[Rezension] Jessica&Diana Ittersheim – Schloss der Engel

Titel: Schloss der Engel
Autor: Jessica & Diana Ittersheim
Verlag: Aufbau Verlag
Kategorie: Jugendbuch
Genre: Fantasy
ISBN: 978-3-7466-2855-4
Preis Taschenbuch: 12,99 €
Link: Amazon
Leseprobe: Klick
Klappentext
Verliebt in einen Racheengel

Lynn wird von ihren Eltern auf ein Internat geschickt und verirrt sich in eine
Schule für angehende Schutzengel. Hier begegnet sie Christopher, einem
Racheengel. Nach anfänglichen Reibereien verliebt sich die sechzehnjährige
Internatsschülerin in den zunächst anmaßenden und allzu selbstgefälligen Mister
Perfect, der ihr die kalte Schulter zeigt. Doch Lynns Erscheinen in
Christophers Welt weckt nicht nur sein, sondern auch das Interesse der anderen,
der gefährlichen Seite des Universums der Engel.
Zwei mächtige Wesen, die Totenwächterin und ein dunkler Wächterengel,
verstricken sie bei ihrem diabolischen Kampf um Einfluss und Macht in ihr
unheilbringendes Spiel. Und Christophers Entscheidung, Lynn vor beiden zu
schützen, verlangt mehr von ihm, als er bereit ist zu geben.

Ebenso spannend wie poetisch – die Geschichte eines jungen Mädchens und ihrer
überirdischen Liebe.

Autorinnen
Jessica Itterheim, Jahrgang 1995, und ihre Mutter Diana
haben sich gemeinsam diesem Romanprojekt verschrieben. Nach einem mehrjährigen
Aufenthalt in Portugal leben sie nun wieder in Deutschland. Jessica besuchte
ein Internat in Torgelow am See und studiert derzeit Medienwirtschaft an der
HdM in Stuttgart.
Der zweite Band „Tanz der Engel“ erscheint im Februar
2013, der dritte Band „Fluch der Engel“ ist bereits in Vorbereitung.
Mehr erfahret ihr unter www.itterheim.com
Cover
Umgeben wird das Cover von dunklem Geäst, das aus einem
schwarzen Rahmen herauskommt. Dieser hebt die junge Frau in ihrem roten Kleid
hervor. Da das Cover vornehmlich von Grautönen dominiert wird, sticht das Rot
des traumhaft schönen Abendkleides noch mehr hervor – es hat übrigens genau den
Ton des atb-Zeichens.
Es wurde eine Kulisse gewählt, die auch so im Roman
selbst der See, der ja eine große Rolle spielt, sein könnte.
Die Schrift des Titels ist verspielt, leicht
verschnörkelt und passt gut.
Zitate
Majestätisch erhob
sich das weiße Schloss gegen den dunklen Nachthimmel. Schmale Türmchen mit
schneebepuderten Hauben, hervorspringende Erker, zusammengesetzt aus filigranen
Sprossenfenstern, und Gauben, die das Mansardendach, ebenso zahlreich
durchlöcherten wie die Schornsteine, wetteiferten um Aufmerksamkeit mit
kunstvoll gearbeiteten Wasserspeiern, stuckverzierten Giebel und dem von Säulen
getragenen Bogengang, der die steinerne Eingangstreppe flankierte. Zu allem
Überfluss lag hinter dem Schloss ein von einer dünnen Eisschicht überzogener
See: ein Wintertraum – Märchenschloss inklusive!
S.12-13
Ein himmlisches
Wesen und ich?! Niemals! Nicht in tausend Millionen von Jahren.
S. 95
Überblick
Das mir vorliegende Taschenbuch ist vom Format her etwas
höher als die „handelsüblichen“ Taschenbücher. Das Buch umfasst – mit zweiseitiger
Vorschau und Danksagung – 430 Seiten; 427 Seiten davon befassen sich mit der
eigentlichen Geschichte. Diese besteht aus einem Prolog und 29 Kapitel, von
denen jedes mit einer eigenen Überschrift betitelt ist. Noch vor dem Prolog
findet sich ein kleiner Spruch, der auch im Laufe des Buches eine kleine Rolle
spielt:
Erkannt
berührt
geküsst
begehrt
unendliche Liebe
für immer verloren
auf ewig getrennt
Das gesamte Buch ist aus Lynn’s Perspektive erzählt, so
dass hier nur ihre Gefühle zum Ausdruck kommen.
Ich möchte hier jedoch noch sagen, dass ich die
Verarbeitung des Buches nicht herausragend finde: Leider bin ich mir nicht
sicher, ob es mehrmaligem Lesen oder Mitnehmen in der Handtasche lange
widersteht.
Meine Meinung
Okay. Es ist… ich fange anders an: Lynn alias Linde ist
einfach eine furchtbar unsympathische Person. Sie ist unselbständig,
egoistisch, eifersüchtig, naiv, stellenweise nicht mal mehr das, sondern dumm.
Dauernd gerät sie in Gefahr und schafft es nicht ein einziges Mal, sich selbst
zu befreien. Somit ist sie immer auf einen Beschützer angewiesen. Christopher
hingegen ist perfekt. Zumindest in ihren Augen:
Helle, gewellte
Locken, scharfgeschnittene Gesichtszüge und gefährlich sanft geschwungene
Lippen. Er stand neben dem Pavillon und starrte gedankenverloren auf den See.
Selbst als der eisige Wind durch sein weißes Hemd fuhr, so dass sein Körper
sich darunter abzeichnete, rührte er sich nicht.
Mir hingegen
stockte der Atem: perfekt!
Aber über Christophers Gefühle und Gedanken kriegt der
Leser durch die Ich-Perspektive keinerlei Einblick. Auch seine Motive bleiben
unbekannt.
Dazu kommt die Liebe zwischen den beiden. Bis auf die
Tatsache, dass Lynn seinen Körper perfekt findet, ist da nichts! Wo ist die
Chemie? Das Flirten? Das Knistern? Und warum hat sich der Racheengel jetzt
ausgerechnet in diese quengelnde, naive, selbstmordgefährdete junge Frau
verliebt? Und plötzlich war es Liebe… es fehlt hier einfach der Hintergrund,
die Gedanken, das Verlieben!
Zu den restlichen Charakteren: Es sind viele interessante
Ansätze, Aron, Coelestin, Susan. Aber sie bleiben einfach flach und
unbeschrieben. Ich finde es zwar gut, wenn dem Leser Freiraum gegeben wird,
doch es gibt zu viel Freiraum. Die Engel sind – bis auf Aron und da weiß man
eben auch nur, was Lynn zu ihm denkt, seine wahren Motive bleiben unklar –
perfekt und lieb und nett. Die Schüler aus dem menschlichen Internat sind
hingegen oft… flach. Mir fällt kein anderes Wort ein. Man erinnert sich nicht
an sie, sie sind austauschbar.
Trotz all diesen negativen Charakterpunkten habe ich das
Buch recht schnell durchgehabt. Das liegt nicht am Schreibstil, dieser war mir
stellenweise zu viel (z.B. das wunderbare Zitat, welches das Schloss
beschreibt). Ich mag Beschreibungen, aber es gibt auch zu viel Beschreibung.
Letztendlich liegt es am Inhalt: Zwei Antagonisten haben
es gleich auf Lynns Seele abgesehen, bei einem nachvollziehbar, beim anderen…
zum Teil nachvollziehbar. Und dieser Erzählstrang ist es, der mich dazu bewogen
hat, dass Buch durchzulesen. Ich finde es faszinierend, dass mich ein Buch
trotz so schlecht ausgearbeiteter Charaktere zumindest teilweise in seinen Bann
gezogen hat.
Fazit
Wir haben hier eine Geschichte, in der Teenie-Träume
verwirklicht werden: Der einzigartige, tolle, fantastische, geheimnisvolle,
supersexy Engel verliebt sich ohne jeden ersichtlichen Grund in die
Hauptdarstellerin, die auch noch in der Ich-Perspektive schreibt.
An und für sich hat die Geschichte Potential und ich bin
gespannt, ob dieses im zweiten Band nun endlich vollkommen ausgenutzt wird oder
wieder verkümmert. Es wäre aber auch an der Zeit, dass Lynn mal eine
Entwicklung macht und nicht auf der Stelle tritt.

Weitere Posts zum Thema

One thought on “[Rezension] Jessica&Diana Ittersheim – Schloss der Engel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.