Toller Dampf voraus – Terry Pratchett [Rezension]

Der Fortschritt rollt auch in Ankh-Morprok an – und mit Feucht von Lipwig ist wieder ein Mann mit Visionen am Start, der den Neuerungen einfach nicht widerstehen kann. Eisenbahn und Scheibenwelt und der wunderbare Feucht von Lipwig – das musste ich lesen. Leider kommt es nicht an seine Vorgänger heran:

 

Titel: Toller Dampf voraus
Autor:  Terry Pratchett
Original: Raising Steam
Aus dem Englischen: Gerald Jung
Verlag: Goldmann
Erschienen: September 2015
ISBN:  978-3-422-48453-9
Preis: 9,99€
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Es ist nicht ganz leicht, Nichts zu verstehen, aber das Multiversum ist voll davon.



Feucht von Lipwig zählt zu meinen Lieblingscharakteren auf der Scheibenwelt. Ich finde es einfach wunderbar, wie er immer wieder irgendwo hineinstolpert, ohne das wirklich zu wollen und dann doch noch das Beste daraus macht. Er ist ehrlichste Betrüger, den ich je gelesen habe. Und der gewinnendste. Schon mit dem ersten Feucht-Buch war ich absoluter Fan von ihn. Umso mehr hat es mich natürlich gefreut, dass mit Toller Dampf voraus noch ein Buch mit ihm erschienen ist. Und dann auch noch mit der Eisenbahn? Perfekt. Wie man sieht, hat es trotzdem eine Weile gedauert, bis ich es gelesen habe, denn ich hatte etwas Sorge, wie es wohl wird. Und, das verrate ich euch gerne vorweg, es überzeugt nicht ganz so sehr wie andere Bücher. Stellenweise empfand ich es als etwas wirr, überhetzt und dass zu viel Buch in dem Buch war. Es kommt gefühlt jeder – tolle – Charakter hier vor und es passiert so viel, dass ich mir etwas weniger gewünscht hätte. Am Ende kommt zwar schon alles irgendwie zusammen, aber… okay. Es ist mit eines der schlechtesten Pratchett-Bücher. Und trotzdem habe ich es gerne gelesen, eine Kunst, die ja auch nicht jeder Autor beherrscht.
Ich liebe die Storyline mit der Eisenbahn, mit der Entstehung und ihrer Entwicklung und wie Feucht darauf anspringt. Genauso liebe ich die Kombination aus Paul König und Feucht von Lipwig. Die beiden harmonieren irgendwie perfekt miteinander und machen in ihrer Interaktion wirklich Spaß. Da haben sich zwei Charaktere gesucht und gefunden.
Ich verstehe ja auch, dass es Gegenwehr braucht, denn so eine neue Technologie ist gefährlich, ist eben neu und unbekannt und macht Angst. Aber die radikalen Zwerge waren so… na ja. Oder noch kürzer ausgedrückt, dieser Teil der Geschichte war eher so meh. Es war lau, es war nicht spannend und wirr. War ich die einzige, die diese Zwergenstory als seltsam empfand? Das hat mein Lesevergnügen doch deutlich gemindert. Wenn ich so darüber nachdenke, bin ich jetzt eigentlich nie der größte Fan von Zwergengeschichten gewesen, aber so negativ empfand ich es bisher auch noch nicht. Dieser Plotteil hätte eindeutig besser sein können, da hilft auch all meine Scheibenweltliebe nicht, um das irgendwie zu verklären und schön zu reden.
Was das Buch aber dennoch geschafft hat: Ich musste sämtliche Feucht-von-Lipwig-Bücher nochmal lesen – und dem direkten Vergleich zu seinen Vorgängern kann Toller Dampf voraus einfach nicht standhalten. Feucht bleibt als Charakter sich selbst treu, die Dollar-Zeichen blitzen in seinen Augen förmlich auf, seine Gedanken galoppieren mit tausenden Ideen weit voraus und ich liebe seine Kreativität. Aber die Charaktere, zumindest die Altbekannten, sind wieder einmal alle fantastisch umgesetzt. Die Schwäche liegt auch hier bei den neuen Charakteren und den Zwergen. Diese kommen in ihrer Tiefe einfach nicht an die anderen Figuren heran. Sie bleiben etwas blass und dadurch auch langweilig. Natürlich gibt es auch bei ihnen humorvolle Momente in den Unterhaltungen, aber es bleibt einfach flacher. Sehr schade.



Feucht ist toll. Die Eisenbahn ist toll. Aber die zweite Storyline rund um die radikalen Zwerge schwächelt. Dadurch gehört Toller Dampf voraus zu den deutlich schwächeren Scheibenweltromanen. Das ist zwar schade, aber das Wiedersehen mit alten Freunden macht dennoch Spaß.

 

 

 



Terry Pratchett, geboren 1948, gilt als einer der erfolgreichsten Autoren der Gegenwart. Von seinen mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Romanen wurden weltweit bisher über 80 Millionen Exemplare verkauft, seine Werke sind in 38 Sprachen übersetzt. Für seine Verdienste um die englische Literatur wurde ihm sogar die Ritterwürde verliehen. Terry Pratchett starb im März 2015.





Die Dampfeisenbahn hält Einzug – oder eher Einfahrt – in Ankh-Morpork und begeistert die ganze Stadt. Und insbesondere Feucht von Lipwig, seines Zeichens Postminister, Herr der Königlichen Münze und der Königlichen Bank, hat hier mal wieder seine Finger im Spiel. Natürlich kann das nicht ganz ohne Gegenwehr vonstatten gehen, eine kleine, aber radikale Gruppe von Zwergen stellt sich ihm und der Eisenbahn in den Weg…

Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

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