[Kommentar] Der König von Assur – Jutta Ahrens

Erster Satz

Die Mauern von Assur, der alten assyrischen Hauptstadt am Tigris, krallten sich in das Felsgestein eines Bergmassivs: ein Löwe, der auf Beute lauert.
S.9







Meine Meinung

Das hier ist ja schon ein Roman mit fortgeschrittenem Alter, von 1995 stammt das gute Stück, doch der Hauptcharakter hat mich beeindruckt.
Asurhaddon ist Hoherpriester in Assur, Hauptstadt der assyrischen Reichs. Er dient Aschschur, einem blutrünstigen Gott, der Menschenopfer verlangt und auch vor Folter nicht zurückschreckt. Das Reich wird von Asurhaddon jüngerem Bruder Assurdan regiert, doch im Verlauf des Buches wird dieser gestürzt und der grausame Hohepriester übernimmt seinen Platz.
Ich hoffe, ich schreibe den Namen jetzt auch wirklich jedes Mal richtig, denn im Buch bin ich ab und zu durcheinander gekommen: Asurhaddon, Assurdan, Arkas, Anaxeres, usw… Asurhaddon ist ein wirklich interessanter Charakter, er ist eindeutig psychopathisch veranlagt, seine Schönheit und die Fähigkeit sanft und demütig und voller Liebe reden zu können, obwohl er dies nicht empfindet, verstärkt diesen psychopathischen Effekt nur noch. Dabei bekommt er ungewollt immer wieder viel Liebe oder Freundschaft angeboten, derer er eigentlich nicht würdig ist. Aber dennoch schafft es der Hohepriester und Vollstrecker Aschschurs tatsächlich diese Personen immer wieder wegzustoßen, zu beleidigen, zu verletzen und mit seiner sanften Stimme zu vernichten.
Es ist unglaublich, wie Asurhaddons Fassade immer wieder leicht bröckelt, nur um dann noch starrer und härter zu werden. Und trotz seiner widerwärtigen Art, seinen skrupellosen Morden – er scheut auch nicht, einem die Haut bei lebendigem Leibe abzuziehen, jemanden vierzuteilen oder am Pferdewagen zu Tode schleifen zu lassen – sind doch wunderbare Menschen bei ihm, die ihn lieben und ihm scheinbar immer wieder aufs Neue verzeihen. Da fragt man sich, wie so ein Dämon so wundervolle Menschen finden kann.

Die Geschichte war nicht nur dieses skrupellosen Antiheldens wegen mitreißend, auch so hat mich diese Geschichte gefesselt. Das ist eine Gegend, die ich noch gar nicht leserisch erkundet habe und die Traditionen haben mich fasziniert. Allerdings war praktisch jeder Mann in diesem Buch eher Männern zugetan als Frauen. Faszinierend, wirklich.
Es war fesselnd und man litt tatsächlich auch mit Asurhaddon mit, obwohl der nun wirklich widerliche Dinge tat. Der Einblick in seine Welt war wohl die außergewöhnlichste Perspektive, die ich in einem historischen Roman erleben durfte.

Ich kann diesen Roman wirklich empfehlen, auch wenn er leider nur noch gebraucht erhältlich ist. Asurhaddon ist weniger ein Protagonist, ich würde ihn schon fast als Antagonisten bezeichnen, und trotzdem bezaubert er mit seiner Fähigkeit nicht nur die anderen Buchcharaktere, auch den Leser umschmeichelt er und zieht ihn in seinen Bann.

Quellen

Das Zitat ist dem Hardcoverbuch entnommen und dort auf der angegebenen Seite zu finden. Das Cover wurde von mir fotografiert.

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