[Rezension] Das Stockholm Oktavo von Karen Engelmann

Titel: Das Stockholm Oktavo
Autor: Karen Engelmann
Original: The Stockholm Octavo
Verlag: Hoffmann und Campe
Erschienen am: 19.2.2013
ISBN: 978-3455403893
Preis Hardcover: 22,99€
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Leseprobe

Autor
aus dem mittleren Westen Amerikas; zog nach dem Studium nach Malmö um u.a. als Illustratorin zu arbeiten; lebt mit Familie nördlich von New York

Inhalt

Stockholm 1789. Europa ist in Aufruhr. In Frankreich wütet die
Revolution. Noch ahnt König Gustav III. von Schweden nicht, dass auch
seine Tage gezählt sind. In seinem engsten Umfeld werden arglistig
Allianzen geschmiedet. Gustavs Vertraute, die Kartenlegerin Sofia,
versucht alles, um seine Zukunft zu retten, doch sie hat eine mächtige
Rivalin.

Bei der Seherin und Kartenlegerin Sofia Sparv gehen die
Mächtigen des Landes ein und aus. Umso überraschter ist der einfache
Beamte Emil Larsson, als Sofia ihn auswählt, um ihm ein Oktavo zu legen:
acht Karten, die für acht Personen aus seinem Umfeld stehen und sein
Schicksal maßgeblich beeinflussen. Etwa Baroness Uzanne, die die Sprache
der Fächer perfekt beherrscht und sie geschickt einsetzt, um ihre
Gegner auszuschalten; oder die Kräuterkundige Johanna, die auf
gefährliche Abwege gerät, oder aber der passionierte Fächerhersteller
Nordin, der unwillentlich zum Spielball der Baroness wird. Das Oktavo
ruft sie alle auf den Plan, doch wer steht auf welcher Seite? Wer
paktiert mit wem? Larsson merkt erst allmählich, dass es in seinem
Oktavo nicht nur um seine eigene Zukunft geht, sondern um die eines
ganzen Königreiches.

Cover

Das Cover wirkt sehr edel und elegant durch den dunkelblauen Rand mit den wunderschönen silbernen Verzierungen. Dieser Rahmen umgibt etwas eher Schlichtes, einen braunen Hintergrund, auf dem man nur den Titel sowie eine Dame mit einem eleganten Kleid der Zeit findet. Die silbernen Verzierungen reicht übrigens stellenweise nach innen und finden sich auf dem Kleid wieder.
Mir persönlich gefällt jedoch immer die Kombination von Rot und Blau nicht so gut, daher empfinde ich das starke Rot des Kleids als störend. Es wirkt nicht mehr harmonisch. Das ist allerdings sehr subjektiv 😉

Zitate

Wie jeder andere in der Stadt liebte auch ich das Kartenspiel. Wo Menschen zusammenkamen, gab es auch Karten, und wer nicht mitspielt, galt nicht nur als unhöflich, sondern als tot.
S.14

„[…] Aber Emil ist ein zu vornehmer Name für mich. Alle nennen mich nur Larsson oder jetzt Sekretär.“
S.100

„Die sechste Position. Der Geschwätzige. Wieder Stempelkissen! Sie haben viele Personen aus Handel und Gewerbe um sich. Der Geschwätzige redet und redet – entweder er spricht zu Ihnen oder über Sie. Sein Gerede hat hier viele mögliche Quellen und Themen. Die Karte ist schwer zu deuten. Aber es ist eine sehr schöne Karte. Mir gefällt die Dame darauf. Und der Arm des Edelmanns liegt so liebevoll auf ihrer Schulter. Die Zahl Fünf steht für Veränderung und Bewegung. Die Personen scheinen es zu genießen.“
S.104

Meine Meinung

Auf ein Neues: Emil Larsson arbeitet als Sekretär und kontrolliert unter anderem eingehende Waren auf Zoll und Wert, doch seine wahre Leidenschaft gilt dem Kartenspiel. So findet man ihn fast jeden Abend in Madame Sparvs Spielsalon, wo er ein gern gesehener Gast und Spieler ist, u.a. weil Emil doch einige Tricks kennt, die ihm und Madame zu Siegen verhelfen. Doch eines Tages kommt sein Vorgesetzter auf ihn zu und verlangt von ihm, endlich eine Ehefrau zu finden, da die Tatsache, dass er alleinstehend ist, allmählich unschicklich wirkt. Damit beginnt für Emil ein Abenteuer und ein Spiel, das ihn vieles kostet. Zugleich bekommt Madame S eine Vision, die ihn betrifft und beschließt daraufhin dem Ungläubigen das Oktavo zu legen – eine Art Tarot, welches von Madame S perfektioniert wurde.

Ich bin nicht begeistert vom Protagonisten, muss ich gestehen. Emil bleibt für mich den gesamten Roman über einfach nicht fassbar. Er sagt einmal, dass er ein Mann ist, der leicht verschwindet, unsichtbar sein kann und vor allen Dingen so unscheinbar ist, dass er bis auf seinen roten Sekretärsrock fast keinen Wiedererkennungswert hat. Und genau das empfinde ich auch in Bezug auf seinen Charakter. Wenn man mal von seiner absoluten Naivität im Umgang mit Frauen absieht, erfährt man eigentlich nichts über ihn. Und zu der Sache mit den Frauen: Jede Frau, die Emils Ansicht nach in Frage kommt, wird von ihm glorifiziert, die Dame ist so heilig und perfekt, zumindest in seiner kleinen Welt.
Zwischendurch erfährt man eigentlich nur noch, dass sein Name ihm zu vornehm erscheint und das war es dann auch schon. Emils Charakter ist wie sein Zimmer: leer.

Die anderen Charaktere sind besser gelungen und über sie erfährt man mehr als über den Ich-Erzähler Emil, was irgendwie schon traurig ist. Da wäre beispielsweise Meister Fredrik, ein sehr toller Charakter, insbesondere sein kleines Geheimnis macht ihn zu einer Person, die im Gedächtnis bleibt und die einem ein Lächeln auf die Lippen zaubert. Sehr außergewöhnlich.
Auch die Uzanne als Gegnerin ist eigentlich gut dargestellt, nicht unbedingt vielschichtig, aber zumindest ist sie sehr hinterlistig, kalt und scheut vor nichts zurück, es sei denn, sie würde ihre Finger damit beschmutzen. Es ist in sich stimmig, auch ihre fast schon obskure Leidenschaft für Fächer.
Madame S fand ich am Anfang wirklich toll: Sie ist eine Spielerin, und das nicht nur am Kartentisch. Sie ist gewieft, auch humorvoll und klug. Sehr gewandt. Doch ihre Entwicklung hat mir nicht zugesagt, sie hat Dinge getan, die meiner Ansicht nach nicht zu ihrer charakterlichen Darstellung gepasst haben. Dennoch ist sie immer noch deutlich besser als unser Protagonist.

Inhaltlich gefiel mir das Buch eigentlich ganz gut, die Idee mit dem Oktavo war sehr interessant und die Verknüpfung der Schicksale auch. Nur bleibt da immer noch dieses kleine G’schmäckle, wie die Leute hier so gerne sagen. Ich habe das Gefühl, ich hab diese wichtigen Punkte irgendwie verpasst, die die Inhaltsangabe versprach. Natürlich gab es dieses dramatische Ereignis am Schluss, doch für mich hat Emils Glorifizierung der verschiedensten Damen oder die Sache mit den Fächern oder etwa auch das Kartenlegen und -spielen mehr Platz und Raum eingenommen, als das eigentliche Ereignis. Das hat mich am Ende nicht mal sonderlich berührt, sondern war eher so „Hoppla, na so was…“.
Fächer und Karten sind hier die roten Fäden der Geschichte. Die Karten sind hier mehr auf Madame S zu beziehen, während die Fächer von der Uzanne verkörpert werden. Beide kennen sich jedoch auf beiden Gebieten gut aus. Während ich die Karten ganz gut integriert fand, auch wenn sich das Oktavo etwas gezogen hat, störte mich diese Mystifizierung der Fächer doch sehr. Das hat Längen geschaffen, bei denen ich einfach überblättern wollte. Ich finde es gut, wenn besondere Fächer auch Namen haben, doch Seelen? Das war mir etwas zu viel.

Zum Schreibstil muss ich sagen, dass mich das Buch an keiner Stelle so richtig in den Bann gezogen hat. Es ist sauber geschrieben, es gibt keine Stolperfallen, doch es fesselte mich auch nicht. Es war einfach Buch, das ich gelesen habe und bei dem mir auch vieles einfach nicht im Gedächtnis geblieben ist, weil ich es stellenweise doch langweilig fand.

Die Einbindung des historisch Wahren ist Karen Engelmann wirklich unglaublich gut gelungen, es verschmilzt geradezu miteinander. Hilfreich dabei ist auch die Zeitlinie, die die historischen Ereignisse um 1789 in Schweden und Frankreich darstellt. Jedenfalls für mich, die sich gerade mit schwedischer Geschichte eigentlich gar nicht auskennt. Nicht nur interessant, sondern auch eine kleine Erleichterung für das bessere Verständnis der Geschichte.

Doch das Schönste an diesem Roman sind die Illustrationen, die immer wieder in den Text eingestreut sind. Z.B. wird Emils Oktavo dargestellt. Jede Karte, die Madame S für ihn zieht, wird einmal allein gezeigt und dann auch mit ihrer Position im Oktavon. Diese Karten sind kleine Kunstwerke, sehr zauberhaft und sehr detailliert. Es war mir immer eine Freude, wenn ich mal eine kleine Illustration vorfand.

Fazit

Selten hat ein historischer Roman mich gelangweilt, doch hier war es der Fall. Das liegt nicht nur am absolut nicht greifbaren Protagonisten, sondern auch an Längen, die immer wieder entstehen. Ein Blickfang hingegen waren die Illustrationen, die immer wieder zu finden waren.

Bewertung

Allein die Illustrationen sind mir hier noch eine weitere Brille wert:

Quellen 

Autorenvita
Inhalt

Die Zitate wurden dem Buch entnommen und sind an der angegebenen Stelle zu finden.

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