[Rezension] Marina – Carlos Ruiz Zafón

Titel: Marina
Autor: Carlos Ruiz Zafón
Original: Marina
Verlag: Fischer
Erschienen am: 12.11.2012
ISBN: 9783596186242
Preis Taschenbuch: 9,99 €
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Leseprobe

Autor

1964 in Barcelona geboren; lebt heute in Los Angeles; Autor von sieben Romanen mit Übersetzungen in 40 Sprachen; entwickelt die einzigartige Buchreihe „Friedhof der vergessenen Bücher“

Inhalt

»Wir alle haben im Dachgeschoss der Seele ein Geheimnis unter
Verschluss. Das hier ist das meine.« So beginnt Óscar Drai seine
Erzählung. Der junge Held des Romans sehnt sich danach, am Leben
Barcelonas teilzuhaben, und streift am liebsten durch die verwunschenen
Villenviertel der Stadt. Eines Tages trifft er auf ein faszinierendes
Mädchen. Sie heißt Marina, und sie wird sein Leben für immer verändern.
Gemeinsam werden die beiden in das düstere Geheimnis um den ehemals
reichsten Mann Barcelonas gesogen. Schmerz und Trauer, Wut und
Größenwahn reißen sie mit sich, eine höllische Verbindung von
vernichtender Kraft. Aber auch Marina umgibt ein Geheimnis. Als Óscar
schließlich dahinterkommt, ist es das jähe Ende seiner Jugend.
In ›Marina‹ beschwört Carlos Ruiz Zafón erstmals sein unnachahmliches
Barcelona herauf, eine Stadt voller Magie und Leidenschaft, und erzählt
in unvergleichlicher Weise die dramatische Geschichte eines jungen
Mannes, der um sein Glück und seine große Liebe kämpft.


Cover

Man sieht eine schon verfallende Villa aus Stein. Inmitten des in Grautönen gehaltenen Covers strahlt ein gelbes, warmes Licht aus einem Fenster – dieses wirkt für mich schon sehr modern durch seine Rahmen, vor allen Dingen im Vergleich zu dem antiken Charme der Villa. Obwohl Grau hier definitiv dominiert, finde ich die Wirkung dennoch nicht trist oder traurig, es hat eher den Anschein einer alten Fotografie, die Erinnerung an etwas Vergangenes, das durch das Fenster durchbrochen wird.
Ein Cover mit viel Interpretationsfreiraum in Bezug auf die Geschichte, das gefällt mir sehr gut.

Zitate

Wir alle haben im Dachgeschoss der Seele ein Geheimnis unter Verschluss. Das hier ist das meine.
S.11

Der Pfad schien zu Ende zu sein. Marina aber ging einfach weiter zu einem Weg, der zu einem zypressengesäumten Säulengang hinaufführte. Auf der anderen Seite lag unter bläulichen Schatten ein verhexter Garten voller Grabsteine, Kreuze und moosiger Mausoleen.
S.41

Es begann erneut zu regnen, aber die Sonne wollte nicht verschwinden. Wir folgten der Dame durch einen goldenen Tränenvorhang.
S.46

Wir waren im verzauberten Barcelona angelangt, dem Labyrinth der Geister, wo die Straßen legendenhafte Namen trugen und die Kobolde der Zeit sich hinter uns tummelten.
S.227
 
Meine Meinung

Oscar ist Schüler eines Jungeninternats. Eines Tages begegnet er Marina und ihrem Vater German, der Beginn einer außergewöhnlichen Freundschaft und einem spannenden Puzzle, das die beiden Jugendlichen durch ein Barcelona fern unserer Zeit führt. Wer ist die Dame in Schwarz, der sie immer wieder begegnen? Oscar und Marina folgen den Spuren, die sie erhalten und begegnen dabei verschiedenen Personen, die mit ihrer Geschichte ein weiteres Puzzleteil hinzufügen.

Oscar, der Protagonist, gerät da wirklich in eine atemberaubende Geschichte hinein, die nicht nur bezaubernd in der Freundschaft und dem Leben von Marina und ihrem Vater ist, sondern sich auch als gruselig, mysthisch und stellenweise sehr grotesk herausstellt. Er selbst erzählt die Geschichte und gestaltet dabei einen Rahmen in Form von Prolog und Epilog, die beide in der Zukunft der Geschichte spielen. Das Buch an sich, der eigentliche Inhalt ist ein Rückblick aus Oscars Sicht, eine Erzählung von Erlebten in einem bestimmten Zeitrahmen.

Die Geschichte wirkte auf mich sehr intensiv, sehr eindringlich. Es gleicht wirklich einem Puzzle, dessen Teile Oscar sich mühsam zusammen sucht und manchmal auch geschenkt bekommt. Und erst am Ende setzt es sich auch für den Leser zusammen. Man lernt mit ihm zusammen so viele unterschiedliche Charaktere kennen, von denen jeder für sich etwas eine besondere Geschichte hat. Ihr Leben, ihre Eigenarten und auch ihre körperliche Verfassung sind fast schon liebevoll beschrieben. Auch die Wortwahl Zafons, die manchmal etwas eigenwillig erscheint, macht den besonderen Flair dieser Geschichte aus und hebt sie hervor.

Inhaltlich macht man sich seine Gedanken, rätselt mit Oscar mit und ist doch immer wieder über den Verlauf und die Wendungen erstaunt. Die schwarzen Schmetterlinge geben dem Buch einen roten Faden, der in jedem einzelnen Puzzlestück zu finden ist.
Nicht immer sind die Szenen schön, oft erinnern diese schon fast an Horror und sind gruselig und sehr einprägend geschrieben. Zafon fürchtet sich also nicht vor dem Hässlichen, vor dem Brutalen und auch nicht vor dem Tod, der die Protagonisten allgegenwärtig begleitet.

Fazit

Carlos Ruiz Zafón entführt den Leser in ein atemberaubendes Barcelona, nicht nur in eine andere Zeit, sondern auch in eine andere Welt, eine fast schon fantastische Welt, die beängstigend und skurril anmutet. Die Charaktere sind originell und einzigartig geprägt, ihre Beschreibungen oft sehr liebevoll und realistisch. Wie immer besticht das Buch durch die Wortwahl des Autors und seinen außergwöhnlichen Stil, mit dem sich sicher nicht jeder anfreunden kann.


Bewertung


Quellen

Cover
Autorenvita
Inhalt

Die Zitate sind dem Buch entnommen und auf der angegebenen Seite zu finden.

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4 thoughts on “[Rezension] Marina – Carlos Ruiz Zafón

  1. Ich habe zwei Bücher von Zafòn gelesen und ich weiß nicht… irgendwie kommen mir seine Geschichten sehr ähnlich vor. Wobei mir "Im Schatten des Windes" noch ziemlich gut gefallen hat, während ich "Das Spiel des Engels" am liebsten ins nächste Sonnensystem gepfeffert hätte… Ich glaube ich warte, bis er ein anderes Thema als der "gepeinigte Jungmann im verwirrenden (Liebes)labyrinth in Barcelona" findet.

  2. Das stimmt schon, inhaltlich ähneln sich seine Geschichten sehr, gerade wie du sagst.
    Allerdings hat das bei mir vllt. nicht so gewirkt, weil es lange her ist, dass ich ein Buch von ihm gelesen habe. Mal schauen, ich hab nämlich noch "Im Schatten des Windes" auf meinem SUB, das hatte ich vor vielen Jahren nur ausgeliehen und jetzt mal günstig bekommen. Ich bin wirklich gespannt, ob das dann bei mir auch diese Auswirkung hat oder nicht.

    Viele Grüße
    Chimiko

  3. Treffend beschrieben.
    Ich bin selbst ein Zafon Fan.
    Mein lieblingszitat ist "Wir erinnern uns an das was nie passiert/geschehen ist".
    Die Seite weiß ich nicht mehr, lässt sich aber rausfinden.

    Mein erstes Buch von Zafon war übrigends "Der Schatten des Windes". Die folge Bücher kann ich alle nur empfehlen. Es dreht sich dabei immer um eine Story, welche aber aus der Perspektive eines anderen Protagonisten betrachtet wird mit seiner eigenen Geschichte.

    Angefangen hat Zafon übrigends mit Jugendbüchern. Aus reiner Neugier hab ich dir mir auch gekauft und sie sind zwar einfach geschrieben (lassen sich innerhalb eines Tages auslesen) aber dennoch fesselnd sind.

    1. Bis auf das aktuelle Zafon-Buch "Der Gefangene des Himmels" und die Jugendbücher, die ich aber demnächst angehen wollte, habe ich alles gelesen 😉
      "Der Schatten des Windes" wird zwar als SuB-Buch angeführt, aber nur, weil ich dieses Buch das erste Mal ausgeliehen hatte und es mir nun gekauft habe, weil ich es unbedingt besitzen musste.

      Das Zitat ist wirklich sehr schön.

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