[Rezension] James Kimmel – Was danach geschah

Titel: Was danach geschah
Autor: James Kimmel
Verlag: Ullstein

Kategorie: Gegenwartsliteratur
Genre: Roman
ISBN: 978-3548284835
Preis Taschenbuch: 9,99 €
Link: Amzon

Leseprobe: Klick
Klappentext
Als die Anwältin
Brek Cuttler an einem verlassenen Bahnhof aufwacht, weiß sie nicht, was
passiert ist. Ihre kleine Tochter ist weg, und weit und breit sieht sie keinen
Menschen. Brek ist tot. Im Jenseits muss sie nun andere Verstorbene vor dem
Jüngsten Gericht verteidigen. Ihre Mandanten haben alle große Schuld auf sich
geladen. Und dennoch hat ihr Handeln auch Gutes hervorgebracht. Brek lernt ihre
größte Lektion, und sie muss erkennen, dass Gott den schmalen Grat zwischen Gut
und Böse immer im Blick hat.
Autor
James Kimmel ist
Anwalt und beschäftigt sich insbesondere mit der Verbindung zwischen Gesetz und
Spiritualität. Außerdem hilft er psychisch Kranken und Drogenabhängigen im
Umgang mit dem Strafjustizsystem. Er lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in
Pennsylvania.
Cover
Das
Cover ist in dunklen Blau- und Grüntönen gehalten. Man sieht eine Frau auf der
Brücke, die so aussieht, als würde sie jeden Moment springen – die Halterung
der Brücke wirkt hierbei wie ein Rahmen. Vielleicht könnte man auch denken,
dass diese Brücke die Tür zu einer anderen Welt ist. Das gesamte Bild wirkt
etwas diesig, verschwommen, trüb, was den Eindruck von einer anderen Welt für
mich noch verstärkt. Es sieht so aus, als hätte ein leichter Dunstfilm das Bild
überzogen, als wäre die Frau schon in einer anderen Sphäre.
Wer
jedoch nun denkt, er hätte hier die Protagonistin vor sich, das ist eine
Fehleinschätzung: Brek hat nämlich als Kind den rechten Arm verloren, die junge
Frau, die hier zu sehen ist, nicht.
Das
zählt nicht richtig zum Cover, ist aber für mich definitiv hier eine Erwähnung
wert. Als ich das Buch in den Händen hielt, war ich begeistert, denn: Die junge
Frau ist hier noch einmal auf den Seiten eingeprägt. Zusätzlich sieht man noch
unten einige Vögel, die davon fliegen.
Hier
noch ein paar Bilder dazu:
Zitate
„Ich habe eben
erst erfahren, dass das, was ist, dem entspricht, was ich als kleines Kind
wusste und als Erwachsene zweimal im Zwielicht erhaschen konnte. Das, was ist,
habe ich aus dem erwählt, was nicht ist. Und ich werde immer sein.“
Prolog
„Der mondlose
Himmel schillerte wie dunkelviolettes Bleiglas.“
S.19
Überblick
Das
Taschenbuch hat insgesamt 445 Seiten. Es ist aufgegliedert in vier Teile sowie
einen einseitigen Prolog. Insgesamt besitzt es 43 Kapitel und am Ende findet
man eine Danksagung des Autors.
Bevor
der Prolog die richtige Geschichte beginnen lässt, findet man noch einige
Zitate, darunter eines aus Dantes „Die Hölle“.
Meine Meinung
Die
Idee, ein Buch zu schreiben/lesen, in dem es vornehmlich um das Leben nach dem
Tod geht, hat mich schon immer fasziniert. Ich lese so Geschichten auch
unglaublich gern, weil mich die Vielfalt, die hinter einer Grundidee steckt,
einfach anzieht und immer wieder erstaunt. Hier haben wir ein Buch, das dies auf
einer sehr trockenen Ebene – zumindest stellenweise – darstellt. Einer
religiösen Diskussion oder auch einem Monolog dazu lausche ich gerne. Ich
glaube nicht an eine Religion direkt, aber ich mag es, die Unterschiede zu
betrachten und auch mal einfach nur bei Argumenten, warum etwas glauben sollte,
zuzuhören. Doch Herr Kimmel ist die Sache stellenweise für mich zu trocken
angegangen. Die Monologe erstrecken sich stellenweise über einige Seiten und
ich gebe offen zu, ich bin abgeschweift. Ich möchte mal einen Satz aus einem
dieser Monologe zitieren:
„Es muss eine
dritte Dimension geben, die der Kugel Volumen und den Dimensionen Zeit und Raum
eine Bedeutung verleiht. Der Nullmeridian, von dem ich sprach und der den
gegenwärtigen Moment darstellt, verläuft nicht nur über der Oberfläche.“
S.
289
Wenn
man davon absieht, finde ich die Grundgeschichte wirklich fantastisch. Auch die
Idee, dass Schemaja ein Gericht ist, in dem die verstorbenen Seelen von
Präsentatoren vorgestellt werden, ist einfach fantastisch. Und auch wenn man
denkt, man weiß, wie Brek gestorben ist und was ihr passiert ist, gibt es immer
wieder Überraschungen, die mich zumindest überrascht haben. Die Charaktere sind
liebevoll gestaltet, die Bezüge unter einander, die sich mit der Zeit ergeben,
sind wirklich überraschend ausgeklügelt und bedacht. Hier hat ein Autor mit
Liebe zum Detail in zwischenmenschlichen Verhältnissen gearbeitet.
Fazit
Wer
stellenweise doch sehr lang geratene Monologe akzeptieren kann, der sollte sich
die fantastische Verhältniskonstruktion und die Geschichte an sich nicht auf
der Seite liegen lassen. Für mich – trotz trockenere Längen, die ich
stellenweise nur überflogen habe – ein gutes Buch mit überraschenden Wendungen.

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