Die Kapitel meines Herzens – Catherine Lowell

Die Kapitel meines Herzens von Catherine

Bücher über Bücher und Bücher über Autoren und Bücher, die Büchervergangenheit mit heute verbinden, lese ich einfach gerne. Man teilt etwas mit dem Autor und bekommt trotzdem noch einen vollkommen anderen Blick auf die historischen Figuren. Ein Buch über die Brontë-Familie heute klingt doch auch super, oder? Also bin ich voller Vorfreude in Die Kapitel meines Herzens gestartet.

Gut ist nicht immer gut genug?

Es ist… gut. Das Buch ist nicht schlecht, es ist für mich nicht absolut herausragend, es ist nicht nur in Ordnung. Es ist gut. Aber es ist auch kein Buch, das sich für mich auf ewig einprägen wird und an das ich noch in ein paar Jahren voller Begeisterung zurückdenken werde. Wenn ihr jedoch ein Faible für Bücher über Bücher und besonders für die Brontë-Schwestern hegt, solltet ihr auf alle Fälle ruhig mal einen Blick reinwerfen!

Die Kapitel meines Herzens – Sam und die Brontë-Schwestern

Hier geht es um eine direkte Nachfahrin der Brontë-Schwestern, Sam. Sie wuchs mit den Büchern ihrer Vorfahrinnen auf und mit dem Heimunterricht ihres Vaters, ebenfalls bekannter Schriftsteller. Nur an ihr ist das Familientalent wohl vorbeigegangen. Jetzt geht sie auf das Wunsch-Colleges ihres Vaters und eine Schnitzeljagd nach dem Erbe der Brontë-Schwestern steht an. Bis hierhier klingt Die Kapitel meines Herzens doch ziemlich gut, oder? Ja. Das ist dann leider auch der Knackpunkt für mich. Es klingt gut, aber es kann mich einfach nicht begeistern. Die Schnitzeljagd zum Beispiel, sie klingt spannender als sie ist. Ich habe mir den Part der Schnitzeljagd etwas größer… prominenter und essentieller vorgestellt. Doch in erster Linie beschäftigt sich Catherine Lowell mit Diskussionen zwischen Sam und ihrem Tutor Orville. Ich habe ja Germanistik studiert und eigentlich fand ich diesen Part auch ganz interessant. Anfangs. Aber irgendwann nahmen diese Diskussionen einfach überhand. Diese „Streitereien“ zwischen Orville und Sam, diese Spannungen, haben ja durchaus Charme, doch irgendwann wird so etwas einfach anstrengend. Ich muss gestehen: Ich habe nicht viel von den Brontë-Schwestern gelesen, einen Umstand, den ich durchaus noch irgendwann mal ändern möchte. Doch dadurch fehlte mir auch zwischendurch der Zugang zu einigen dieser Diskussionen. Mal abgesehen davon, dass ich vermutlich auch mit diesem Hintergrundwissen irgendwann gedanklich abgeschweift wäre. Samantha und Orville waren da in ihrer eigenen Welt – mir als Leser hat da ab und an der Zugang gefehlt.

Sam: Mitleiden oder Mitleid?

Mal abgesehen davon ist Samantha ein deprimierender Charakter, wenn ich das mal ganz unverblümt ausdrücken möchte. Vater tot, Beziehung zur Mutter eher so „meh“, reduziert auf ihr Erbe und danach noch tatsächlich eher talentbefreit – da kommt nicht viel Freude auf. Freunde im Übrigen auch nicht. Bis auf einen wohl durchaus ansehnlichen Mathestudenten halten sich Sams menschliche Kontakte in überschaubare Grenzen. Da frag ich mich doch glatt: Wie soll ich da Zugang bekommen, wenn es nicht mal die geschriebenen Figuren können? Das ist auch einer der Gründe, warum diese Geschichte nicht überragend ist: Beim Charakterdesign fehlt mir die Tiefe und vor allem die Zugänglichkeit. Sam ist kein Charakter zum Mitfiebern und Mitleiden, sondern eher zum Bemitleiden.

Nicht unbedingt die Kapitel meines Herzens

Damit habe ich den ersten Punkt, warum ich einfach nicht vollkommen überzeugt bin, gefunden: Sam. Doch das ist es nicht allein: Die ausführlichen Diskussionen über literarische Details habe ich auch schon erwähnt. Das ist der zweite Punkt. In Maßen passt es durchaus in das Buch, doch in Massen wurde es mir zu anstrengend. Obwohl die Gedanken durchaus interessante Ansätze beinhalteten. Der dritte Punkt ist die sogenannte Schnitzeljagd. Es dauert erst einmal sehr lange, bis sie überhaupt in Gang kommt und dann ist sie gar nicht so „schnitzelig“. Die Auflösung war nicht mal sonderlich überraschend. Viel zu oft wird auf den Gegenstand der Lösung immer wieder hingewiesen. Im Nachhinein ist das doch der Wink mit dem Zaunpfahl.

Ihr merkt: Begeisterung ist anders. Dennoch ist es kein schlechtes Buch, sondern wirklich gut. Manchmal habe ich nur das Gefühl, vor lauter Wissenanbringen hat die Autorin das eigentliche Ziel und den eigentlichen Inhalt des Buches etwas vernachlässigt. Gerade beim Charakterdesign hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht. Ich mag traurige Charaktere, aber bei Sam driftet es doch zu sehr ins Selbstmitleid ab. Diesen Typ Mensch sehe ich immer förmlich vor mir – es ist kein gutes Bild.

Kurzum: Die Idee konnte mich überzeugen, bei der Umsetzung bleibt noch Luft nach oben.

 

Autorin: Catherine Lowell
Übersetzung: Gaby Wurster
Erschienen: August 2017

 

Mein Dank geht an Hoffmann und Campe für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Weitere Posts zum Thema

One thought on “Die Kapitel meines Herzens – Catherine Lowell

  1. Liebe Regina,
    sehr schöne Rezension von dir! 🙂 Dieses Buch will ich unbedingt lesen, schade dass es dich nicht komplett überzeugen konnte.
    Dein Blog ist wirklich sehr schön, da bleibe ich gleich mal als Leser da.
    Wenn du möchtest, schau doch mal bei mir vorbei, da läuft aktuell ein Gewinnspiel. 🙂
    Liebste Grüße,
    Miriam
    http://poesiegeklecker.blogspot.de/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.