[Rezension] Bühlerhöhe – Brigitte Glaser

Bühlerhöhe - Brigitte Glaser

 

Titel: Bühlerhöhe
Autor: Brigitte Glaser
Verlag: List
Erschienen: August 2016
ISBN: 978-3-471-35126-0
Preis: 20,00€
Leseprobe
 
Kaufen beim Verlag!

 



Geboren 1955 in Offenburg. 1974 Abitur in Achern. 1975-1980 Studium der Diplom-Sozialpädagogik in Freiburg. 1980 Wechsel nach Köln. Dort Arbeit in einem Jugendzentrum, in der Jugendmedienarbeit und der Erwachsenbildung. 1996 erscheint mit „Kölsch für eine Leiche“ der erste Krimi, 2001 -2008 „Tatort Veedel – Orlando & List ermitteln“, eine Kurzkrimi-Serie im Kölner Stadtanzeiger, 2003 „Leichenschmaus“, der erste Katharina-Schweitzer-Roman, 2010 „Schreckschüsse“, erstes Jugendbuch. Seit 2008 freie Schriftstellerin in Köln.



Rosa Silbermann wird 1952 mit einem geheimen Auftrag in das Nobelhotel Bühlerhöhe geschickt. Die in den 1930ern aus Köln nach Palästina emigrierte Jüdin arbeitet für den israelischen Geheimdienst. Ihre Gegenspielerin ist die misstrauische Hausdame Sophie Reisacher. Die musste 1945 das Elsass verlassen und sucht ihre Chance zum gesellschaftlichen Aufstieg. Beide haben erlebt, was es heißt, wenn ein ganzes Land neu beginnen will. Keine von ihnen vertraut der beschaulichen´Landschaft des Schwarzwalds. Und beide wissen von einem geplanten Attentat auf Bundeskanzler Adenauer, wobei jede ihre eigenen Pläne verfolgt. Zwei Frauen in einer Männerwelt, in der es um Macht, Geschäfte und alte Seilschaften geht – und irgendwann um Leben und Tod.

Die zwei jungen Männer tauchten während der Orangenernte im Kibbuz auf.

 



Das Buch ist ein Muss für mich gewesen, immerhin ist es ein BaBü und spielt in unmittelbarer Nähe zu meiner Heimat. In der Gegend ist die Bühlerhöhe für jeden ein Begriff – nicht nur wegen der leckeren Bühler Zwetschgen… Dass damals 2006 die englische Nationalmannschaft dort ihr Quartier hatte, war allerdings ein absolutes Highlight.
In Brigitte Glasers Buch befindet man sich allerdings in einer ganz anderen Zeit: Im Jahre 1952. Und man könnte sich nach den ersten Sätzen auch fragen, was das bitteschön mit der Bühlerhöhe zu tun hat – ein Kibbuz ist diese ja nun wirklich nicht. Doch dahinter steckt eine wirklich spannende Geschichte und Idee. Es ist ein Fakt, dass Konrad Adenauer sich im Hotel Bühlerhöhe immer mal wieder erholt hat – und daraus hat die Autorin eine spannende Geschichte entwickelt, die auch jederzeit so hätte passieren können.
Protagonistin ist Rosa Silbermann, eine junge Jüdin aus dem Kibbuz, die während des Krieges aus Deutschland fliehen musste. Sie ist diejenige, die für den Mossad als Agentin den Kanzler schützen soll. Das Interessante für uns Leser ist einfach, dass sie keine Ausbildung zur Agentin absolviert hat. Rosa wird nur aufgrund ihrer Ortskenntnisse ausgewählt; und so erlebt man nicht nur die Suche nach dem Täter, sondern auch immer wieder Rosas aufblitzende Erinnerungen. Das macht das Buch noch authentischer und man hat das Gefühl, dass diese Geschichte eben doch auch hätte wahr sein können. Auch die anderen Figuren tragen zu diesem Gefühl bei. Jede einzelne ist nämlich wunderbar ausgearbeitet und detailliert gestaltet worden. Egal ob Rosas Gegenspielerin Sophie, Pfister, Agnes oder Ari – jede Figur wirkt einfach wie aus dem wahren Leben gegriffen. Sophie ist natürlich eine der Charaktere, die mit die größte Rolle spielen. Und sie ist wirklich kein sonderlich sympathischer Mensch, man verspürt sofort eine Abneigung, doch zugleich habe ich während des Lesens auch irgendwo Mitleid mit ihr gehabt. So wie es oft im wahren Leben ist. Faszinierend finde ich jedoch immer noch, dass sie eigentlich relativ stark meinem Bild einer Hausdame in dieser Zeit entspricht. Das hat einfach perfekt gepasst.
Es wäre zu viel, wenn ich jetzt auf jeden Charakter eingehen würde, der mir im Sinn geblieben ist und der mich fasziniert hat. Vor allen Dingen würde die Spoilergefahr sehr groß werden, denn es ist hier nicht jeder, was er zu sein scheint. Das macht es nicht nur Rosa schwer, ihre Aufgabe zu erfüllen, auch ich als Leser habe mit einigen Wendungen so definitiv nicht gerechnet.
Der Roman ist kein Actionbuch, es kommt zwar zu einigen Vorfällen, aber die Spannung kommt eher durch Rosas Erinnerungen und die Suche nach dem Attentäter. Es gibt jedoch wirklich zwischendurch Momente, in denen man die Luft anhalten kann – und sei es nur, dass Rosa bei ihrer Recherche nicht entdeckt wird. Irgendwie will man da ja auch helfen, oder? Ich muss auch sagen, dass nur der Spionage-Agenten-Teil nicht spannend gewesen wäre. Für mich gewinnt Bühlerhöhe auch durch die Vergangenheit. Und das sind nicht immer schöne Momente, ganz im Gegenteil. Da der Krieg einen Großteil der Erinnerungen einnimmt, sind es auch wirklich tragische Momente, die einem nahe gehen. Aber dadurch wird der Roman noch tiefer und noch realer.
Spannend war es für mich natürlich auch, wie wohl meine Heimat in der Vergangenheit ausgesehen hat. Daher fand ich so kleine Momente, wie der Besuch auf dem Postamt im Bühl oder die Fahrt nach Baden-Baden einfach wunderbar. Es sind zwar nur kleine literarische Einblicke, aber ich finde einfach, dass sie die Bilder von damals noch etwas lebendiger machen. Und geht es nur mir so oder findet ihr es einfach auch faszinierend, wenn vielleicht eure Bahnstation plötzlich in einem Buch auftaucht? Mich begeistert das einfach.
Die Bühlerhöhe als Ortsteil und auch das Hotel Bühlerhöhe waren mir natürlich vorher schon ein Begriff. Doch die Vergangenheit kennt man eben nicht. Da ist das große Nobelhotel, aber ich wusste nicht einmal, dass Konrad Adenauer sich dort oft erholt hat. Auch die Entstehungsgeschichte wird zwischendurch einmal erwähnt und war überraschend spannend. Es ist einfach toll, wenn man dann eben doch noch etwas hinzulernen kann – und auf diese Art und Weise… immer wieder gerne!

 



Es ist kein Buch, das durch rasante Momente und durchgehende Spannung besticht, doch die Kombination aus Spionage und den Erinnerungen einer geflohenen Jüdin hat mich gefesselt. Selbst ohne den Heimatfaktor ist die Geschichte der Bühlerhöhe interessant und… ich bleibe dabei, diese Geschichte wirkt so real, dass sie einfach wirklich hätte passieren können. Und so Bücher sind doch einfach die Besten!

 

 



Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

Weitere Posts zum Thema

One thought on “[Rezension] Bühlerhöhe – Brigitte Glaser

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.