[Rezension] Das Lächeln des Elefanten – Marco Missiroli

Titel: Das Lächeln des Elefanten
Autor: Marco Missiroli
Original: Il senso dell’elefante
Verlag: List
Erschienen am: 11.11.2013
ISBN: 978-3471350898
Preis HC: 18,-
Leseprobe












Autor

Marco Missiroli wurde 1981 in Rimini geboren und begann bereits im Alter von fünzehn Jahren zu schreiben. Er studierte Kommunikationswissenschaften und Storytelling in Bologna und Turin. Seit seinem Debüt Senza coda im Jahr 2005 wurde er für seine Romane mit vielen Preisen ausgezeichnet. Marco Missiroli lebt in Mailand und arbeitet als Journalist für die Vanity Fair, den Corriere della Sera und psychologische Zeitschriften.

Inhalt

Ein einziger Brief reicht, und Pietro gibt alles auf. Er lässt seine Berufung als Priester hinter sich und zieht nach Mailand. Den Brief und damit die Erinnerung an seine große Liebe trägt er stets bei sich. Nach all den Jahren ist ihm damit die Frau wieder nahe, die er für Gott aufgegeben hatte. Ihre Nachricht zeigt ihm seine neue Bestimmung: Er will seinem nie gekannten Sohn beistehen. Pietro beginnt, in Mailand als Portier zu arbeiten. Sein Geheimnis behält er zunächst für sich. Als es fast zu spät ist, erkennt er: Die Wahrheit tut weh und kann doch heilen.


Erster Satz

Es war einmal ein Mann, und diesem Mann ging es ganz gut.
S.7

Meine Meinung

Dieses Buch lässt mich etwas sprachlos – aber auf alle Fälle auch voller Eindrücke und Gedanken – zurück. Es ist keine Geschichte, die mit Action, Fantasy oder vielen unterschiedlichen Geschehnissen arbeitet. Hier stehen die Menschen im Vordergrund… eher sogar noch die Persönlichkeiten, die Marco Missiroli entwickelt hat. Es sind Schicksale, die das Buch lebendig werden lassen.
Da wäre natürlich vorweg Pietro, der ehemalige Priester und jetziger Portier des Mietshauses, dessen Figuren mich eigentlich alle auf irgendeine Art und Weise berührt haben. Doch Pietro ist der, durch dessen Augen der Leser all diese Charaktere wahrnimmt. Man kann ihn wirklich als die gute Seele des Hauses bezeichnen, der trotz seiner Abkehr von Gott, doch immer noch ein Stück Priester in sich trägt und für die Menschen da ist. Allein durch den Klappentext ist dem Leser natürlich klar, dass es sich hier um seinen Sohn dreht, auch wer dies ist, bleibt nicht lange geheim. Doch das stört überhaupt nicht!
Auch die anderen Hausbewohner sind wirklich faszinierende Menschen: Ob das nun der sonderbare Junge Fernando und seine Mutter sind, der Dottore samt Familie oder auch insbesondere der Avvocato Poppi, ist relativ egal. Jeder einzelne hat mich wirklich berührt und sich auf die eine oder andere Art und Weise in mein Herz geschlichen. Wobei ich hier besonders Poppi hervorheben muss, der – ähnlich Pietro – den Durchblick hat und auf seine ganz eigene Art und Weise wirkt; außerdem trauert er immer noch um seine verstorbene große Liebe Daniele, was so menschlich beschrieben wurde… die Szenen mit Poppi haben mich wirklich immer wieder fasziniert.

Der Elefant aus dem Titel begleitet Pietro im Übrigen immer wieder: Mal in Form einer Geschichte, eines Plüschtiers oder tatsächlich auch im Schattenspiel. Dieses wird übrigens immer wieder von Pietro ausgeübt – und daher passt auch der Scherenschnitt des Mannes auf dem Cover gut dazu, denn das erinnert mich immer wieder an die Schattenspiele.

Es ist wohl mit einer der emotionalsten Romane, die ich bisher gelesen habe. Ohne übertriebene Gefühlsausbrüche oder ähnliches – für mich besticht das Buch eben durch seine Schlichtheit der menschlichen Gefühle.
Besonders der Schreibstil verstärkt den Eindruck noch. Es ist kein leichter, flüssiger Stil, manchmal wirkt es etwas sperrig, doch genau das passt einfach so perfekt dazu. Ich frische aktuell mein Italienisch auf und könnte mir doch vorstellen, dass ich dieses Buch irgendwann einmal als Original lesen werde, um noch mehr von den Worten gefangen genommen zu werden.
Erwähnenswert sind auch die kurzen Rückblicke zum Priester und der Hexe. Dabei wird Pietros Vergangenheit, genauer gesagt die Zeit mit der Mutter seines Sohnes dargestellt. Allein die ständige Bezeichnung als Priester, als Hexe oder auch später die Mutter der Hexe gestalten eine Atmosphäre, die… sich doch noch einmal von dem Rest des Buches unterscheidet, sich dabei aber dennoch perfekt einfügt.
Das mag jetzt alles ziemlich kryptisch klingen, aber es fällt mir auch doch schwer, dieses unglaubliche Buch zu beschreiben und zu bewerten. Es gibt Bücher, die muss man einfach selbst lesen und für mich gehört dieses Buch eindeutig dazu!

Fazit

Es ist ein Buch, das man eigentlich selbst lesen muss, doch ich kann so viel dazu sagen: Emotional, bewegend, fesselnd, außergewöhnlich und auf gewisse Art und Weise auch fantastisch.

Bewertung


Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

Weitere Posts zum Thema

8 thoughts on “[Rezension] Das Lächeln des Elefanten – Marco Missiroli

    1. Ich hatte mir tatsächlich überlegt, es zu meinem Bloggeburtstag nächste Woche zu verlosen 😉
      Aber wenn du willst, kannst du es haben (das Buch muss gelesen werden). Du musst mir nur noch mal deine Adresse schicken (und dich etwas gedulden, hab grad weder Umschlag noch Briefmarke im Hause…), dann schick ich es dir spätestens am Wochenende zu ♥

      Alles Liebe, Chimiko

    2. Oh das ist lieb, aber dann hast du nichts zum Verlosen! Und wenn dann möchte ich dir ja auch ein Buch dafür geben. Magst du mal in meinem Tauschregal auf Lovelybooks schauen? LG

    3. Ah, keine Sorge, ich hab mich bereits für andere Bücher entschieden 😉
      Und sieh es als Revanche an, immerhin hast du mir auch ein Buch geschenkt ♥

      Alles Liebe

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.