Rat der Neun – Gezeichnet von Veronica Roth #rezension

Rat der Neun - Gezeichnet von Veronica Roth

Der Rat der Neun war eines dieser Bücher, das ich unbedingt lesen wollte (u.a. für unsere Bücherbrezn) und das dann aus den verschiedensten Gründe ein halbes Jahr in meinem Regal stand. Jetzt habe ich es gelesen und ich sage euch eines: Es war der richtige Zeitpunkt. Manche Bücher darf man nicht früher lesen, manche Bücher warten einfach auf den richtigen Moment – beim Rat der Neun war es eben der August in diesem Jahr.

Warum Rat der Neun ein Highlight für mich ist

Ich war überwältigt. Wirklich überwältigt. Als ich mich entschieden habe, das Buch zu lesen, konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen und musste es sofort beenden. In einem Rutsch war ich durch und selten hat mich ein Fantasy-/Dystopie-/Science-Fiction-Buch so mitgenommen. Das liegt in erster Linie an der Protagonistin Cyra. Ja, ich weiß, es gab auch noch Akos, sie war nicht die alleinige Protagonistin. Doch Cyra war mein Grund, dieses Buch nicht mehr weglegen zu können.

Zuerst muss man wissen: Die Menschen dieser Welt haben eine Lebensgabe. Diese kann ihnen viel bringen, aber auch viel nehmen. Bei Cyra sind es Schmerzen. Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute ihres Lebens leidet sie an Schmerzen. Am Ende von Rat der Neun bedankt sich Veronica Roth bei denen, die sie inspiriert haben: Menschen mit chronischen Schmerzerkrankungen. Da wurde mir auch klar, warum Cyra mich so mitgenommen, so berührt und bewegt hat, warum ich mit ihr mitgelitten habe. Ich kenne das ganz einfach. Ich konnte mich mit ihr identifizieren. Ganz ehrlich: Ich habe mich selten mit einem Charakter so sehr identifizieren können. Und das obwohl sie eine Fantasy-Gestalt ist. Tja… aber Cyra ist auch etwas anderes. Sie ist eine unglaublich starke junge Frau, auch wenn sie selbst das nicht so wahrnimmt. Sie beißt die Zähne zusammen und lebt jeden Tag mit einem schier unermeßlichen Schmerz. Viele könnten jetzt sagen, dass sie vielleicht nicht so stark ist, weil sie es nicht schafft, gegen ihren Bruder anzugehen. Aber ich sehe das definitiv nicht so: ein Problem nach dem anderen. Erstmal muss sie den eigenen Schmerz akzeptieren und dann kann sie auch den Kampf angehen. Dass sie das macht, ist ja wohl jedem klar, oder?

Es gibt aber nicht nur Cyra

Akos ist ebenfalls ein wundervoller Charakter – ich war etwas neidisch zwischendurch auf die Beziehung zwischen ihm und Cyra. Die beiden wechseln sich in der Erzählersicht ab und ich muss sagen: Es ist genauso spannend, die Geschichte aus seiner Sicht zu erleben. Immerhin spielt Cyra immer noch eine Rolle. Doch für mich persönlich bleibt sie einfach mein Dreh- und Angelpunkt in diesem Buch. Die Nebencharaktere sind nicht ganz so fein ausgearbeitet, wie diese beiden Protagonisten. Vermutlich hätten sie noch etwas mehr Tiefe haben können, aber mich hat Cyra als Charakter so geflasht, dass ich das nicht ganz so sehr vermisst habe.

Und was ist nun mit der Story?

Die Geschichte, nein, besser: Diese Welt  und diese Galaxie sind faszinierend. Eine komplette neue Galaxie nur für dieses Buch? Das ist einfach spannend! Manchmal fehlte etwas der Input, doch alle Fragen haben sich eigentlich im Laufe der Geschichte eigentlich geklärt. Ziemlich lange habe ich auch gerätselt, warum das Buch Rat der Neun heißt. Nun ja, es war am Ende irgendwie doch denkbar einfach. Ups.

Es ist ein recht komplexer Hintergrund. Ein Bürgerkrieg, der seine Kreise zieht und durchaus recht brutal ist. Zwei Rassen, die verfeindet sind und deren Fehde tatsächlich bis aufs Blut reicht. Ein Aufstand im Untergrund. Das sind alles Komponenten, die Rat der Neun spannend gestalten. Ich habe Lust auf mehr und freu mich schon auf die Fortsetzung. Nicht nur wegen Cyra, auch die Geschichte an sich hat es mir angetan. Die Lebensgaben, die Bestimmungen und die Galaxie an sich haben mich ziemlich begeistert. Natürlich gibt es Schwächen, kleine Momente, in denen ich mich nach der Logik gefragt habe. Doch dafür hat Veronica Roth die Fähigkeit, mich als Leserin zu begeistern und mitzunehmen.

Es läuft immer auf das Gleiche heraus:

Doch ich kann es drehen und wenden, wie ich will: Ich bin mir nicht sicher, ob ich ohne Cyra so begeistert gewesen wäre. Ja, ihr Charakter hat mich mitgenommen und ich hatte von Anfang an keine Schwierigkeiten, mich in sie einzufühlen und einzudenken. Wenn man so eine Figur hat, dann verzeiht man eben die kleineren Fehler beim Rest.

 

Autorin: Veronica Roth
Übersetzung: Petra Koob-Pawis & Michaela Link
Erschienen: Januar 2017

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