[Rezension] Die drei Leben der Tomomi Ishikawa – Benjamin Constable

Titel: Die drei Leben der Tomomi Ishikawa
Autor: Benjamin Constable
Original: Three Lives of Tomomi Ishikawa
Verlag: Script 5
Erscheint am: 16.09.2013
ISBN: 978-3839001578
Preis HC: 18,95€
Leseprobe












Autor

Benjamin Constable wurde 1968 in Bristol geboren. Erst nachdem er in Bars und Clubs gearbeitet, in Bands gespielt, Bilder gemalt und Musik aufgenommen hatte, begann er, sich für Literatur zu interessieren. Im Alter von 32 Jahren schrieb er sich für ein Creative-Writing-Studium ein, das er erfolgreich abschloss. Nun lebt er in Paris, wo er Englisch unterrichtet, Bücher schreibt und Cocktails genießt.

Inhalt


Tomomi Ishikawa ist tot. Sie hat sich umgebracht, so steht es in dem Abschiedsbrief an ihren Freund Ben Constable. Doch Tomomi weigert sich hartnäckig, in Frieden zu ruhen. Stattdessen hinterlässt sie Ben eine Menge rätselhafte Botschaften, die ihn, ähnlich wie bei einer Schnitzeljagd, durch Paris, New York und Tomomis Vergangenheit führen.
Ben würde gerne glauben, dass es sich bloß um ein Spiel handelt, dass die Geschichten, die Tomomi ihm hinterlassen hat, nur Ausgeburt ihrer Fantasie sind, doch offenbaren sie ihm ein grausames Geheimnis.
Bald weiß Ben nicht mehr, was Fiktion und was Realität ist.

Erster Satz

„Ich würde gern ein Buch schreiben, in dem du und ich die Hauptfiguren sind“, sagte ich zu Tomomi Ishikawa und schon gedankenverloren die Sachen auf dem Tisch zurecht.
S.7

Meine Meinung

Eigentlich könnte ich schnell fertig sein, denn das Buch ließ mich einfach nur in einem Wow-Zustand zurück. Es zählt eindeutig zu meinen absoluten Jahreshighlights…
Aber so kurz will ich mich dann doch nicht halten und versuche mal, in Worte zu fassen, was mich an Die drei Leben der Tomomi Ishikawa so geflasht und beeindruckt hat.

Es fängt mit einem Brief an, ein Brief, der von wunderschönen Worten und Satzkonstrukten geprägt ist, wie das gesamte Buch. Dieser Brief ist der Auslöser für eine Schatzsuche, die den Protagonisten von Paris nach New York führt und ihn dort die unerwartetsten Orte und vor allen Dingen Geheimnisse entdecken lässt.

Die ganze Zeit über spielt Tomomi Ishikawa in ihrer Geschichte, den Ausflügen in die Vergangenheit und den Briefen mit der Wahrheit. Ist das nun Fiktion oder pure Realität? Dies fragt sich nicht nur Benjamin, sondern auch der Leser. Sehr gelungen fand ich in dieser Hinsicht vor allen Dingen das Ende: Man weiß immer noch nicht, was nun der Wahrheit entspricht, was gelogen war, und zugleich ist Benjamins Abschluss die Anknüpfung an die Geschichten Tomomis. Ich saß nur da, als ich das Buch zugeklappt hatte, und war einfach perplex. Denn man, in dem Fall natürlich ich, wusste einfach nicht, wie dieses Ende einzuordnen ist. Dies wird noch durch die Verbindung des Autors und der Erzählerfigur durch den Namen Benjamin Constable verstärkt. Was hieran entspricht der Realität? Entspricht überhaupt etwas der Realität? Dem Autor gelingt es einfach, dass man nach Ende des Buches weiter nachdenken muss, es bleibt einem nichts anderes übrig und das ist das Besondere, Wunderbare daran. Ich wollte kein Buch direkt im Anschluss lesen, meine Gedanken drehten sich immer noch um dieses Buch und seinen Inhalt.

Natürlich baut dieser Roman hauptsächlich auf den Figuren auf, auch wenn der Großteil der Reise von Benjamin allein gestaltet wird. Dennoch gibt es immer wieder Fragmente, welche entweder Tomomis Vergangenheit und ihrer Erinnerung beleuchtet oder sich mit Begegnungen der Freunde beschäftigt. Mal findet Benjamin Briefe, Tagebücher oder ähnliches, mal erinnert er sich selbst daran. Dadurch lernt man nicht nur Tomomi, sondern auch ihn kennen. Die Figuren werden einem langsam näher gebracht. Das ist natürlich besonders bei Tomomi Ishikawa spannend, da man sie hauptsächlich durch Schriftstücke und Erinnerungen kennen lernt.

Der Schreibstil ist eine Klasse für sich, wie eigentlich auch das gesamte Buch: Wenn ich so einen wundervollen, einfühlsamen, bildreichen und einfach nur schönen Stil sehe und ein Buch lesen kann, dann lass ich mich davon einfach gefangen nehmen und tauche vollkommen ab. Und in diesem Buch ist genau das geschehen.

Auch der Titel findet sich wieder, auf eine wundervolle Art und Weise. Ich möchte gar nicht zu viel schreiben, der Titel ist schon Einladung genug, um diese drei Leben gemeinsam mit Benjamin Constable zu erkunden. Es lohnt sich – zumindest für mich hat es sich gelohnt.

Fazit

Ich könnte so vieles zu diesem wundervollen Roman schreiben, doch ich will anderen nicht die Freude daran nehmen. Das Buch besticht durch… ja… durch alles: Faszinierende Charaktere, einen traumhaften Schreibstil und vor allen Dingen eine Geschichte, über die man immer und immer wieder nachdenkt und die bleibt.

Bewertung


Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

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