Ausgerechnet heute – Simone Hausladen

Ausgerechnet heute von Simone Hausladen

Als ich begonnen habe, mich mit dem Thema #falschescham und Depression mehr auseinanderzusetzen, habe ich auch einige Bücher zu dem Thema in die Hand genommen. Zufälligerweise habe ich auch ein Leseexemplar dazu angeboten bekommen. Verrückt, oder?

Ausgerechnet heute – überzeugend oder nicht?

KAusgerechnet heute von Simone Hausladenurz und knackig: Es war okay. Lang und nicht so knackig – folgt jetzt:

Ausgerechnet heute… das habe ich mir auch schon des Öfteren gedacht. Mit diesem Titel war meine Neugierde also schon geweckt. Nur hat mich das Buch nicht überzeugt, es war wirklich ganz in Ordnung, mehr aber auch nicht. Mein Problem war: Man merkt, dass die Autorin in der Beratung tätig ist. Ihre Sätze wirken teils lehrbuchhaft und auf mich besserwisserisch. Ich bin mir zu hundert Prozent sicher, dass das nicht die Absicht war. Hier sollte eine sanfte Lektion in einem Roman versteckt sein, eine Fall-Studie in gewisser Weise. Aber ganz im Ernst, manche Sätze haben mich so genervt, dass ich richtig widerspenstig wurde. Die hat ja leicht schreiben! Klar, als ob das so funktionieren würde. Klingt gut, aber so einfach ist es nun auch wieder nicht.

Ein pathetischer Protagonist

Dann kommt man auch einfach nicht mehr richtig in das Buch rein. Außerdem war es mir doch zu pathetisch. Gut, Henry hat Depressionen, das ist keine Frage. Er ist sogar so weit, dass er sich umbringen will. Soweit, so gut. Dann kam der Überfall. Dann kam seine Frau. Sein Sohn. Sein Partner. Das ist mir zu viel Zufall. Wenn ich jetzt rein logisch argumentieren würde, finge das schon mit dem Überfall an. Obdachlose ziehen die immer gleiche Masche mit Umleitungsschildern ab. Es ist klar, dass Henry sich nicht für die Welt und ihr Unglück interessiert. Aber Elisa ist eine lebensfrohe Frau, die sich als Mitbesitzerin eine Reiseagentur sicher nicht den Luxus leisten kann, nicht zu wissen, was da draußen passiert. Sie hat am Abend zuvor die umgelegten Schilder gesehen. Ihr versteht, was mein Punkt ist? Dieser Überfall musste passieren, um die Story in Gang zu bringen. Aber es ist in meinen Augen nicht glaubwürdig.

Außerdem passieren noch so viele andere unglaubliche Stories, ausgerechnet heute… Ja. Ausgerechnet heute. Ich hätte mir zwei so Erlebnisse gefallen lassen, die Henry einen Denkanstoß geben, aber insgesamt fünf Stück? Zumindest fünf, die mir im Gedächtnis geblieben sind. Etwas zu viel.

Eine Studie ohne Emotionen

Und jetzt kommt mir auch, was mich an Henry gestört hat – oder eher an dem Stil des Buches: Rein theoretisch weiß ich, wie furchtbar er sich fühlen muss. Rein praktisch ist der Schreibstil sehr emotionslos, eine Studie trifft es wirklich gut. Aber mir fehlt diese Verzweiflung, das kommende Nichts. Das hätte das Buch in meinen Augen tatsächlich verbessert. Besser ausgedrückt: Es hätte das Buch aufgewertet. Nicht einmal bei seinem Weinkrampf nach dem Überfall gab es einen Hauch von Gefühl, der zu mir als Leserin überschwappte.

Dadurch empfand ich vermutlich auch die Sätze zum Teil so besserwisserisch. Durch den Stil ist man nur Zuschauer und dann noch so typische Weisheiten? Das ist nichts für mich. Ich kenne Henrys Gefühle zu gut. Das hat mich einfach gestört.

Ihr seht, das Buch hat mir doch nicht so zugesagt. Es ist wirklich okay, dabei bleibe ich. Aber es gibt so viele Kleinigkeiten, die mich gestört haben. Wer einfach mal wissen möchte, wie der letzte Tag eines Suizidgefährdeten aussieht, kann sich das Buch anschauen, aber es ist keine absolute Kaufempfehlung.

 

Mein Dank geht an den Verlag und die Autorin für das Rezensionsexemplar.

 

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