[Rezension] Lady Africa – Paula McLain

Lady Africa - Paula McLain

 

Titel: Lady Africa
Autor:  Paula McLain
Original: Circling the Sun
Aus dem Englischen: Yasemin Dincer
Verlag: Aufbau
Erschienen: August 2015
ISBN:  978-3-351-03619-5
Preis: 19,95€
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Paula McLain studierte an der University of Michigan Kreatives Schreiben und lebte in den Künstlerkolonien Yaddo und MacDowell. Nachzwei Gedichtsammlungen und einem ersten Roman gelang ihr mit dem in 35 Sprachen übersetzten Roman „Madame Hemingway“ ein internationaler Bestseller. Paula McLain lebt mit ihrer Familie in Cleveland.





Aufgewachsen als Tochter eines Lords im afrikanischen Busch, interessiert sich die junge Beryl nicht für Seidenkleider und Etikette. Dafür ist sie stark und mutig wie ein Kipsigis-Junge und hat von ihrem Vater alles über Rassepferde gelernt. Doch im britischen Protektorat – dem späteren Kenia – der vorigen Jahrhundertwende ist kein Platz für solch ein ungezähmtes Mädchen. Bis sie in Karen Blixen eine Seelenverwandte findet – und in deren Geliebtem, dem Flieger und Großwildjäger Denys Finch Hutton, das Abenteuer ihres Lebens.

Die Vega Gull ist pfauenblau mit silbernen Flügeln, prächtiger als jeder Vogel, den ich je gesehen habe, und ich darf sie fliegen.



Was für eine Frau. Das war mein erster Gedanke, nachdem ich das Buch beendet hatte. Ich finde unglaublich faszinierend, wie Beryl im Afrika des frühen zwanzigsten Jahrhundert aufwächst und sich behauptet. Und dann ist es auch nach eine wahre Geschichte, eine Frau, die sich dort wirklich auf diese Art und Weise durchgekämpft hat, wie das Buch es beschreibt. Unglaublich!
Vorweg muss ich aber sagen, dass ich etwas mehr Fliegerei erwartet hatte. Letzten Endes nimmt Beryls Entdeckung für den Himmel nur einen sehr geringen Teil ganz am Schluss des Buches ein. Das war der einzige Punkt, der mich etwas enttäuscht hat; zugleich hatte ich aber auch das Bedürfnis, immer weiter zu lesen, um endlich dahin zu kommen. Dennoch bleibt Beryl eine unglaublich faszinierende Frau. Neben der Fliegerei ist sie auch die erste Frau in Afrika, die eine Trainerlizenz für Rennpferde erwirbt – und ganz im Ernst, das ist eine unglaublich spannende Szene. Aus jeder Seite spürt man Beryls Liebe für Pferde.
Doch da beginnt das Buch nicht, es beginnt damit, dass Beryls Mutter sie und ihren Vater verlässt, um nach England zurückzukehren. Es beginnt also mit Beryls Kindheit. Dadurch kann man von Anfang erschließen, warum sich Beryl so entwickelt, wie sie sich entwickelt. Sie wird eine starke, unabhängige Frau, was ihr auch einige Probleme bereiten wird. Aber für mich – als Frau des 21. Jahrhunderts – konnte ich mich gut mit ihr identifizieren. Sie ist nicht sehr emotional und gibt nicht gleich auf oder nach, das fand ich einfach wunderbar. So eine Persönlichkeit muss man auch sein, um sich in der Rennszene durchzubeißen. Ich finde, dass sie selbst im verliebten Zustand nicht weich und weiblich wird, sondern eher unsicher und unbeholfen. Das mag ich unglaublich an ihrem Charakter und der Art, wie sie beschrieben wurde. So bleibt ihre Figur das ganze Buch über authentisch in der Entwicklung und Haltung. Einfach wunderbar, da hat man eben noch mehr das Bewusstsein, dass eine Frau dahinter steckt, die wirklich existiert hat. So könnte man sich Beryl wirklich vorstellen.
Kenia zu dieser Zeit ist wirklich ein Dorf. Zumindest für die Ausländer, die dort leben. Daher begegnet Beryl immer wieder den gleichen Charakteren. Da gibt es welche, die man sofort ins Herz schließt und andere, die sich einem nicht erschließen. Und das fühlt man alles, weil Beryl es so empfindet. Misstrauen, Unsicherheit oder das schlichte Gefühl, eine Person einfach nicht richtig zu kennen – wenn die Protagonistin das empfindet, geht es dem Leser genauso. Das macht Spaß, das macht das Buch lesenswert.
Schon Madame Hemingway der Autorin hat mich ja begeistert, hier ist es genauso. Paula McLain kann sich fantastisch in ihre Figuren hineinempfinden und sie auf dem Papier zum Leben erwecken. Dabei unterscheiden sich die Bücher sehr: Dieses Buch hier fand ich etwas beschwerter, während Madame Hemingway durch den anderen Lebensstil doch etwas leichter wirkt. Aber Beryl ist kein leichter Charakter, sie flaniert nicht durch die Gesellschaft, sondern es liegt ihr nicht wirklich. Somit ist die gesamte Grundstimmung etwas herber und ruhiger.



Ein wunderbares biographisches Buch, einer faszinierenden Frau. Ich hätte gerne mehr von ihr gelesen.

 

 



Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

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