[Rezension] Die Quadratur des Glücks – Rohinton Mistry

Titel: Die Quadratur des Glücks
Autor: Rohinton Mistry
Original: Family Matters
Verlag: Fischer
Erschienen am: 11.12.2003
ISBN: 978-3596156351
Preis TB: 9,95€













Autor

Rohinton Mistry wurde 1952 in Bombay geboren und lebt nun in Toronto, Kanada. Für seine Romane erhielt er viele Auszeichnungen, u.a. den kanadischen Staatspreis, den Commonwealth-Preis und zuletzt, für die „Die Quadratur des Glücks“, den Kiriyama-Preis.

Inhalt

Als geachteter Patriarch der Familie: so würde Nariman Vakeel in Bombay gern seinem Alter entgegensehen. Aber die Harmonie in seiner Familie ist brüchig. Er lebt bei seinen Stiefkindern, die ihm vorwerfen, ihre verstorbene Mutter nie richtig geliebt zu haben. Als er nach einem Unfall gepflegt werden muss, schieben sie ihn zu seiner Tochter Roxana ab, die mit ihrem Mann Yezad und zwei Kindern in einer engen Wohnung lebt. So sehr Roxana ihren Vater liebt, so sehr auch Yezad und die Kinder versuchen, den alten Mann in ihr Leben aufzunehmen, wird die Situation doch zur Belastung – und die Versuche, das Leben zu bewältigen, haben dramatische Folgen. Yezad wird von dem ganz Bombay ergreifenden Lotteriefieber erfasst und verspielt sein knappes Gehalt, dann will er seinen Chef für eine Lokalpolitikerkarriere begeistern, um so selbst befördert zu werden. Nariman flüchtet sich immer mehr in Erinnerungen an seine erste verbotene Liebe zu der Christin Lucy, und Roxana versuchte heimlich eine Versöhnung mit den Stiefgeschwistern zu erreichen. Und dann scheint es, als könne alles gut werden.


Erster Satz

Ein Sonnenfleck hatte sich am Fuß von Narimans Bett niedergelassen, als er von seinem Nachmittagsschläfchen aufwachte und auf die Uhr sah.
S.7

Meine Meinung


Es ist nicht mein erstes Buch von Rohinton Mistry und es wird wohl auch nicht mein letztes Buch von ihm sein. Seit über einem halben Jahr lag das Buch auf meinem SuB und jetzt, nachdem ich es gelesen habe, frage ich mich doch, warum ich nicht früher danach gegriffen habe.
Herr Mistry erzählt eine wirklich ergreifende Geschichte über den Alltag einer indischen Familie und zeigt dabei die Welt, die außerhalb der bunten Bollywoodfilme stattfindet. Ein Großvater und Vater mit Parkinson, dessen Geld zu wenig für die Medikamente ist. Zwei Stiefkinder, von denen die Tochter dem Stiefvater immer noch grollt und dessen Parkinsonerkrankung sie persönlich nimmt. Eine Tochter, die mit zwei Kindern und Ehemann in zwei kleinen Zimmern plus Küche und Bad lebt, dann aber noch den Vater aufnimmt, nachdem die Stiefschwester ihn los werden will. Der Ehemann ist ein Sauberkeitsfanatiker und manchmal sehr aufbrausend. Doch man lernt nicht nur die Familie kennen, auch Nachbarn und Freunde, Kollegen und Geschichten von völlig Fremden werden vom Autor geschickt in diese Hauptgeschichte verwoben.
Jeder Charakter hat seinen Moment, in dem er seine Sicht der Situation erzählt und im Vordergrund steht. War es anfangs oft der erkrankte Nariman, werden es mit zunehmender Krankheit und immer stärker werdendem Verlust seiner Sprach- und Bewegungsfähigkeit, die anderen.

Jeder der Charaktere entwickelt sich auch weiter, manchmal auf eine gute, manchmal auf eine schlechte Weise und manchmal geht diese Entwicklung sogar in beide Richtungen zugleich. Die Extremsituation der Krankheit schafft es, dass jeder sich neue Gedanken macht und sich der Situation stellt.
Da wäre beispielsweise Jal: Er ist Narimans Stiefsohn und wird von seiner Schwester eher unterdrückt, Coomy ist sozusagen die Chefin im Haus. Jal ist für mich am meisten im Gedächtnis geblieben, mit seinem immerwährenden Griff zum Hörgerät, um es richtig einzustellen. Es sind keine großen Sprünge, die er macht, aber dennoch entwickelt er sich und verändert sich auf einer sehr realistische Weise.
Yezad hingegen ist der Geldverdiener, der Ehemann von Roxana, auf Sauberkeit bedacht, albern und etwas gehässig gegenüber der religiösen Coomy und auch den religiösen Wünschen seiner Frau. Als der bettlägerige Nariman bei ihnen einzieht, muss er sich einer ganz anderen Wirklichkeit stellen: ein alter Mann, ans Bett gefesselt, gezwungen Bettpfanne und Urinflasche zu benutzen, Gerüche nach Krankheit und allem.

Dies ist der zweite Teil… Mistry erzählt eben nicht nur eine Familiengeschichte, sondern auch die Geschichte einer Krankheit und ihrer Wirkungen. Ob es nun der Umgang der anderen damit ist oder Narimans Flucht in seine Vergangenheit… dem Autor gelingt es, beides darzustellen.

Es ist eine stille Geschichte, die einem die nicht schöne Wirklichkeit Indiens zeigt, am Beispiel einer Familie. Melancholisch, ergreifend, emotional, bewegend – das sind nur ein paar Worte, die meine Gefühle angesichts dieser bewegenden Familientragödie ausdrücken. Es ist ein Buch, das mich nicht mehr losgelassen hat und das ich bedingungslos weiterempfehlen kann.


Fazit

Ich bin einfach hin und weg von diesem Roman, der so vielfältig ist, der die Kultur Indiens so unglaublich detailliert an einer Familie darstellt und dabei so wundervolle Figuren entwickelt, die man gleich vor dem inneren Auge sehen kann. Rohinton Mistry ist für mich einer der besten Autoren, die ich bisher gelesen habe und dieses Buch konnte ich nicht weglegen, ich musste es einfach immer weiter lesen, so sehr nahm die Familie und ihre Geschichte mich gefangen.

Bewertung


Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

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