[Rezension] Die verlorene Geschichte – Rebecca Martin

Titel: Die verlorene Geschichte
Autor: Rebecca Martin
Verlag: Diana-Verlag
Kategorie: Historischer Roman
Genre: Familiensaga
ISBN: 978-3453355804
Preis Taschenbuch: 9,99 €
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Klappentext
Ein altes Haus, eine geheime Liebe,
ein düsteres Geheimnis
Schon als Kind verspürte Lea das
brennende Bedürfnis, etwas über ihre Familie zu erfahren, doch ihre Mutter Rike
wollte nur wenig preisgeben. Als plötzlich Leas totgeglaubte Großmutter
auftaucht, lebt die Vergangenheit wieder auf. Claire hat ein altes Weingut bei
Bad Kreuznach erworben. Dort, so sagt sie, hat sie die glücklichste Zeit ihres
Lebens verbracht, bevor sie 1932 fluchtartig ihre Familie verließ und sich in
Australien ein neues Leben aufbaute. Warum Claire Deutschland den Rücken
kehrte, darüber schweigt sie auch heute noch.
Lea entdeckt mehr und mehr
Gemeinsamkeiten mit der Großmutter und sie hofft, dass Claire ihr die Wahrheit
erzählen wird, während sie ihr bei der Renovierung des Weinguts hilft. Auch das
„Haus der Schwestern“ birgt ein dunkles Geheimnis. Als Lea Briefe in die Hände
fallen, die mehr als einhundertfünfzig Jahre alt sind, erfährt sie endlich die
ganze Geschichte: Eine verbotene große Liebe und eine abgrundtiefe Schuld
bestimmen seit Generationen das Schicksal ihrer Familie.
Autor
Rebecca Martin studierte nach dem
Abitur Englisch und Deutsch in ihrer Heimatstadt Frankfurt am Main und in
Dublin, Irland. Ihre Leidenschaft gehört dem Reisen, fremden Kulturen, der
Geschichte und ihren Geschichten. Für sie liegt in der Vergangenheit auch immer
der Schlüssel zu unserer Gegenwart und Zukunft. Nach längeren Aufenthalten in
Irland und Frankreich lebt die Autorin heute mit ihrem Mann und ihrem Sohn in
einem kleinen Dorf im Nahetal.
Cover
Der erste Blick wird auf ein Fenster
gelenkt, durch das man auf den dahinter liegenden Weinberg blicken kann. Man
befindet sich im Treppenhaus eines alten Weingutes, des Weingutes, das Lea und
Claire im Buch renovieren. Dies erkennt man unter anderem an den im Buch immer
wieder erwähnten Schachbrettfliesen. Man sieht auch noch die alte gemusterte
Tapete ganz schwach durchschimmern, was mir persönlich sehr gut gefällt. Oben
wird der Abschluss durch Weinlaub gestaltet.
Wenn man die in weinrot gehaltenen
Innenklappen (mit ausführlicher Inhaltsangabe und Autoren-Information) öffnet,
erblickt man vorne einen wunderschönen Weinberg mit einem Gut im Hintergrund;
die hintere Klappe verbirgt einen alten Brief. Beides spiegelt einfach wunderbar
die Hauptmotive des Romans wieder.
Zitate
„Hier, dachte Claire, hat damals die Schaukel gehangen. Jauchzen.
Kirschmünder. Lachen. Glückliche Monate. Rike auf ihrem Schoß, in ihren Armen,
ein kleines schutzbedürftiges Baby, lachende Nachbarskinder, darunte eine Ilse,
an die sie sich besonders gut erinnerte, ein sehr ernsthaftes blondes Mädchen,
nur ein paar Jahre jünger als sie selbst.
S.63/64
„Das traurige Haus, so hatte man es genannt, das Haus der Schwestern.“
S.224
Überblick
Die Geschichte umfasst insgesamt 505
Seiten. Jedoch findet man als Anhang noch eine Danksagung der Autorin, ein
Interview mit ihr sowie einen Stammbaum, um die vielen verwobenen Verknüpfungen
zu verstehen. Ich würde jedoch empfehlen, den Stammbaum wirklich erst am
Schluss des Buches zu lesen, da sonst viel Lesefreude und Spannung genommen
würde.
Zum Aufbau des Buches: Wir haben
einen Prolog, der im Juli 1951 spielt. Des Weiteren gibt es zehn Teil sowie
einen Epilog. Jeder einzelne Teil spielt in einer anderen Epoche. Außerdem gibt
es dadurch keine durchgängige Zählung der einzelnen Kapitel – diese ist jedem
Teil für sich abgeschlossen. Insgesamt hat man dann 67 Kapitel. Durchbrochen
wird dies ab und zu auch durch Rückblicke einzelner Personen oder einen Brief,
die nicht in die Kapitelzählung miteinbezogen werden. Übrigens hat jeder Teil
seinen eigenen Titel: z.B. heißt der erste Teil Familienbande, der letzte Teil Ein
Anfang und ein Ende
. Oft sind die Teile auch nach den Hauptprotagonisten
benannt, der vierte Teil heißt daher beispielsweise Claire.
Meine Meinung
Lea ist schwanger und wird aus
diesem Grund von ihrem Lebensgefährten im Stich gelassen. Sie weiß nicht, an
wen sie sich wenden soll: Mit Rike, ihrer Mutter, versteht sie sich nicht so
gut, ihre beste Freundin Millie ist in Spanien unterwegs und ansonsten ist da
groß niemand. In dieser Zeit begegnet sie einem fremden Mann in einem orangenen
Käfer (ja, der muss extra erwähnt werden, weil wir ja auch einen kleinen
orangenen Schatz in der Garage stehen haben). Wichtiger allerdings ist Claire,
ihre eigentlich verstorbene Großmutter, die plötzlich vor ihrer Haustür steht –
die Vorwarnung war ein Prospekt von Claires australischem Guest House.
Claire wiederum hat schon seit
einigen Jahren Sehnsucht nach Deutschland und daher das Weingut ihrer Familie
gekauft, der Ort, an dem sie ihre glücklichste Zeit erlebt hat. Jedoch kamen
ihr der Tod ihres Ehemannes und ihrer Schwiegertochter dazwischen, so dass sie
erst jetzt ihre Pläne verwirklichen kann – allerhöchste Zeit, würde ich sagen,
denn Claire ist bereits 85.
Zuerst mal finde ich, dass Lea
Claire ein bisschen arg schnell akzeptiert. Wenn bei mir eine alte Dame vor der
Tür stehen würde und mir erzählen würde, sie wäre meine Großmutter, die ich nur
nicht kenne, wäre ich nicht so schnell dabei. Lea akzeptiert Claire praktisch
sofort. Und kann auch gleich mal ihren ganzen Jahresurlaub nehmen und bei der
Renovierung helfen. Sehr praktisch und sehr unwahrscheinlich.
Ich finde, Rebecca Martins
Geschichte hat unglaublich viel Potenzial. Es gibt immer wieder kleinere
Schwächen und vor allen Dingen auch immer wieder Kürzungen: Die Probleme
zwischen Claire und ihrer Tochter Rike. Claires Sohn John und seine Probleme
sowie seine Tochter Judy. Und dann wäre da auch noch die Liebesgeschichte
zwischen Lea und Tom, ich bin immer noch nicht sicher, wie sich das Ganze
entwickelt hat, es läuft einfach so nebenher. Gerade eben die Geschichten aus
der Gegenwart wirken etwas überstürzt stellenweise und nicht richtig
ausgearbeitet. Die Vergangenheit – beide Zeitstränge – sind dagegen liebevoller
ausgearbeitet und gestaltet. Da habe ich das Gefühl, dass der Autorin dieser
Teil mehr lag.
Dennoch, wie bereits gesagt, die
Geschichte hat Potential und ich hätte mich gefreut, wenn sie dieses noch mehr
ausgearbeitet hätte. Das Gesamtkonzept des Buches ist in sich stimmig und die
verschiedenen historischen Stränge wirken sich fantastisch aufeinander aus. Die
Verstrickungen bleiben bis zum Ende spannend und erst zum Schluss findet man
heraus, wer das Skelett ist, das im Prolog bei Ludwig gefunden wurde.
Stilistisch ist es wirklich schön
geschrieben, doch auch wenn es heißt, der Roman würde an beispielsweise Kate
Morton heranreichen, sehe ich das nicht ganz so. Kate Morton ist eine Meisterin
auf ihrem Gebiet und auch wenn Rebecca Martin wirklich eine tolle Geschichte
geschrieben hat, schafft sie es doch nicht an die Klasse einer Frau Morton
heran.
Fazit
Ich denke, Frau Martin hätte ihr
Potential noch mehr ausschöpfen können. Streckenweise ist der Roman wirklich
hervorragend gelungen, doch es gibt auch Schwächen. Manchmal mangelt es an
Erklärungen und Ausführungen, manchmal fehlt die Motivation für das Handeln.
Nichtsdestotrotz ein sehr gutes und kurzweiliges Buch, denn gerade die
historischen Teile sind interessant und in sich stimmig.
Bewertung

Vier Brillen, auch wenn es Schwachstellen gab 🙂

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