[BaBü] Baden all inclusice – Eva Klingler

Titel: Baden all inclusive
Autor: Eva Klingler
Verlag: Silberburg
Erschienen: Oktober 2011
ISBN: 978-3842511484
Preis TB: 12,90 €
Leseprobe

Autorin

Eva Klingler, Jahrgang 1955, geboren in Gießen. Sie studierte in
Mannheim Germanistik und Anglistik, absolvierte ein Volontariat beim SWR
und arbeitete als Lehrerin, Journalistin und Bibliotheksleiterin. Sie
hat über zwanzig Romane, Krimis sowie Satiren in verschiedenen Verlagen
veröffentlicht – zuletzt die erfolgreiche Krimiserie um die
Ahnenforscherin Maren Mainhardt sowie den Satireband: „Beinahe Toskana
oder Baden auch für Nichtschwimmer“.

Inhalt

Die Möchtegern-Bühnenautorin Theodora Thamm ist ständig knapp bei Kasse.
Obwohl Schwäbin bis ins Mark, bewirbt sie sich notgedrungen als
Reiseleiterin für Baden. Während der einwöchigen Schulung zwischen
Heidelberg und Weil am Rhein muss sie ihren Chef, den Schwabenhasser
Robert Reutter, von ihren Fähigkeiten überzeugen. Und zu allem Überfluss
gibt es auch noch Mitstreiter um den Job.
Gleichzeitig jagt Theodora ihrem verschwundenen Exfreund Klaus
hinterher, dem eine Tante 10.000 Euro vermacht hat, von denen sie nur zu
gern etwas abbekommen würde. Während sie von einem Fettnäpfchen ins
andere tritt, steht plötzlich die Ehefrau von Klaus samt Tochter auf der
Matte. Von deren Existenz hatte Theodora bisher keine Ahnung.
Die Tante entpuppt sich als Drachen und schließlich stellt sich heraus,
dass Klaus inzwischen zum Gigolo einer reichen Russin in Baden-Baden
aufgestiegen ist.

Meine Meinung

Das Cover zeigt ja bereits das, womit Baden am meisten verbunden wird, neben der Schwarzwälder Kirschtorte: eine Kuckucksuhr. Finde ich gut gewählt, vor allen Dingen, weil Reiseleiter Reutter recht am Anfang einmal sagt, dass die neuen Reiseleiter ihren Gästen zeigen sollen, dass nicht nur diese Dinge Baden ausmachen. Und das stimmt 😉

Eva Klingler führt uns hier wirklich quer durch Baden und das ist natürlich durch die Thematik des Reiseführers besonders leicht. Allerdings habe ich das Gefühl, dass sie sich ein bisschen auf Nordbaden, d.h. Mannheim, Heidelberg und Karlsruhe konzentriert. Auch meine Wohngegend in Mittelbaden und Südbaden, also rund um den Kaiserstuhl und Freiburg, werden zwar behandelt, aber der Großteil der Geschichte spielt sich oben ab. Der untere Teil wird etwas kürzer und weniger ausführlicher beschrieben, zeigt aber doch immer noch die Charakteristiken der Orte gut auf. Gutes Beispiel hierfür ist mein Geburts- und lange Zeit Wohnort, der mit diesen Worten beschrieben wird:

Bestand früher fast ganz aus Fachwerkhäuschen. Heute noch schöne Überbleibsel am Gewerbebach. Und das uralte Gasthaus „Zur Linde“ (eventuell Einkehr, meine Herrschaften!).
Jeder zweite Einwohner ein Schnapsbrenner. „Geben Sie Gelegenheit zum Verkosten. Aber Vorsicht: Amerikaner vertragen nichts und Franzosen trinken nur zum Essen.“
Einer der größten Erdbeermärkte Deutschlands. Bitte darauf hinweisen! Erdbeeren sind nämlich etwas Positives.
S.176

Sehr, sehr treffend. Alle meine direkten Nachbarn damals waren Schnapsbrenner. Und es gibt das sogenannte Erdbeerfest, das einzige seiner Art, soweit ich weiß. Ich wohne ja jetzt nur einen Ort weiter und ich denke, es ist bezeichnend, dass vor unserem Haus zwei riesige Erdbeerfelder sind, oder? 😉

Also, selbst wenn es manchmal nur kurz abgehandelt wird, sind die Orte dennoch sehr gut beschrieben und ihre Besonderheiten werden gut erfasst.

Und die Geschichte hinter den Besichtigungen gibt es natürlich auch noch: skurill, schrill und manchmal etwas atemlos. Aber sie bringt einen unwillkürlich zum Lachen und Fluchen. Mal abgesehen von den ganzen Verwicklungen, in die Theodora gerät (Schwäbin… in Baden geboren… Chef: hasst Schwaben – nur ein Beispiel), lebt das Buch von seinen Charakteren. Jeder einzelne für sich hat eine Geschichte, die sicherlich ihr eigenes Buch wert wäre, aber das Zusammenspiel eben dieser Protagonisten endete in dieser urkomischen Komödie – anders kann ich es nicht nennen.
Aber nochmal ganz kurz zu dem Schwaben-Baden-Problem: Ich bin ja in Baden geboren, bin aber von der Familie her auch halb schwäbisch, daher kenne ich die Witzeleien von beiden Seiten her. Schwaben sind geizig, Erbsenzähler und genau, Badner… sind oft genau das Gleiche aus der anderen Sicht. Und ihr glaubt gar nicht, wie viele Witze es über Schwaben oder Badner gibt! Ich werde ja damit immer ‚geärgert‘ – auch wenn es mir nichts ausmacht, nur ein bisschen nervt, weils nach einer Weile langweilig wird. Aber der Konflikt ist super aufgegriffen und ich finde ihn nicht einmal überzogen, was wiederum schon traurig ist.

Es ist eine wirklich rasante Geschichte, die hier erzählt wird, aber das stört nicht mal, es passt hingegen für mich zu der Art einer Besichtigungstour mit Reiseleiter im Bus. Das Erzähltempo, in dem die Geschichte geschieht, ist fantastisch darauf abgestimmt. Wer hat noch nicht so eine Tour erlebt, bei der in Windeseile durch gefühlte tausend Orte gerast ist, und dabei die Informationen vorgebetet bekam? Und genau diese Stimmung nimmt Eva Klingler auf. 

Allgemein bin ich begeistert von diesem Buch: Es trifft den badischen Geist, es beschreibt die Orte perfekt und dann hat es noch Protagonisten, bei denen man vor Lachen wirklich auf die Tischplatte hauen könnte. Einzig und allein das letzte Kapitel fand ich nicht so gut gelungen, das ist erstmals wirklich überzogen und für mich auch schon fast unnötig… da es aber nur zwei Seiten sind, kann man darüber dann doch gut hinweg sehen.

Fazit

Wer Baden mal auf die humorvolle Art und Weise kennen lernen will, sollte ruhig zu diesem Buch greifen. Alles Wichtige wird erwähnt und dabei lernt man doch noch einiges über die badischen Sitten und Unsitten.

Bewertung

Quellen

Cover
Autorenvita
Inhalt

Das Zitat ist dem Buch entnommen und auf der angegebenen Seite zu finden.
 

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