[Rezension] Aller Anfang ist Apulien – Kirsten Wulf

Titel: Aller Anfang ist Apulien
Autor: Kirsten Wulf
Verlag: KiWi
Veröffentlicht am: 14.02.2013
ISBN: 9783462044973
Preis Taschenbuch: 8,99 €
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Autor

1963 in Hamburg geboren; arbeitete als Journalistin in Mittel-/Südamerika, Portugal, Israel; lebt seit 2003 in Italien

Inhalt

Eine einzige Postkarte kann alles verändern

Als
sie an ihrem Geburtstag durch Zufall erfährt, dass ihr Mann sie betrügt,
ist Elena erst mal weg: Sie packt ihre Koffer und ihren kleinen Sohn
und fährt nach Süditalien, ins Land ihrer Kindheit. Im apulischen Lecce
quartiert sie sich im Palazzo ihres Onkels Gigi ein. Dort lernt sie
Michele kennen, einen jungen Maler aus Rom, der ebenfalls neu in der
kleinen Stadt ist – und seiner Familiengeschichte auf der Spur. Auf
einem nächtlichen Spaziergang machen die beiden eine Entdeckung, die das
Leben in der kleinen Stadt auf den Kopf zu stellen droht – und die mehr
mit ihnen zu tun hat, als sie ahnen.
Eine brisante Affäre, ein lang
gehütetes Familiengeheimnis und eine ungewöhnliche Liebesgeschichte –
der Roman einer großen Entscheidung unter dem azurblauen Himmel
Süditaliens.

Cover

Man sieht hier den Balkon eines alten italienischen Palazzo, wunderschönes schmiedeeisernes Gitter, tolle Form und sehr romantisch gestaltet (Oh Julia, oh Romeo! :)) Durch die Blumen bekommt das Ganze etwas verwildertes und gleichzeitig sieht es noch etwas romantischer aus. Das Gebäude strahlt einen leicht heruntergekommenen Charme aus, der mir sehr gut gefällt.

Zitate

Sie hatte mal kurze, mal lange Affären, und Micheles Vater war eine der sehr kurzen gewesen.
S.8

Mit der Kamera die Welt entdecken, Menschen mit Bildern bewegen, etwas anstoßen, verändern… all diese großen, schönen Gedanken hatten sich scheinbar im Muttersein aufgelöst.
S.19

Sie würden also erst mal auf einer Baustelle mit reizenden alten Huren an einer historisch bedeutsamen römischen Straße im Rotlichtviertel gegenüber vom Nonnenkloster campieren.
S.37 

Meine Meinung 

Michele findet eine Postkarte, die seine kürzlich verstorbene Mutter lange Zeit aufgehoben hat, und so macht er sich auf die Suche nach dem Absender und seinem möglichen Onkel.
Elena hingegen hat für ihre kleine Familie ihren Job aufgegeben und wird nun auch – klischeehafter geht es nicht mehr – von ihrem Mann mit seiner Sekretärin betrogen. Was sollte sie noch in Deutschland halten? Nichts. Also geht es zu ihrem liebevollen Zio Gigi nach Italien, nach Lecce um genauer zu sein. Dort zieht sie in Gigis Palazzo ein, dort wo eine Wohnung für seinen Liebhaber, einen Geneser Tenor entstehen sollte – dieser hält von der Idee jedoch gar nichts.

Man trifft viele Figuren, die teils auch skurril erscheinen, doch perfekt in das Gesamtbild des Buches passen: Das fängt wirklich mit Gigi an, Elenas schwulem Onkel, der einen Antiquätenladen betreibt und „Ich mach das schon“ als Lieblingssatz verwendet, geht über den Avvocato bis hin zu Cosima, einer alten Hure, die im unteren Teil von Gigis Palazzo lebt. Hierbei finde ich übrigens besonders toll, dass das alte Hurenviertel direkt gegenüber von einem Kloster liegt. Eine Begegnung der besonderen Art würde ich sagen.
Elena und Michele sind die tragenden Figuren, die eine 40 und Mutter, der andere keine 30 und auf der Suche nach seiner Familie. Mit dem Eintreffen dieser beiden wird eine Lawine an Ereignissen losgerollt – angefangen mit dem fehlenden Kopf der hl. Maria aus der Krippe. Wie man sich denken kann, knistert es zwischen den beiden, aber es ist nicht dieses Hineinstürzen in eine Affäre/Beziehung, die beiden nähern sich langsam an, haben Dispute und konzentrieren sich auf ihre Aufklärung des seltsamen und vor allen Dingen kriminellen Geschehens.

Neben den beiden, die versuchen, ihren Weg zu finden, ist vor allen Dingen die illegale Einwanderung vom afrikanischen Kontinent ein großes Thema – und das nicht nur in diesem Buch. Was heiter begann und nach einer italienischen Liebesgeschichte voll Leichtigkeit und Lebensfreude aussah, findet hier Tiefgang und unerwartete Tragik. Leider können diese dramatischen Elemente meiner Ansicht nach nicht mit den typisch italienischen Situationen mithalten. Und das liegt auch am Schreibstil der Autorin: Nicht jedem liegt das Schreiben eines Krimis und das war hier leider der Fall. Spannung wurde nur durch den Inhalt aufgebaut, aber keinesfalls durch die Sprache. Der andere Teil, die italienische Leichtigkeit und die sich anbahnende Liebesgeschichte, ist das gegen sehr gut gelungen – das Lebensgefühl wird hier auch durch die eingestreuten italienischen Wörter aufrecht erhalten und verstärkt.

Ich habe hier wirklich ein Problem: Die Prostitution der Flüchtlinge, die in diese Falle gelockt werden, ist auch gerade in Apulien (und nicht nur dort) ein ernstzunehmendes Problem. Doch für mich vereint sich diese Thematik nicht mit der Leichtigkeit, die der Schreibstil der Autorin ausstrahlt. Stellenweise wirkt die Kombination erzwungen und nicht gelungen. Davon abgesehen ist es ein tolles kleines Buch, das italienische Lebensfreude überbringt (auch wenn im Buch Winter ist und man die Sonne ein bisschen vermissen könnte). Die Kulisse der Nonnen, Prostituierten, einer kleinen Osteria und einiger urigen, italienischen Charaktere ist sehr gelungen. Lecce konnte ich mir bildlich vorstellen, es bleibt eben nur der Krimianteil als Manko zu nennen.

Fazit

Wer vom Cover ausgehend eine Liebesgeschichte erwartet, wird enttäuscht. Auch wenn man Italien von seiner besten (und winterlichen Seite) kennen lernt, kriegt man statt großer Liebe und Romantik einen mittelmäßigen Krimi serviert. Die Thematik der Zwangsprostitution und Flüchtlingswellen ist wichtig, doch schlecht umgesetzt. Zwei Geschichten, die für sich alleine gut und spannend wären, wurden zu einer mittelmäßigen vereint.


Bewertung

Quellen

Cover
Autorenvita
Inhalt

Zitate sind dem Buch entnommen und auf der angegebenen Seite zu finden.

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