[Rezension] Ein ganzes halbes Jahr – Jojo Moyes

Titel: Ein ganzes halbes Jahr
Autor: Jojo Moyes
Original: Me Before You
Verlag: Rowohlt
Erschienen am: 21.03.2013
ISBN: 978-3499267031
Preis: 14,99€
Leseprobe

Autorin

Jojo Moyes, geboren 1969, hat Journalistik studiert und für die «Sunday
Morning Post» in Hongkong und den «Independent» in London gearbeitet.
Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern auf einer Farm in Essex.

Inhalt

Louisa Clark weiß, dass nicht viele in ihrer Heimatstadt ihren etwas
schrägen Modegeschmack teilen. Sie weiß, dass sie gerne in dem kleinen
Café arbeitet und dass sie ihren Freund Patrick eigentlich nicht liebt.
Sie weiß nicht, dass sie schon bald ihren Job verlieren wird – und wie tief das Loch ist, in das sie dann fällt.

Will Traynor weiß, dass es nie wieder so sein wird wie vor dem Unfall. Und er weiß, dass er dieses neue Leben nicht führen will.
Er weiß nicht, dass er schon bald Lou begegnen wird.

Eine Frau und ein Mann.
Eine Liebesgeschichte, anders als alle anderen.
Die Liebesgeschichte von Lou und Will.

Erster Satz

Als er aus dem Bad kommt, ist sie wach, hat sich gegen das Kopfkissen gelehnt und blättert durch die Reiseprospekte.
S.7 

Meine Meinung 

Es ist ein wirklich wundervolles Buch, berührend, bringt aber auch zwischendurch zum Lachen, man braucht auf alle Fälle Taschentücher, denn zumindest bei mir blieben die Augen nicht trocken. Es erzählt eine eher unkonventionelle Liebesgeschichte, die zwischen verschiedenen Welten spielt. Es ist nicht nur der „Klassen“-Unterschied zwischen Lou und Will, auch ihre Charaktere und letztendlich seine Tetraplegie schaffen diese großen Unterschiede.

Es sind sehr sensible Themen, die das Buch behandelt, auf eine erfrischend natürlich und unvoreingenommene Art und Weise: Die Autorin beschreibt nicht nur Wills Alltagsprobleme – vor allen Dingen auch die außerhalb des Hauses -, sondern auch seinen sicher nicht für jeden verständlichen Entschluss sehr feinfühlig. Man erfährt so viele über sein Leiden, sein Leben und die vielen Schwierigkeiten, die sich ergeben.
Und doch schafft die Autorin auch genau mit diesen Situationen humorvolle, amüsante Szenen. Es ist kein Buch, das den Nicht-Behinderten ständig anprangert oder zum Schämen bringen soll, stattdessen wird hier ein offener Einblick in Wills Leben gewährt. Und das hat nun mal auch Szenen, die einen zum Lachen bringen können.
In der Beschreibung wird eine Liebesgeschichte angegeben, doch die typische Romanze gibt es hier nicht, es ist außergewöhnlich, es ist besonders, genauso wie es oben steht. Und genauso, wie es war, fand ich es einfach perfekt. Eine andere Art der Liebe hätte nicht in das Buch und vor allen Dingen nicht zu den Charakteren gepasst.

Man liest das Buch zwar hauptsächlich aus Lous Sicht, aber es gibt immer wieder einzelne Kapitel aus der Sicht der anderen, was nicht nur ein besseres Verständnis der Situation eben dieser erzählenden Personen gibt, sondern auch die Struktur im positiven Sinn auflockert. So lernt man auch Lou mal aus einer anderen Perspektive als der eigenen kennen, denn sie ist nicht der Typ Mensch, der sich in den Himmel lobt oder stolz auf sich selbst ist. Diese Einschübe fand ich sehr gelungen.

Lou ist eine unglaubliche sympathische Protagonistin, die ich gleich ins Herz geschlossen hatte, die ich manchmal aber auch angesichts ihrer „Dummheit“ einfach nur schütteln wollte. Ich denke, sie ist kein großer Fan von Veränderungen in ihrem Umfeld, und das obwohl sie in ihrer kleinen Stadt wohl angesichts ihres Kleidungsstils (ich sage nur: Bienen-Ringel-Strumpfhose) eine sehr auffällige Person ist. Sie spielt sich selbst runter, erkennt ihre Fähigkeiten nicht und trotzdem ist ein optimischer, offener Mensch.
Will hingegen weiß sehr wohl, was er kann und nicht. Er hat eine sehr klare Sicht auf die Dinge, auf sich selbst, seine Zukunft und auch Lou. Trotzdem ist er streckenweise ein griesgrämiger, mürrischer Mann, der sich selbst aufgegeben hat und nicht einmal mehr versucht, Positives zu entdecken.
Eine heiße Mischung, nicht wahr? Aber auch eine wirklich schöne. Durch diese wirklich tiefgründigen Charaktere, die so durchdacht, so menschlich, so… ich kann mich nur wiederholen, so sympathisch sind.
Doch auch die zur Seite gestellten Nebencharaktere sind sehr detailliert ausgearbeitet. Sie avancieren nicht zu Nebenerscheinungen, sondern spielen auch wichtige Rollen und treffen tragende Entscheidungen, immerhin gibt es auch immer wieder Erzählungen aus ihrer Sicht.

Ich sags mal, wie es ist: Stilistisch ist das Buch nichts Besonderes, doch das braucht es auch nicht. Es ist gut geschrieben, wenn auch nicht herrausragend, doch getragen wird es von der Geschichte, von den Protagonisten und dem „Damokles-Schwert“, das über ihnen schwebt.

Titel und Cover erschienen mir anfangs, grad in Hinsicht auf den Klappentext etwas seltsam, doch nachdem ich das Buch gelesen habe, finde ich beides einfach perfekt. Es hätte nicht besser gewählt werden können.

Eine Besonderheit sind noch die Diskussionsfragen, die am Ende des Buches zu finden sind. Fand ich persönlich sehr interessant und ist sicherlich auch ein Buch, das in bestimmten Schulbereichen Anklang finden könnte.

Fazit

Jojo Moyes ist ein unglaublich berührendes Buch gelungen, welches feinfühlig auf die Probleme eines Tetraplegiker eingeht und dem Leser eine andere Welt aufzeigt. Außerdem gibt es mit Wills Entscheidung noch ein anderes Thema, das sicherlich für manche unverständlich bleibt, und so vielleicht doch etwas klarer und verständlicher wird.

Bewertung

Quellen 

Cover
Autorenvita
Inhalt

Das Zitat entstammt dem Buch.

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4 thoughts on “[Rezension] Ein ganzes halbes Jahr – Jojo Moyes

  1. Hi,

    für dieses Buch könnte man glatt noch eine Bonus-Brille dazu packen, oder? 🙂
    Ich fand es auch total klasse. Im Mai wird es übrigens eine Blogtour dazu geben 🙂

    Liebe Grüße
    MacBaylie

    1. Es ist absolut klasse 🙂

      Oh wirklich? Wart mal, hab ich da nicht was auf Lovelybooks dazu gelesen? Ist das die Tour?

      Liebe Grüße
      Chimiko

  2. Bei LovelyBooks ist es in der Monats-Lesechallenge, und zu Blogtour habe sich 7 Blogs zusammengetan (unter anderem ich) 🙂
    Dazu wird es aber noch eine Ankündigung geben.

    1. Ja klar, dass mit der Monatschallenge habe ich mitgekriegt und als ich dort meine Meinung zu den Fragen geschrieben habe, habe ich so etwas gelesen, aber nicht genauer angeschaut 😀

      Da bin ich ja schon mal drauf gespannt 🙂

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