Hallo Sie, ich bin leider etwas introvertiert #falschescham

Ich bin ruhig. Ich bin zurückhaltend. Ich bin kein lauter Mensch. Ich bin introvertiert. So. Janine von Kapriziös hat das wunderbar in Worte gefasst:

In einer tendenziell lauten Welt, bei dem derjenige alle seine Wünsche erfüllt bekommt, der am kräftigsten schreit, scheinen diese Eigenschaften eher vom Nachteil zu sein. Aber das ist Blödsinn.

Ich bin nicht der Mensch, der immer laut hier schreit. Ich beobachte erst, bevor ich handle. Ich bin eher überlegt und konzentriert. Das sind keine schlechten Eigenschaften, ganz im Gegenteil. Es ist etwas, das mich ausmacht. Sowohl in meinem Arbeitsleben als auch im Privatleben. Wenn man meinen Blog – gerade im Bereich #fremdescham – sieht und vor allem meine Cosplays, dann könnte man denken, dass ich genau das nicht bin, introvertiert. Ich schreibe über diese Themen, ich poste stolz meine Bilder.

Es ist nicht alles, wie es scheint

Ich schreibe über diese Themen, ja. Ich schreibe hier über meinen Missbrauch, denn Schreiben fällt mir leichter, als darüber zu reden. Es ist einfacher, sich dem Bildschirm mitzuteilen als einem aufmerksamen Paar Augen. Zumindest für mich. Wenn es um Cosplay geht: Ich bin auf Convention total zurückhaltend und schüchtern. Ja, da bin ich sogar schüchtern. Ich bewundere die anderen Cosplayer und deren unglaublichen Werke. Dennoch möchte ich meine Arbeit ja auch irgendwo präsentieren, also… geht sie online. Immerhin habe ich Stunden damit verbracht, die Outfits zu nähen und zu basteln. Beides tut mir gut. Wenn ich darüber schreibe, was mir passiert ist und was das mit mir gemacht hat, helfe ich mir selbst. Das hat mir in diesem Jahr schon einige Aha-Momente gebracht! Dinge, die ich sonst vielleicht nicht entdeckt hätte. Das Cosplay gibt mir Selbstbewusstsein. Auch wenn ich mich auf Conventions manchmal nicht traue, Menschen anzusprechen, sind die Bilder meiner Kostüme einfach eine große Hilfe. Da verdanke ich auch meinen Fotografen immer viel, die mich so gekonnt in Szene setzen. Was nicht immer leicht ist, denn oft bin ich anfangs total verkrampft und fühle mich nicht wohl, nicht hübsch. Aber die Ergebnis sind wunderbar und darauf kann ich stolz sein. Dennoch bin ich deshalb nicht anders, ich bin immer noch ein ruhiger Mensch.

Vorsichtig und introvertiert

Ich bin auch einfach vorsichtig. Ich muss nicht jedem meine Meinung kundtun, sondern warte manchmal lieber ab. Übrigens auch etwas, dass meine Vergangenheit so mit sich bringt. Nur wird diese Vorsicht oft mit Schüchternheit oder auch sie-hat-halt-nichts-zu-sagen verwechselt. Dabei stimmt das nicht. Ich habe durchaus etwas zu sagen und wenn ich es für nötig halte, werde ich es auch sagen. Es hat doch auch Vorteile, zurückhaltend zu sein. Ich bin ein verdammt guter Zuhörer, ich versuche immer genau auf die Gefühle meiner Gesprächspartner zu achten und ganz ehrlich, irgendwann erzählt mir jeder gefühlt alles, was ihn bedrückt.

Ich möchte nicht gleich laut schreien, wenn es etwas ist. Ich bin lieber vorsichtig und ich wäge vielleicht etwas mehr ab als andere. Ja. Aber ich bin deshalb nicht schlechter als Bloggerin, Cosplayerin, als Freundin oder auch beim Arbeiten. Ich habe dennoch als Buchhändlerin im Laden gestanden und ganz ehrlich: Ich war trotz meiner Introvertiertheit gut darin.

Also, ich sag nur: Wir Introvertierte sollten an die Macht! Nicht die, die immer laut sind und sich in den Vordergrund spielen. Okay, nein, eigentlich nicht. Aber es wäre doch schön, wenn man deshalb nicht gleich abgestuft werden würde, oder?

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