Greg Bear – Stadt am Ende der Zeit

Klappentext

Eine phantastische Reise ans Ende aller Zeiten.
Die Stadt am Ende der Zeit ist nur ein Traum – es gibt sie wirklich: Eine Stadt, deren Technologie so weit fortgeschritten ist, dass man sie von Magie kaum mehr unterscheiden kann. Eine Stadt, in die sich die letzten Lebewesen eines sterbenden Universums geflüchtet haben. Eine Stadt, die nun Kontakt mit der Gegenwart aufnimmt – um zu retten, was wir als „Mensch“ bezeichnen…

Zum Autor

 Greg Bear wurde 1951 in San Diego geboren und studierte dort englische Literatur. Seit 1975 als freier Schriftsteller tätig, gilt er heute als einer der ideenreichsten wissenschaftlich orentieren Autoren der Gegenwart. Etliche Begegnungen seiner Romane wurden zu internationalen Bestsellern, so auch Das Darwin-Virus, Die Darwin-Kinder, Blutmusik sowie Das Schiff.

Pressestimmen zu Greg Bear und Stadt am Ende der Zeit

Publishers Weekly: „Ein Autor der Superlative! Greg Bear ist wahrscheinlich der H.G. Wells unserer Zeit.“
Focus: „Greg Bears Bücher sind erschreckend glaubwürdig.“
Hannoversche Allgemeine: „Einmal in die Handlung eingetaucht, werden Sie Greg Bear nie wieder freiwillig aus der Hand legen.“
New York Weekly: „Sensationell und wissenschaftlich fundiert zugleich!“

Cover

Ich persönlich finde, das Cover ist ein Traum. Für mich war es der eine Grund, das Buch zu kaufen. Der Text auf der Rückseite klang ansprechend, interessant, aber das Cover finde ich einfach nur schön. Es wirkt magisch, ätherisch und nicht von dieser Welt. Die Farben wirken ja eher kühl, dennoch funkeln sie in dem weißen Licht. Besonders ist mir die Katze aufgefallen, die auf dem zestörten oder eher einverleibten Auto sitzt und in das strahlende Licht blickt.

Kurz zum Buch

Mein Buch ist die Roman-Ausgabe, die für 9,90 € im Handel oder auf Amazon zu finden ist. Insgesamt hat das Buch 895 Seiten, ab Seite 881 findet man ein Glossar für Worte wie Astyanax oder Typhon. Weiterhin findet man auf den Seiten 863 bis 881 einen wissenschaftlichen Anhang.
Das Buch besteht aus mehreren Teilen: Eröffnet wird es mit einem Prolog. Danach folgen 127 Kapitel, die wiederum in drei Teile aufgeteilt wurden: 1. Schicksalswandler, 2. Gebrochener Logos und 3. Terminus und Typhon. Den Abschluss des Buches bildet dann ein Kapitel, das als Zwischenstück bezeichnet wird.
Sehr praktisch ist die Unterteilung bei den Kapiteln, durch den man Gegenwart von der Stadt am Ende der Zeit unterscheiden kann. Die Kapitel, die in unserer Zeit spielen sind mit zehn Nullen übertitelt, die bei den Kalpa mit vierzehn Nullen. Zusätzlich findet man über jedem Kapitel eine Ortsangabe, wo man sich nun befindet.
Ein allwissender Erzähler begleitet den Leser bei seiner Reise durch die verschiedenen Zeite, Städte und auch Menschen. Dementsprechend wurde das Buch auch in der dritten Person verfasst.

Meine Meinung

Ich bin wirklich zwiegespalten. Und das Buch gibt auch Anlass dazu.
Zuerst einmal wird einem eine große Anzahl an Personen vorgesetzt. Auf der Protagonisten-Seite wären da beispielsweise Ginny, Jack, Daniel, Jebrassy, Tiabda, die vier Hexen, Ghentum usw. Bei den Gegenspielern lernen wir u.a. Whitlow, Max Glaucous, den Nachtfalter kennen. Und dann gibt es noch die bleiche Herrin, Ishanaxade und Sangmer, den Pilger, Mnemosyne, Polybiblios, den Bibliothekar und viele mehr. Der gesamte Roman hat einfach ein unglaublich großes Personal, das man doch den Überblick verlieren kann. Ich jedenfalls hatte lange Zeit keinen rechten Überblick.

Dazu kommt etwas, das sowohl genial als auch schwierig für den Leser ist. Bear entwickelt hier eine unglaubliche Welt, eine unglaubliche Zukunftsvision mit Dingen, die der Mensch heute sich nicht einmal vorstellen kann. Er entwickelt Völker, Welten und Götter und dabei passiert das Gleiche, wie bei dem großen Personal: Man verliert den Überblick. Mit den neuen Worten wird der Leser überhäuft und ich bin sicher, dass man selbst beim wiederholten Durchlesen immer noch Dinge findet, die sich einem nicht gleich erschließen:

Bosonische Aschuren waren von ihrem Eroberungszug durch Lichtjahre dunkler Materie zurückgekehrt und hatten sich über alle anderen erheben wollen, waren jedoch von den mesonischen Kanjuren unterworfen worden, die ihrerseits den aus Quarkintegralen zusammengesetzten Devas unterlegen waren. Später hatten die Devas sich gezwungen gesehen, das Feld den Noetikern zu überlassen. Noetische Masse war ihm strengen Sinn gar keine Materie – eher ein Bindemittel zwischen Raum, Schicksal und zwei von sieben Aspekten der Zeit.
 S.340

Und durch diese Anzahl an Personen und Inhalt passiert soviel, dass stellenweise nichts passiert. Man lernt die vielen Personen kennen, wird durch Passagen, aus denen auch das obrige Zitat stammt, in die Welt eingeführt und irgendwie auch nicht. Und ich muss gestehen, bis weit zum Ende hin hatte ich keine Ahnung, was genau der Inhalt nun bezweckt. Die Welt, die Bears entwickelt, hat mich fasziniert, sein Schreibstil ist leicht, bildreich und es macht Spaß zu lesen, zumindest dann, wenn die Passagen nicht nur aus neu eingeführten Wörtern bestehen.
Nur der Inhalt, das Ziel, kam irgendwie zu kurz. Man weiß, dass da die Stadt am Ende der Zeit ist, vorne ist auch eine Zeichnung über ihren Aufbau zu finden, man lernt verschiedene Charaktere kennen, verschiedene Fähigkeiten. Doch was passiert eigentlich? Na ja, da ist die Kalkfürstin, die Integralläufer und Schicksalswandler fangen und töten lässt. Man hat eben diese Springer auf vertikaler Ebene. Einen scheinbar unsterblichen Buch-Hüter und seine Katzen. Dann gibt es noch Träumer, in beiden Zeitlinien. Die Bücher von Ishanaxade und ihrem Pilger. Den Hüter Ghentum, der auf ein Gespräch mit dem Bibliothekar wartet. Eine Gruppe Kalpa, die die vom Chaos beherrschte Ebene durchqueren sollen, auf der Suche nach einer legendären Stadt. Chaos? Ja, genau. Das Chaos ist schließlich das, was passiert. Nicht nur im Text selbst, auch das Buch wird stellenweise schlicht und einfach chaotisch. Letzten Endes frage ich mich immer noch, was jetzt eigentlich passiert ist.

Fazit

Stadt am Ende der Zeit ist kein Buch für nebenbei, kein Buch, um es nur einmal zu lesen. Man muss sich konzentrieren, man muss dabei sein (und es hilft, eine Personen-Mind-Map zu erstellen, wenn man durcheinander kommt). Die Zusammenhänge erschließen sich erst spät, aber irgendwann passiert es dann doch. Aber trotz allem würde ich das Buch eher Liebhaber von Technik und technischen Dystopien empfehlen. Wer keine offenen Fragen mag, ist hier vielleicht eher fehl am Platz, denn bei so vielen Neuentwicklungen und Ideen kommt zweifellos immer etwas zu kurz.

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