[Rezension] Liv Winterberg – Sehet die Sünder

Titel: Sehet die Sünder
Autor: Liv Winterberg
Verlag: DTV-Verlagpremium
Kategorie: Historischer Roman
Genre: Kriminalroman
ISBN: 978-3423249409
Preis Taschenbuch: 14,90 €
Link: Amazon
Klappentext
Gottesstrafe oder Teufelswerk?
Bretagne, 1440. Grauenvolle Dinge
gehen vor in dem kleinen Dorf Saint Mourelles. Menschen verschwinden und werden
ermordet im Wald aufgefunden. Misstrauen schleicht sich in die einst so
harmlose Dorfgemeinschaft: Lebt ein Wahnsinniger unter ihnen, oder ist es eine
Heimsuchung des Teufels? Catheline, Haushälterin beim Pfarrer, und der junge
Bauer Mathis beschließen, den entsetzlichen Vorfällen auf den Grund zu gehen.
Die Spuren führen zum naheliegenden Schloss…
Beim Schlossherren, Amédé de
Troyenne, finden die beiden Unterstützung, obwohl den Baron eigene Sorgen
drücken: Ehefrau Bérénice meidet immer häufiger seine Gesellschaft, und in den
Schlosskassen herrscht seit geraumer Zeit gähnende Leere. Was weder der Baron
noch die Dorfbewohner ahnen: Auch der Bischof von Nantes hat – nicht ganz uneigennützig
– eine geheime Untersuchung der Vorfälle angeordnet.
Autor
Liv Winterberg, 1971 in Berlin
geboren, studierte Germanistik, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft. Die
Autorin lebt mit ihrer Familie in Berlin. Ihr Debütroman „Vom anderen Ende der
Welt“ wurde auf Anhieb ein Bestseller und ist bereits ins Niederländische
übersetzt.
Cover
Auf dem Cover erkennt man eine
Kathedrale oder ein großes Kirchenschiff, das jedoch durch einen gelben
Schleier überdeckt wird und mir persönlich erst auf den dritten Blick aufgefallen
ist. Trotzdem ist diese Kirche mit den hohen geschwungenen Bögen ein Traum.
Umgeben wird das Ganze von Blütenranken in verwaschenem Grün und Rot, passend
zu dem roten, eingeprägten Titel-Schriftzug, der unter einer Königslilie steht.
Zitate
„Wann hatte es so was gegeben? Suppe für alle! Genau das machte ihn aus,
den Baron. Ein gutes, großes Herz, aber keine Vorstellung davon, was er ihnen
damit zusätzlich an Arbeit bescherte.“
S.24/25
„Sollte dies eine Nachtmahr sein, war sie direkt aus der Hölle gesandt.
Sollte dies keine Nachtmahr sein, war die Hölle auf Erden gekommen…“
S.91
„Sehet euch um. Sehet die Sünder, die ihr selbst seid, kleine und große
Sünder, die darauf hoffen, trotz allem Gottes Gnade zu erfahren“
S.126
Überblick
Das Buch, das vor mir liegt, ist ein
Taschenbuch mit größerem Format, als die üblichen Taschenbücher. Die Geschichte
an sich umfasst 415 Seiten, jedoch gibt es noch zahlreiches Zusatzmaterial. So
findet man am Anfang unter anderem Personenübersicht, welche die zahlreiche
Anzahl an Charakteren übersichtlicher gestaltet. Am Ende des Romans findet man
einen Anhang, der den geschichtlichen Hintergrund, den geschichtlichen
Hintergrund des Prozesses, ein Glossar sowie die Danksagung der Autorin
beinhaltet.
Das Buch ist in zwei Jahreszeiten
aufgegliedert. Der Titel des ersten Teiles lautet: Bretagne, Winter 1440. Der
zweite Teil behandelt den Frühling 1440. Dazwischen gibt es keine nennbaren
Kapitelnamen oder Kapitelzahlen. Stattdessen wird hier zwischen den
Schauplätzen, an denen der Roman spielt, gewechselt und die einzelnen
Abschnitte werden auch so übertitelt.
Meine Meinung
Wir haben hier drei
Gesellschaftsklassen, aus denen die unterschiedlichen Charaktere stammen: Die
Bauernschicht wird von Catheline und Mathis vertreten. Die beiden verbindet am
Anfang eine leichte Liebesbeziehung, sie sind auch verlobt, doch Mathis löst
die Verbindung erst offiziell auf und begeht dann auch noch einen Fehler, den
Catheline ihm nicht verzeihen kann und dessen Folgen große Auswirkung auf die
gesamte Geschichte haben. Auch die anderen Dorfcharaktere kommen nicht zu kurz,
jeder von ihnen erhält ein Gesicht und seinen eigenen Charakter und spielt
seine wichtige Rolle in der Geschichte. Die Adeligen sind Amédé, Bérénice und
ihrer Schwester Francine. Der Baron und seine Frau leben sich langsam
auseinander, er nennt sie nur noch „Mein Täubchen“ und sie selbst ist von
seiner Maßlosigkeit und eben dieser Tatsache, dass sie keinen Namen für ihn
mehr hat, stellenweise auch angewidert. Doch auch die Geldnot, die Amédé dazu
bringt, seine Ländereien zu veräußern treibt einen Keil in die Beziehung.
Francine trägt ihren Teil dazu: Als trauernde Witwe ständig in Schwarz
gekleidet, unterstützt sie ihren Schwager mit aller Macht und spioniert auch
ihre Schwester aus. Und dann gibt es noch die Kleriker: Der Bischof von Nantes
beispielsweise, Pfarrer Jeunet, der für Saint Mourelles zuständig ist, und
natürlich Julien Lacante. Julien ist Notar und Schreiber des Bischofs und
stellt das Bindeglied zwischen allen drei Klassen dar. Er wird von Bischof
Gregor du Clergue ausgeschickt, um über die Ländereien zu verhandeln, er ist
heimlich in Bérénice verliebt und er ist schließlich dafür zuständig, die
Ermittlungen bezüglich der Mordfälle voranzutreiben.
Ich könnte noch viel mehr über die Charaktere
schreiben, denn sie sind Liv Winterberg einfach nur hervorragend gelungen.
Jeder hat seine Eigenheiten, seine kleinen Macken und auch seine Geheimnisse.
Und diese sind so perfekt in die Geschichte integriert worden, dass man als
Leser die gesamte Geschichte in einem Rutsch durchlesen kann.
Ihr Schreibstil ist nicht sehr
kompliziert, sondern eher einfach und schlicht gehalten, ohne große Schnörkel
oder blumige Beschreibung. Und dennoch ist es ihr gelungen, auch gerade die
Unterschiede der Klassen in ihrer Sprache deutlich aufzuzeigen. So spricht Gabin,
der Tagelöhner, beispielsweise schon deutlich derber als  Mathis, der sich gut ausdrücken kann.
Der Prolog, die eine Seite, die der
Geschichte voraus gestellt ist, findet sich im Verlaufe des Buches auch wieder
und ist einfach wunderbar eingebaut worden. Ich finde, Frau Winterberg hat hier
eine sehr gute Wahl getroffen, um dem Leser einen kleinen Vorgeschmack zu geben,
um Spannung aufzubauen. Je weiter die Geschichte voran schreitet, umso mehr
fragt man sich, wer denn nun die Frau ist, die im Prolog gejagt wird.
Allgemein sind die Wendungen und
Geschehnisse in dem Roman stellenweise nicht voraussehbar und wirklich
überraschend. Autoren, die dies schaffen, haben meinen größten Respekt. Der Täter
wird zwar in der hinteren Mitte schon bekannt, dennoch schafft es Liv
Winterberg, die Spannung bis zum Schluss aufrecht zu erhalten. Und auch die
kleineren Geschichten, die sich um den roten Faden, den Hauptstrang herum
verbergen, sind in sich geschlossen und doch auch sinnvoll eingebaut, um das
Ganze voranzutreiben.
Fazit
Liv Winterberg ist hier ein
großartiges Buch gelungen. Die historischen Gegebenheiten sind hervorragend
erzählt, die Geschichte spannend bis zum Schluss mit unvorhersehbaren
Wendungen. Nicht nur das, ihre Charaktere sind keine 0815-Charaktere, sondern
haben alle ihren eigenen Charme, seien sie noch so unwichtig für die
Geschichte.
Ein Buch, das ich guten Gewissens
empfehlen kann.
Bewertung

 

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