[Rezension] Worte in meiner Hand – Guinevere Glasfurd


Titel: Worte in meiner Hand
Autor: Guinevere Glasfurd
Original: The Words in my Hand
Aus dem Englischen: Marion Balkenhol
Verlag: List
Erschienen: August 2015
ISBN: 978-3-471-35123-9
Preis: 18,00€
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Guinevere Glasfurd ist im bergigen Norden Englands aufgewachsen, doch jetzt lebt sie in einer der flachsten Gegenden der Welt, am Rand der Fens nahe Cambridge, gemeinsam mit Ehemann, Tochter und zwei Katzen. Die Arbeit an „Worte in meiner Hand“ ist vom Arts Council England gefördert worden. Guinevere Glasfurds Texte sind immer wieder ausgezeichnet worden, zuletzt mit dem TLC’s Pen Factor Award. Mehr auf der Website guinevereglasfurd.com.




Amsterdam, 1630er Jahre. Helena Jans van der Strom arbeitet als Magd bei einem Buchhändler. Ein großes Glück für sie, denn sie kann lesen und schreiben und geht mit offenen Augen durch die Welt. Der neue Hausgast ihres Herrn fasziniert sie: Er arbeitet ununterbrochen, und Helena ist angewiesen, ihn „Monsieur“ zu nennen. Der Fremde zieht viele Besucher an, und sie erfährt seinen echten Namen: René Descartes. Sie ist zu neugierig, um Distanz zu wahren. Und auch Descartes ist schon bald von ihrem Charme und Wissensdurst eingenommen. Sie verlieben sich, was unmöglich ist: Sie ist Calvinistin, er Katholik. Sie ist nur eine einfache Magd, er Europas aufstrebender Philosoph. Die beiden sind zwei kühne, mitreißende Geister, die sich von dem Standesdünkel des Goldenen Zeitalters in Holland nicht aufhalten lassen.

Ich drehte mich im Raum um mich selbst, vollzog den kleinsten Kreis.



Ich bin verliebt. Ich bin verliebt in dieses Buch, in die Geschichte, in die Figuren, in die Sprache. Guinevere Glasfurd hat mich wirklich verzaubert. Schon als ich las, dass es um Descartes geht und eine junge holländische Magd war ich neugierig, denn ich habe ein sehr ausgeprägtes Faible für Geschichte, die auf historischen Gegebenheiten basieren. Und dann noch Descartes? Eine wirklich faszinierende und doch schon geniale Persönlichkeit? Hallo, Worte in meiner Hand, dann sagte ich mir gleich: Herzlich Willkommen in meinem Bücherregal.
Doch ganz von vorne: Worum geht es hier? Ganz klar, um die Beziehung zwischen Helena, ein junger Magd, und Descartes, dem Hausgast ihres Herrn. Dabei liegt der Schwerpunkt nicht bei Descartes, sondern eben bei Helena. Sie ist jung, sie ist klug und kann tatsächlich lesen, zu dieser Zeit eine Seltenheit bei Frauen. Doch natürlich kann sie ihre Fähigkeiten nicht umsetzen, daher arbeitet sie als Magd bei einem Buchhändler und verstärkt und vertieft dort ihre Liebe zu den Worten, ob geschrieben oder gesprochen. Und dann kommt er, René Descartes, und mit ihm viele neue Worte, die Helena verzaubern und deren Klang sie verführen. Damit beginnt ihre gemeinsame Geschichte, aus der schließlich auch ein Kind entsteht, die kleine Francine, welche die beiden nun miteinander verbindet.

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, hier gibt es so viele wunderbare Momente, von denen ich euch vorschwärmen könnte! Also fang ich mit dem Offensichtlichsten an, der Geschichte an sich. Es ist historisch belegt, dass Francine Descartes‘ Tochter war. Und auch seine Verbindung zu Helena lässt sich mehrmal nachvollziehen. Doch natürlich gibt es keine Dokument über sie, über ihre Persönlichkeit, über ihre Geschichte, von daher konnte die Autorin hier diese Lücke nur selbst füllen. Und das ist ihr gelungen. Helena ist eine Frau, die ihrer Zeit voraus ist, die Betje, einer Freundin, das Lesen beibringt, die Stärke zeigt und ihren Weg macht. Die Helena, die von Guinevere Glasfurd erschaffen wurde, hat mich berührt und ich habe mit ihr mitgelebt. Es war einfach wundervoll, ihre Faszination für Bücher und Wörter zu teilen und diese fast schon kindlichen Erfahrungen mitzuerleben. Helena hat mich als Figur wirklich gefesselt, ich wollte ihre Entwicklung einfach teilen.
Descartes erscheint mir in seiner Genialität manchmal fast schon schüchtern und unbeholfen und nicht zu einer normalen Beziehung zu seinen Mitmenschen fähig. Er wird nicht als der Einzelgänger dargestellt, wie in anderer Literatur, aber eben auch nicht als salonfähig und total perfekter Gentleman. Er ist eigen, aber darin sympathisch.
Die Beziehung zwischen den beiden entsteht nicht von heute auf morgen, sie entwickelt sich. Die Töne zwischen ihnen sind erst leise und zart und voller klangvoller Worte, bis sie wirklich körperlich wird und eine doch schwerwiegende Folge mit sich bringt. Das heißt jedoch nicht, dass diese zwischenmenschliche Beziehung Helena/Descartes mit der Zeit abflaut oder langweilig wird, nein, ganz im Gegenteil. Die beiden verändern sich, es wird ernster, mit weniger Worten und Magie, aber dennoch genauso lesenswert.
Ihr merkt, dieses Buch ist einfach Liebe zwischen zwei Buchdeckel gedruckt. Zumindest bei mir. Das liegt überwiegend auch an der Sprache. Diese passt perfekt hierzu und gibt die ganze Geschichte so perfekt wieder. Ich war in den ersten Satz verliebt und bin es in den letzten. Es ist ein Stil, den ich fast schon als zart bezeichnen würde, der aber die Liebe zum Wort in sich trägt und zum Leser trägt. Ich bin einfach verzaubert.




Es war und ist einfach Liebe. Wer ein leises Buch mit schönen Klängen rund um die Magie der Worte und des Schreibens lesen will, sollte hier unbedingt zugreifen. Ich kann es kaum erwarten, noch einmal in die Welt zu versinken.



Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

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