Rosaleens Fest – Anne Enright [Rezension]

Rosaleens Fest von Anne Enright bei DVA

Titel: Rosaleens Fest
Autor: Anne Enright
Original: The green road
Aus dem Englischen: Hans-Christian Oeser
Verlag: DVA
Erschienen: November 2015
ISBN: 978-3-421-04700-7
Preis: 19,99€
Leseprobe
 
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Später, nachdem Hanna Käsetoast gemacht hatte, kam ihre Mutter in die Küche und füllte eine Wärmflasche mit Wasser aus dem großen Kessel auf dem Herd.



Anne Enright hat ein sehr intensives Buch geschrieben, aber mein Buch ist es leider nicht. Ich kam nur sehr schwer rein und die Charaktere waren zwar allesamt aus dem Leben gegriffen, aber wir kamen nicht zusammen. Es klingt ja immer so schwammig, wenn man das schreibt, aber man ist ja auch manchmal mit anderen Menschen nicht kompatibel. Man verspürt keine abgrundtiefe Abscheu oder findet den anderen komplett unnötig, aber es ist eben maximal eine höflich-distanzierte Beziehung zueinander möglich – ohne einen konkreten Grund zu nennen. Und da Bücher ja unser aller Freunde sind, geht es mir hier einfach genauso. Die Chemie zwischen uns stimmt einfach nicht. Würde ich Rosaleens Fest auf der Straße begegnen, würde ich höflich grüßen, aber nicht nachfragen, wie es Dan, Hanna, Emmet oder Constance geht. Es passt grundsätzlich alles in diesem Buch – mir persönlich hat der Schreibstil durchaus zugesagt. Nur konnte ich einfach nicht bei der Geschichte bleiben, ich habe mich andauernd selbst abgelenkt. Ihr kennt das, oder? Normalerweise passiert das ja eher beim Aufräumen (so nach Motto: Oh, ein Buch… das sollte ich wegräumen… oder vielleicht doch mal gaaaanz kurz… – es ist NIE ganz kurz, NIE!) und hier war es leider exakt das Gleiche. Ich konnte mich einfach nicht auf das Buch konzentrieren. Mich hat absolut alles abgelenkt. Und woran das lag? An den Figuren. Ich kann es drehen und wenden wie ich will, es sind immer wieder die Charaktere. Die sind nicht schlecht, wirklich nicht. Sie haben Stärken, sie haben verdammt viel Schwächen, kurz: Sie haben Charakter. Sie wirken lebendig und nicht flach. Aber irgendwann haben mich die ganzen Schwächen und das Negative gelangweilt. Und da kommt mir die Erkenntnis: Das Buch war mir zu negativ. Ich bin ja selbst so ein Mensch, der gerne mal pessimistisch unterwegs ist (Schande über mein negatives Haupt!) und in manchen Phasen des Lebens braucht man das dann halt nicht noch als Buch. Rätsel gelöst! Buch und ich kamen zur falschen Zeit zusammen – obwohl es inhaltlich wirklich endlich mal tiefgehend war, war es mir zu negativ. Ihr seht, das ist eine äußerst subjektive Meinung. Daher will ich eins sagen: Lasst euch von mir nicht abschrecken, das Buch kann euch wirklich berühren. Es ist auch erfrischend unkitschig, versprochen.
Ich finde die Sprache wirklich grandios. Anne Enright malt Bilder, aber es ist nicht zu viel, sondern genau richtig dosiert. Manches Kapitel hat zwar sein Längen, aber mich stört das eher weniger. Längere Texte bedeutet mehr zu lesen. Ich bin da ziemlich einfach gestrickt. Nur für die Sprache würde ich es mir wohl auch überlegen, das Buch noch einmal zu lesen, in einer Zeit, in der wir einfach besser harmonieren. Da verbirgt sich sicherlich noch das ein oder andere Satz-Schätzchen im Text.
Ach ja, Inhalt, den gibt es ja auch noch. Der ist gegliedert: Wir haben einmal die Zeit, in der die Kinder noch bei Rosaleen leben. Sie nabeln sich langsam ab, erschaffen sich ihre eigene Welt. Die Entwicklung ist wirklich fantastisch am Buch abzuleben. Rosaleen z.B. wird mit den Jahren immer eigener und das kann man dadurch zurückverfolgen. Und dann gibt es da noch den Teil der Rückkehr. Eher widerwillig, vielleicht auch etwas ängstlich, immerhin hat sich viel verändert und Rosaleen ist eben Rosaleen. Den Teil fand ich fesselnder, daher habe ich auch zumindest den Schluss durchgängig gelesen, ohne abbrechen zu müssen.



Ein sehr realistischer Roman rund um eine Familie, die sich erst trennt und dann langsam wieder zusammenfindet. Für mich das falsche Buch zur falschen Zeit, aber dennoch beeindruckend. Insbesondere die Sprachgewalt der Autorin beeindruckt.

 

 



Die Booker-Preisträgerin Anne Enright ist eine der größten englischsprachigen Schrifststellerinnen unserer Zeit. Geboren 1962 in Dublin, lebt sie heute in Bray, County Wicklow. Sie wurde nicht nur mit den Booker-Preis ausgezeichnet, sondern hat u.a. auch eine Andrew Carnegie Medal for Excellence in Fiction erhalten.
Auch „Rosaleens Fest“ wurde für den Booker-Preis nominiert und hat den Irish Novel of the Year Prize erhalten.

Den Preis zur Mutter des Jahres hat Rosaleen nicht verdient. Statt zu geben, nimmt sie lieber und setzt ihre starke Persönlichkeit durch. Doch als sie sich entschließt, das alte Haus zu verkaufen, reist die ganze Familie an – noch einmal möchten Hanna, Constance, Dan und Emmett ein Weihnachtsfest dort feiern. Die Erinnerungen daran sind überwältigend, sowohl die glücklichen als auch die traurigen. Wird es dieses Mal ein versöhnliches Fest und ein schöner Abschied werden? Oder endet doch alles wie immer?


Mein Dank geht an DVA für das Rezensionsexemplar.

Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

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