[Rezension] Titan – Robert Harris

Titel: Titan
Autor: Robert Harris
Original: Lustrum
Verlag: Heyne
Erschienen am: 19.10.2009 (HC)/11.4.2011 (TB)
ISBN: 978-3453435476
Preis Taschenbuch: 9,99€
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Leseprobe

Autor

Robert Harris wurde 1957 in Nottingham geboren und studierte in
Cambridge. Er war Reporter bei der BBC, Redakteur beim ‚Observer‘ und
Kolumnist bei der ‚Sunday Times‘ und dem ‚Daily Telegraph‘. 2003 wurde
er als bester Kolumnist mit dem ‚British Press Award‘ ausgezeichnet. Er
schrieb mehrere Sachbücher, und seine Romane ‚Vaterland‘, ‚Enigma‘,
‚Aurora‘, ‚Pompeji‘, ‚Imperium‘, ‚Ghost‘ und zuletzt ‚Titan‘ wurden
allesamt internationale Bestseller. Seine Zusammenarbeit mit Roman
Polanski bei der Verfilumg von ‚Ghost‘ (‚Der Ghostwriter‘) brachte ihm
den französischen „César“ und den „Europäischen Filmpreis“ für das beste
Drehbuch ein. Robert Harris lebt mit seiner Familie in Berkshire.

Inhalt

Cicero hat es geschafft – Verhandlungsgeschick
und sein Redetalent haben ihn an die Spitze der Macht gebracht: Er
bekleidet als Konsul das höchste Amt in Rom. Aber seine Widersacher
haben sich längst formiert. Eine große Verschwörung droht die gesamte
Republik zu stürzen. Und immer wieder scheint es der gerissene Caesar zu
sein, der im Hintergrund die Fäden zieht …

Cover

Hier dominiert ein dunkles Rot, das sich in die schwarzen Wolken hineinmischt. Eigentlich ist es ein schlichtes Cover, da eben diese Farbmischung fast das gesamte Bild bestimmt. Nur ein Bogen unterbricht dies. Ich möchte jetzt nichts Falsches sagen, aber wenn ich mich sehr täusche, ist auf dem Cover der Pius-Bogen zu sehen.
Durch dieses Rot, das sich stellenweise auch wie ein blutiger Schleier über das Bild zu ziehen scheint, und die dunklen Wolken, bekommt das Cover etwas Bedrohliches in seiner Wirkung, die durch einen rot leuchtenden Blitz rechts nur noch verstärkt wird.

Erster Satz

Zwei Tage vor der Amtseinführung von Marcus Tullius Cicero zum Konsul von Rom wurde nahe den Schiffshäusern der republikanischen Kriegsflotte die Leiche eines Kindes aus dem Tiber gezogen.
S.11

Meine Meinung

Es ist der zweite Teil über Ciceros Leben, die Zeit seines Konsulats und seines Lebens nach diesem einschneidenen Moment. Erzählt wird das Ganze von seinem Privatsekretär Tiro, einem Sklaven, der auch in der Realität eine mehrbändige Biographie seines einstigen Herren geschrieben hatte (leider ging diese verloren). Wer sich auch für den ersten Teil interessiert, muss erst Imperium lesen, doch es macht in diesem Fall nichts aus, wenn einem dieser Band – so wie mir – fehlt.

Vorneweg muss ich noch sagen, dass ich schon vor längerer Zeit Bücher aus der gleichen Zeitperiode gelesen habe, welche jedoch aus der Sicht von Ciceros Gegenspieler erzählen. Daher habe ich insgeheim immer wieder die Erlebnisse verglichen und war fasziniert davon, wie die verschiedenen Positionen so anders ausgeleuchtet wurden. Wirklich sehr interessant. Nun muss ich sagen, dass ich das Buch ohne diese Vergleichsmöglichkeiten vermutlich etwas trocken gefunden hätte. Cicero ist nun mal kein großer Held, kein großer Charmeur, kein Spieler, kein Krieger, er ist Redner und Anwalt, darin dafür aber brillant. Er hat seine Schwächen, denen er im Verlauf des Buches auch immer mal wieder erliegt, er ist menschlich in seiner Furcht vor Gewalt und Blut, aber er ist seiner Frau auch treu und eigentlich auch den Prinzipien. Er ist kein so spannender, vielfältiger Charakter wie manch anderer Römer es ist, doch die Brillanz der Reden haben zumindest mich dafür entschädigt. Doch kann ich dieses Buch nicht jedem guten Gewissens empfehlen, denn ich bin mir sicher, es gibt genug Leser, denen dies zu trocken ist.
Wir haben hier nun mal vorwiegend das Thema der Politik und dabei bietet auch Ciceros Privatleben keinen sonderlich amüsanten Gegenpart, denn er ist eigentlich eher langweilig. Es sind die Machtkämpfe, die Intrigen und Anfeindungen im Senat, die dieses Buch erst spannend machen, die Reden der Protagonisten, die es lesenswert machen. Es gibt auch blutige Stellen, gewalttätige Stellen, doch für mich sind nicht diese für das Interessante zuständig. Ich mochte Ciceros Wortgewalt, wie er über sich hinauswächst, wenn er vor Publikum steht, Tiros kluge Gedanken, obwohl er doch ’nur‘ ein Sklave ist und die Gegner, die mal Freund, mal Feind sind, je nachdem wie der Wind gerade steht.
Zu der Politik kommt hinzu, dass Cicero nicht unbedingt auf der Seite der jungen wilden Rebellen steht, sondern eher – trotz seines Status als Homo Novus – eher konservativ eingestellt ist. Er möchte Roms Verfassung schützen und verteidigen, innovativ kann man ihn also auch nicht nennen. Und dennoch mag ich diesen Charakter, denn er ist nicht übertrieben heldenhaft gezeichnet worden, er ist menschlich mit einem Hauch von Genialität, doch auch Fehler können diesem brillant taktierenden Politiker unterlaufen.

Ich werde nicht viel über den Inhalt schreiben, denn getragen wird die ganze Geschichte eigentlich von den Personen Ciceros, Pompeius‘, Crassus, Clodius und natürlich Caesars. Es geht um ein neues Rom, um vollständige Macht und die Kluft zwischen arm und reich, Adel und Pöbel, Senat und Volkstribunat.

Fazit

Wer der Politik nicht zugetan ist und Action will, ist hier eindeutig nicht gut beraten, wenn er das Buch kauft, denn es lebt von seinen politischen Intrigen und Spielchen rund um Cicero, der eine menschliche Figur ist, aber nicht immer den spannendsten Charakter besitzt.

Bewertung

Quellen

Cover
Autorenvita
Inhalt

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