[Rezension] Die Yogaschwestern – Rain Mitchell

Titel: Die Yogaschwestern

Autor: Rain Mitchell

Erschienen bei: Goldmann
Kategorie: Frauenliteratur
ISBN: 978-3442475940
Preis Taschenbuch: 8,99€
Erschienen am: 19.03.2012

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Klappentext

Weiberabend im Yogastudio.
„Loslassen“ ist ein Yoga-Prinzip, das fünf Frauen im Edendale Yogastudio ganz besonders beschäftigt: Lee hat Eheprobleme, Katherine kämpft gegen ihr Vergangenheit, Stephanie steht ihn ihrer Karriere an einem toten Punkt, Tänzerin Graciela riskiert mit ihrem harten Training ihre Gesundheit, und Imani ist voller Trauer um ihr verlorenes Kind. Doch nach und nach erfahren sie alle, dass nicht nur Yogalehren der Seele gut tut, sondern dass vor allem die Freundschaft, die sie miteinander teilen, heilende Kräfte entwickelt.

Autorin

Rain Mitchell praktiziert Yoga seit sie ein Teenager ist- ihre
Lieblingsübung ist Savasana. „Die Yogaschwestern“ ist ihr erster Roman.

Cover

Vorweg: Ich finde das Cover wirklich wundervoll gestaltet. Die Grundfarbe ist ein leichtes rose, das nur aus der Nähe wahrnehmbar ist – durchzogen mit asiatisch und fremdartig anmutenden Malereien. Im unteren Drittel des Covers findet man eine genauere Malerei von diesen Zeichnungen in einem Türkisblauton, die wundervoll verzaubert und eben asiatisch wirkt. Im mittleren Drittel sind Titel und Autorenname angeordnet – hierbei übernimmt letzterer die Farbe der Zeichnungen unten, während der Titel mit seinem dunklen Pink zum Einen das obere Drittel farblich miteinbezieht, aber eben auch diesen zarten Roseton in kräftiger verkörpert. Einzig das letzte Drittel finde ich im Kontrast zu hart: Die Yoga-Dame wirkt in Anbetracht der feinen und zarten Zeichnungen und Farben hart und dunkel. Dass ihr Schatten jedoch blau ist, sichert wenigstens einen leichten Übergang zum restlichen Cover.

Zitate

Lee hat für viele ihrer Schüler so einen Plan im Hinterkopf. Berufskrankheit. Und einfacher, als einen für sich selbst zu erstellen.
S.15

Das Letzte, was Lee jetzt gebrauchen kann, ist Alans Theater wegen der Freikarten, die sie manchmal verteilt, und wegen des Tauschhandels, auf den sie sich mit einigen der Stammkunden einigt, und der Nachlässigkeit der Assistenten. Wenn sie Gelegenheit dazu hat, macht sich Katherine deshalb daran, die gelben Klebezettel auszusortieren und ein wenig Ordnung in die Buchhaltung zu bringen.
S.29

Katherine weiß, wie der Hase läuft, man hat ihr etwas zu oft das Herz gebrochen, und sie hat zu häufig einen Blick in die dunklen Abgründe von Männerseelen geworfen, um solche Märchen zu glauben.
S.39

Überblick

Die Yogaschwestern hat insgesamt 320 Seiten, die wiederum aus drei Teilen bestehen. Diese haben sehr kreative Bezeichnungen: Teil eins, Teil zwei und Teil drei. Kapitel gibt es keine, die einzelnen Abschnitte werden stattdessen durch eine kleine Blume getrennt, welche man auch schon unten auf dem Cover finden kann.
Wir haben hier einen personalen Erzähler, der in die Rollen der fünf Protagonistinnen schlüpft und ihre Sichtweise darstellt. Hinzu kommt, dass die gesamte Geschichte durchgehend in der Präsensform erzählt wird.
Zwar hat Rain Mitchells Schreibstil viele verschachtelte Sätze, dennoch ist er sehr einfach. Stellenweise würde ich ihn sogar als zu einfach beschreiben, da wir es hier mit erwachsenen Frauen zu tun haben, die entweder in sehr langen Sätzen sprechen oder eben dann in so kurze und schlichte und unwahrscheinliche Satzkonstrukte verfallen, die auch von Kleinkindern stammen könnten.

Meine Meinung

Fünf Frauen – fünf Geschichten. Lee und Alan sind das perfekte Paar, sie sehen gut aus, arbeiten zusammen und überhaupt. Allerdings ist ja nicht immer alles so, wie es scheint. Katherine war mal Junkie, gerettet wurde sie durch Lee. Und dann ist da noch Conor, in den sie sich verliebt hat – das geht natürlich auch nicht reibungslos ab. Graciela ist Tänzerin, hat sich verletzt und will doch unbedingt für Beyonces neustes Video tanzen; ansonsten leidet sie eigentlich nur an mangelndem Selbstbewusstsein, obwohl sie strahlend schön ist. Stephanie hat von Selbstbewusstsein dagegen zu viel, zumindest scheinbar. Sie gehört zu den zig Produzenten, die in Hollywood um ein Engagement betteln und das bringt sie in eine wirklich schlechte Lage. Imani dagegen war schon am Sternenhimmel von L.A., als Schauspielerin weltbekannt und sehr beliebt, doch ein tragischer Schicksalsschlag, eine Fehlgeburt, macht sie depressiv und matt und zur Einsiedlerin.
Das Buch ist ein Klischee: Die drei augenscheinlich perfekten Frauen haben entweder kein Selbstbewusstsei oder erleiden einen tragischen Schicksalsschlag, eine Frau täuscht alles nur vor und die fünfte war mal ein wirklich böses Mädchen. Das bedeutet nicht, dass die Charaktere unsympathisch waren, nein. Allerdings kamen einige von ihnen zu kurz: Stephanie beispielsweise flippt aus, trinkt zu viel und dann kommt Graciela vorbei und plötzlich läuft alles wieder. Es hatte den Anschein, als hätte ihre Geschichte einfach nicht mehr richtig reingepasst und musste darum gekürzt werden. Imani hingegen läuft scheinbar nur von Yogastudio zu Yogastudio, doch so richtig erklärt wird nicht, warum sich ihr Leben nun ändert. Lee und Katherine werden in aller Ausführlichkeit behandelt und trotzdem ist das Ende ihrer Geschichten bei beiden sehr abrupt und plötzlich. Und Graciela, die hat meiner Ansicht nach eh kein großes Problem, ihre Geschichte ist schnell abgehandelt. Ansätze zu weiteren Problematiken und Hintergründen wurden von der Autorin schnell abgewürgt, obwohl gerade sie dieses farblose Wesen spannender hätten machen können.

Ein weiterer Kritikpunkt von meiner Seite ist aber auch der zeitlich Ablauf und der Aufbau. Ich habe kein Problem mit Zeitsprüngen, ganz im Gegenteil, das finde ich furchtbar interessant und es kann ein Buch wirklich aufwerten. Doch durch den personalen Erzähler werden zeitliche Abläufe zum Problem. Es ist richtig schwierig stellenweise, den Überblick zu behalten. Einer ist schon voraus, dann springt es auf einen anderen Zeitpunkt einer anderen Person, wieder zu einer anderen Person in einer anderen Zeit, in der plötzlich Person 1 anruft. Wirklich verwirrend. Ich habe einmal zurückblättern müssen, damit ich den Sinn dahinter verstehe, und das ist etwas, was mir eigentlich so gut wie nie passiert.

Außerdem hätte ich mir etwas mehr Yoga erhofft, denn so richtig liest man dazu nichts: Die Gefühle der jeweiligen Protagonistin in Bezug darauf werden erwähnt, ansonsten wird nur mit Bezeichnungen um sich geworfen, aber grundsätzlich hätte das Ganze auch im Pilateskurs oder im Ballett sein können – entgegen dem Titel ist Yoga meiner Ansicht nach nicht wesentlich für das Buch.

Auch irritiert hat mich die Bezeichnung „Freundinnen“, denn gerade am Anfang des Buches kann man das wirklich noch nicht behaupten. Ich hatte erwartet, eine Gruppe zu sehen, die sich schon gebildet hat, doch über lange Strecken des Buches musste das erst geschehen. Vielleicht ist auch dies der Grund dafür, dass die eigentlichen Probleme stellenweise so gekürzt wurden. Ich muss aber auch sagen: Zumindest zum Großteil ist diese Entwicklung gut beschrieben, wenn auch nicht hundertprozentig erklärbar und nachvollziehbar.

Fazit

Über lange Strecken ist das Buch unsicher geschrieben und in sich nicht stimmig. Oft fehlen mir die logischen Verbindungen und die Begründungen für bestimmtes Handeln oder bestimmte Ereignisse. Yoga hätte ich ein bisschen mehr erwartet, auch die Stimmung, die dadurch transportiert werden sollte. Die Wege der Protagonistinnen waren vorhersehbar und wenig überraschend. Interessante Ansätze wurden gleich in den Anfängen unterdrückt und weggeschrieben.

Bewertung

Zwei Brillen. Mehr hat das Buch definitiv nicht verdient. 

 

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