[Rezension] Als Mrs. Simpson den König stahl – Juliet Nicolson

Titel: Als Mrs. Simpson den König stahl
Autor: Juliet Nicolson
Original: Abdication
Verlag: Insel-Verlag
Erschienen am: 17.06.2013
ISBN: 978-3458359371   
Preis broschiert:
14,99€
Leseprobe








Autor


Juliet Nicolson, Enkelin von Harold Nicolson und Vita Sackville-West, hat zwei Töchter und lebt mit ihrem Mann in Sussex, England. Sie hat bislang zwei historische Sachbücher über England vor dem Zweiten Weltkrieg veröffentlicht.

Inhalt


England, 1936. Für die 19-jährige May Thomas beginnt das Abenteuer ihres Lebens. Gerade aus Barbados nach England gekommen, tritt sie eine Stelle als Chauffeurin bei Sir Philip Blunt an. Mit ihrer offenen, liebenswürdigen Art findet sie bei den Blunts schnell ein neues Zuhause. Und in dem politisch und sozial engagierten Oxfordstudenten Julian einen Freund, für den sie bald mehr empfindet, als ihr erlaubt ist.
Zur selben Zeit hält Evangeline Nettlefold Einzug bei den Blunts. May schließt Freundschaft mit der lebenslustigen Amerikanerin, die mit ihrer impulsiven Art alles durcheinanderwirbelt. Doch Evangeline sorgt für etwas mehr Aufregung, als allen lieb ist. Denn sie steht in engem Kontakt mit Wallis Simspon, deren heimliche Affäre mit dem König nicht nur die Skandalpresse in Alarmbereitschaft versetzt.
Nach und nach taucht May immer tiefer in die Verstrickungen der gehobenen britischen Gesellschaft und hat bald nicht mehr nur mit ihrem Gefühlschaos zu kämpfen…


Erster Satz

An einem düsteren Februarnachmittag des Jahres 1936 saß eine neunzehn Jahre alte Frau am Steuer eines dunkelblauen Rolls-Royce.
S.9


Meine Meinung

Juliet Nicolsons Debüt ist ein wirklich solider historischer Roman aus einer interessanten Epoche. Doch leider habe ich mich durch den Titel etwas irreführen lassen. Tatsächlich hätte ich mir gewünscht, dass die Geschichte von Wallis Simpson und ihrem König mehr thematisiert wird. Zumindest hat der Titel dies bei mir bewirkt gehabt. Leider wird die Geschichte von Wallis und Eduard VIII immer wieder nur am Rande gestreift. Ich hatte mir einen tieferen Einblick erhofft.

Nichtsdestotrotz ist dies ein wirklich interessanter historischer Roman. Es werden die Wege von zwei sehr unterschiedlichen Frauen verfolgt: May, die junge Frau, die von Barbados nach England kam, auch um ihrem Vater zu entfliehen, und die nun als Chauffeuse arbeitet. Im selben Haushalt lebt die wirklich sehr dicke und glatzköpfige Evangeline Nettleford, welche ebenfalls aus den Staaten kommt, um bei ihrer Patentante Joan zu leben.
Die Geschichte wird aus diesen zwei unterschiedlichen Sichten erzählt, dabei kreuzen und verbinden sich die Wege der beiden öfters. Manchmal ist dies sehr schön und flüssig gelöst, doch es gibt auch Momente, in denen die Verknüpfung der beiden Schicksale eher gewollt und künstlich wirkt. Es ist jedoch natürlich eine schöne Möglichkeit, unterschiedliche Klassen kurz vor dem zweiten Weltkrieg zu beobachten. Hinzu kommt, dass Mays Cousin Nat mit einer Jüdin verheiratet ist und man somit auch diese Seite dargestellt kriegt.

Interessant fand ich auch, als Oswald Mosley, eine reale Figur mit faschistischem Hintergrund, ins Spiel kam. Insgesamt war dieser Konflikt für mich das Interessanteste und ich hätte mir sogar ein bisschen mehr davon gewünscht. Dies war natürlich besonders im Zusammenhang mit May und ihrer Familie ein wichtiger Punkt.

Noch einmal zu der Wallis- und Eduard-Geschichte. Natürlich kamen auch diese vor, anfangs am Rande, gegen Ende etwas mehr. Aber wer hofft, diese Geschichte zu lesen, ist fehl am Platz. Durch Evangeline bekommt man zwar Einblick in das Leben dieser zwei historischen Figuren, doch sie ist immer noch ein Außenseiter: durch ihr Singledasein, ihre Fettleibigkeit und ihren Charaktere. Daher gibt es auch nicht so viele Einblicke. Es wird eher am Rande gestreift.
Evangeline ist übrigens kein sympathischer Charakter, dafür aber sehr bemitleidenswert. Ihre aufdringliche Art und Weise hat mich oft eher peinlich berührt und man kann hier wirklich vom Fremdschämen sprechen. Doch dabei, trotz ihrer peinlichen Auftritte, empfindet man letzten Endes wirklich Mitleid mit dieser kaputten Persönlichkeit.

Ich empfand Juliet Nicolsons Stil als sehr angenehm. Man merkt auch, dass sie wirklich sehr viel Erfahrung mit der Zeit hat, denn die historischen Gegebenheiten sind schön eingearbeitet. Dabei wirkt dies jedoch nicht belehrend oder zu informativ, sondern war flüssig und interessant zu lesen. Das ergibt einen wundervollen Gesellschaftsroman über die Zeit vor dem zweiten Weltkrieg, die Zeit der Abdankung König Eduards.


Fazit

Ein sehr solides Buch über eine spannende Zeit. Man sollte sich jedoch nicht vom Titel irreführen lassen, die Geschichte von Wallis Simpson und König Eduard kommt zwar vor, wird aber eher am Rande thematisiert.


Bewertung

Mein Dank geht an den Insel-Verlag sowie Blogg dein Buch

Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

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2 thoughts on “[Rezension] Als Mrs. Simpson den König stahl – Juliet Nicolson

  1. Ach auf das hatte ich mich auch beworben. Kann ich mir also vormerken und mal schauen, ob ich es die Tage in die Finger bekomme 😉
    Schön dass es dir so gut gefallen hat.

    Liebe Grüße

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