[Rezension] Runa – Vera Buck


Titel: Runa
Autor: Vera Buck
Verlag: Limes
Erschienen: August 2015
ISBN: 978-3-8090-2652-5
Preis: 19,99€
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Autor

Vera Buck, geboren 1986, studierte Journalistik in Hannover und Scriptwriting auf Hawaii. Während des Studiums schrieb sie Texte für Radio, Fernsehen und Zeitschriften, später Kurzgeschichten für Anthologien und Literaturzeitschriften. Nach Stationen an Universitäten in Frankreich, Spanien und Italien lebt und arbeitet Vera Buck heute in Zürich.

Inhalt

Paris 1884. In der neurologischen Abteilung der Salpêtrière-Klinik führt Dr. Charcot Experimente mit hysterischen Patientinnen durch. Seine Hypnosevorführungen locken Besucher aus ganz Europa an; wie ein Magier lässt der Nervenarzt die Frauen vor seinem Publikum tanzen. Dann aber wird Runa in die Anstalt eingeliefert, ein kleines Mädchen, das all seinen Behandlungsmethoden trotzt. Jori Hell, ein Schweizer Medizinstudent, wittert seine Chance, an den ersehnten Doktortitel zu gelangen, und schlägt das bis dahin Undenkbare vor. Als erster Mediziner will er den Wahnsinn aus dem Gehirn einer Patientin fortschneiden. Was er nicht ahnt: Runa hat mysteriöse Botschaften in der ganzen Stadt hinterlassen, auf die auch andere längst aufmerksam geworden sind. Und sie kennt Joris dunkelstes Geheimnis …


Erster Satz

Ich holte Luft, als wir uns aufstellten und ich nun selbst sah, was man sich vorhin, beim Umkleiden, nur hinter vorgehaltener Hand zu erzählen gewagt hat.

Meine Meinung

Schon die ersten hundert Seiten hatten wirklich Gänsehautfaktor und mich hat das gesamte Buch einfach nur durchgehend in seinen teilweise doch eher widerwärtigen Details gefesselt. Ich war einerseits angewidert und zugleich konnte ich Runa einfach nicht aus der Hand legen. Immer wieder war ich übrigens auch sehr erleichtert, dass ich nicht in dieser grausamen Zeit leben muss.
Vera Buck gelingt es nämlich sehr anschaulich, die Zustände in den medizinischen Einrichtungen dort auferstehen zu lassen. Insbesondere die Zustände für die Frauen der Zeit. Ich kann mich nur wiederholen, wie sehr mich das Szenario fasziniert. Bisher hatte ich noch nichts aus dieser Zeit gelesen, jetzt möchte ich einfach noch mehr (bitte genauso faszinierendes) daraus lesen.
Es ist ein düsteres Werk, das schonungslos auch Abgründe aufzeigt. Und ich weiß – mal wieder – gar nicht so genau, wo ich anfangen soll. Vielleicht mit Jori, denn er ist derjenige, der uns den Großteil des Buches begleitet und er ist derjenige, der sich fest vornimmt, Runa zu heilen. Jori handelt nicht immer aus den richtigen Gründen, aber letztlich versucht er, eine humane Lösung zu finden, auch wenn er nicht das Problem versteht. Gegen Ende wird sein Weg und die Suche nach Runas Wurzeln immer verworrener und abgedrehert. Teilweise ist es schon fast makaber. Man muss dieses Buch mögen, ich kann mir jedoch vorstellen, dass nicht jeder so eine Faszination dafür empfinden wird.
Aber kommen wir zu Runa: Sie ist der absolute Dreh- und Angelpunkt dieses Buches. Sie führt am Ende alle Fäden zusammen und sie ist irgendwie beängstigend. Selbst ich als moderner Mensch fand sie teilweise etwas gruselig, da kann man sich vorstellen, wie die Wirkung auf die Menschen der Zeit der Geschichte ist. Natürlich hat auch Runa eine Vergangenheit, die ihre Situation klärt, doch bis man das erfährt, vergehen doch einige Seiten. Ich persönlich hatte ja bis zum Ende keine Ahnung, was hinter Runa steckt und habe deshalb bis zum Ende mitfiebern können.
Runa ist ein recht tiefgehendes Buch, das viele kleinere Erzählstränge und viele ausgeprägte Charaktere hat. Da ist es wirklich schwierig, eine Rezension zu schreiben, die dem allen gerecht wird. Deshalb nur noch kurz: Ich finde die Charaktere fantastisch ausgearbeitet, das fängt mit Charcot an und hört mit Runa auf. Jeder Charakter hat Persönlichkeit bekommen und es macht Spaß, das zu lesen.
Der Schreibstil ist recht eigen, doch für mich passt das perfekt zum Inhalt. Er passt zu dem widerlichen Charme der Welt, die Autorin Vera Buck hier schreibt.

Fazit

Runa ist für mich eines der Highlights des Jahres. Für mich passt alles zusammen: Stil, Charaktere, Szenarien. Es hat mich angewidert, gefesselt und unterhalten und teilweise fehlen mir die Worte, um meine Gefühle in Worte zu fassen.

Bewertung


Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

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2 thoughts on “[Rezension] Runa – Vera Buck

  1. Hey 🙂

    Ich hatte das Buch erst vor kurzem bei uns in der Buchhandlung in der Hand, war mir aber nicht sicher, ob es was für mich sein könnte … So wie du es beschreibst, scheint es aber thematisch recht gruselig zu sein, oder?

    Liebe Grüße
    Ascari vom Leseratz Blog

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