[Rezension] Eine Therapie für Aristoteles – Melanie Sumner


Titel: Eine Therapie für Aristoteles
Autor: Melanie Sumner
Original: How to write a novel
Aus dem Englischen: Eva Kemper
Verlag: DuMont
Erschienen: Februar 2016
ISBN: 978-3-8321-9796-4
Preis: 19,99€
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Melanie Sumner veröffentlichte bislang die Romane ›The Ghost of Milagro Creek‹, ›The School of Beauty and Charm‹ und ›Polite Society‹. Ihre Prosa erschien in diversen Magazinen, darunter The New Yorker, Harper’s Magazine und Seventeen. Ausgezeichnet wurde sie u. a. mit dem Whiting Writers’ Award und dem New Mexico Book Award, und sie war Fellow des National Endowment of the Arts. Melanie Sumner lebt in Georgia und lehrt an der Kennesaw State University. www.melanie-sumner.com




Aristoteles »Aris« Thibodeau ist zwölfeinhalb Jahre alt. Nein, sie ist kein Junge. Und ja, sie ist zu Höherem berufen. Leider steckt sie seit dem Tod ihres Vaters in einer eher mäßig interessanten Kleinstadt fest, wo sie sich um das desolate Liebesleben ihrer Mutter kümmern muss. Nicht zu vergessen ihr Job als Koerzieherin ihres kleinen Bruders Max, für dessen Therapie das gesamte Geld der Familie draufgeht.
Zum Glück hat Aris einen Plan. Mithilfe des Ratgebers ›Schreiben Sie einen Roman in 30 Tagen!‹, den ihre Mutter ihr als Therapieersatz in die Hand gedrückt hat, will sie einen Bestseller schreiben. Inhalt des Buches: ihre charmant dysfunktionale Familie. Wenn nur ihre Mutter endlich die Finger vom Onlinedating lassen würde, dann könnte sie erkennen, dass der perfekte Mann für sie der Handwerker und Nanny-Ersatz Penn Mac-Guffin ist. Und Aris hätte zumindest schon mal den romantischen Strang ihres Plots in der Tasche (und einen Vater im echten Leben). Als jedoch ein Unfall einen düsteren Teil der Thibodeau-Familienhistorie enthüllt, muss Aris einsehen, dass manches im Leben – genauso wie in der großen Literatur – nicht exakt so verläuft, wie es geplant war.

Zu meinem zwölfeinhalbten Geburtstag schenkte meine Mom mir ein Buch mit dem Titel Romane schreiben in 30 Tagen!



Ich tue mich schwer, mit dieser Rezension, da bin ich ganz ehrlich. Denn irgendwie fand ich das Buch einfach nur… nett. Inhaltsangabe und Cover hatten mir es direkt angetan und ich dachte so: Dieses Buch musst du lesen. Nur beim Lesen war dann einfach nur dieser Nett-Faktor da und nicht die Begeisterung, die mich vorher angetrieben hatte. Ich habe mehrmals überlegt, woran das liegen könnte und kam zu dem einzig möglichen Schluss: Das Buch, das dich davor gelesen hatte (begeisterte Rezension folgt…), war zu gut und zu sehr Jahreshighlight, als das mich Aris noch hätte großartig flashen können.
Aber schlecht war das Buch hier wirklich nicht, ganz im Gegenteil. Die Idee ist wirklich großartig, wie ich finde. Eine Therapie in Form des Schreibens, das ist schon ziemlich cool. Und Aris‘ Familie ist auch ziemlich schräg, aber es hat einfach nicht Klick gemacht. Man verliebt sich einfach nicht in jedes Buch, so schade es ist. Potenzial hätte die kleine Aris durchaus gehabt.
Die Grundgeschichte ist die, dass Aris einen Roman in dreißig Tagen schreiben will. Denn ihre Mutter hat ihr das Buch geschenkt und die doch schon sehr altkluge Aristoteles weiß, dass eine Therapie für sie und für ihren kleinen Bruder Max nicht bezahlbar ist. Also sieht sie das Schreiben als Therapie, und Stoff genug hat sie ja dafür. Da könnte eine Liebesgeschichte zwischen ihrer Mutter und dem Handwerker Penn beginnen, ein Drama wegen des Verlusts ihres Vaters und ein Erziehungsroman rund um ihren kleinen Bruder Max. So weit, so gut. Und ich sage euch jetzt etwas, das mich das ganze Buch über gestört hat: Aristoteles und Max. Protagonistin hat super special tollen und krassen und außergewöhnlichen Namen und ihr kleiner Bruder heißt halt Max. Immerhin muss ein kreativer Name in der Familie reichen, oder? Ich finde den Namen Aristoteles klasse, aber Max hätte ruhig einen etwas kreativeren Namen kriegen können, der Spalt wirkt schon sehr groß bei der Namensgebung.
Doch zurück zum Buch an sich: Es ist aus Aris‘ Sicht geschrieben und wie schon einmal erwähnt, empfinde ich das Mädel als ziemlich altklug. Sie musste früh erwachsen werden, doch manche Kommentare gehen mir auf den Geist. Und überhaupt ist sie mit ihren zwölf Jahren für mein (vermutlich sehr prüdes) Empfinden ziemlich frühreif. So wie sie manchmal über Sex und Liebe und alles, was dazu gehört schreibt, klingt es, als hätte sie Jahre an Erfahrungen. So was stört mich tatsächlich, wenn ich ein Buch aus Sicht eines doch noch recht jungen Mädchens lese. Ich gebe es ja zu. Ansonsten fande ich die Sichtweise ganz gut umgesetzt, Aris ist halt altklug, da kann sie auch solche Kommentare von sich geben. Das passt schon. Und manchmal wirkt sie dennoch sehr kindlich. aber es gibt eben diese Momente, die mir nicht gefallen.
Jetzt beim Schreiben kommt mir auch der Gedanke auf, dass ich Max ziemlich wenig fassen konnte. Aris ist schon sehr auf ihre Mutter und sich bezogen. Sie kümmert sich zwar um ihren kleinen Bruder, aber ich habe dennoch keine Ahnung, was Max überhaupt für Probleme hat. Er wird als seltsamer kleiner Kerl dargestellt, der gerne nervt und Pokemonkarten spielt. Mehr weiß ich über ihn nicht.
Über die Mutter erfährt man ziemlich viel, denn Aris klaut ihre Tagebücher und baut diese immer wieder in ihre Geschichte ein. Ich kann nicht behaupten, dass ich die Mutter dadurch sonderlich sympathisch fand, aber hey, immerhin hat man dadurch eine ganz andere Einsicht in ihr Denken bekommen und konnte Verständnis entwickeln. Aber auch da bleibt es so ein bisschen offen, was genau mit ihr ist und was sie denkt und das Ganze, was dazu gehört. Das ist eben das „Problem“ bei einem Ich-Erzähler, noch mehr bei einem so jungen (und altklugen, ich kann es nicht oft genug wiederholen) Erzähler.
Je mehr ich hier schreibe, umso mehr Punkte fallen mir auf, warum mich das Buch nicht flashen konnte, dann ist das Ganz-Nett-Attribut also nicht umsonst vergeben! Max, die Mutter, die Beziehung zu Penn war auch seltsam und irgendwie war vieles seltsam. Ganz niedlich hingegen fand ich die Beziehung zwischen Aris und Anders, das war das Kindlichste und Goldigste an dem ganzen Buch. Das war noch so schön von „Bäh, Mädchen“ und den ersten Sprüngen in „Oh, eigentlich ganz niedlich“ verbunden, einfach herrlich kompliziert und unkompliziert zugleich.
Sprachlich gab es wirklich amüsanste Passagen, aber gleichzeit hatte ich eben immer diesen Gedanken „zwölfeinhalb Jahre“ im Kopf. Es kommt für mich einfach nicht ganz zusammen. Und mit so einer Sperre konnte ich mich eben nicht ganz auf das Buch einlassen.







Dieses Buch war ganz nett, aber es gab doch einige Kritikpunkte, die mich nicht überzeugt haben und durch die ich einfach keinen hundertprozentigen Zugang zu dem Buch fand. Dennoch eine wunderbare Geschichte für zwischendurch, wenn man keine großen Erwartungen hegt.


  
Mein Dank geht an den DuMont-Verlag sowie Blogg dein Buch für das Rezensionsexemplar

Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

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