[Rezension] Frau Schick räumt auf von Ellen Jacobi

Titel: Frau Schick räumt auf
Autor: Ellen Jacobi
Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen am: 20.07.2012
ISBN: 978-3404166763
Preis Taschenbuch: 8,99€
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Leseprobe

Autor
1960 am Niederrhein geboren; Studium der Literatur und Anglistik; als Reiseleiterin und Lehrerin in England tätig; Redakteurin für Tageszeitungen sowie Magazine in Deutschland

Inhalt

Eigentlich hat Frau Schick gehofft, auf dem Jakobsweg in Ruhe zu sich
selbst zu finden. Doch mit Ruhe ist es nicht weit her: Ihr Chauffeur
Herberger lässt sie nicht aus den Augen, und die Mitwanderer gehen ihr
gehörig auf die Nerven. Der liebeskranken Nelly nimmt sich die rüstige
Witwe dennoch gerne an. Energisch sorgt sie im Leben ihres Schützlings
für Ordnung. Doch auch in Frau Schicks Leben gäbe es einiges aufzuräumen

Cover

Da ist jetzt natürlich die Frage, welches der beiden Cover man betrachten will. Ich habe hier ja die Club-Bertelsmann-Ausgabe, die sich doch unterscheidet. So finde ich hier die Zeichnung angenehmer und weicher. Frau Schick, die vor ihrem Chauffeur samt Auto vorherläuft, wirkt allerdings etwas zu friedlich, was nicht ganz zu ihrem Charakter passt. In der oben gezeigten Coverform wirkt sie doch eher wie ich mir Frau Schick vorstelle: etwas genervt von dem ganzen Trara. Außerdem wird sie von einer blonden, etwas dicklichen Frau in die andere Richtung gezogen. Doch auch hier ist das Auto unvermeidbar. Auch wenn mir rein vom Ästhetischen her mein Cover besser gefällt, passt das Cover von Bastei Lübbe besser zum Buch.

Zitate

Nein, unmöglich. Die alte Dame hat ihn als Doktor Wolfhart Herberger und Chauffeur eingestellt. Seine Biografie als ewiger Taxifahrer mit Doktortitel hat sie fraglos akzeptiert. Ist schließlich keine Seltenheit mehr. Sie kann nichts von seiner wahren Identität wissen und schon gar nichts von den Absichten, die er mit dieser albernen Reise verbindet.
S.10

Papperlapapp! Nellys Glück hängt längst nicht mehr am Faden eines Teebeutels. Das Universum hat geliefert. Jawohl! Und zwar etwas weit Besseres als Teebeutel. Einen Keller voll spanischem Wein – nicht zum Trinken, sondern zum darüber Schreiben – und zwei Wochen Pamplona! Fürs Erste.
S.12

Röschen! So wird sie nun niemand mehr nennen. Das Röschen ist mit Thekla gestorben; zurückgeblieben ist die dornige Frau Schick, die alle Stacheln nach außen kehren muss, um nicht an der Wunde zu verbluten, die Thekla ihr auf den letzten Lebensmetern gerissen hat.
S.75

Meine Meinung

Frau Schick beschließt, den Jakobsweg zu gehen. Natürlich kann sie das in ihrem doch schon fortgeschrittenen Alter nicht mehr vollständigen tun, also bucht sie eine Reise mit Reiseführer, um zumindest Strecken des Wegs zu absolvieren. Begleitet wird sie dabei von ihrem Chauffeur Herberger, den sie jedoch lieber Wohlfahrt nennt, nach seinem Vornamen, was für sie schöner klingt. Außerdem ist da die Reisegruppe, angefangen mit Bettina, einer Krankenschwester, sowie zwei Ehepaaren und natürlich der Reiseleiter, der aussieht wie Jesus. Als Frau Schick dann noch Nelly einsammelt, die eigentlich einen wundervollen Typen angeln wollte und sich plötzlich mitten im Nirgendwo alleine ohne Koffer, dafür mit einem paar traumhaften sowie unpraktischen Pumps und einem verdreckten Kostüm vorfindet, ist das Chaos vorprogrammiert.

Frau Schick ist in vielen Dingen eine typische Preußin, oft hat sie mich an meine vielen Großtanten erinnert in ihrer Handlungsweise. Tatsächlich sind viele meiner Tanten tatsächlich nach außen hin ein bisschen bissig und wirken hart, haben aber einen unglaublich weichen Kern. Es gibt noch mehr, aber das werde ich jetzt nicht alles aufzählen 😉 Ich mag Frau Schick. Sie hatte kein leichtes Leben, hat sich aber dennoch durchgebissen und schon während ihrer Flucht Großartiges geleistet. Und ihr Faible für Schlitzohren fand ich absolut zauberhaft. Frau Schick ist ein echtes Original, mit sehr interessanten Ansichten und schrägen Ideen. Ihr ruppiger Charakter tut das Übrige und ich war hin und weg.
Auch Herberger… oder soll ich eher Wohlfahrt sagen? Auch er ist ein spannender Charakter, seine kleinen Streitereien mit Frau Schick, ob es nun wegen des Laufens oder auch wegen Nelly ist, sorgen immer wieder für die amüsantesten Momente. Ganz besonders toll wurde es immer dann, wenn er klein beigeben musste und durch einen von Frau Schicks Tricks reingelegt wurde. Die Tatsache, wie er Frau Schick immer mehr mag und sie mehr und mehr schätzt, fand ich einfach rührend. Sie schlich sich in sein Herz, das wirkte sehr authentisch. Doch zugleich hat Herberger auch ein kleines Geheimnis, das sich vergrößert, als die beiden auf Frau Schicks Reisegruppe treffen.
Und dann ist da noch Nelly: ein Unglücksrabe, wie er im Buche steht. Der erste Mann war selbstsüchtig und sie kam nicht drüber weg. Jetzt hat sie Javier kennen gelernt, Spanier, Sohn eines Weingutbesitzers und verdammt gut aussehend. Doch auch das endet erst in einem kleinen und dann in einem großen Drama. Mal abgesehen davon, dass sie dauernd ihre beste Freundin im Kopf hört und ihre Tochter sich langsam abnabelt und lieber zu ihrem Papa möchte. Da tut es ihr ganz gut, dass Frau Schick sich ihrer annimmt und sie für das Übersetzen von Bibelpassagen aus dem Spanischen bezahlt.

Ich mag hier jeden einzelnen Charakter. Und die Entwicklung dieser auch. Gerade Frau Schicks Weg ist mit dem Verarbeiten von etwas verbunden und das ist einfach unglaublich schön dargestellt. Wut, Trauer, Erinnerung, Angst, alles ist dabei und es passt einfach.
Die Geschichte an sich ist natürlich keine sonderlich hochtrabende oder komplizierte, doch sie hat ihren ganz eigenen Charme, der auch zum Großteil durch die großartigen Charaktere entsteht. Sogar jeder Nebencharakter ist liebevoll entworfen und eingebracht.

Fazit

Eine charmante Geschichte über eine alte Dame, ihren Chauffeur, einer absoluten Verliererin sowie eine bunte Reisegruppe, die auf dem Jakobsweg so einiges mitmachen und erleben. Dabei gibt es doch immer wieder überraschende Wendungen und Erkenntnisse. Immer wieder musste ich herzhaft Lachen, weil die Charaktere so eigen und in ihrem Zusammentreffen amüsant sind.


Bewertung

                                                
Quellen

Cover
Autorenvita
Inhalt

Die Zitate sind dem Buch entnommen und auf der angegebenen Seite zu finden.

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