[Rezension] Jane Austens Geheimnis – Charlie Lovett

Jane Austens Geheimnis - Charlie Lovett

 

Titel: Jane Austens Geheimnis
Autor: Charlie Lovett
Original: First Impression
Aus dem Englischen: Ulrike Laszlo
Verlag: Goldmann
Erschienen: 18.07.2016
ISBN: 978-3-442-48404-1
Preis: 9,99€
Leseprobe
 
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Charlie Lovett hat früher als Antiquar gearbeitet, ist ein begeisterter Büchersammler und gehört dem „Grolier Club“ an, Amerikas bedeutendstem Club für Bücherliebhaber. Er lebt mit seiner Frau abwechselnd in Winston Salem, North Carolina, und Kingham im englischen Oxfordshire. Nach dem New-York-Times-Bestseller „Das Buch der Fälscher“ ist „Jane Austens Geheimnis“ sein zweiter Roman.




Sophie Collingwood liebt Bücher, vor allem die von Jane Austen. Ihrer Leidenschaft kann sie auch beruflich nachgehen: als Angestellte in einem Londoner Antiquariat. Dort versucht sie für ihre Kunden noch die obskursten Werke aufzutreiben – wie beispielsweise „Ein kleines Buch allegorischer Geschichten“. Für diese Sammlung erbaulicher Erzählungen aus dem Jahr 1796 gibt es gleich zwei Interessenten. Was Sophie nicht ahnt: Das schmale Bändchen birgt den Schlüssel zu einem Geheimnis um Jane Austens Meisterwerk “Stolz und Vorurteil”. Und plötzlich wird aus der Suche nach einem vergessenen Buch ein höchst gefährliches Abenteuer … Ein bezaubernder Roman um alte Bücher, junge Liebe und den Charme von Jane Austen!

 

Jane genoss ihre einsamen Spaziergänge sehr, und so war sie weiter gelaufen als beabsichtig, in Gedanken mehr bei der Geschichte, die sie bald zu schreiben hoffte, als bei dem Buch, das sie vor Kurzem gelesen hatte.



Nach diesem Buch schäme ich mich noch mehr, dass ich noch nichts von Jane Austen gelesen habe – aber (!) es liegt ja schon was bereit. Sobald ich den Mount Bookerest etwas abgebaut habe, komme ich ohne Lawinengefahr dran und kann es lesen. Das hat jetzt aber natürlich überhaupt nichts mit dem Buch zu tun, außer dass die Leidenschaft von Sophie einen doch etwas ansteckt. Und gerade wenn man ein Frischling im Jane Austen Bereich ist, möchte man doch wissen, woher diese Leidenschaft kommt. Das Buch macht Lust auf mehr und mehr ist in diesem Fall Jane Austen höchst persönlich.
Es ist eine dieser Geschichten, die Gegenwart und Vergangenheit zugleich erzählt, doch dieses Mal ohne den Familienkonflikt. Stattdessen ist es Jane Austen, die wir in den vergangenen Episoden kennenlernen können. Und die Gegenwart wird von ihrem wohl größten Liebhaber gestaltet: Sophie. Der Klappentext entspricht nicht ganz der Ausgangssituation und man wird etwas in die Irre geführt. Deshalb war ich anfangs auch sehr irritiert, dass Sophie Studentin ist und letzten Endes nichts mit dem Antiquariat zu tun hatte. So musste erst ihr geliebter Onkel sterben und seine unglaubliche Buchsammlung gegen ihren Willen verkauft werden, dass sie in das Antiquariat kommt. Und so intensiv wird die Arbeit dort auch nicht wirklich beschrieben, da hätte ich mir echt mehr erwartet. Es sind eigentlich nur ein paar Seiten, danach widmet sie ihre Suche einem einzigen Buch. Das wird überraschend gefährlich und sie deckt einige spannende Geheimnisse auf, nicht nur rund um Jane Austen, auch ihre Familiengeschichte lernt Sophie dadurch etwas besser kennen. Und natürlich findet sie auch ihre große Liebe. Am Ende sind alle glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende.
Sophie finde ich wirklich wunderbar dargestellt, sie ist facettenreich, charakterstark und ihre Liebe zu Büchern eint wohl jeden bibliophilen Leser mit ihr. Die restlichen Charaktere bleiben dagegen eher farblos. Es konzentriert sich alles aus Sophie und Jane Austen und Bücher. Die Liebe zum Buch spürt man wirklich in jedem Wort des Buches, doch leider gehört eben auch etwas mehr zu einem guten Buch dazu. Und das sind die Charaktere. Es gibt ja durchaus überraschende Wendungen bei diesen, aber letzten Endes fehlt mir da die Tiefe. Da sind nur genau drei Charaktere, die mir richtig im Gedächtnis geblieben sind: Sophie, Jane und Janes liebster Gefährte, den ich euch jetzt aber nicht verrate. Der Rest ist austauschbar, selbst die Antagonisten bleiben eher Randfiguren ohne wirklichen Biss. Vielleicht hat mir daher auch die Spannung gefehlt: Denn selbst die Momente, in denen Sophie direkt bedroht wird, waren eher mau. Das war eher die hochgezogene Augenbraue als der Schauder über den Rücken.
Was ich zum Inhalt sagen soll… das fällt mir ehrlich schwer. Ich fand die Episoden mit Jane wunderbar, diese Vorstellung, wie sie ihre Bücher entwickelt haben könnte, das hat Spaß gemacht. Und auch Sophies Liebhaberszenen haben mich mitgenommen, weil ich es einfach so gut nachvollziehen kann. Doch den Krimiteil fand ich lasch. Langweilig. Er hat mich nicht mitgerissen. Und wenn ich so darüber nachdenke, liegt das eben nicht nur an der Story, sondern auch daran, dass der Autor für mich kein Krimiautor ist. Es gibt einfach Autoren, die sind für mich nicht spannend, selbst wenn Krimielemente enthalten sind. Und das ist hier der Fall. Das will nicht heißen, dass Jane Austens Geheimnis nicht lesenswert ist, nur vom Kriminalteil sollte man eben nicht zu viel erwarten. Durchdacht ist er auf alle Fälle, er reißt nur nicht vom Hocker, bei mir zumindest. Der Schreibstil macht hier schon einiges aus und da fehlte einfach die Spannung. Die Idee dahinter fand ich aber genial – auf die Lösung wäre ich letzten Endes so nicht gekommen!
Das Ende ist natürlich schön. Liebe, Friede, Eierkuchen, das passt schon ganz gut.




Dennoch hätte mich das Buch noch mehr überzeugt, wenn die Figuren mehr Tiefe und Farbe gehabt hätten und die Krimielemente noch spannender gewesen wären. Da fehlte mir noch etwas Pfeffer und dann wäre das Buch perfekt gewesen.

 



Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

Mein Dank geht an das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.

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One thought on “[Rezension] Jane Austens Geheimnis – Charlie Lovett

  1. Liebe Chimiko,
    vielen Dank für deine Rezension. Ich war fast versucht, mir das Buch zuzulegen und bin froh, erst deine Rezi gelesen zu haben. Schade, dass manche Genremix-Bücher so danebengehen. Hatte auch gerade eines, das zwar Krimi versprach, aber Familiendrama bot.

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