[Cosplay] – selbst gemacht vs. selbst gekauft

Hallo ihr Lieben,

am heutigen Cosplay-Dienstag habe ich tatsächlich weder Fortschrittsbilder von mir (ich brauche erst Stoff…) noch ein Interview mit einem anderen Cosplayer, sondern ein kleines Diskussionsthema im Gepäck: Heute dreht sich alles um die Frage selbst machen oder doch lieber kaufen.

Es ist ein leidiges Thema in der Welt der Cosplayer, denn nicht jeder kann nun mal jede Vorlage näh-, bastel- oder perückentechnisch umsetzen. Bei Perücken sind Charakterperücken oder Commission kein Thema, da gibt es viele Möglichkeiten. Bei mir zum Beispiel ist die Perücke von meiner Officer Rocky ein Auftrag gewesen, da ich es nicht hätte umsetzen können.

Doch was das Nähen angeht, bleibt die große Frage: Kaufe ich oder nähe ich? Früher war es noch eine größere Debatte, denn die Qualität von gekauften Kostümen hat maximal der von Karnevalkostümen entsprochen. Hinzu kam die Tatsache, dass der Rock dann zu groß war, das Oberteil hat gezwickt und der Stoff war billig glänzender Satin. Aus diesen Zeiten ist immer noch eine leichte Aversion gegenüber gekauften Kostümen geblieben. Damals hieß es noch: Ein echter Cosplayer macht sich seine Kostüme immer selbst! Wer kauft, ist kein echter Cosplayer.

Aber bevor ich noch weiter auf das Thema eingehe, erstmal noch eine kleine Unterscheidung bei den gekauften Kostümen: Zum Einen gibt es die vollständig gekauften Kostüme, aber einige Cosplayer haben dann noch die Variante der Kleiderschrank-Cosplays. Ein Beispiel habe ich euch hier aus meinem kleinen Fundus, Gwen Tennyson aus Ben 10 Alien Force. Es ist ein einfaches Kostüm, bei dem man viele Dinge einfach kaufen kann – und einen Pullover dieser Art muss man wirklich nicht kaufen, oder?

Manche Cosplayer haben den Ehrgeiz, wirklich jedes Teil selbst anzufertigen, selbst wenn es ein schlichter schwarzer Rock ist, den es zuhauf zu kaufen gibt, andere kaufen sich so Basics und konzentrieren sich lieber auf die restlichen Teile.

Doch wie sieht es nun aus bei dieser ewigen Frage? Es gibt für beide Seiten gute Argumente, aber ihr werdet feststellen, dass nichts davon die Lösung ist.
Bei vielen Cosplayern ist es einfach so, dass der Weg das Ziel ist. Neben dem eigentlichen Ziel von schönen Fotos. Dazu gehört der gesamte Weg von der Idee bis zum Kostüm. Es macht ihnen Spaß, nach dem perfekten Stoff zu suchen, sich zu überlegen, wie es am Besten umgesetzt werden kann und zu sehen, wie Stück für Stück die Vorlage zum Leben erwacht. In der Regel ist dieser Prozess zwar gerne auch mit Fluchen (oder in meinem Fall dem ein oder anderen Blutstropfen) verbunden, aber es macht einen letztlich doch stolz, das fertige Werk zu betrachten. Das ist und bleibt das Hauptargument auf der Seite der Selbstnähenden.
Auf der anderen Seite steht jedoch die Tatsache, dass es manchmal eben doch günstiger sein kann, sich ein Cosplay anfertigen zu lassen. Aktuell im Trend ist die Serie Love Life, die zum Teil mit doch sehr aufwendigen Designs viele verschiedene Stoffe und einiges an Zeit verbrauchen würde. Dazu gibt es jedoch auch Shops im Internet, bei denen die Qualität stimmt und es wäre summa summarum letztlich, wenn man noch die Zeit miteinberechnet, günstiger, das Kostüm dort zu bestellen.
Und manchmal ist es vielleicht auch so, dass man sich denkt, das ist die perfekte Umsetzung, mit all den Details würde ich es doch nicht umsetzen können, dann bestelle ich lieber.

Ihr seht, man kann hier wirklich nicht sagen, was richtig und falsch ist, denn letztlich zählt nur eines: In erster Linie zählt der Gesamteindruck. Und erst in zweiter Linie wird man sich fragen, ob der Cosplayer dieses Wunderwerk selbst genäht oder gekauft hat. Es steckt doch schon im Begriff Cosplay drin, hier geht es nicht um Coswork, sondern wirklich um die Darstellung des Charakters.

Ich persönlich gehöre zu denen, die das Nähen – zumindest irgendwie – mögen. Es macht mir Spaß zu sehen, was ich mit meinen eigenen Händen (und denen meiner Mutter als Unterstützung) zustande bringe. Es macht mir Spaß, wenn das Kostüm langsam so aussieht wie die Vorlage. Und ich bin auch stolz, wenn es dann halbwegs nach dem Charakter aussieht. Ich bin nicht die beste Näherin, ganz im Gegenteil, aber es ist doch ein tolles Gefühl.

Wer also neu in der Szene ist, sich die Umsetzung nicht zutraut oder vielleicht dann eben wirklich nicht künstlerisch gesegnet ist, keine Sorge: Kauft euch das Kostüm, wenn es qualitativ euren Ansprüchen genügt. Was früher einfach nur ein No-Go war, ist heute nicht mehr dramatisch. Und denkt immer daran, in Japan z.B. gibt es sehr viele Läden, die fertige Kostüme verkaufen – und wenn es die Japaner kaufen, warum dann nicht auch wir?

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4 thoughts on “[Cosplay] – selbst gemacht vs. selbst gekauft

  1. Ich glaube, jeder Versuch meinerseits, mit Nadel und Faden ein Kostüm zu nähen (egal ob Superman, Gandalf oder Conan der Barbar) würde unweigerlich in einem Blutbad enden. Für mich. Aber ich bewundere immer wieder, wie viel Zeit und Geschicklichkeit manche in ihre Kostüme investieren. Erfolgreich. 🙂

    1. Oh, ich kann dir garantieren: Jedes einzelne meiner Kostüme hat Blut von mir gesehen. Ohne das geht das Nähen einfach nicht 😉

      Alles Liebe, Chimiko

  2. Also ich finde es bewundernswert, wenn Menschen so viel Energie in solche Projekte stecken. Ich würde vermutlich so viel kaufen, wie es in normalen Geschäften gibt, und dann ergänzen. Allerdings bin ich dafür viel zu ungeduldig. Umso toller, wenn Leute daran wirklich Freude haben. Und wenn es noch dazu führt, dass du mit deiner Mama Zeit verbringst, weil sie dir hilft, umso besser. 🙂 Ich denke, beim Selbstmachen sammelt man die besten Erfahrungen und Erinnerungen.

    1. Stimmt, es sind definitiv Erfahrungen, mittlerweile habe ich vor, mir auch normale Klamotten zwischendurch mal zu nähen. Irgendwie bürgert sich das Nähen ein 😀

      Alles Liebe, Chimiko

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