[Kommentar] Beerensommer – Inge Barth-Grözinger

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Erster Satz


Anna drückt die Nase fest gegen die Fensterscheibe, immer wieder, bis ein unregelmäßiger kleiner Fettfleck auf der Scheibe zu sehen ist.


























Meine Meinung


Eigentlich habe ich dieses Buch mal mitgenommen, weil ich dachte, dass es gut in meine Kategorie der BaBüs reinpassen würde. Jedoch spielt die Geschichte nicht in Baden, sondern praktisch an der Grenze zu Baden, aber eben im Schwabenländle. Die Protagonisten bezeichnen sich auch selbst als Schwaben. Nichtsdestotrotz ist diese Familiensaga ein tolles Buch und daher möchte ich es euch dennoch ans Herz legen, denn der Schwarzwald ist nicht nur in Baden schön und interessant 😉

Immer beliebter werden ja die Bücher, in denen Personen aus unserer Zeit auf Dokumente aus der Vergangenheit stoßen und anfangen, diese zu erforschen. Dabei müssen sie oft außer Landes reisen, um alles Geheimnisse zu lüften. Auch hier ist Anna, die Protagonistin der modernen Zeit, auf der Suche nach ihren Wurzeln, denn nach dem Tod ihrer Mutter ist sie nun praktisch allein. Ihre Reise aus Berlin in den Schwarzwald bringt sie zu Gretl und den Tagebüchern ihres Urgroßvaters, der die zweite Zeitebene gestalten wird. Diese führt einen in die Zeit vor, während und auch nach dem ersten Weltkrieg bis hin zum zweiten Weltkrieg, und so langsam entsteht die Geschichte einer bewegenden Freundschaft mit Höhen und Tiefen.
Friedrich und Johannes – eine außergewöhnliche Freundschaft, die beide ihr Leben lang prägen wird. Der Autorin gelingt es, den Leser durch die Geschichten und das gesamte Leben der zwei Jungs zu führen, ohne dass für mich persönlich Längen aufkamen.
Gerade der historische Plot ist wirklich fesselnd und mitreißend. Man lebt tatsächlich an der Seite der beiden, man liebt und hasst mit ihnen und fühlt mit ihnen.
Der moderne Teil mit Anna bleibt hingegen etwas unpersönlich. Die Tiefe, die man bei den Charakteren rund um Johannes und Friedrich in ihrer Zeit findet, vermisst man hingegen bei Anna. Der Rahmen in Form der modernen Handlung hatte somit stellenweise doch etwas Gezwungenes.

Am Besten hat mir jedoch wirklich das historische Schwarzwalddorf gefallen, das einfach so typisch war, dass ich sofort ein Bild davon im Kopf hatte. Hier passt die Bezeichnung ‚aus dem Schwarzwald‘ wirklich, denn die Gegend und ihre Kultur, ihre Entwicklung, ihre Wirkung wird miteinbezogen und man merkt einfach die Schwarzwälder Gepflogenheiten.

Die Autorin entwickelt die Geschichte wirklich sehr feinfühlig und hat dabei einen angenehmen Schreibstil. Emotionen bringt sie damit hervorragend rüber und lässt einen doch immer wieder mitfiebern.


Fazit


Der moderne Teil ist für mich zwar schwächer, doch der historische Teil, die Geschichte, die sich um Friedrich und Johannes dreht, reißt es für mich doch wieder heraus: Die Entwicklung der beiden Jungs zu Männern im Rahmen der Gegebenheiten ist einfach sehr authentisch und bewegend, so dass ich einfach immer weiter lesen musste!

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2 thoughts on “[Kommentar] Beerensommer – Inge Barth-Grözinger

  1. Da meine Mutter unverheiratet Barth hieß und der Großteil unserer Verwandschaft nach dem krieg "verschollen" ist, ist mir dieses Buch nun hier bei dir gleich ins Auge gefallen! ich weiß, dass der name in deutschland sehr häufig ist…in Österreich nicht. Und die geschichte hört sich sehr interessant an, wobei mir auch shcon aufgefallen ist, dass mir bei Büchern wie diesen auch immer der Teil, der in der Vergangenheit spielt viel besser gefällt, als der in der Gegenwart.
    Liebe Grüße
    Martina

    1. Oh, das würd ich auch aufmerksam hinschauen. Wobei bei meinem Familiennamen großväterlicherseits (also meinem tatsächlichen) weiß ich ganz genau, wo die Verwandtschaft wohnt. Zumindest in Deutschland, in Polen gibts auch noch ein paar, die ich nicht kenne 🙂

      Oh ja, das ist schade und hier wirkt es irgendwo doch recht hölzern, der Rahmen. So gezwungen…
      Trotzdem ein sehr tolles Buch!

      Alles Liebe, Chimiko

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