[Rezension] Pjöngjang – Guy Delisle


Titel: Pjöngjang
Autor: Guy Delisle
Original: Pyongyang
Aus dem Französischen: Jochen Schmidt
Handlettering: Dirk Rehm
ISBN: 978-3-938511-31-2
Genre: Graphic Novel
Verlag: Reprodukt
Erschienen: 2007
Preis: 20,00€

 
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Guy Delisle, geboren 1966 in Quebec, hat für viele Zeichentrickfilmstudios in Kanada und Europa gearbeitet und lebt derzeit in Frankreich. Seine autobiografischen Arbeiten “Shenzhen” und “Pjöngjang” nennt die Presse in einem Atemzug mit Marjane Satrapis “Persepolis”.

Nachdem er in “Shenzhen” seinen Aufenthalt in der chinesischen Sonderwirtschaftszone verarbeitet hat, beschreibt Guy Delisle in dem Nachfolgeband “Pjöngjang” seine Reise in eines der isoliertesten Länder der Welt: Nordkorea. Hier arbeitete er zwei Monate lang als Supervisor für eine französische Trickfilmproduktion.
Mit George Orwells Klassiker “1984″ im Gepäck tritt der frankokanadische Comicautor seinen Dienst an in einem Land, in dem man Orwells Albtraumszenario an der Wirklichkeit messen kann. In klaren Zeichnungen berichtet Guy Delisle von Menschen, die nachts von der Stromversorgung abgeschnitten sind, während die Monumente der Kim-Dynastie leuchtend hell erstrahlen. “Pjöngjang” dokumentiert Delisles Versuche, einen Blick hinter staatliche Inszenierung und kulturelle Schranken zu werfen – ein Comic, der angesichts der politischen Entwicklungen an Aktualität kaum zu übertreffen ist.

Die Leseprobe zu Pjöngjang hatte ich schon ein paar Mal gelesen und immer wieder gedacht: Das willst du mal komplett lesen. Und ich war auch von dem kompletten Werk begeistert.
Der Zeichenstil dieser Graphic Novel ist eher schlicht, die Hintergründe sind ab und an grau hinterlegt, mehr jedoch nicht. Es kommt sogar vor, dass die Figuren vor einem weißen Himmel ohne Wolken mit einer kleinen, kindlich gezeichneten Sonne stehen. Allgemein ist hier also der Fokus auf der Geschichte und nicht auf einer möglichst detailreichen Darstellung. Doch es reicht auch und die Bildsprache ist auch so schon intensiv genug. Die Panel-Gestaltung ist in der Regel schlicht und folgt der klassischen Leserichtung von links nach rechts. Nur selten findet man ein Panel, das über eine ganze Seite geht – das sind dann die stilistischen Ausnahmen.
Pjöngjang ist die Geschichte des Zeichners, der als Supervisor nach Nordkorea geschickt wird. Das ist das Faszinierende an diesem Buch: Man erhält einen Einblick in ein Land, die man so nie erhalten würde. Der Zeichner wird in einem Hotel untergebracht und kann dieses nur mit Dolmetscher und Führer verlassen. Dabei erhält so einige Führungen, die einen zweifeln lassen, das Ganze wirkt selbst gezeichnet so gestellt, dass man das kaum der Realität zuschreiben kann. Aber es ist so geschehen, alles so gezeichnet, wie die Notizen von Guy Delisle aus dieser Zeit wiedergegeben haben.
Die Geschichte wirkt düster, bedrückt und beengt, was auch durch den großzügigen Anteil an dunkle Grautönen in den Zeichnungen bestärkt wird. Der Zeichner hat es geschafft, den nordkoreanischen Überwachungsstaat mit einem sehr trockenen Humor wiederzugeben. Teilweise wusste ich jedoch nicht, ob ich amüsiert oder geschockt sein soll. Manche Szenen wirken so surreal und das Wissen, dass sie jedoch so stattgefunden haben, war einfach schockierend.
Es ist kein Bericht aus der Zeit, es ist ein persönlicher Eindruck über Guy Delisle’s Zeit in diesem Land, und das macht diese Graphic Novel eigentlich noch beeindruckender. Ein neutraler Bericht hätte nicht die Absurdität dieser Situation und dieser Momente so wiedergeben können, wie diese Zeichnungen.

Pjöngjang ist eine Graphic Novel, die sehr beeindruckend die absurde und grotekse Situation für Ausländer in Nordkorea darstellt. Manche Momente sind einfach so unfassbar, dass man sie anzweifeln muss. Auch durch den schlichten Stil und viele Grautöne wird das Werk einfach noch einmal verstärkt.


Quellen:
Cover; Autorenvita; Inhalt

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