[Rezension] Hier könnte ich zur Welt kommen – Marjorie Celona

Titel: Hier könnte ich zur Welt kommen
Autor: Marjorie Celona
Original: Y
Verlag: Suhrkamp/Insel
Erschienen am: 11.03.2013
ISBN: 978-3458175629
Preis Hardcover: 19,95€
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Leseprobe

Autor
wuchs auf Vancouver Island auf; lebt in Cincinnati und lehrt an der dortigen Universität; studierte am Iowa Writer’s Workshop

Inhalt

Vancouver Island, ein kühler Morgen im August, früh um fünf: Eine
schmale junge Frau im groben Arbeitsoverall legt ein winziges Bündel auf
einer Türschwelle ab und eilt davon. Das Bündel ist ein neugeborenes
Mädchen, eingewickelt in ein graues Sweatshirt, ein Schweizer Messer zu
ihren Füßen als einzige Erinnerung an ihre Mutter. Shannon findet
schließlich bei der warmherzigen Miranda und ihrer Tochter Lydia-Rose
ein Zuhause. Doch sie fühlt sich dort stets wie eine Fremde – von wem
hat sie den blonden Lockenbusch auf dem Kopf, woher die kleine Statur?
Die Frage danach, warum sie ist, wie sie ist, und die drängende
Sehnsucht, ihre Mutter zu finden, lassen sie nicht los, und so macht sie
sich mit sechzehn auf die Suche nach der Unbekannten im Overall, das
Schweizer Messer in der Tasche. Ihr Weg führt sie zu einem Ort in den
Urwäldern von Vancouver Island, deren Kronen sich mächtig und uralt wie
ein Gewölbe über den Menschen aufspannen, ihnen Geborgenheit und Schutz
geben. Was Shannon dort findet, ist eine ergreifende Geschichte von
wilden Herzen, beschädigten Helden und von leisem Schmerz.

Cover

Das Cover ist fast schwarz gestaltet, nur der Mond – der übrigens auch als Fassung für Titel, Autorenname sowie Verlag dient – und eine Frau durchbrechen dieses Schema. Diese Frau schwebt über dem Gras, sie scheint zu schlafen, vielleicht ist sie in einem Traum gefangen.
Ein ganz persönlich Eindruck von mir: Die Kleidung dieser Frau wirkt jung, strahlend, doch ihr Gesicht passt nicht dazu.


Zitat


Dann tragen die Kinder mich rein und sagen, ich soll mich nicht rühren. Für sie bin ich ein Meerschweinchen oder ein Lausfisch – etwas Fremdartiges, das man anstupsen, mit dem man experimentieren kann -, eine Kuriosität, aber auf gar keinen Fall, nicht eine Sekunde lang, ein Mensch.
S.24

Meine Meinung

Shannon hatte mehrere Namen, bevor sie zu Miranda kam, und sie war auch bei mehreren Pflegefamilien, nachdem ihre Mutter sie am großen Ypsilon von YMCA ausgesetzt hatte. Sie ist nicht einfach, ihre Kindheit auch nicht, und so richtig angekommen fühlt sie sich auch bei Miranda nicht, denn auch für deren Tochter Lydia-Rose ist die Situation nicht einfach.
Immer wieder wird Shannon von der Frage gequält, wo sie her kommt und sie macht Dummheiten, die sie nicht richtig bereut. Erst mit sechzehn Jahren macht sie sich endlich auf die Suche nach ihrer Mutter und fängt an, die Hintergründe ihrer Geburt kennenzulernen.


Shannon ist kein leichter Charakter, weder vom Äußeren noch vom Inneren. Sie ritzt sich Sterne in die Wade, durchstöbert das Schlafzimmer ihrer Ziehmutter und läuft auch einmal weg – eine Entschuldigung ist nicht drin. Sie ist eigenwillig, störrisch und kann Miranda auch nicht als Mutter akzeptieren. Sie ist klein, hat Haare wie Zuckerwatter und eine Figur wie ein Boxprofi. Sie ist anders.
Und sie ist kein sympathischer Charakter – ich als Leser wollte den Kopf schütteln, angesichts ihres unmöglichen Benehmens. Doch das macht Shannon eben aus und Shannon ist es auch, die diese Geschichte erzählt. Das mutet manchmal etwas seltsam an, wenn sie in Ich-Form von ihrem Aussetzen und den ersten Pflegeeltern erzählt. Anfangs ist dies wirklich ungewohnt, doch es gibt sich mit der Zeit, und nicht nur, weil Shannon älter wird.

Doch nicht nur ihr eigenes Leben, ihre Reise von Pflegeeltern zu Pflegeeltern, die Probleme, Gewalt und was sie sonst noch erlebt, teilt die Protagonistin mit, denn im Verlauf des Buch gibt es immer wieder Kapitel, die von der Zeit vor ihrer Geburt erzählen. Meist beginnen diese ungefähr so: „Es war sieben Tage vor meiner Geburt“ oder „Vier Tage vor meiner Geburt“.
Shannon beschreibt hier, warum ihre Mutter sie ausgesetzt hat. Der Leser erfährt jedoch nur quälend langsam in kleinen Fetzen, was geschah und warum es geschah. Man bekommt die tragische Geschichte ihrer Geburt häppchenweise vorgesetzt und stellt immer Theorien auf, was geschehen sein könnte.

Nicht alles wird klar, manches bleibt verschwommen, zumindest kam es mir manchmal so vor. Und das passt in die Geschichte, denn es wird immer klarer, dass Shannon trotz der Tatsache, dass sie ihr Leben von der Geburt an erzählt, scheinbar nicht alles weiß. Dinge verschwimmen und werden nur umrissen oder gar verdreht. So beispielsweise die Sache mit Julian, einem ihrer Pflegeväter.
Das Ganze macht die Geschichte doch noch realistischer, denn wer kann schon alles so detailreich wiedergeben?

Fazit

Marjorie Celona erzählt hier feinfühlig die Suche einer jungen Frau nach ihren Wurzeln, nach ihrer Herkunft. Dabei malt sie diese Suche und vor allen Dingen Shannon nicht in den schönsten Farben. Die Geschichte birgt viele Schicksale, viel Heruntergekommenes, eine Gesellschaft wird gezeichnet, die man positiv sehen kann. Und Shannon ist das Produkt dieser Welt – stur, eigensinnig und verschlossen. 

Bewertung

Quellen

Autorenvita
Inhalt

Das Zitat wurde dem Buch entnommen und ist auf der angegebenen Seite zu finden.

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2 thoughts on “[Rezension] Hier könnte ich zur Welt kommen – Marjorie Celona

  1. Das klingt doch wirklich sehr interessant. Ich habe die Leseprobe bei vorablesen gelesen, aber bei der Verlosung nicht mitgemacht. Ich glaube das Buch ist doch was für mich =)

    LG
    Anja

  2. Ich fands auch recht interessant, obwohl ich nach der Leseprobe eigentlich noch gezweifelt hatte 🙂
    Aber dann war ich doch ganz froh, es gewonnen zu haben.

    Liebe Grüße

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