ganz Maierhofen entsprechend wird gekocht und geschlemmt. Hach… wenn ich daran denke… leckerschmecker! Das Buch schreit förmlich Sommer, entspannte Abende mit leckerem Essen und Freunden! Es ist Erholung pur, macht Spaß und man liest es zügig durch. Ich habe es zwischendurch nur widerwillig aus der Hand gelegt. Aber an einem Tag war es dann durch.

Manche Bücher sind einfach dazu gemacht, die Seele baumeln zu lassen, hier ist das zumindest der Fall. Man trifft wunderbare Personen (und auch ein paar nicht so wunderbare), kann miterleben, wie sich das ein oder andere Paar findet, begleitet die Charaktere auf ihrem Weg, kocht mit ihnen, wandert mit ihnen und kann dieses Buch einfach nur genießen. Da kann ich über den langen Einstieg hinwegsehen, auch darüber dass nicht jeder Charakter die gleiche Tiefe haben kann und dass zumindest eins der Pärchen echt vorhersehbar war. Es hat mir einfach Spaß gemacht. Das macht ein gutes Buch für mich aus. Und ich habe Lust, wieder nach Maierhofen zurückzukehren, denn noch hat das Dorf nicht all seine Geschichten erzählt, da bin ich mir sicher.



Lasst eure Seele baumeln, besucht Maierhofen – gerade bei dem trüben Wetter die letzten Tage ist „Die Blütensammlerin“ dafür wunderbar geeignet.



Petra Durst-Benning ist vielen ein Begriff, insbesondere Fans von historischen und auch zeitgenössischen Romanen. Fast jedes Buch der gebürtigen Baden-Württembergerin wurde zum Spiegel-Bestseller und auch international hat sie es geschafft. Obwohl sie mittlerweile auch in Amerika eine gefeierte Bestsellerautorin ist, lebt Petra Durst-Benning immer noch in der Heimat: Gemeinsam mit ihrem Mann und ihren zwei Hunden genießt sie südlich von Stuttgart das Landleben, wenn auch nicht in Maierhofen.

 

Christine wurde von ihrem Mann nicht nur verlassen, sondern wird jetzt auch gedemütigt: Sie, die Hausfrau Ende vierzig ohne Job und Ausbildung, soll das Haus schnellstmöglich verlassen oder ihren ungeliebten Exmann auszahlen. Aber Maierhofen wäre nicht Maierhofen, wenn das Dorf nicht auch in dieser Situation zusammenhalten würde. Christine verwandelt mit ihren Freundinnen ihr Haus in ein Bed&Breakfast. Außerdem ist da noch der große Kochwettbewerb – wie wäre es mit einem Team voller Single, die zusammen daran teilnehmen? So könnte jeder Topf seinen Deckel finden…


Mein Dank geht an Blanvalet für das Rezensionsexemplar.

Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt