[Rezension] The Hood von Gavin Knight

Titel: The Hood
Autor: Gavin Knight
Original: Hood Rat
Verlag: Ullstein
Erschienen am: 9.3.2012
ISBN: 978-3550088988
Preis Taschenbuch: 14,99 €
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Leseprobe

Autor
schreibt für Guardian, Newsweek, The Times, Monocle; 2 Jahre Arbeit als „embedded journalist“ bei britischen Polizeieinheiten im Kampf gegen Gangs und Drogen

Inhalt

In London wird der einst gefürchtete Gangleader Pilgrim aus dem
Gefängnis entlassen. Auf den Straßen herrscht jetzt ein anderer: Der
14-jährige Troll, ein ehemaliger Kindersoldat, kennt keine Hemmungen. In
Manchester jagt Detective Anders Svensson den Drogenboss Merlin und
dessen Vollstrecker, den eiskalten Killer Flow. Sein legendäres
Informantennetzwerk soll sie zu Fall bringen. Ihm bleibt nicht viel
Zeit. In Glasgows tristen Vororten schlachten sich Teenager in
Gangfights gegenseitig ab. Polizeianalystin Karyn McCluskey kann das
sinnlose Blutvergießen in Europas gefährlichster Stadt nicht mehr mit
ansehen. Ihr Kampf scheint aussichtslos.


Cover

Es ist ein düsteres Cover, trotz der Gelb- und Orangetöne. Man blickt unter einer Brücke hervor, vermutlich Autobahnbrücke, in Richtung Himmel. Durch die Brücke fühlt man sich ein bisschen eingeengt, da sie einen großen Teil des Bildes dominiert. Das Licht wirkt grünlich, so wie ein Großteil des Himmels. Unnatürlich.

Zitate


Er hat sich einen Ruf als eiskalter Killer aufgebaut. Er kann Dinge tun, die für die meisten Menschen widerlich wären, beispielsweise Kopfschüsse aus nächster Nähe, und bleibt davon völlig unberührt. Er muss sich dazu nicht erst mental aufputschen.
S.12

Eine Schießerei unter schwarzen Jugendlichen ist nicht mehr die große Nachricht, die es früher mal war. Nur eine weitere Kreidekontur für die Trident, die Sondereinheit zur Aufklärung von Straftaten mit Einsatz von Schusswaffen unter Schwarzen. Wenn er stirbt, wird er seine Mum wiedersehen. Es ist ihm egal, wenn wieder ein versucht, ihn umzulegen. Er kann ihn und seine Freunde umbringen. Innerlich ist er längst tot.
S.126

„Die Gangs, die die meisten Probleme verursachen, sind das Gesundheitswesen, das Jugendamt, das Schulwesen, die Polizei, die Bezirksregierung und die schottische Regierung, denn die liefern sich Revierkämpfe genau wie alle anderen auch.“
S.241


Meine Meinung


Es fällt mir schwer, hier anzufangen, denn dies ist ein sehr beeindruckendes Buch. Allein das Wissen, dass das die Realität ist, verstärkt dieses Gefühl bei mir. Aufgeteilt ist es in drei Hauptgeschichten, einmal aus Manchester, einmal aus London und einmal aus Glasgow. Doch jeder dieser drei Stränge verzweigt sich noch weiter.

Nehmen wir Manchester: Offiziell ist hier Detective Svensson die tragende Person, die dem Leser Einblicke gewähren soll, doch finde ich, dass das oft nicht der Fall ist. Es gibt Sprünge zu den Kriminellen, die hier mit eine Rolle spielen und ich persönlich habe ihr Handeln oft besser nachvollziehen können. Der Detective blieb mir ein bisschen fern, vielleicht auch weil er einfach ‚abgefuckt‘ ist von diesem Job und dem, was er immer wieder leisten muss. Seine Ermittlungsarbeit und die Grenzen durch die Gesetzgebung und Politik, die er immer wieder erreicht, sind beeindrucken, sogar sehr beeindrucken. Aber auch die Charaktere von Flow und Merlin sind eindrucksvoll beschrieben, oft erhält man auch durch den Detective selbst einen Einblick in ihr Denken. Er kann sich besser in andere hineinversetzen, als sich selbst zum Ausdruck bringen.

London war der Strang, der mir persönlich am Besten gefallen hat: Hier ist der stetige fließende Wechsel der Innensicht von Charakter zu Charakter einfach… ich kann mich nur wiederholen, beeindruckend. Ich als Leser hab hier einen Einblick in eine Welt gewonnen, die ich mir so eigentlich nicht mal vorstellen möchte, und die doch zugleich Realität ist. Sikh, die aus ihrer Heimat für ein besseres Leben herkommen und auf der Straße landen, drogenabhängig, bei den Abfällen schlafen und sich nicht einmal mehr zu den Gebeten trauen. Kinder, die mit Schusswaffen durch die Gegend ziehen und Leute töten oder verletzen, dabei möglicherweise auch mal selbst einen Arm verlieren durch Ladehemmungen. Vergewaltigungen von Müttern und Schwestern, um dem anderen mal zu zeigen, was Sache ist. Hier wird das meiste aus der Sicht von Pilgrim erzählt: wie er zu dem Gangleben kam, sein Gefängnisaufenthalt, was er sich danach aufbaut und – mal ganz banal – wie er seine Schusswaffe kennt und pflegt und mit ihr umgeht. Dieser Einblick auf das „Böse“ dieses Buches ist wirklich unglaublich detailliert.

Auch in Glasgow gibt es wechselnde Perspektiven. Doch tatsächlich hat mich dieser Teil von allen am wenigsten angesprochen, wobei es echt interessant ist: Karyn McClusky im Kampf gegen die Gangs, sie sucht Beweise, z.B. bei Ärzten, sodass man auch einen Einblick in deren Krankenhausalltag kriegt und was sie vor Augen kriegen. Oder eine Sozialarbeiterin, über die man den Einblick in den Lebenslauf eines weiteren Kriminellen kriegt.

Insgesamt muss ich sagen, dass die Seite der Gerechtigkeit hier mehr Einblicke in ihre Arbeit als Gedanken dazu gewährt hat, während man bei den Kriminellen auch Gefühle und Sorgen erfährt. Die Angst, dass der Halbbruder getötet wird, also wird man halt stärker, um ihn zu beschützen. Oder die Mutter, die man anlügt, damit sie nicht erfährt, in was für einen Sumpf der Sohn abgerutscht ist. Es sind tragische Geschichten, die jedoch in dieser Unterwelt zum Alltag geworden sind und nichts besonderes mehr darstellen. Da muss schon härterer Stoff kommen: etwa der Kindersoldat aus dem Nahen Osten, der schon gemordet hat. Es ist ein düsteres Bild, das Gavin Knight hier darstellt und das durch seinen schlichten Stil ohne große Schnörkel noch verstärkt wird. Er schafft eine Distanz zu dem Geschehen, sodass man das Gefühl hat, einer Kamera zu folgen, die wiederum den Ereignissen folgt – und das kann eben auch mal ein Sprung von einem Charakter zum anderen sein. Obwohl diese Sprünge oft sehr extrem sind, fand ich sie nicht verwirrend, es ergab im Endeffekt alles eine logische Linie.

Der Abschluss wird ja durch die Glasgower Geschichte gemacht, was auch gut ist, denn hier können die Polizisten erste Erfolge in der Bekämpfung der Gangs erzielen und das macht doch Hoffnung, oder? Es ist wirklich nur ein leiser Schimmer, aber dieser Teil ließ mich hoffen, dass in Zukunft vielleicht doch noch mehr gegen diese Situation getan werden kann.

Fazit

„Beunruhigend“ steht in dem Zitat auf der Rückseite und das stimmt. Doch zugleich war es auch faszinierend Einblicke in eine Welt zu erhalten, die ich sonst nie kennengelernt hätte und das eigentlich auch nie in real erleben möchte. Besonders die „Gangsters“ und der Aufbau ihrer „Hoods“ war fesselnd und spannend, obwohl mich zugleich auch immer ein kleiner Schauder begleitet hat, denn dies ist nun mal keine Fiktion.


Bewertung

Quellen

Cover
Autorenvita
Inhalt

Alle Zitate sind dem Buch entnommen und auf der angegebenen Seite zu finden.

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