[Rezension] Liebe unter Fischen von René Freund

Titel: Liebe unter Fischen
Autor: René Freund
Verlag: Deuticke/Hanser
ISBN: 9783552062092
Erschienen am:
28.01.2013
Preis Hardcover: 17,90€
Amazon 
Leseprobe

Autor

Jahrgang
1967; Übersetzer und Autor aus Grünau; Studium der Philosophie,
Theaterwissenschaft und Völkerkunde; 2 Jahre Dramaturg am Theater der
Josefsstadt

Inhalt

Fred Firneis, Lyriker mit Sensationsauflagen, leidet nach langen
alkoholdurchtränkten Jahren an einem Burnout. Seine Verlegerin, die ihn
in seiner Berliner Wohnung aufspürt, schickt ihn in eine Holzhütte in
die Alpen nach Österreich. In Grünbach am See gibt es weder Strom noch
Handyempfang, und Firneis kommt wieder zu Kräften. Doch dann taucht Mara
auf, eine junge Biologin aus der Slowakei, die ihre Doktorarbeit über
die Elritze schreibt, einen spannenden kleinen Schwarmfisch. Bald
interessiert sich Fred für sämtliche Details von Biologie,
Verhaltensforschung – und Mara, die jedoch plötzlich verschwindet … Eine
alpine Liebesgeschichte mit Humor und Showdown in Berlin.

Cover

Blau. Diese tiefe Blau des Wassers ist das Erste, was einem in das Auge springt. Dieses Cover ist einfach blau. Das passt natürlich – wie der Angelhaken – sehr gut zu dem Titel Liebe unter Fischen sowie dem kleinen See, an dem Fred sich erholen soll.
Der Vergleich zu Glattauer ist ein kleiner Extraeinband, nur die untere Hälfte, den man entfernen kann, wie man am folgenden Bild gut sieht:

Darunter kommt dann das gleiche Bild, nur eben ohne diesen Vergleich zum Vorschein.


Zitate

„Anrufbeantworter von Alfred Firneis. Bitte hinterlassen Sie keine Nachricht. Ich rufe nicht zurück.“
Erster Satz – S.7


„Es gibt keine Idylle“, hatte Fred geantwortet, „Idylle ist dort, wo man nicht genau genug hinsieht.“
S.30

Fred setzte sich an einen Tisch. Auf diesem stand – wie einst in seiner Kindheit – die kulinarische heilige Dreifaltigkeit: Salz (mit Reiskörnern), Pfeffer (jedenfalls ein graues, fein gemahlenes Pulver) sowie eine Flasche Maggi-Würze (mit Geschmacksverstärker).
S.33


Meine Meinung

Fred Firneis ist am Ende: Er trinkt, isst nichts, hat Panikattacken und schreiben kann er auch nicht mehr. Dabei bräuchte seine Verlegerin Susanne Beckmann gerade jetzt dringend neue Gedichte für einen neuen Band von Fred. Denn Fred ist so ziemlich der einzige, der ihren kleinen Verlag jetzt noch retten kann. Nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt und einer kurzen Zeit im Jenseits beschließt Fred, der Aufforderung seiner Herausgeberin zu folgen und Urlaub zu machen – in seiner alten Heimat Österreich an einem kleinen See in einer kleinen Hütte. Dort begegnet er nicht nur dem Förster August mit seinem Nixen-Tattoo, sondern auch Mara, einer Limnologin, die das Fortpflanzungsverhalten der Elritzen untersucht.

Dieses Buch hat mich gefesselt. Als ich die Leseprobe damals gesehen habe, war ich ehrlich gesagt nicht so überzeugt. Der Titel und die Rückseite und das Cover, es hat mich nicht angesprochen, aber ich habe die Leseprobe trotzdem mal anlesen woll – bin ja ein neugieriger Mensch – und dann war ich enttäuscht, als sie fertig war. Es ging einfach nicht mehr weiter. Tja, glücklicherweise liegt das Buch jetzt neben mir und hat mich nicht enttäuscht. Ganz im Gegenteil: Es hat mich sogar begeistert.

Das fing bereits mit der Charaktergestaltung an: Die vier Protagonisten sind auf ihre Art und Weise einzigartig. Fred wirkt zwar klischeehaft mit dem BurnOut und dem Verlust seiner Schreibfähigkeit, doch seine Aktionen und Reaktionen sind dennoch fantastisch. Allein schon seine Anrufbeantworteransage, die ja den ersten Satz des Buches bildet, hat mich zum Lachen gebracht – so würde ich meinen AB ebenfalls besprechen. Auch seine Abneigung gegen Technik, z.B. gegen den „Tablettencomputer“, hat mir sehr gut gefallen. Seine Verlegerin ist die einzige Protagonistin, die mir bis zum Schluss nicht ganz sympathisch wurde. Aber auch wenn ich diese Figur nicht so mochte, konnte ich mich dennoch gut in sie hineinfühlen und hatte auch für ihre Situation Verständnis – ich finde, das ist eine hervorragende Leistung. Auch Mara mit ihrem Sprachfehler und August, der urige Förster, konnten mich mit ihren Eigenarten überzeugen. Von dem Doppel-S-Fehler, wie beispielsweise dann „Wazzer“ bis hin zu Augusts Nixe und der Tatsache, dass dieser gesunde, kräftige, sportliche junge Mann nicht schwimmen kann. Alles sehr gut durchdacht und auch sehr gut umgesetzt.

Zum Schreibstil und Aufbau des Buches: Das Buch spielt in einem Zeitraum von etwa anderthalb Monaten. Jeder Tag entspricht hier sozusagen einem Kapitel. Mir hat schon von vornherein gefallen, dass verschiedene Medien für die Erzählung genutzt werden. Das geht von dem eben benannten Anrufbeantworter über SMS und Telefonate bis hin zum guten altmodischen Brief. Diese verschiedenen Medien geben dem Buch etwas Skizzenhaftes. Wer jetzt denkt, bei diesem Durcheinander könnte man den Überblick verlieren, der sei beruhigt, denn René Freund schafft es, trotz dieser Vielfalt eine zusammenhängende Geschichte zu verfassen, die logisch aufgebaut ist. Auch wenn man mal spontan von einem Brief mit zig PS zu einem Gespräch zwischen August und Fred wechselt, behält man den Überblick. Ich war schon immer davon fasziniert, wenn Autoren vom reinen Schreiben aus auch zu solchen Möglichkeiten schreiben und dann das Gefühlsleben vielleicht durch Briefe dargestellt wird.
Der Schreibstil ist den Gegebenheiten angepasst: Freds Briefe an Susanne sind immer poetisch und voller Sprachmagie. Mit vielen Metaphern und schönen Satzfindungen. Teils auch sehr philosophisch. Die Sprache wird einfacher und leichter, wenn dann beispielsweise eine Szene zwischen Fred und Mara beschrieben wird; antwortet Susanne, kann dies trocken und kühl wirken. Der Autor spielt hier mit der Sprache und das wirklich meisterlich. So behält man auch in der medialen Vielfalt den Überblick und kann anhand des Grundtons den momentan redenden oder schreibenden oder handelnden Protagonisten sofort erkennen.

Auch die Eigenarten und Worte aus Österreich fand ich wirklich amüsant, sie haben den Roman aufgelockert und ihm eine besondere Athmosphäre gegeben. Mir hat die Gesamtheit dieses Buches wirklich gut gefallen.

Fazit

Ein Roman, der fließt und mich vom ersten Satz an in den Bann gezogen hat. Humorvoll geschrieben und poetisch zugleich.


Bewertung



Quellen

Cover
Autorenvita
Inhalt

Die Zitate sind dem Buch entnommen und auf der angegebenen Seite zu finden.







 

Weitere Posts zum Thema

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.