[Kommentar] Lilith. Die uralte Metropole – Christoph Marzi

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Erster Satz


Die Welt ist gierig und manchmal verschwinden Menschen in ihrem Schlund, ohne jemals wieder gesehen zu werden.
S.11


























Meine Meinung


Ich hatte dieses Buch im heißen Sommer angefangen, dann aber noch mal zur Seite gelegt, denn dieses Buch ist kein Sommerbuch. Es ist ein Herbst- und Winterbuch, ein Teebuch, ein Kerzenbuch. Am Besten ist es kalt, grau und regnerisch, denn kann sich der Zauber von ‚Lilith‘ erst so richtig entfalten – zumindest ist es das, was ich mit diesem Buch verbinde.

Ich hatte hohe Erwartungen an das Buch, weil mich der erste Band doch schon sehr überzeugt hat, und ich war froh, dass diese Erwartungen erfüllt wurden. ‚Lilith‘ steht seinem Vorgänger wirklich nicht nach. Es fiel mir leicht, wieder in diese Welt abzutauchen, die skurril faszinierend anmutet. Ich habe mich sehr darauf gefreut, wieder mit Emily und Wittgenstein (vor allen Dingen letzterem, dessen Gestaltung es mir wirklich angetan hat) durch Londons uralte Metropole zu reisen und dieses Mal auch die Metropole Paris zu erleben.
Sicher ist es für viele störend, dass Wittgenstein bestimmte Floskeln immer wieder wiederholt, doch für mich macht das einen großen Charme der Figur und auch des Buches aus. Das ist einfach Wittgenstein und eine Persönlichkeit, die auch gerade dadurch im Gedächtnis hängen bleibt.
Allgemein ist Marzis Personengestaltung wirklich sehr detailliert und tiefgründig. Die Figuren, die er entstehen lässt, wirken einfach so lebendig.

Marzi verbindet so viele Mythen, Religionen und literarische sowie historische Anspielungen in seinem Buch, das ich mir sicher bin, bei weitem nicht alle entdeckt zu haben. Ich persönlich empfand dies als sehr gelungen und vor allen Dingen auch sehr logisch aufgebaut. Mir macht es einfach Spaß, solche Gegebenheiten zu entdecken.
Was sich hier verändert hat, sind die zusätzlichen Szenen in vergangenen Zeiten, die Licht ins Dunkle bringen und einiges langsam aufklären. Die Tagebuchszenen in Ägypten waren das einzige, was mir persönlich nicht ganz so gut gefallen hat, diese fand ich im Verhältnis zum Rest des Buches eher etwas schwerfälliger. Dennoch wird mit Eliza Holland ein weiterer interessanter Charakter eingefügt, der mir sehr zusagt.


Fazit


Wieder hat mich Christoph Marzi mit seiner uralten Metropole überzeugen können. Ich finde diesen nicht leichten, aber bezaubernd anmutenden Schreibstil einfach herrlich! Die Diskussion darüber, dass er geklaut hätte, ist für mich unnötig, denn auf mich wirkt das Ganze eher wie eine Hommage an besondere Autoren und faszinierende Mythen. Ein wundervolles Buch!

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2 thoughts on “[Kommentar] Lilith. Die uralte Metropole – Christoph Marzi

  1. Guten Abend Chimiko,

    Nachdem ich Lycidas ebenfalls im Sommer gelesen habe, hatte ich es ja dann auch nach dem zweiten Teil auch zur Seite gelegt und habe vor zwei Tagen dann endlich weiter gelesen. Heute Abend werde ich Lycidas dann wohl beenden und Lilith liegt schon bereit. Ich sehe das ganz genauso wie du. Die Bücher sind nichts für den Sommer und sie schreien nach Tee und Kuscheldecke. Da ist das Wetter ja jetzt eigentlich endlich für da.

    Liebe Grüße
    Chrissi

    1. Oh ja, jetzt ist das perfekte Lesewetter ♥
      Hätte ich nicht so viel zu Lesen, würde ich es doch jetzt grad noch mal lesen! Viel Spaß dabei!

      Alles Liebe, Chimiko

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