[Rezension] Otherland – Stadt der goldenen Schatten von Tad Williams

Titel: Otherland – Stadt der goldenen Schatten
Autor: Tad Williams
Original: City of Golden Shadow
Band: 1/4
Verlag: Klett-Cotta
Erschienen am: 5.9.2005
ISBN: 978-3453530751
Preis Taschenbuch: 9,95€
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Leseprobe

Autor

Tad Williams, 1957 in Kalifornien geboren, studierte in Berkeley und
arbeitete anschließend in vielen verschiedenen Jobs – als Sänger,
Schuhverkäufer, Zeitungsjunge, Radiomoderator, am Theater, beim
Fernsehen, als Lehrer, in einer Computerfirma. Er schreibt neben
Fantasy-Bestsellern Comics, Drehbücher und Hörspiele.
Wer mehr zu seinen Bücher erfahren will, kann dies hier tun.

Inhalt

Eine Gruppe mächtiger Männer, die sich Gralsbruderschaft nennt, hat mit
enormen Geldmitteln das Simulationsnetzwerk »Otherland« entwickelt. Es
ist mehr als nur die Spielwiese einiger Exzentriker: Von langer Hand
vorbereitet soll es das gigantische Kontrollsystem werden, das die
gesamte Menschheit beherrscht.
Nur wenige haben eine Ahnung davon,
welche Ausmaße das Netz bereits angenommen hat. Nur wenige erkennen die
tödliche Gefahr. Angelockt von der Vision einer strahlenden, einer
goldenen Stadt, versammeln sich neun Menschen in der VR, um sich dem
Bösen entgegen zu stellen und seine Pläne zunichte zu machen.

Cover

Das Cover ist in seiner Grundfarbe blau, doch darauf leuchtet nicht nur eine goldene Stadt, sondern auch der Titel und Autorenname sowie Verlag werden in Form einer Platine dargestellt, die wiederum golden ist. Die Stadt oben erinnert an das alte Ägypten, Obelisken sowie eine Pyramide bestimmen ihr Bild.

Zitate

Es merkwürdig, im Netz zu sein und sich im Stereobild von 360 Grad dasselbe anzuschauen, was sie an dem Vormittag schon einmal in echt gesehen hatte. Es war schwer zu sagen, welche Erfahrung realer wirkte. Und überhaupt, was hieß heutzutage schon real?
S.44

Nein, mehr als nur ein wenig beängstigend: Durch seine Augen betrachtet wirkte die Lambda Mall so aufgedunsen, so laut, so vulgär…
S.75

Sie war noch warm, was beruhigend war, aber seine Augen waren nach oben unter die Lider gerutscht wie bei einem Gehängten, den sie als Schulkind einmal in Geschichte gesehen hatte. Alles, was sie bei der trüben Straßenbeleuchtung von ihnen erkennen konnte, waren zwei graue Schlitze, Bildschirme, die ein Leersignal zeigten.
S.94/95

Es war mehr als nur eine Science-Fiction-Vision: Die Stadt hatte etwas Reales gehabt, realer als alles, was er jemals im Netz gesehen hatte.
S.107

Meine Meinung

Wie beschreibt man bei einer derart komplexen Geschichte mit so viel Ebenen ein bisschen den eigenen Eindruck der Inhalte? Otherland 1 ist ein richtiges Science-Fiction-Epos, in dem man auch dystopische sowie fantastische Elemente finden kann. Es zeichnet sich vor allen Dingen durch die unglaubliche Vielfalt an Erzählebenen aus: Man hat Renie, mit ihrer kleinen Familie, und !Xabbu, der erst ihr Schüler und dann ein guter Freund wird. Kleine Anmerkung zu !Xabbu: Ich hab so ziemlich jedes Mal, wenn dieser Name vorkam, versucht, ihn auszusprechen, ohne jeden Erfolg. Der Charakter ist ein Buschmann, der in die Stadt gekommen ist und sie und ihr Dasein kennenlernen möchte, der Name ist also nicht nur eine bloße Erfindung, sondern sehr realistisch. Zusätzlich gibt es noch Orlando und Fredericks, die nur über die Virtual Reality, kurz VR miteinander kommunizieren. Außerdem ist da noch Paul; Paul, der Soldat, der im Krieg ist. Er eröffnet das Buch und man fragt sich, was das nun mit der eigentlich angekündigten Geschichte zu tun hat. Außerdem gibt es da noch Dread, einen Mörder, dem man immer wieder bei seinen Planungen über die Schulter schaut. Und dann gibt es eine weitere Gruppe, die eindeutig im Bereich der Antagonisten eingeordnet werden kann: die Götter. Eine Gruppe, deren Sims in der VR als ägyptische Götter dargestellt wird.

Seid ihr verwirrt? Das war ich anfangs auch. Es gibt so viele unterschiedliche Handlungsstränge, die anfangs einfach nichts miteinander zu tun haben, zumindest macht das den Anschein. Das macht es jedoch auch schwer, dem Ganzen zu folgen, und es gibt sicher Leute, die dadurch auch nicht weiterlesen möchte. Ich jedoch liebe ja so Verschachteltes und stelle einfach gerne Mutmaßungen an, wo jetzt die Verbindung sein könnte und wie Zusammenhänge entstehen könnten, daher war ich von Anfang an voll dabei. Na ja, nach dem Prolog, den Pauls Kriegsgeschichte aus dem Schützengraben hat mich wirklich verwirrt. Man muss sich auf diese Geschichte einlassen und dadurch tappt man genau wie Renie oder Orlando auch länger im Dunkeln. Und das obwohl man doch immer wieder Einblick in die Vorhaben der Antagonisten erhält.

Die Idee der VR hat mich sehr fasziniert, diese Art der Umsetzung ist auch das, von dem viele Menschen heutzutage träumen und wie sie sich die Zukunft vorstellen. Das Gestalten von Sims, die einen in der VR betreten, eine Einkaufsmall, aber auch Orte, die man lieber meiden sollte. Diese VR spiegelt das reale Leben wieder und stellenweise fragt man sich, was denn nun wirklich Realität ist und was in der VR spielt. Letzten Endes kristallisiert sich das immer wieder raus, doch manchmal verschwimmen die Grenzen leicht.

Das Buch ist nur der Auftakt der Reihe und trotz seiner nicht geringen Länge sind bei mir noch so unglaublich viele Fragen offen. Tad Williams hat eine wirklich faszinierende Welt geschaffen und ich bin schon auf die weiterführenden Bücher gespannt. Nichtsdestotrotz muss man sagen, dass ein dermaßen langes Buch auch ab und zu seine Längen hat. Ich persönlich hatte diese Gefühl immer wieder bei den ägyptischen Göttern. Zwar war es einerseits faszinierend, diesen kleinen Einblick in ihre Pläne zu bekommen, aber ihre Art zu handeln zog sich für mich immer hin.

Sehr schön hingegen fand ich das afrikanische Geschichtengut, das durch !Xabbu (dieser Name, ich versuche es immer noch…) dargestellt wurde. Die Geschichten, die er Renie immer wieder erzählt, sind faszinierend und von einer schlichten Schönheit, wie sie nur Mythen und Märchen haben.

Fazit

Tad Williams Auftakt zu dieser großen Epos-Reihe ist definitiv gelungen. Er verschafft den Leser Einblick in viele Welten, RL und VR, Protagonisten und Antagonisten, und dennoch bleiben so viele Fragen offen. Ein großes Werk, das ich unbedingt bald fortsetzen möchte.

Bewertung

Quellen

Cover
Autorenvita
Inhalt

Die Zitate sind dem Buch entnommen und dort zu finden.

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4 thoughts on “[Rezension] Otherland – Stadt der goldenen Schatten von Tad Williams

  1. 🙂 Zwei Titel stehen auch auf meiner Liste: Artemis Fowl und Alles was wir geben mussten. Zum zweiten Buch habe ich damals ein Seminar an der Uni besucht. Als ich das Buch beendet hatte, war mir richtig mulmig in der Magengegend. Es ist eines der wenigen Bücher, die bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben.

  2. "Alles was wir geben mussten" hinterlässt auch einen bleibenden Eindruck… das Buch ist einfach beeindruckend. Ich kann es nicht anders sagen.

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