[BaBü] Bienen-Stich – Brigitte Glaser

Titel: Bienen-Stich
Autor: Brigitte Glaser
Verlag: Emons
Erschienen: Oktober 2009
ISBN: 978-3897056817
Preis: 10,90€
Leseprobe











Autor

Brigitte Glaser, geboren 1955 in Offenburg, wuchs im Badischen auf. Sie studierte in Freiburg Pädagogik und wechselte nach Köln, wo sie heute als freie Schriftstellerin lebt. Seit 2001 erscheint ihre Krimiserie ‚Tatort Veedel‘ im Kölner Stadt-Anzeiger.
Sie ist auch Urheberin der Projekts ‚Achern im Visier‘, welches ich euch HIER bereits vorgestellt hatte.

Inhalt

Nach dem plötzlichen Tod ihrer Patentante Rosa erbt Katharina deren Haus und Hof. Bald mehren sich ihre Zweifel an dem angeblich natürlichen Tod der alten Frau. Wer ist in ihr Haus eingebrochen? Warum hat Rosa sich geweigert, ihre Felder als Bauland zu verkaufen? Wohin sind ihre Bienenstämme verschwunden? Oder hat Rosas Tod etwas mit ihrer Rolle in der Mais-Guerilla zu tun, die gegen den Einsatz von tödlichen Insektiziden kämpft? Um die Rätsel zu lösen, muss Katharina tief in Rosas Geschichte eintauchen und damit auch in ihrer eigene Vergangenheit.


BaBü


Okay… dieses Buch motiviert mich wieder so richtig, mehr BaBü-Bücher zu lesen. Warum? Na ja… das liegt sicherlich zu einem großen Teil am Schauplatz dieses Buch: Fautenbach und Achern. Natürlich reist Katharina auch noch nach Freiburg, Kehl oder ins elsässische Scherwiller, aber Fautenbach ist nun mal der Hauptschauplatz. Ein kleiner Ort am Rande des Schwarzwalds, an dessen Ortseingang ihr das hier findet: eine riesige Holzzwiebel. Warum? Wegen dem jährlichen Ziwwlfescht. Allgemein liegt Fautenbach in einer sehr ertragreichen Gegend, aber die meisten Menschen kennen wohl die berühmten Bühler Zwetschgen:


Blau schimmerten die berühmtesten Früchte der Gegend zwischen den Blättern, und die faulen unter dem Baum zeigten an, dass es höchste Zeit war, sie zu ernten. […] Schnell waren die reifsten gepflückt, und ich dachte an Zwetschgenkuchen mit Kartoffelsuppe, ein Gericht, das Rosa immer aus den ersten reifen Früchten zubereitet hatte.
S.26

Okay… so kennt ihr Zwetschgen vermutlich nicht, oder? 😉 Ist aber sehr lecker, auch wenn es seltsam klingt. Aber in der Gegend gibt es noch viel mehr leckere Sachen:

Hast doch alles, das Mittelbadische ist doch ein Garten Eden: Wild und Pilze aus dem Achertal, Obst aus Fautenbach, Gemüse aus Önsbach, Wein aus Waldulm, Rahmkäse aus Kappelrodeck, Zwetschgen aus Bühl, Walnüsse aus Sasbachwalden, Speck aus Seebach.
S.93

Allein das Kulinarische reicht jedoch nicht aus, um Baden zu zeigen, auch der unverwechselbare Dialekt gehört dazu. Ich habe euch jedoch nicht jemanden aus Fautenbach ausgesucht, sondern eine Elsässer Dame aus Fautenbachs Partnerdorf Scherwiller rausgesucht. Allemannisch kombiniert mit französischen Brocken:

„Salut, Catherine“, trois grandes bises zur Begrüßung, „long isch’s her, dass du hier g’wäse bischd! Oh lá lá, quelle belle dame!“
S.137

Ja, so kann es bei uns klingen. All das macht jedoch auch Baden und gerade unsere Gegend hier aus. Bienen-Stich präsentiert die Gegend rund um Achern sehr gut und wenn ihr euch mal dorthin lesen wollt, kann ich es nur empfehlen.

Übrigens: Für mich persönlich gab es tatsächlich eine sehr amüsante Stelle, als der Jörger-Metzger auftaucht, denn eine Metzgerei dieses Namens existierte früher tatsächlich und meine Großtante, die dort lange Zeit gearbeitet hat, hat heute noch Kontakt mit Frau Jörger. Solche Momente sind in einem Regio-Krimi oder allgemein einem regionalen Buch natürlich immer sehr toll zu lesen.

Meine Meinung


Statt eines Kommissar ermittelt hier Köchin Katharina, die aufgrund des Todes ihrer Großtante zurück in die alte Heimat kommt. Dadurch hat man auch in Form von Telefonaten etliche Einblicke in ihr nicht ganz glatt laufendes Liebesleben. Doch damit gibt es sich nicht, Familienprobleme, die Ermittlungen und Einblicke in die Maisguerilla sowie das Wiedersehen von alten Bekannten kommen auch noch dazu.

Es ist ein recht unscheinbarer Mord, der nur wenige misstrauisch macht, Katharina und einen alten Freund ihrer Großtante. Dahinter jedoch stecken unterschiedliche kritische Themen: Liebe im hohen Alter, das (auch tatsächlich so stattfindende) Bienensterben und die Sache mit dem Mais. Immer mehr Bauern verlegen sich auf den Anbau von Mais, weil er einfach und sehr pflegeleicht ist. Dies ist ein sehr großes Thema im Buch und wird leider oft auch etwas zu trocken gestaltet. Es gibt sehr lange Passagen, in denen diese Agrarpolitik in Bezug auf Mais und letzten Endes auch auf Genmanipulation dargestellt wird. An sich ein sehr interessanter Ansatz, wenn er nicht zu sehr hingezogen wurde.
Der Mord an sich löst sich dann doch ziemlich überraschend auf und das hat mir wirklich gefallen. Zwar hatte ich auch einige Verdächtige, doch Brigitte Glaser konnte hier am Ende dann doch überraschen. Und auch zwischendurch tauchen einige interessante Indizien und ähnliches auf (eine davon… uh!).

Da ich die vorhergehenden Bände nicht kenne, hatte ich anfangs auch leichte Zweifel, wie sich das Buch wohl liest. Diese haben sich sehr schnell aufgelöst. Es gibt zwar immer wieder Anspielungen auf das Geschehen aus den Vorgängern, doch die wichtigsten Informationen über Katharina und ihr Leben erfährt man auch so. Zwar werde ich irgendwann auch mal die anderen Bücher lesen, doch ich kann sagen, dass es auch ohne geht.
Kulinarische Krimis sind mir die liebsten Krimis: Sie regen den Appetit an (in meinem Fall hatte ich danach Gelüste nach Linzertorte und Quittengelee…) und dabei wird ein interessanter verwickelter Fall aufgelöst, was gibt es Besseres?

Gerade Katharina ist ein vielschichtiger Charakter, der zwischendurch auch Dinge getan hat, die ich persönlich nicht gut heiße, doch das hat sie eindeutig noch interessanter gemacht. Auch ihr guter alter Freund FK ist ein Charakter, von dem ich gerne mehr lesen würde. Er wäre sicher auch ein guter Protagonist eines eigenen Buches, man merkt, wie viel Geschichte in diesem Charakter steckt. Allgemein fand ich alle Figuren sehr durchdacht.


Fazit

Bienen-Stich beschreibt nicht nur Baden, bzw. in dem Fall Fautenbach und Umgebung, wirklich hervorragend (und man hat das echte Baden-Gefühl), auch der Krimi an sich steht nicht zurück. Wenn man von einigen Längen beim Thema Maisanbau absieht, ein wirklich rundes und spannendes Buch!

Bewertung

Quellen
CoverAutorenvitaInhalt
Das Zitate sind dem Buch entnommen und auf der angegebenen Seite zu finden.

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