[Rezension] Lämmerweid von Joachim Rangnick

Titel: Lämmerweid
Autor: Joachim Rangnick
Verlag: List/Ullstein
Erschienen am: 15.2.2013
ISBN: 978-3548611228
Preis Taschenbuch: 8,99€
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Leseprobe

Autor

geboren 1947; lebt in Weingarten; studierter Grafiker, widmet sich aber vollkommen dem Schreiben

Inhalt

Robert Walcher gerät unter Mordverdacht, als sein Informant tot am
Rande einer Schafswiese aufgefunden wird. Wusste das Opfer zu viel über
die Machenschaften eines Agrarkonzerns? In einer Situation, in der
Walcher dringend Freunde bräuchte, kämpft er allein – gegen maßlose Gier
und tödliche Skrupellosigkeit. Wem kann Walcher noch trauen? 
Cover
Es ist ein eher trist wirkendes Cover, nur das Rot des Titels sticht hervor. Grau dominiert hier definitiv. Man sieht einen Zaun, der hauptsächlich aus Stacheldraht besteht und schon ziemlich lädiert aussieht. Im Nebel dahinter erhebt sich ein Vogelschwarm und fliegt davon. Sehr malerisch, oder? Auch das Grün der Weide, die Gräser, die zu sehen sind, wirken doch eher dunkel und nicht so satt und wunderschön, wie man es sonst von Allgäugras gewohnt ist. 
Zitate
Kommissar Brunner, der vor einem halben Jahr zum Ersten Kriminalhauptkommissar befördert, aber immer noch nur mit Kommissar angesprochen werden wollte, lehnte Walchers Angebot mit einem Kopfschütteln ab.
S.10


Vielleicht bewahrheitete sich ja in solchen Krisensituationen die Unvereinbarkeit von Bulle und Journalist, über die sie immer wieder mal miteinander flachsten.
S.13

Mit einem Mal erhielt die Dunkelheit eine andere Bedeutung. In seiner Fantasie flatterten Totenvögel durch die Nacht und hatten es auch auf die zerfallene Alpe abgesehen.
S.52
Meine Meinung
Ein neuer Fall für Robert Walcher: Ein Informant von ihm wird ermordet aufgefunden und nicht nur das, bei diesem findet man Beweise, die ihn mit Walcher verbinden: unter anderem Haare von seinem Hund Rolli. Doch auch der Besitzer der Lämmerweide, Schonauer, wird verdächtigt. Und so gerät Walcher in einen Fall hinein, der immer mehr Intrigen aufweist, je tiefer er stochert.
Zuerstmal: Ich habe bisher noch keinen Walcher-Fall gelesen, das hat meiner Lesefreude jedoch keinen Abbruch getan, und Verständnisprobleme gab es auch nicht.

Es ist ein unaufgeregter Krimi, auch wenn Walchers Weg von Leichen und Attentättern nur so gepflastert ist; das meine ich nicht negativ, sondern dieser Punkt hat mir eigentlich sogar sehr gut gefallen. Und diese Unaufgeregtheit liegt auch den Charakteren und ihrer ruhigen, entspannten Art, den Morden und Gefahren zu begegnen. Das fängt schon mal mit Walcher an: Statt Panik zu kriegen oder unruhig zu werden, weil er ja unter anderem Hauptverdächtiger ist, ist sein größtes Problem die Tatsache, dass Kommissar Brunner, den er für seinen Freund gehalten hat, ihn jetzt so rigoros verdächtigt. Walcher ist geradezu beleidigt und lässt dies auch immer mal wieder an Brunner aus. Nebenbei ermittelt er noch ein bisschen und genießt dann einen der edlen Weine aus seiner Sammlung. Unterstützt wird er von der „G’sundmacherin“ Mathilde, die ihm seinen Haushalt führt und durch Visionen einen Tipp geben kann – auch wenn er da misstrauisch bleibt bis zum Schluss. Allgemein sind es wirklich urige Charaktere, die Rangnick hier gestaltet, das geht von der „G’sundmacherin“ bis hin zu Knecht Rufillus oder Elli. Auch die Gestaltung der Antagonisten bleibt auf diesem Niveau: Es sind nicht die klassischen Bösewichte, sondern hier erleben diese auch mal Angst oder Unsicherheit und man wird stellenweise in ihr Denken miteinbezogen.
Auch der Allgäuer Dialekt trägt übrigens zu der Stimmung bei, mal mehr, mal weniger eingesetzt, mal in das Hochdeutsche übersetzt. Am Schluss findet sich auch ein Glossar, das nicht nur thematisches, sondern auch die Sprache beinhaltet, falls doch mal Probleme anfallen sollten 😉

Wenn man den Prolog liest, könnte man denken: Boah, einfacher Krimi vom Land, na ja… Immerhin erfährt man hier sozusagen aus der Sicht der Schafe von der Leiche, die da sitzt. Doch je tiefer man vorstößt, um so schwieriger werden die Themen und auch das Mitdenken ist gefordert. Die Unaufgeregheit, die das Allgäuer Land hier ausstrahlt, wird durch eine sehr große Problematik durchbrochen: Gentechnik, Bestechungen in der Agrarpolitik, Druck auf ökologisch agierende Kleinbauern. Es ist nicht wenig, was hier thematisiert wird und das sehr detailreich – so hält Schonauer beispielsweise einen sehr interessanten Monolog über die Agrarpolitik Argentiniens und der extremen Verarmung der Bauern. Ich gebe zu, dass ich, obwohl ich hier wirklich auf dem Land lebe, wenig mit dieser Thematik zu tun hatte; es wird halt gespritzt, die Ernte findet statt, man kriegt viel zu wenig Geld, lebt aber damit. Sommer wie Winter gibt es genug zu tun und die Automatisierung der Prozesse findet nur langsam statt – als ich früher bei der Ernte geholfen habe, wurde die Normgröße der Äpfel noch von Hand und mit Schablone überprüft. Doch fand ich diesen Teil des Krimis sehr spannend und mit Eufoodic hat Rangnick einen durchaus hassenswerten Gegner für Walcher und auch uns Leser geschaffen: Nicht nur der verantwortungslose Umgang mit der Natur, auch der Umgang mit den Menschen sorgt dafür.
Eine Idee, die mir unglaublich gut gefallen hat (wirklich unglaublich gut), ist der Kreis der Schanden, den Schonauer auf seinem Hof stehen hat: ein alter Steinkreis, dessen Steine mit Platten, die Umweltsünden und deren praktizierenden Unternehmen zeigen, verziert sind. Beispielsweise ist auch Atomenergie dabei genannt, wenn auch für das Buch an sich Spritzmittel, Genmanipulation oder auch Ernährungschemie deutlich interessanter sind.
Einzig und allein der Schluss war für mich etwas in die Länge gezogen und es gab einige Stellen, die ich als zu viel empfand und gestrichen hätte.

Fazit

Lämmerweid ist ein kritischer Krimi, einer, der mitdenken lässt und einen tief in eine schwierige Materie eindringen lässt. Aber es muss Interesse daran bestehen, ansonsten würde ich dieses Buch nicht empfehlen. Wer sich jedoch mal in eine spannende und komplexe Gedankenwelt einlesen will, die dabei noch von einem herrlich unaufgeregten Krimi mit doch sehr urigen Charakteren begleitet wird, ist hier nicht verkehrt.

Bewertung

   

Quellen

Cover
Autorenvita
Inhalt

Die Zitate sind dem Buch entnommen und auf der angegebenen Seite zu finden.

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