[Rezension] Ich bin Tess – Lottie Moggach

Titel: Ich bin Tess
Autor: Lottie Moggach
Original: Kiss me first
Verlag: Script 5
Erschienen am: 17.02.2014
ISBN: 978-3839001585
Preis HC: 17,95 €
Leseprobe










Autor

Lottie Moggach ist freiberufliche Journalistin, liebt ihre Heimatstadt London und hat ein Faible für das 18. Jahrhundert. In ihrer Freizeit spaziert sie am liebsten mit ihrem Sohn durch die Straßen der britischen Hauptstadt und träumt davon, in einem der georgianischen Häuser zu wohnen. Die Idee zu ihrem ersten Roman Ich bin Tess kam ihr vor einigen Jahren, als sie viel zu viel Zeit mit Facebook verbrachte.

Inhalt

Würdest du dein Leben aufgeben, um das eines anderen zu übernehmen?

Leila hat Tess nie zuvor getroffen.
Doch sie weiß mehr über sie als irgendjemand sonst.

Tess hat Leila nie zuvor getroffen.
Doch wenn sie unbemerkt aus der Welt ausscheiden will, muss sie Leila ihr Leben anvertrauen.

Zu Beginn ist es leicht für Leila, sich online als Tess auszugeben. Niemand durchschaut ihr Spiel. Doch wie lange lässt sich eine solche Lüge aufrechterhalten?

Erster Satz

Es war Freitagabend und das Projekt lief seit ungefähr neun Wochen.
S.7

Meine Meinung

Ich bin Tess ist ein Buch, bei dem ich einfach unsicher bin, was ich davon halten soll. Es ist ein Buch, das mich etwas ratlos zurück lässt und ich kann euch nicht mal wirklich sagen, warum.
Diese Grundidee, dass Menschen durch das Internet weiterleben, finde ich persönlich faszinierend und beängstigend zugleich. Dadurch, dass Lottie Moggach dies in ihrem Buch als geradezu einfach und sehr leicht darstellt, finde ich den Gedanken noch etwas beklemmender als eh schon. In was für einer Welt leben wir denn heute, in der man tatsächlich eigentlich tot und verschwunden sein kann, im Internet jedoch weiter lebt?

Tess ist ein sehr realistischer Charakter, sie hat sehr viele Ecken und Kanten und ich gehe nicht mit jeder ihrer Handlungen konform, manchmal kam auch Unverständnis auf, und dennoch kommt man ihr sehr nahe. Sie zu erleben ist einfach ziemlich intensiv dargestellt, weil man sie eben durch Leilas Fragen auf eine andere Weise kennen lernt.
Leila… sie ist ein Charakter, den ich nicht immer ganz verstehen kann, sie ist einer der seltsamsten Charaktere, denen ich bisher begegnet bin: naiv, pragmatisch, nicht unbedingt gefühlsbetont oder empathisch. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass ihre Fähigkeit zu Empfinden praktisch gar nicht vorhanden ist. Auch das Problem Tess geht sie sehr pragmatisch an. Durch sie als recht emotionslosen Charakter in Hinblick auf Tess lernt man diese eben auf eine sehr rationale Art und Weise kennen. Im Ernst: Leila analysiert Tess ohne dabei zu werten, wenn man von einer Sache absieht… Doch dann ist da auch noch die philosophische Seite: Leila ist viel in Foren unterwegs und hat ziemlich tiefgründiges philosophisches Wissen, das sie auch gezielt in Diskussionen einbringen kann. Es ist dieser Gegensatz aus philosophisch tiefgründig und fehlender Empathie, der mich bei ihr einfach verwirrt.

Der Stil ist Leila angepasst und betont ihren Charakter noch einmal, denn er ist schlicht, ich fand ihn stellenweise fast schon karg. Das Hauptaugenmerk liegt für mich hier auf der sachlichen Analyse Tess‘, so wie es für Leila sich eben auch darstellt. Bei ihr konzentriert sich alles auf Tess, warum dann nicht auch beim Stil?

Wenn man darüber nachdenkt, ist das schon nicht leicht, dieser Gedanke, wie man Internet nutzen kann. Da überdenkt man sein Verhalten doch noch ein bisschen (und ich hatte tatsächlich ein bisschen ein schlechtes Gewissen, wenn ich so über mein Online-Verhalten nachdenke).

Übrigens finde ich den deutschen Titel deutlich schöner als den des Originals. Griffiger, stimmiger und passt einfach perfekt zum Buch. Für mich die optimale Titelwahl!

Fazit

Ich bin Tess ist ein Buch, das mich hauptsächlich durch diesen Grundgedanken überzeugt hat. Leila als Protagonistin hat mich manchmal wirklich verwirrt, denn da ich ein gefühlsduseliger Mensch bin, konnte ich mich – welch Ironie – nicht immer in ihrer Verhalten einfühlen und eindenken. Dennoch ein faszinierendes Buch.

Bewertung

Quellen
CoverAutorenvitaInhalt

3 thoughts on “[Rezension] Ich bin Tess – Lottie Moggach

  1. Hey Chimiko,

    ich seh schon, es viel dir genauso schwer wie mir, dieses Buch zu bewerten =). Aber es ist dir wirklich sehr gut gelungen! Ich finde übrigens den deutschen Titel ebenfalls wesentlich besser und das kommt wirklich nicht oft vor =)

    LG
    Anja

    1. Hallo Anja,

      oh ja, es war wirklich nicht leicht, aber letztendlich habe ich ausgedrückt, was ich ausdrücken wollte – also danke ♥
      Es hat mich richtig erstaunt, weil ich den deutschen Titel so perfekt finde und es mir da normalerweise echt nicht so geht. Schön durchdachte Auswahl ♥

      Alles Liebe, Chimiko

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