[Rezension] Zehn Gründe, die todsicher fürs Leben sprechen – Albert Borris

Titel: Zehn Gründe, die todsicher fürs Leben sprechen
Autor: Albert Borris
Original: Crash into me
Verlag: Carlsen
Erschienen: Mai 2013
ISBN: 978-3551582768
Preis HC: 13,90 €
Leseprobe

Autor

Albert Borris hat im Himalaya Schneeleoparden gejagt, ist durch Island getrampt und hat an Ultra-Marathons teilgenommen, aber die größte Herausforderung ist für ihn immer noch die Arbeit mit Jugendlichen. Sein erstes Buch, das jetzt bei Carlsen auf Deutsch erscheint, überzeugt durch authentische Stimmen und einen ehrlichen Umgang mit einem schwierigen Thema.

Inhalt

Weil Owen aber auch der letzte Selbstmord-Versuch misslingt, sucht er im Netz nach
Gleichgesinnten und trifft auf Frank, Audrey und Jin-Ae. Sie beschließen
zusammen Richtung Death Valley zu fahren, um sich dort gemeinsam
umzubringen. Auf dem Weg dorthin wollen sie die Grabstätten berühmter
Selbstmörder besuchen, wie die von Hunter S. Thompson, Anne Sexton oder
Kurt Cobain. Und schreiben Listen mit Dingen, die sie vor ihrem Tod noch
erleben wollen: für Sports Illustrated schreiben, Sex haben oder
Gitarre spielen lernen. Das ist gar nicht so wenig, und so langsam
wächst die Erkenntnis, dass es sich trotz allem lohnen könnte
weiterzuleben. Kann diese Fahrt doch noch anders enden als im Death
Valley?

Erster Satz

Bei meinem dritten Versuch, mich umzubringen, nahm ich einen Strick.
S.

Meine Meinung

Bereits der erste Satz wird jeden, der noch nicht selbst vor dieser Wahl stand, erschrecken und aufwühlen, da bin ich mir ziemlich sicher. Prägnante erste Sätze sind für mich wirklich wichtig und dieser hier ist es definitiv, prägnant und einprägsam.

Selbstmord ist keine leichte Thematik, in der Art, wie sie hier dargestellt wird, leider noch viel zu selten vertreten. Albert Borris ist es gelungen, auf eine feinfühlige und dabei doch sehr direkte Art und Weise einen Einblick in die Gedanken von selbstmordgefährdeten Jugendlichen zu gewähren. Dieses Buch ist sicher beeindruckend, wenn auch nicht immer positiv zu sehen. Vier Jugendliche auf Selbstmord-Sightseeing-Tour quer durch Amerika, eine durchaus auch makabre Angelegenheit, wenn sie ihren gemeinsamen Selbstmord planen oder Gräber und Schreine von prominenten Selbstmördern besichtigen.
Der Ich-Erzähler Owen wird hier von Chat-Protokollen unterstützt, die zeigen, wie die Idee zu dem Trip entstand, wie die vier sich kennen lernten und wie sie das Ganze planten. Außerdem gibt es immer wieder Listen zu zehn Dingen (die schönsten Selbstmordarten, die schönsten Arten ohne Selbstmord zu sterben). Zwischen den Protagonisten gibt es auch immer wieder Gespräche über ihre Selbstmorde, Klinikaufenthalte und Erfahrungen, aber sie stellen sich auch Fragen über andere Menschen. Besonders hängengeblieben ist mir dabei die Frage, ob die Menschen, die 2001 aus dem World Trade Center sprangen, Selbstmörder waren oder ermordet wurden.
Bei manchen Gesprächen kann es einem eiskalt über den Rücken laufen, ganz egal, ob man auch mal ähnliche Erfahrungen gemacht hat oder ein vollkommen unbeschriebenes Blatt in der Hinsicht ist.

Die Protagonisten sind voller Menschlichkeit, Fehler und Probleme und eben suizidal veranlagt. Jin Ae ist Asiatin, steht unter dem Druck ihrer Mutter, alles perfekt und richtig zu machen, doch zugleich ist sie auch homosexuell veranlagt. Tragischerweise ist ihre Geschichte für mich so real, weil so viele asiatische Kinder unter so einem Zwang der Eltern sind, was mich immer wieder wütend macht… Dann gibt es noch Frank, der seinen Körper nicht richtig und Kontrolle hat, der trinkt und seinem Vater alles recht machen will, aber nicht kann. Audrey hat eine Narbe am Kopf, als sie versuchen wollte, sich mit der Bratpfanne zu erschlagen und Owen, der Ich-Erzähler hat auch seine tragische Geschichte, die im Verlauf des Buches offenbart wird.

Das Cover ist verdammt gut gelungen, wie ich finde. Auf der Vorderseite der Blick aus einem sargförmigen Grab, auf der Rückseite der Blick darauf. Ein schlichter Blickfang, der schon viel über das Buch aussagt. Beim Titel bin ich da immer noch am Schwanken, einerseits ist er echt super, andererseits verrät er auch schon recht viel. Doch hier in diesem Buch ist tatsächlich der Weg das Ziel, selten hat dieses Sprichwort für mich so zu einem Buch gepasst, wie hier.

Fazit

Albert Borris gibt einen geradezu beängstigenden Einblick in die Reise von vier selbstmordgefährdeten Jugendlichen und ihre Psyche. Einfach nur gelungen.

Bewertung

Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt
Das Zitat ist dem Text entnommen und auf der angegebenen Seite zu finden.  

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10 thoughts on “[Rezension] Zehn Gründe, die todsicher fürs Leben sprechen – Albert Borris

    1. Das freut mich natürlich 🙂
      Ich hoffe, dir sagt es so zu wie mir. Ich finde wirklich, es ist ein besonderes Buch.

      Liebe Grüße
      Chimiko

  1. Guten Abend,

    und da findet man tatsächlich die nächste so gute Rezension.
    Da bekomme ich ja wirklich fast ein schlechtes Gewissen, dass ich es heute nicht doch mitgenommen habe. Ich war heute Nachmittag Buch-Shoppen und da ich gestern bereits 2 gute Rezis zu dem Buch gelesen hatte, verweilte es auch ziemlich lange auf meinem Arm, aber bis zur Kasse hatte es dann doch nicht gereicht und ich habe ein paar andere Bücher mitgenommen. Unter anderem auch weil das Buch "nur" ca. 250 Seiten hatte. Hoffentlich bereue ich das nicht noch.

    Liebe Grüße.
    Chrissi

    1. Tjaha, ich habe ja geschrieben, es wird eine positive Rezension sein 😉

      Bin mal gespannt, ob du es dir irgendwann doch noch überlegst.

      Liebe Grüße
      Chimiko

  2. Hallo Chrissi,

    das Buch ist mir letztens schon mal irgendwo begegnet und ich fand es schon sehr interessant – nun hat es aber definitiv ein Platz auf meiner Wunschliste ergattert.
    Schöne Besprechung 🙂

    Liebe Grüße
    MacBaylie

  3. Danke für die tolle Rezension. Ich bin gespannt auf das Buch, es gehört zu meinen absoluten Must-Reads. 🙂 Dann liest du also auch gerne tiefsinnigere Bücher?

    Liebe Grüße
    Buchheldin 🙂

    1. Ich lese wirklich gerne auch mal nachdenkliche Bücher, ich brauche da aber auch Abwechslung. Aber ich lese grundsätzlich fast alles 😉

      Liebe Grüße
      Chimiko

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