[Rezension] Die Herren der grünen Insel – Kiera Brennan


Titel: Die Herren der grünen Insel
Autor: Kiera Brennan
Verlag: Blanvalet
Erschienen: Februar 2016
ISBN: 978-3-7645-0559-2
Preis: 19,99€
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Kiera Brennan ist das Pseudonym einer erfolgreichen Bestsellerautorin, deren Romane bei zahlreichen deutschen Verlagen erschienen sind. Ihr Historienepos Die Herren der Grünen Insel spielt im Irland des Hochmittelalters – eine Epoche, die Brennan seit jeher fesselt. Während langer Irlandaufenthalte hat sie an Originalschauplätzen recherchiert und sich von der wildromantischen Landschaft der Insel inspirieren lassen.




Irland 1166: Die Grüne Insel ist in viele kleine Reiche zersplittert, die sich unerbittlich bekriegen. Könige fechten langjährige Fehden aus, und selbst die friedliebendsten Untertanen werden in den blutigen Machtkampf hineingezogen. Zugleich droht ein gemeinsamer Feind in Irland einzufallen: Henry Plantagenet will die Insel an sich reißen. Werden sich die Herren der Grünen Insel vereinen und sich gegen den König von England stellen? Und welche Rolle spielen der grausame Krieger Ascall und die von ihm entführte Caitlín in diesem Kampf um Macht und Blut?

Ascall war sechs Jahre alt, als zum ersten Mal tötete.



Das ist jetzt schwierig, denn nach der Lektüre dieses Buches bin ich zwiegespalten. Ich habe großen Respekt vor der Detailfülle und dem unglaublichen Hintergrundwissen, das Autorin Kiera Brennan sich hier erarbeitet hat, aber so ganz konnten mich Die Herren der grünen Insel tatsächlich nicht überzeugen. Das lag vielleicht auch daran, wie es angekündigt wurde, welche Vergleiche zu anderen Historischen Romanen gezogen wurden, und auch wenn das Buch definitiv auf seine Weise gut ist, kommt es nicht an die anderen Werke ran. Ich war auch ziemlich neugierig auf das Irland des 12. Jahrhunderts, da ich mich bisher eher in England, Deutschland und Italien aufgehalten habe. Und in diesem Punkt habe ich auch unglaublich viel mitgenommen, denn historisch, da wiederhole ich mich gerne, war das eine Fülle an spannenden Fakten!
Mein Problem liegt auch nicht unbedingt beim Inhalt an sich, den hat die Geschichte nun einmal im groben Rahmen so vorgegeben, ich hadere mit Stil und Charakteren. Bleibt die große Frage: Warum?
Die Charaktere hätten und haben definitiv Potenzial. Wir lernen im Prinzip vier Familien kennen und in einzelnen Abschnitten erzählen aus diesen Familien immer wieder einzelne Charaktere. Das sind letztlich doch einige Erzähler, viele verschiedene Sichten, was übrigens gleich ein weiteres Problem mit sich bringt: Jede Menge Namen. Jede Menge irische Namen (und da wäre der nächste Punkt, auf den ich noch eingehen werde!). Jede Menge zu merken. Ich sage euch eins, der einzige unwichtige Charakter, den ich mir gemerkt habe, war Nuallan, weil ich da zuerst Nutella gelesen habe. Im Moment bin ich froh, wenn ich die Protagonisten zusammenkriege, ohne auf das hilfreiche Lesezeichen oder Namensregister zu schauen. Und nun der Knackpunkt: Ohne diese kleinen Hilfen kriege ich sie nicht zusammen, weil ich keinen Zugang zu den Charakteren hatte. Am ehesten noch zu Ascall, weil der im Prolog schon erzählt, warum er so ist, wie er ist. Ansonsten war ich ehrlich gesagt manchmal eher nur angewidert vom Benehmen dieser Protagonisten. Von hysterisch übertrieben bis zu brutal übertrieben, es war alles dabei. Doch es fehlte einfach dieser Punkt, an dem die negativ angehauchte Faszination in Sympathie und Wohlwollen umschlägt. Natürlich ist das sicherlich historisch zutreffender als manch andere Historienschmonzette, aber ein Buch, in dem mir kein Charakter nahe kommt und mich auf irgendeine Weise positiv berührt, ist für mich leider eben nicht gut.
Hinzu kommt, dass ich es recht inkonsequent finde, wie die Autorin mit den Namen umgeht. Manche wurden eingeenglischt, manche vereinfacht, manche bleiben im Original. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich mag in so Fällen eine einheitliche Lösung lieber. Das ist für mich auch tendenziell ein Hinweis darauf, dass man einfach viel zu viel in dem Buch unterbringen will, aber zugleich auch nicht zu kompliziert und uaaaah! Das ist auch letztlich ein Problem des Buchs, Kiera Brennan wollte hier einfach zu viel und am Liebsten alles. Eine Familie weniger oder auch zwei, drei Erzähler weniger hätten es dem Leser doch noch mal etwas erleichtert und zugleich das Erlebte intensiviert.
Der zweite große Punkt ist tatsächlich der Stil. Grundsätzlich wäre er ja gut zu lesen gewesen, hätte auch gut zu den historischen Begebenheiten gepasst, nur… auch hier stehe ich wieder vor dem großen Problem: zu viel. Eine Sache, die mir nach der Hälfte des Buches besonders auf die Nerven ging: Wiederholungen. Ein Charakter grummelt in seinem Gedanken sozusagen was vor sich hin. Gerne auch drei Mal das Gleiche. Richtig schön wurde es dann, wenn ein anderer Charakter plötzlich auch denkt. Das Gleiche. Drei Mal. Das ist an und für sich ein schönes Stilmittel. Nur wurde es mir hier zu oft genutzt. (Wir sind wieder beim zu viel, zu oft…)
Beschreibungen finde ich ja an und für sich wundervoll. Nur, ich fürchte, ich wiederhole mich, es ist zu viel. Es ist auch eine Fähigkeit, eine Szene mit wenigen Worten zu beschreiben. Wenn ich mir so ansehe, was ich hier schreibe, existiert für mich in diesem Buch eigentlich nur ein Problem: Viel zu viel von allem. Zu viele Charaktere und auch Erzähler, um einem mal richtig nahe zu kommen. Viel zu viele Wiederholungen. Ebenfalls viel zu viele Beschreibungen. Mindestens ein Viertel dieser Beschreibungen hätte man weglassen können und das Buch hätte immer noch Atmosphäre gehabt.
Ich habe einfach das Gefühl, dass die Autorin sich während der Recherche so sehr in das Land und die Zeit verliebt hat, dass sie nicht mehr richtig kürzen konnte. So geht es mir bei Themen, die mir besonders am Herz liegen auch: Da kann ich mich einfach nicht kurzfassen. Aber letztlich bringt es dem Buch hier nicht viel. Es wäre schön gewesen, wenn ich als Leser die Freiheit gehabt hätte, meine Vorstellungskraft etwas schweifen zu lassen – ich habe durchaus auch Fantasie und da diese hier keinen Raum hatte, habe ich teilweise einfach nur stur gelesen. Vielleicht hat auch das beigetragen, dass ich nicht richtig in die Charaktere hinein fand, weil so viel vorgegeben war.
Ich muss jetzt aber auch mal sagen: Trotz dem Zu-viel habe ich das Buch gerne gelesen, auch wenn mir eher bei den Charakteren noch ein Zu-viel gewünscht hätte. Es ist einfach eine faszinierende Zeit, der Stil an sich war super und Spannung war definitiv da. Nur waren die Figuren für mein zartes Seelchen manchmal etwas zu brutal. Eigentlich war keine „weiche“ Figur dabei, die meisten waren so berechnend. Trotzdem… nicht herausragend in der Welt der Historienschinken, aber auch definitiv nicht das schlechtes Buch!



Weniger ist mehr. Das wäre hier ein gutes Motto beim Überarbeiten des Manuskriptes gewesen. So wurde aus einem potenziell herausragenden historischen Roman mit unglaublichem Faktenhintergrund leider ein mittelmäßiger, der einfach zu viel wollte.



Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

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One thought on “[Rezension] Die Herren der grünen Insel – Kiera Brennan

  1. Darum sollte man sich mit seinen Schreibprojekten eben doch nie zu sehr identifizieren. Schade eigentlich, denn die Autorin hat ja scheinbar sehr viel zu geben.

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