[Rezension] Luna Atra – Der schwarze Mond von Melanie Vogltanz

Titel: Luna Atra – Im Bann des schwarzen Mondes
Autor: Melanie Vogltanz
ISBN: 978-1479124510
Verlag: ehemals Nixenblut, jetzt von Autorin selbst verlegt
Preis E-Book: 2,68 €
Preis Buch: 12,65 €
Neuauflage erschienen am: 28. September 2012

Inhalt

Ein außergewöhnliches Mädchen im Kampf gegen seinen
schlimmsten Feind: sich selbst. Als Lauras Schule am Tag ihres
Abschlussballs in Flammen aufgeht, scheint auch ihr altes Leben zu Asche
zu zerfallen. Von zwielichtigen Gestalten verfolgt, bleibt dem Mädchen
keine andere Wahl, als alles hinter sich zurückzulassen und die Flucht
zu ergreifen. Einzig Kiro, ein mysteriöser junger Mann, der eine
geradezu magische Anziehungskraft auf sie ausübt, steht ihr zur Seite.
Jene, die das Feuer gelegt haben, schrecken vor nichts zurück, Laura in
ihre Finger zu bekommen. Menschen wie Tiere scheinen ihren dunklen
Einflüsterungen zu gehorchen, und bald muss Laura erkennen, dass sie in
dieser Welt niemandem mehr vertrauen kann – erst recht nicht jenen, die
sie liebt. Auf sich allein gestellt, lernt Laura, dass auch in ihr eine
dunkle Kraft schlummert, die nur darauf wartet, entfesselt zu werden. Je
mehr sie von der schrecklichen Wahrheit
aufdeckt, desto schwieriger
wird es für sie, zwischen Freund und Feind zu unterscheiden. Hat sie
sich wirklich der richtigen Seite angeschlossen?

Autor
Melanie Vogltanz wurde 1992 in Wien geboren. Schon immer war Schreiben ihre große Leidenschaft. Mit sieben schrieb sie ihr erstes Theaterstück, und im Alter von neun Jahren versuchte sie sich erstmals an kleinen „Buchprojekten“, die jedoch im Laufe der Jahre in ihrer Schublade verschwanden

Cover

Das Cover ist in sehr dunklen, düsteren Farben gehalten, sehr passend zur Grundstimmung des Buchs und der Hintergrundgeschichte. Man sieht ein junges Mädchen vor einem hohen Gebäude und grauem Himmel mit Wolken, das in einem blau leuchtenden Buch liest. Der einzige Farbklecks, der das Dunkle und Düstere durchbricht, ist der Rabe, bzw. seine Augen, die in einem hellen Goldton leuchten. Selbst die Haut des Mädchen wirkt bläulich.


Zitate


Feuchte Erde und Sand ersetzen den Beton und verstömten einen Geruch, der beinahe an den eines Friedhofs erinnert; ein bedrückender schwerer Gestank, vermischt mit dem süßlichen Odem des Todes.
S.19

Der Schnabel der Krähe, an dessen Spitze Blut wie eine dunkle, glänzende Haut schimmerte, hatte ungefähr die Größe von Taoyamas Hand und übertraf an Schärfe jedes Fleischermesser, das der Japaner je in seinem Leben zu Gesicht bekommen, geschweige denn benutzt hatte.
S.89

„Wenn die sieben Monde in einer Linie stehen“, sagte meine Lippen beinahe ohne mein Zutun, „und der achte sich schwarz wie geronnenes Blut färbt, und die Sonne ihr großes glühendes Auge in Trauer schließt, wird die Waagschale des Lebens und des Todes kippen[…]
S.252


Überblick


Der Überblick wird hier wohl etwas komplizierter werden, ich hoffe, ihr behaltet ihn also 😉
Luna Atra hat insgesamt 454 Seiten. Zum Aufbau des Buches: Eingeleitet wird es durch einen Prolog, der durch einen Teil aus Friedrich Hölderlins „Der Abschied“ überzeichnet. Der Rest des Buches besteht aus drei Teilen und einem Epilog. Teil 1 heißt Erwachen und hier findet man eine Strophe aus Edgar Allan Poes „Der Rabe“. Der nächste Teil trägt den Titel Die Lehre, hier bedient die Autorin sich an Goethes „Vermächtnis“. Den dritten und letzten Teil – Der Ruf der Glocken – ziert wieder eine Strophe aus einem Gedicht von Edgar Allan Poe, „Die Glocken“. Auch beim Epilog greift Melanie Vogltanz auf Poe zurück, dieses Mal auf das Gedicht „An Annie“.
Die Kapitelzählung findet hier in Form von römischen Ziffern statt, Erwachen hat neun Kapitel, Die Lehre hat 17 Kapitel und Der Ruf der Glocken wird mit 13 Kapiteln beendet. Die Zählung ist in den einzelnen Teilen jeweils abgeschlossen.

Interessant ist auch die Erzählform, die Melanie Vogltanz hier gewählt hat: Es gibt nämlich den fließenden Wechsel zwischen einem Er-Erzähler sowie einem Ich-Erzähler. Solange Laura im Fokus steht, wird regelmäßig aus der Ich-Form erzählt. Bei Taoyama haben wir beispielsweise einen personalen Er-Erzähler und bei den anderen Charakteren eher einen auktorialen Erzähler. Von allem etwas sozusagen.
Noch eine kleine Besonderheit zum Schluss, im Buch trifft man immer wieder auf die Mondscheingasse, die durchgängig MONDSCHEINGASSE geschrieben wird.


Meine Meinung

Luna Atra hat einen äußerst komplexen Verlauf: Man hat viele verschiedene Stränge, die anfangs so gar nicht zusammenpassen wollen, am Schluss allerdings geschickt zusammengeführt werden. Nehmen wir mal Laura, Kiro und Hansen. Die drei bilden am Anfang einen der Stränge, dann gibt es noch ihn und seine Schergen, als dritten Hauptstrang würde ich dann noch Taoyama, Maria und Victor Brandt nehmen. Dazu stellt sich noch die Frage, was mit Eloin und Andreas aus dem Prolog geschehen ist. Oftmals habe ich mich gefragt, wie das alles zusammenpassen soll, da vor allen Dingen Taoyamas Geschichten oft nicht dazu passen zu schienen. Natürlich war es das gleiche Oberthema: Magie, der Kampf gegen ihn und so weiter. Aber dennoch hatte ich stellenweise das Gefühl, Taoyama hat seine eigene Geschichte, die eben nicht hundertprozentig zu den anderen passt. Und immer wieder habe ich mich gefragt, was mit Eloin und Andreas passiert ist. Leben sie noch? Sind sie tot? Warum agieren sie nicht? Es gab so viele Geheimnisse, so viele verborgene Hintergründe, die sich wirklich erst im Verlauf dieses Epos, ich möchte es wirklich so bezeichnen, offenbaren. Und am Schluss ergibt alles einen Sinn. Respekt für die Autorin, die so ein komplexes Handlungsnetz sinnvoll und stimmig zusammengeführt hat.
Melanie Vogltanz‘ Schreibstil ist fantasievoll und wortreich. Ihre Beschreibungen lassen die Umgebungen, die Menschen vor dem inneren Auge auferstehen und nehmen einen mit in diese Welt. Insbesondere das Blutige und Grausame ist wirklich gut zur Geltung gekommen. Manchmal jedoch gab es auch Versuche, ein bisschen Humor einzubauen, die oft jedoch nicht so gelungen sind. Einige dieser Einschübe wirkten definitiv fehl am Platz. Mir war der düstere, tragische und traurige Teil lieber.
Die Protagonisten und auch die Antagonisten sind liebevoll entwickelt worden. Wir haben hier keine Standardcharaktere, sondern individuelle Personen, die im Laufe der Zeit auch Wandlungen durchmachen. Hiervon sind einige logisch, andere hingegen wirken nicht ganz so stimmig und ich habe mich gefragt, warum die Person dies jetzt getan hat. Man hat hier wirklich Höhen, aber auch einige Tiefen, insbesondere, wenn es um die Beziehungen geht. Eine der schönsten Beziehungen für mich ist die zwischen Kiro und Hansen, die sich mich der Zeit entwickelt. Die beiden sind für mich eigentlich die liebsten Charaktere, ihre Diskussionen haben es mir sehr angetan und jede Interaktion zwischen ihn war logisch. Maria und Hiroyama hingegen verlieben sich meiner Ansicht nach etwas zu schnell und noch schneller wird es zu einzig wahren Liebe. Kaum getroffen, schon die perfekte Beziehung? Das war für mich etwas zu schnell und hatte auch keine direkten Hintergründe, die es erklärt hätten.


Fazit


Melanie Vogltanz hat hier eine sehr gute Geschichte geschrieben, die den Leser in einer grausame und zugleich faszinierende Welt entführt. Leider gibt es einige wenige Schwächen, die jedoch von ihrem Schreibstil und den positiven Aspekten der Geschichte, der Charaktere und der Beschreibungen wieder wettgemacht werden.


Bewertung

Quellen



Autorenvita
Inhaltstext
Bild

Wie immer sind sämtliche Zitate dem Buch entnommen und stehen an den angegebenen Stellen.



 

Weitere Posts zum Thema

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.