[Rezension] Die Unwahrscheinlichkeit des Glücks – Cynthia Hand


Titel: Die Unwahrscheinlichkeit des Glücks
Autor: Cynthia Hand
Original: The Last Time We Say Goodbye
Aus dem Amerikanischen: Sarah Heidelberger
Verlag: Harper Collins
Erschienen: September 2015
ISBN: 978-3-95967-002-9
Preis: 16,90€
Leseprobe
 
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Die New York Times-Bestsellerautorin Cynthia Hand unterrichtete
mehrere Jahre lang Kreatives Schreiben an der Pepperdine University nahe
Los Angeles, bevor sie sich hauptsächlich dem Schreiben widmete. Vor
kurzem ist sie mit ihrer Familie zurück in ihre Heimatstadt in Idaho
gezogen, wo sie die klare Luft genießt und an neuen Romanen schreibt.





Es war der zwanzigste Dezember. Hinter mir lagen genau sechs Monate mit Steven. 183 Tage voller Küsse, bevor die Gleichung sich änderte. Unwiderruflich. Das letzte Mal, dass Lexie glücklich war, war davor. Als sie einen wunderbaren Freund hatte, den Traum, Mathematik zu studieren, und einen Bruder. Tyler. Nun ist sie für die anderen nicht mehr das Zahlengenie, sondern nur noch das Mädchen, dessen Bruder sich umgebracht hat. Um mit der Trauer fertigzuwerden, beginnt Lexie, ihre Gefühle aufzuschreiben. Doch leider ist das Leben keine Gleichung, sonst könnte sie die quälende Ungewissheit auflösen: Tyler hat ihr vor seinem Tod eine SMS geschickt, die sie nicht beachtet hat. Hätte sie alles ändern können? Der Gedanke verfolgt Lexie wie ein Schatten. Bis sie erfährt, was es braucht, um ihr Glück wahrscheinlicher zu machen.

Erst mal möchte ich festhalten, dass es nicht meine Idee war, das hier aufzuschreiben.



Es ist eine Geschichte vom Abschiednehmen, eine Geschichte vom Leben wiederfinden, eine Geschichte rund um den Tod eines geliebten Menschen. Lexie hat Tyler verloren, ihr geliebter Bruder hat sich umgebracht, und alles, was ihr bleibt, sind Schuldgefühle, quälende Fragen und Erscheinungen. Und das alles ist die Grundlage für ein zu Herzen gehendes Buch.
Lexie ist Protagonistin und in diesem Fall Ich-Erzählerin in einem und wir sind das Tagebuch, in das sie schreiben soll. Das ist zumindest der Hauptanteil des Buches, doch Cynthia Hand bietet uns noch mehr, neben den Tagebucheinträgen findet man auch immer wieder Notizen, Erzählungen und auch Briefe. Diese Erzählweise bewirkt immer eine besondere Situation, die sehr emotional sein kann und Lexies Gefühle werden dadurch einfach sehr gut transportiert. Von der Wut, der Trauer, den Schuldgefühlen und auch dem bewussten Abgrenzen erfährt der Leser durch das gewählte Format sehr intensiv. An sich ist Lexie eine gute Schülerin, die besten Unis stehen ihr offen, sie hat einen guten Freundeskreis und sie könnte eigentlich in einer glücklichen Beziehung sein. Die Unwahrscheinlichkeit des Glücks zeigt hier wirklich sehr deutlich auf, dass der Tod eines geliebten Menschens alles zerstören kann.
Doch nicht nur Lexies Trauer erlebt man hautnah, auch die deutlich verzweifeltere Trauer ihrer Mutter kommt durch die Beschreibungen sehr gut heraus.
Dieses Buch dreht sich wirklich hauptsächlich um Gefühle und die Verarbeitung eines tragischen Schicksalsschlags. Und um Lexie. Das Problem dabei ist nur, dass ich anfangs Schwierigkeiten hatte, mich in sie einzufühlen. Da war Mitleid und ich habe ihre Trauer verstanden, aber sie war einfach nicht so zugänglich wie andere Buchcharaktere. Mit der Zeit hat sich das verbessert, auch durch Rückblenden, die alles etwas deutlich darstellen konnten. Und am Ende war ich dann so drin, dass ich wirklich weinen musste, weil ich so mit der Protagonistin fühlte. Ich finde es an sich auch passend, dass man nicht so schnell den Zugang zu ihr kriegt, denn anfangs soll sie ja auch widerwillig sein und öffnet sich dann erst am Ende des Buches wirklich.
Durch Rückblicke auf das Leben mit ihrem Bruder Tyler vervollständigt Lexie das Bild für den Leser und das Verständnis, den Blick auf die gesamte Situation. Dadurch versteht man letztlich auch, warum er sich überhaupt umgebracht hat und das an sich wäre auch schon ein Buch wert gewesen. Doch hier dreht sich nun mal alles um Lexie und ihr Leben mit dieser Tragik.
Wenn es Rückblenden gibt, die aus der Zeit vor Tylers Tod berichten, sind diese durch die kursive Schreibweise immer gut ersichtlich abgetrennt. Stilistisch kann man allgemein sagen, dass es ein klarer Stil ist, ohne viel Schnörkel, denn es wird nun mal von einem intelligenten Mädchen erzählt, das seine Gefühle nicht so offensichtlich (oder gar blumig) umschreiben würde. Das Buch hat sich dadurch wirklich schnell und einfach gelesen und dennoch sehr bewegt.





Ein sehr emotionales Buch, das sich mit einem wichtigen Thema auseinandersetzt: den Folgen durch den Selbstmord eines geliebten Menschens. Auch wenn die Protagonistin anfangs nicht so zugänglich wirkt, sollte man sich nicht beirren lassen und die Achterbahn der Gefühle bis zum Ende mit ihr genießen.



Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

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3 thoughts on “[Rezension] Die Unwahrscheinlichkeit des Glücks – Cynthia Hand

  1. Huhu Chimiko,
    eine schöne und vor allem sehr detaillierte Rezension hast du da geschrieben. Mir hat das Buch nicht so sehr gefallen, aber ich kann durch deine differenzierte Rezension durchaus nachvollziehen, dass es bei dir gut ankam.
    Mich hat wohl vor allem auch gestört, dass ich mit den Charakteren so gar nicht klar kam.

    Genieß deinen Rest-Sonntag
    Alles Liebe, Nelly

    1. Hallo Nelly,

      danke für deinen Kommentar. Ich verstehe, was du meinst, es sind schon sehr spezielle Charaktere, die man mögen muss. Mich haben die Menschen eher fasziniert und gefesselt, dann auch noch immer der Gedanke im Hintergrund, dass da reale Figuren dahinter stecken, die vielleicht so gewesen sein könnten…

      Alles Liebe, Chimiko

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