[Rezension] Altes Land – Dörte Hansen


Titel: Altes Land
Autor: Dörte Hansen
Verlag: Knaus
Erschienen: März 2015
ISBN: 978-3-8135-0647-1
Preis: 19,99€
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Autor

Dörte Hansen, geboren 1964 in Husum, lernte in der Grundschule, dass es außer Plattdeutsch noch andere Sprachen auf der Welt gibt. Die Begeisterung darüber führte zum Studium etlicher Sprachen wie Gälisch, Finnisch oder Baskisch und hielt noch an bis zur Promotion in Linguistik. Danach wechselte sie zum Journalismus, war einige Jahre Redakteurin beim NDR und arbeitet heute als Autorin für Hörfunk und Print. Sie lebt in der Nähe von Hamburg. „Altes Land“ ist ihr erster Roman.

Inhalt

Das „Polackenkind“ ist die fünfjährige Vera auf dem Hof im Alten Land, wohin sie 1945 aus Ostpreußen mit ihrer Mutter geflohen ist. Ihr Leben lang fühlt sie sich fremd in dem großen, kalten Bauernhaus und kann trotzdem nicht davon lassen. Bis sechzig Jahre später plötzlich ihre Nichte Anne vor der Tür steht. Sie ist mit ihrem kleinen Sohn aus Hamburg-Ottensen geflüchtet, wo ehrgeizige Vollwert-Eltern ihre Kinder wie Preispokale durch die Straßen tragen – und wo Annes Mann eine Andere liebt. Vera und Anne sind einander fremd und haben doch viel mehr gemeinsam, als sie ahnen.

Erster Satz

In manchen Nächten, wenn der Sturm von Westen kam, stöhnte das Haus wie ein Schiff, das in schwerer See hin- und hergeworfen wurde.

Meine Meinung

Ich fand es wunderbar. Mal keine reine Liebesgeschichte, sondern eine Lebens- und Familiengeschichte, in der zwei Außenseiterinnen und Einzelgängerinnen sich miteinander arrangieren müssen und sich kennenlernen. Das alles hat keinen rührenden oder schmalzigen Unterton, sondern ist fast schon nüchtern geschrieben – ein Stil, der perfekt zu Vera und Anne passt.
Vera ist ein Flüchtling aus der Kriegszeit und ihre Geschichte war… bewegend und nahegehend, obwohl Vera wirklich ein sehr nüchterne Mensch ist. Das Wort trifft es einfach am Besten. Doch es ist genau diese Nüchternheit, durch die das Buch noch an Tiefe gewinnt – manchmal ist weniger eben doch mehr. Es ist Dörte Hansens klarer Stil, der Vera einfach so unfassbar perfekt charakterisiert. Jedes Mal, wenn man etwas mehr aus ihrer Vergangenheit erfährt, fühlt man sich ihr einfach näher und das Verständnis für sie wächst.
Auch Anne ist ein durchweg sympathischer Charakter, der einiges durchgemacht hat und sich nun auf neue Art finden muss. Nichte und Tante müssen sich zusammenreißen und zusammenraufen und das geschieht eher langsam, warum, das erliest man sich auch langsam. So spannend und schön zu lesen, wie Anne sich einlebt und Vera sich an ein lebendiges Haus gewöhnt.
Das Haus ist eh so eine Sache für sich, es scheint sich quer zu stellen und zu wehren und man hat eine gehörige Portion Aberglaube, welcher sich auch auf den Leser abfärbt.
Übrigens fand ich auch das alte Land toll. Ich lese gerne Geschichten von dort und auch hier fand ich Dörte Hansens Stil optimal, um das recht eigene Dorf, in dem Vera wohnt, darzustellen. Es ist nicht die perfekte Touristenidylle, sondern ein Dorf, das eben eigen ist. Ich mochte es, ich mochte die Charaktere und ich habe ein Faible für derartiges Dorfleben… vielleicht, weil ich auch so Dörfer kenne!

Fazit

Wirklich eine tolle Geschichte über zwei Einzelgängerinnen, die ihr Zusammenleben arrangieren müssen. Eine Charakterdarstellung, die durch ihre Nüchternheit bewegt und fesselt, zumindest wenn man nichts gegen den etwas raueren Charme der Darstellung hat.

Bewertung


Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

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