[Rezension] Die sanfte Entführung des Potsdamer Strumpfträgers – Christian Ritter

Titel: Die sanfte Entführung des Potsdamer Strumpfträgers
Autor: Christian Ritter
Verlag: Heyne
Erschienen am: 11.11.2013
ISBN: 978-3453410633
Preis TB: 8,99€
Leseprobe













Autor

Christian Ritter, Jahrgang 1983, ist Diplom-Germanist, lebt in Bamberg und ist Autor, Vorleser und Moderator. Ritter ist Mitglied der Lesebühne „Bube Dame Ritter“ und tritt in Comedyshows und bei Poetry Slams auf.

Inhalt

Paul lebt zusammen mit seinem Mitbewohner Herr Müller auf einem abgelegenen Bauernhof. Die Tage verbringt er damit, im Supermarkt zu arbeiten und entspannt mit seiner treuesten Kundin Frau Rottenbauer zu plaudern, die jeden Tag vier Stunden vor dem Zeitschriftenregal sitzt. Mit Herrn Müller verbringt er weit weniger Zeit, sie treffen sich nur zweimal die Woche vor dem Fernseher, um zusammen „Wer wird Millionär?“ anzusehen. Sie sind Fans der ersten Stunde und verehren Günther Jauch gottgleich.
Das immer erhoffte Glück tritt ein, als Paul einen Anruf erhält und erfährt, dass er als Kandidat für die Sendung ausgewählt wurde. Er nimmt all seinen Resturlaub, bereitet sich umfassend vor und sucht sich fachkundig seine Telefonjoker zusammen. Er überwindet sich sogar, dafür seine missliebige Mutter anzurufen. Doch als alle Hürden ausgeräumt sind, erlebt er bei der Aufzeichnung alles andere als einen Glückstag. Alles scheint verloren, das triste Leben ist zurück und es bleibt eigentlich nichts mehr, außer depressiv zu werden. Eigentlich…


Erster Satz

Wenn er keinen Anzug trägt, sieht Günther Jauch nicht wie Günther Jauch aus.
S.5

Meine Meinung

Allein der Titel ist hier doch schon ziemlich außergewöhnlich, ein Titel, der einen definitiv zwei Mal hinschauen lässt. An sich ist Die sanfte Entführung des Potsdamer Strumpfträgers eine durchaus amüsante Geschichte, die jedoch oft nur vor sich hin plätschert und mich definitiv nicht vom Hocker reißen konnte. Das Buch liest sich leicht und schnell. Man muss anerkennen, dass es gute Unterhaltung für zwischendurch ist, denn auf seine Weise unterhält es den Lesern, allerdings nicht so, dass ich vor Lachen auf dem Boden gelegen hätte. Man kann fast sagen, dass hier nicht nur eine sanfte Entführung stattfindet, sondern auch der Humor ziemlich ’sanft‘ ist.
Ich finde auch, dass der erste Teil sich sehr lange hinzieht, es dauert gefühlte Ewigkeiten, bis Paul endlich im Studio sitzt. Daher kommt auch hier kein Spannungsfaktor auf, da die Inhaltsangabe da einfach schon die Hälfte des Buches vorweg nimmt. Leider gilt hier dann auch das altbekannte „Der Weg ist das Ziel“ nur streckenweise.

Absolut positiv waren für mich jedoch die Charaktere: leicht abgedreht, chaotisch, ungewöhnlich und eindeutig die Tendenz zur Skurrilität – da muss ich an Frau Rottenbauer und ihren Hocker denken… Aber gerade in dieser Einzigartigkeit waren sie mir doch sehr sympathisch. Allgemein fand ich diese dörfliche Supermarktszenerie recht treffend beschrieben.
Interessant fand ich auch Günther Jauch: Für mich, soweit ich das als Zuschauerin beurteilen kann, ist er recht gut getroffen, so könnte man ihn sich zumindest doch vorstellen. Einige seiner Eigenheiten wurden sehr schön hervorgearbeitet, und dennoch war er nicht zu überzogen dargestellt, wie ein anderer, weiblicher, blonder Charakter, der gegen Ende des Buches noch seinen Auftritt hat.

Trotzdem… obwohl das Buch an sich wirklich gut lesbar war, es fehlt einfach etwas. Ich habe es durchgelesen, habe mich manchmal amüsiert, fand die Charaktere sympathisch, doch es ist und bleibt einfach eine Lektüre für Zwischendurch, die ich nach dem nächsten richtig guten Buch schon wieder abgehakt habe. Die paar Schmunzler, die die Geschichte erzeugt hat, sind nichts Bleibendes und mehr ist da einfach nicht. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich keine großen Kritikpunkte habe, außer dass es eben doch ziemlich seicht ist.

Fazit

Wenn man mal ziemlich leichte und seichte Lektüre zwischendurch benötigt, ist Die sanfte Entführung des Potsdamer Strumpfträgers sicherlich nicht verkehrt. Doch es ist auch ein Buch, das keinen bleibenden Eindruck hinterlässt, nett und mittelmäßig, so dass es eben auch kein absolutes Lesemuss wäre.

Bewertung

Mein Dank geht an den Heyne-Verlag und Blogg dein Buch für das Rezensionsexemplar.

Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

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2 thoughts on “[Rezension] Die sanfte Entführung des Potsdamer Strumpfträgers – Christian Ritter

  1. Irgendwie reizt mich hier weder Cove. Titel noch Klapptext. Das gabs bei mir auch schon länger nicht mehr 😀
    Muss aber gestehen, dass Titel und Cover bei mir auch erst für Verwirrung gesorgt haben, weil ich irgendwie im Hinterkopf hatte es spielt in Amsterdam und nich in Potsdam. Da habe ich mich dann die ganze Zeit gefragt was das Huhn da zu suchen hat. -.-
    Kommt davon wenn mal solche Beiträge liest während man schon nicht mehr ganz wach ist 😛

    Liebe Grüße

    1. Es ist auch wirklich kein Lesemuss… mich hat hauptsächlich Herr Jauch daran interessiert und als Rezensionsexemplar: okay, bin aber froh, dass ich es nicht gekauft habe.
      Das Huhn… keine Ahnung, ich erinnere mich nicht mehr daran!

      Alles Liebe, Chimiko

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