Armada – Ernest Cline [Rezension]


Titel: Armada
Untertitel: Nur du kannst die Erde retten
Autor: Ernest Cline
Original: Armada
Aus dem Englischen: Sara Riffel
Verlag: Fischer Tor
Erschienen: 2017
ISBN:  978-3-596-29660-6
Preis: 14,99€
Leseprobe
 
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Ich starrte gerade aus dem Fenster des Klassenraums und träumte von Abenteuern, als ich die fliegende Untertasse entdeckte. 



Den meisten von euch sollte es mittlerweile schon aufgefallen sein:
Ich bin ein kleiner Nerd. Ich habe auch ein Faible für Games, kann sie
aber nicht spielen, da wird mir immer so schwindlig. Trotzdem
faszinieren sie mich. Als ich als sah, dass bei Fischer Tor ein neues
Buch von Ernest Cline veröffentlicht wurde und es sich unter anderem
auch um Games handelt, musste ich es haben! Praktischerweise bin ich mal
mit der deutschen Bahn gefahren und praktischerweise hatte sie
Verspätung, so dass ich jetzt stolze Besitzerin von „Armada“ bin. Das
war das einzig Positive daran – dadurch fühle ich mich dem Titel noch
mehr verbunden. Es hilft, wenn man eine gemeinsame Story hat…

Spaß
beiseite: „Armada“ war wirklich das perfekte Buch auf dieser
anstrengenden Zugfahrt. Ernest Cline hat mich ja schon bei Ready Player One total begeistert! Nachdem ich nun dieses Buch beendet hatte, hätte
ich am liebsten RP1 noch mal gelesen. Ihr seht also schon jetzt: Ich
mag das Buch. Ja, ich mag es, aber ob ich es auch liebe? Trotz unserer
gemeinsamen Geschichte habe ich keine rosarote Brille auf. Nein. Aber
warum es nicht die ganz große Liebe ist, dazu komme ich später. Fangen
wir lieber erstmal mit Zack an, Zack Lightman, Gamer, Schüler, Zack
Attack genannt und Mitglied der Top Ten im Computerspiel Armada. Ganz
ehrlich? Ich würde mich gut mit ihm verstehen. Ich mag Zack, er ist ein
super Typ. Etwas aufbrausend, ja, aber er gibt sein Bestes. Und bei
Armada ist er mit Leidenschaft bei der Sache – in dem Spiel schadet sein
Leichtsinn auch nicht! Zack ist wirklich perfekt, um in „Armada“
einzusteigen. Man kann ihn einfach gut leiden. Er ist kein Superheld, er
ist kein Loser, er ist halt einfach ein Gamer, der noch nicht so genau
weiß, was er damit anfangen soll. Aber ist das bei vielen Hobbies, in
denen man besonders gut ist, nicht immer so? Deshalb finde ich Zack
einfach gut.

Die Story selbst braucht etwas lange, bis
der Controller bereit ist und die Kanonen geladen sind. Und dann ist der
Kampf leider auch schon wieder viel zu schnell vorbei. Erst lernen wir
Zack richtig kennen, wo er arbeitet, wie es so in der Schule läuft,
seine Mutter, seine besten Freunde, die Mikes. Ich mag Zack, aber nach
einer Weile wurde ich etwas ungeduldig. Der Klappentext hatte mir Action
versprochen, anfangs war es eher eine Teenager-Gamer-Studie. Aber dann
war es so weit! Es ging richtig los, Zack wurde in die EDA einberufen –
endlich ging die Action los! Leider ging dann gegen Ende auch die Liebe
zwischen „Armada“ und mir in die Brüche. Ich fing an, an dem Buch zu
zweifeln und war einfach nicht mehr zufrieden in unserer Beziehung. Denn
das Ende war so… kurz. Zu schnell. Zu moralisch. Zu gestellt. Zu
künstlich. Zu plötzlich. Zu falsch. Zu lame. Wir hätten – trotz der
langen ersten „Datingphase“ – glücklich werden können, bis das Ende kam.
Es hat mich einfach so unzufrieden hinterlassen. Das war einfach alles
so gewollt. Ich könnte hier jetzt viele Details und Fragen schreiben,
die ich „Armada“ stellen möchte, aber das wäre etwas zu sehr
Spoileralarm! Gings noch jemandem so? Für mich war das Ende unglücklich
gewählt, gerade im Vergleich zu der langen Anlaufzeit wirkte es zu
gequetscht und irgendwie so, als würde drei Mal die Hälfte fehlen. Da
hatte Ernest Cline eine grandiose Idee, aber die wirkt für mich nicht zu
Ende gedacht. Schade eigentlich. Aber ich sag euch was: Ich mag das
Buch trotzdem. Ist halt nicht die große Liebe.

Doch
allein die vielen Nerd-Hints auf Filme und Games waren so toll – und im
Gegensatz zu dem Ende auch total durchdacht! Allein dafür lohnt es sich
schon, den Roman zu lesen. Quietsch. Das hatte total den Wow-Faktor. Und
wenn man dann noch Zacks „Soundtrack“ folgt, das gibt einfach die
richtige Stimmung!

Noch eine kleine Anmerkung: Wenn ihr
euch vielleicht gerade so denkt, na ja, die redet immer nur von Zack,
das wird ja wohl nicht der einzige Charakter im Buch gewesen sein… Nee.
Natürlich nicht! Nur wäre jeder weitere Charakter schon fast zu
spoilerartig. Aber ich mag die Charaktere. Einige hätten vielleicht
etwas mehr Tiefe kriegen können, aber nach dem langen Vorspann blieb da
einfach nicht die Zeit. Das Buch birgt echt ein unglaubliches Potenzial,
verzettelt sich aber ein bisschen. Dadurch bleibt weniger Spielraum
(ha! Gamer und so… okay, der war lahm, ich gibs ja zu!) für die Figuren.
Aber schon das, was hier angeschnitten wurde, spricht echt sehr dafür,
wie sehr Ernest Cline das durchdacht hatte. Wenn nur die Seitenanzahl
dafür gereicht hätte.



Kurzum: Super Idee, super Hints, super recherchiert, super Autor,
super Protagonist. Das Ende war dann eher meh. Die moralische Keule war
etwas zu stark, alles ging zu schnell und war für mich nicht so gut wie
der Rest des Buches.



Ernest Clines erster Roman Ready Player One wurde sofort zum Bestseller und hat mittlerweile schon den Status eines Klassiker. Eigentlich ist er jedoch auch Drehbuchautor aus Austin, Texas. Und er freut sich darüber, dass Steven Spielberg seinen Erstling verfilmen wird.

 

Zack Lightman – seines Zeichens: Nerd und Geek. Nichts mag er mehr als den Virtual-Reality-Shooter Armada. Doch das dieses Spiel mal zu seiner Wirklichkeit wird, davon hätte er nicht zu träumen gewagt. Dann passiert jedoch genau das: ein Alien-Raumschiff taucht auf und Zack wird rekrutiert. Erst Aliens, dann eine Operationsbasis auf dem Mond und ein Kampf, der das Schicksal der Erde entscheiden wird. Das ist nun Zacks Realität.


Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

[Rezension] Der Baron auf den Bäumen – Italo Calvino


Titel: Der Baron auf den Bäumen
Autor:  Italo Calvino
Original: Il barone rampante
Aus dem Italienischen: Oswalt von Nostitz
Verlag: S. Fischer
Erschienen: 1957
ISBN:  978-3-596-90441-9
Preis: 9,99€

 
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Italo Calvino, am 15. Oktober 1923 in Santiago de las Vegas auf Kuba
geboren, wuchs in San Remo auf. Er arbeitete mehrere Jahre als Lektor
des Verlages Einaudi und als Redakteur bei verschiedenen Zeitschriften.
Sein Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und in alle
Weltsprachen übersetzt. Italo Calvino starb am 19. September 1985 in
Siena.





Am 15 Juni 1767 beschließt der zwölfjährige Baron Cosimo Piovasco di Rondò, das dekadente Milieu seiner aristokratischen Familie zu verlassen, um fortan auf den Bäumen zu leben. Er erhebt sich von der Familientafel, klettert auf eine Steineiche und wird bis zu seinem Tod die Erde nicht mehr betreten.

Es war der 15. Juni 1767, als Cosimo Piovasco di Rondò, mein Bruder, zum letzten Mal in unserer Mitte saß.



Als ich mir
überlegte, welche Bücher ich im Jahr der Klassiker lesen könnte,
war mir relativ schnell klar, dass ein Buch von Calvino unbedingt
dazu muss. Und dann fiel die Entscheidung ähnlich schnell auf Der
Baron auf den Bäumen
. Es war die richtige Entscheidung. Auf
einer Seite wirkt diese Idee so fantastisch und unglaublich, aber
beim Lesen stellt man wirklich fest, wie bodenständig die Geschichte
dahinter ist.
Mit zwölf Jahren
entschließt sich der junge Baron Cosimo dazu, fortan sein Leben auf
Bäumen zu verbringen. Er entflieht somit ein strengen Etiketten und
zerstreuten Eltern. Erzählt wird das Ganze von seinem jüngeren
Bruder, der aber trotzdem ein allwissender Erzähler ist. Ich bin
einfach nach wie vor fasziniert von dieser Idee, nur auf Bäumen zu
leben, dort sein ganzes Leben zu verbringen. Und zugleich davon, dass
in der Zeit Cosimos so viele Bäume waren, dass er unendlich weit
durch die Gegend streifen konnte, ohne die hohen Wipfel zu verlassen.
Das hat mich während des Lesens immer wieder berührt, denn wenn ich
mir vorstelle, wie wunderbar waldig die Welt damals war und heute…
Das war übrigens auch der Grund, warum ich mich für dieses Buch
entschieden habe, denn ich finde Bäume wunderbar und… wunderbar.
Und beim Lesen hatte ich manchmal das Bedürfnis, auch mal wieder auf
einen Baum zu klettern und die Welt aus dieser Sicht zu erleben. Aber
meine Schwärmerei für Bäume und Wälder hat nichts mit der
eigentlichen Geschichte zu tun.
Stellt euch mal
vor, euer zwölf Jahre altes Kind entschließt sich, jetzt auf Bäumen
zu leben und die Erde nie wieder zu betreten. Dem würdet ihr doch
was husten und es möglichst schnell wieder runter bringen, oder?
Hier passiert das nicht und Cosimo verbringt schließlich sein
gesamtes Leben auf den Bäumen. Da fragt man sich doch wirklich, was
ihn dazu bewogen hat, für immer Mutter Erde zu verlassen. Dieses
Buch beinhaltet so viele Interpretationsmöglichkeiten… so viele
Gedanken und Ideen und auch Inspirationen… ich könnte euch meine
in aller Ausführlichkeit darlegen, aber wenn ihr dieses Buch lest,
werdet ihr vielleicht etwas ganz anderes herauslesen.
Beeindruckt hat
mich auch die Leichtigkeit der Geschichte. Sie hat zum Teil den
Anschein eines Jugendbuches, dann eines Abenteuerromans, ist aber
zugleich eine komplette Lebensgeschichte. Es ist amüsant, hat Witz,
Spannung, Wendungen und zugleich philosophische Momente.
Ich sage es mal so:
Selten fiel es mir so schwer, all meine Gedanke in Worte zu fassen,
denn es sind so unglaublich viele! Dabei ist es jetzt doch schon
etwas her seit der Lektüre.



Cosimos Leben hat
mich wirklich berührt, in vielerlei Hinsicht. Und Italo Calvino hat
einfach einen perfekten und phantastischen Roman geschrieben, den ich
euch unbedingt ans Herz legen möchte. Vielleicht dauert es einen
Moment, bis ihr euch eingelesen habt, aber es lohnt sich.



Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

[Rezension] Die Regenbogentruppe – Andrea Hirata


Titel: Die Regenbogentruppe
Autor: Andrea Hirata
Original: Laskar Pelangi
Aus dem Indonesischen: Pter Sternagel
Verlag: Fischer
ISBN: 978-3-596-19765-1
Preis: 9,99€
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Andrea Hirata wurde auf der Insel Belitung, Indonesien, geboren, wo er auch heute lebt. An der University of Indonesia schloss er ein Wirtschaftsstudium ab. Mit einem Stipendium setzte er seine Ausbildung in Paris und Sheffield fort. Sein Debüt ›Die Regenbogentruppe‹ (in 25 Sprachen übersetzt) machte ihn zum meistgelesenen Schriftsteller Indonesiens. Bei Hanser erscheint sein zweiter Roman ›Der Träumer‹.




Wenn der Morgen auf der Insel östlich von Sumatra graut, kann weder Hitze noch Krokodile sie aufhalten: Die Schüler der »Regenbogentruppe«, Söhne und Töchter von einfachen Fischern und Minenarbeitern. Keiner von ihnen will auch nur eine einzige Unterrichtsstunde verpassen. Da ist zum Beispiel Lintang, das Mathe-Genie, oder Mahar, der Künstler. Und Ikal, der seinen Weg gegen alle Widerstände macht: von der Armenschule über das Studium in Paris und London zum gefeierten Schriftsteller.

An jenem Morgen hockte ich auf einer langen Bank im Schatten eines dicht belaubten Filicium, eines japanischen Baumfarns.



Im Nachhinein muss ich sagen: Dieses Buch lag viel zu lange auf meinem SuB. Es war eins dieser Bücher, bei denen man eigentlich weiß, dass sie gut sind, aber da kommen einfach immer glamorösere Bücher, die einen spontan mehr reizen. Sollte Die Regenbogentruppe bei euch noch ungelesen schlummern, ändert das, es lohnt sich!
Indonesien als Land zum Erlesen ist durch die Buchmesse letztes Jahr erstmals so richtig in mein Bewusstsein gerückt. Und dieses Buch zeigt einen Teil des Landes, der eigentlich nicht schön zu lesen ist. Belitung, die Insel, auf der das Ganze spielt, ist arm, obwohl massig Bodenschätze dort zu finden sind. Die Regenbogentruppe sind die Kinder von einfachen Menschen, die zum Großteil selbst keine Chance hatte, die Schule besuchen. Und ihren Kindern soll es nun ermöglicht werden, in der Dorfschule Bildung zu erfahren und sich so möglicherweise eine bessere Zukunft zu erarbeiten.
Es sind zehn Kinder, die gleich am Anfang des Buches eingeschult werden, und es gibt so viele unterschiedliche Charaktere. Ob nun der politisch interessierte Kucai, das einzige Mädchen Sahara oder das kleine Genie Lintang, jeder hat eine Geschichte und jeder ist auf seine Weise einfach nur faszinierend. Ich konnte gar nicht fassen, wie schnell ich mich in diese Kinder verliebt habe. Es war einfach nur wunderbar, an ihrer Seite zu sein, wenn sie sich durch jede Menge Widrigkeiten kämpfen, denn ihre Schule ist so manchem ein Dorn im Auge. Doch nicht nur die Schüler, sondern auch die beiden Lehrer haben meinen größten Respekt. Die 16jährige Bu Mus unterrichtet mit einer Leidenschaft, von der sich die meisten deutschen Lehrer eine ordentliche Scheibe abschneiden sollten. Und auch Pak Harfan ist Lehrer aus Liebe zum Beruf. Beide beeindrucken im Laufe des Buches nicht nur durch ihr Wissen, sondern auch durch den Kampfgeist.
Eigentlich ist die Geschichte ja tragisch, wirklich, aber dennoch ist da eine Leichtigkeit und ein eigentlich schönes Gefühl des Zusammenhalts, das mich beeindruckt hat. Leute, nicht nur die Lehrer, sondern wir alle können viel von der Regenbogentruppe lernen. Da ist z.B. Lintang, der jeden Tag vierzig Kilometer auf dem Rad fährt, nur um die Möglichkeit zu haben, zur Schule zu gehen. Und er genießt die Schule, er genießt es, zu lernen. Ich kann es gar nicht ausdrücken, aber das Buch hat mich einfach nachhaltig beeindruckt.





Es ist ein wundervolles Buch, das uns den Alltag einer völlig fremden Welt nahebringt. Durch die ganz andere Kultur und Gegebenheiten mag es vielleicht manchmal einen sehr fremden Moment haben, aber es ist dabei auch sehr ehrlich. Und obwohl es nicht die schönste Geschichte mit DEM Happyend ist, hat sie einen wundervoll leichten Stil, aus dem keinerlei Frust, sondern eher die Hoffnung spricht.



Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

[Rezension] Mit Liebe gewürzt – Mary Kay Andrews


Titel: Mit Liebe gewürzt
Autor: Mary Kay Andrews
Original: Deep Dish
Aus dem Englischen: Lena Kraus
Verlag: S.Fischer
Erschienen: Januar 2016
ISBN: 978-3-596-03196-2
Preis: 9,99€
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Mary Kay Andrews wuchs in Florida, USA, auf und lebt mit ihrer Familie in Atlanta. Im Sommer zieht es sie zu ihrem liebevoll restaurierten Ferienhaus auf Tybee Island, einer wunderschönen Insel vor der Küste Georgias. Seit ihrem Bestseller ›Die Sommerfrauen‹ schreibt sie Jahr für Jahr einen wunderbaren Sommerbestseller und gilt als Garantin für die perfekte Urlaubslektüre.




Gina Foxton hat sich gerade als Fernsehköchin eines regionalen Senders einen Namen gemacht, als ihre Welt zusammenbricht. Erst erwischt sie ihren Produzenten und Lebenspartner in flagranti, dann eröffnet ihr dieser, dass ihre Sendung abgesetzt werden soll.
Nicht mit ihr! Mit Tränen in den Augen beschließt Gina, dass sie es jetzt erst recht allen beweisen muss. Sie will den Sprung ins nationale Fernsehen wagen. Dafür muss sie jedoch an Tate Moody vorbei, der die Kochszene mit genialen Rezepten, seiner frischen Art und einem sexy Lächeln dominiert. Dem Angeber werde ich es zeigen, denkt Gina und nimmt die Herausforderung zu einem Kochwettbewerb der Superlative an. Wenn sie nur nicht bei jeder Begegnung mit Tate den Kopf verlieren und die falschen Zutaten in den Kochtopf schütten würde …



Noch eine Woche.



Mit Liebe gewürzt. Mit Neugierde gelesen. Mit Unzufriedenheit beendet. 

Ich lese Mary Kay Andrews gerne, in der Regel. Vielleicht hätte ich ihr Buch nicht unbedingt auf Worte in meiner Hand lesen sollen, doch ich war einfach nicht wirklich zu 100% überzeugt am Ende des Buches. Dabei haben die Zutaten mich hier sofort überzeugt, dass ich das Buch lesen will: zwei unterschiedliche Köche, die gegeneinander kochen und sich dabei näher kommen. Eigentlich eine schöne Situation, natürlich nicht vollkommen neu und die Idee, aber eine mehr als solide Grundlage, die einfach Spaß machen kann. Woran liegt es nun, dass das hier nicht der Fall war? Ganz klar, bei mir liegt es an den Charakteren. Es prickelt einfach nicht, nicht zwischen Gina und Tate, nicht zwischen Gina, Tate und mir.
Doch was ist das Problem zwischen uns dreien – immerhin funktionieren so Dreiecksbeziehungen sonst hervorragend? Mein Problem ist es, dass es bei der Sympathie nicht direkt klick gemacht hat. Regina (übrigens ein sehr schöner Vorname, der in Büchern viel zu selten vorkommt ;)) ist Fernsehköchin, die von ihrem Freund nicht nur betrogen, sondern auch verbogen wird. Dass sie einfach ihren Kleidungsstil verändert, sich ihre Haar färben lässt und einen auf supersexy macht, nur um die Wünsche ihres Freund-Produzenten zu erfüllen, ist nicht das Bild einer starken Frau. Natürlich verändert sich das im Buch, doch dadurch konnte ich nicht direkt den „Kontakt“ zu ihr aufbauen… Himmel, das klingt echt esoterisch, aber es ist einfach so. Gina ist ein netter Charakter, aber mehr auch nicht. Außerdem hatte ich nur bei ihr, sondern auch bei ihrem Gegner Tate das Gefühl, dass da der Tiefgang fehlt. Das zeigt sich allein in der familiären Situation: Ich bin mir ziemlich sicher, dass Tate ein einziges Mal seine Familie erwähnt, sonst ist da nichts. Und bei Gina lebt zwar die kleinere Schwester, doch so wirklich anheimelnd wirkt es nicht. Die Darstellung ihrer Mutter ist genauso oberflächlich. Ich mag gerade bei so Geschichten den Zusammenhalt der Familie und bei dem Wettkampf hätte doch familiäre Unterstützung auch gut gepasst.
Für mich sind die Charaktere so weit etwas lieblos gestaltet, insbesondere, was den Hintergrund angeht. Aber es war ja nicht alles nur negativ, ich muss mal Tates Liebe zu seinem Hund erwähnen. Eine tolle Sache, da sah ich den kleinen Wuschel wirklich vor mir und er hat doch für amüsante Situationen gesorgt.

Der Wettkampf an sich ist spannend (und appetitanregend), doch der Weg dahin ist ein weiter. Das Buch kommt sehr langsam in Gang. Ich hatte manchmal das Gefühl, dass die Autorin bei diesem Werk eher etwas ratlos war und die Ideen nicht so flossen wie bei anderen Büchern. Weder die Geschichte noch die Beziehung kommen sonderlich schnell in Gang. Und da ein Liebesroman vom Prickeln und einer Liebesgeschichte lebt, fehlt hier eindeutig Leben. Gerade der Teil mit der Liebe wird erst im letzten Drittel so richtig interessant, davor sind es zwei Gegner, die sich ähneln, aber eben nicht ganz grün sind. Bei dem Wettkampf lernen sie sich kennen und empfinden Sympathie. Es ist einfach nicht so schön prickelnd, und tolle ironische Wortgefechte vermisse ich auch. Das Buch bleibt einfach auf voller Linie seicht und flach.
Aber es war wirklich nicht alles schlecht. Mit Liebe gewürzt hat sich dennoch gut gelesen, eine leichte Abwechslung für zwischendurch. Gerade durch die Nebencharaktere hat es dann doch wieder an amüsanten Momenten gewonnen, auch wenn es letztlich nicht geflasht hat.

zur Rezension





Das Buch war nett. Aber ich habe eindeutig schon bessere Liebesromane gelesen. Die schönen Momente kamen bei mir durch die Interaktion mit den anderen Charakteren, nicht durch die Liebesgeschichte. Einer von Mary Kay Andrews schwächsten Romanen.


Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

[Rezension] Bannwald – Julie Heiland


Titel: Bannwald
Autor: Julie Heiland
Band: 1/3
Verlag: S. Fischer
Erschienen: Mai 2015
ISBN: 978-3-8414-2108-1
Preis: 16,99€
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Julie Heiland hat Journalistik studiert. Parallel dazu hat sie eine
Schauspiel- und Rhetorikausbildung absolviert und schon in einigen
Fernsehfilmen mitgespielt. Julie Heiland, 1991 geboren, ist ein
Multitalent. Ihre große Leidenschaft ist das Schreiben und hier ist sie
ganz nah an ihren Leserinnen. Nach „Bannwald“ und „Blutwald“ ist
„Sternenwald“ ihr dritter Roman.





Sie können nicht töten – als Anhänger der weißen Magie erschaffen sie nur. Seit Generationen lebt der friedliche Stamm der Leonen gefangen im Wald, gewaltsam unterdrückt vom Stamm der mörderischen Tauren.
Als die 17-jährige Robin auf den jungen Tauren Emilian trifft, ist sie sich sicher, dass er sie töten wird. Doch Robin gelingt es zu fliehen – scheinbar. Erst später wird ihr bewusst: er hat sie laufen lassen. Warum?
Als Robin dann ein Reh mit der bloßen Kraft ihrer Gedanken tötet, ist sie zutiefst erschüttert. Was ist mit ihr?
Robin trägt ein Geheimnis in sich, und es gibt nur einen, der davon weiß – ihr größter Feind.

Ich hasse den Wald.



Bannwald war eines dieser Bücher, auf die man durch einen dummen Zufall stößt. Eines dieser Bücher, das ich vorher nicht auf dem Schirm hatte. Eines dieser Bücher, in die man dann recht erwartungsfrei reingeht… und die einen dann tatsächlich mal so richtig fesseln. Für mich gehören diese Bücher immer noch zu den schönsten Büchern.

Es ist zugleich der Auftakt einer Trilogie und ich verrate euch, dass ich den dritten Band ziemlich sehnsüchtig erwarte. Aber zuerst einmal widmen wir uns diesem ersten Band hier: Protagonistin Robin lebt in einer Welt, in der die Bewohner nach Sternzeichen aufgeteilt ist. Sie selbst gehört zu den Leonen, einer friedlichen unterdrückten Art, die eingesperrt im Wald lebt. Außer den Leonen lernt der Leser vorerst nur noch die Tauren kennen, die das genaue Gegenteil darstellen, sie sind die Herrscher in dieser Welt. Diese Aufteilung nach den Sternzeichen finde ich eine grandiose Idee und frage mich, warum noch niemand vor Julie Heiland auf so eine Idee kam.
Dennoch muss ich sagen, dass gerade anfangs sehr weniger Hintergrund da ist. Dieser offenbart sich nur sehr langsam, da hätte ich mir doch etwas mehr gewünscht, gerade in Bezug auf diese Aufteilung. Auch nach dem Buch blieben sehr viele Fragen übrig: Warum lassen die Leonen sich so unterdrücken? Wie kam es überhaupt zu dieser Situation? Und noch viele mehr.
Die Geschichte hat zwischendurch definitiv Romeo-und-Julia-Momente, denn die Protagonistin Robin, eine Leonin, verliebt sich einen Tauren, Emilian. Und, keine große Überraschung, die beiden dürfen natürlich nichts davon sagen, denn so eine Beziehung ist gerade für Emilian definitiv nicht standesgemäß. Julia… äh Robin, natürlich, Robin! Robin ist eines dieser scheinbar perfekten Mädchen. Sie kann alles, ist stark, erkennt das aber selbst nicht. Ein wandelndes Jugendbuch-Klischee also. Witzigerweise kann ich, obwohl ich dringend wissen will, wie die Geschichte endet, immer noch nicht sagen, ob ich Robin sympathisch oder nervig finde. Ihre ständigen Selbstzweifel und Unsicherheit gingen mir zwischendurch nämlich dezent auf die Nerven. Emilian bleibt noch etwas geheimnisvoll, man lernt ihn erst im zweiten Band genauer kennen. Das passt aber natürlich zu seiner Zugehörigkeit zu den Tauren. Die Charaktere sind hier wohl tatsächlich nicht der Grund, warum ich den zweiten Band gelesen habe, obwohl sie durchauch gut gestaltet sind. Vielleicht sind sie nicht außergewöhnlich, aber sehr solide Charaktere.
Auch die Sprache ist dem Zielpublikum angepasst und dementsprechend etwas einfacher. Allgemein ist es für den Leser, der vielleicht etwas älter als die anvisierte Altersgruppe ist, natürlich stellenweise auch vorhersehbar. Der Lesespaß bleibt aber dennoch bestehen.






Trotz der Kritikpunkte ist Bannwald ein wirklich guter Reihenauftakt. Ich möchte auch fast sagen, dass man sich hier in Kritik verlieren kann und dabei ein richtig gutes Jugendbuch verpassen könnte.



Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

[Rezension] Das Gegenteil von Einsamkeit – Marina Keegan


Titel: Das Gegenteil von Einsamkeit
Autor: Marina Keegan
Original: The Opposite of Loneliness
Aus dem Amerikanischen von: Brigitte Jakobeit
Verlag: Fischer
Erschienen: März 2015
ISBN: 978-3-10-002276-9
Preis: 18,99€
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Autor

Marina Keegan (1989–2012) war Autorin, Journalistin, Aktivistin und Schauspielerin. Ihre Abschlussrede in Yale, ›Das Gegenteil von Einsamkeit‹, wurde zur Internet­sensation. Sie erhielt bereits als Studentin zahlreiche Literaturpreise, und ihr Buch wurde hochgelobt und ein Bestseller.

Inhalt

Nur wenige Tage nach ihrem Yale-Abschluss stirbt die 22jährige Marina Keegan bei einem Autounfall. Und hinterlässt der Welt brillante Stories voller Lebenslust. ›Das Gegenteil von Einsamkeit‹ bewegt Millionen Menschen in hundert Ländern.
Marina Keegan war ein Ausnahmetalent. Sie vereint schwerelosen, sensiblen Optimismus mit literarischer Reife. Die Stories sind klangvoll, witzig, und doch gebrochen, manchmal wild und angriffslustig; sie sind ein stürmisches Plädoyer für die Jugend, die Lebensfreude, begeistern durch ihre Hoffnung und Entschiedenheit: Lasst euch nicht gleich von McKinsey anheuern, findet eure Bestimmung, habt Vertrauen in eure Zukunft! Eine flammende Aufforderung, die eigene Jugend und den Sinn des Lebens (wieder) zu entdecken.

Erster Satz

Wir haben kein Wort für das Gegenteil von Einsamkeit, aber wenn es eins gäbe, könnte ich sagen, genau das will ich im Leben.

Meine Meinung

Vorweg: Marina Keegan war eine sehr talentierte junge Frau, doch fragte ich manchmal beim Lesen, ob ihr so eine Aufmerksamkeit zuteil geworden wäre, wenn sie noch leben würde. Die Kurzgeschichten, die in diesem Buch vereint werden, finde ich überwiegend wirklich gut. Doch es gab auch Geschichten, die mich eher gelangweilt haben und ihre Essays empfand ich als anstrengend und überformuliert.
Den Einstieg fand ich sehr schön: Eine Professorin von Marina Keegan hat einen wundervollen Einstieg formuliert und sehr feinfühlig dabei auch den frühen Tod der jungen Nachwuchsautorin thematisiert. Ich habe Respekt für die schönen Worte, die die Dame gefunden hat, die eine interessante junge Frau zeichnen.

Ich finde es ja schwierig, eine längere Rezension zu Kurzgeschichten zu schreiben. Es gibt eben durchaus gute Geschichten, die man verschlingt, und dann gibt es die, die einfach nicht so mein Fall waren. Es gab amüsante Momente, es gab langweilige Stellen, es war einfach von allem etwas dabei. Inhaltlich kann ich da nicht mehr sagen.

Marina Keegans Stil ist sehr poetisch stellenweise, sie findet schöne Worte und Sätze, wie allein schon ihre Einleitung beweist. Das zumindest dachte ich bei den Kurzgeschichten. Inhaltlich gab es da zwar eben einige, die mir nicht gefallen haben, aber stilistisch fand ich alle sauber und auch schön. Die Essays waren nicht so meins, da war es nicht so gut lesbar wie die Kurzgeschichten, die für mich einfach mehr geflossen sind. Ich bin aber eben auch allgemein nicht so der Essays-Leser, deshalb ist klar, dass das nicht so ganz meins war.

Fazit

Durchaus schöne Kurzgeschichten sind hier versammelt, insbesondere aus stilistischer Hinsicht, auch wenn mich nicht jeder Inhalt so fesseln konnte. Die Essays waren nicht mein Fall, aber dennoch ein schönes Buch.

Bewertung


Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

[Rezension] Sommer im Herzen – Mary Kay Andrews


Titel: Sommer im Herzen
Autor: Mary Kay Andrews
Original: Ladies Night
Verlag: Fischer
Erschienen: Mai 2014
ISBN: 978-3-596-19841-2
Preis: 9,99€
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Autor

Mary Kay Andrews wuchs in Florida, USA, auf. Sie studierte Journalismus
in Georgia und arbeitete dann einige Jahre als Redakteurin. Inzwischen
hat sie mehrere Romane veröffentlicht und leitet Seminare für Kreatives
Schreiben. Andrews lebt mit ihrer Familie in Atlanta. Im Sommer aber
zieht es sie zu ihrem liebevoll restaurierten Ferienhaus auf Tybee
Island, einer wunderschönen Insel vor der Küste Georgias. Die Autorin
schreibt Bestseller für jede Jahreszeit: Ihre Sommerbücher ›Die
Sommerfrauen‹, ›Sommerprickeln‹ und ›Sommer im Herzen‹ sind die ideale
Strandlektüre; die Winterromane ›Weihnachtsglitzern‹ und ›Winterfunkeln‹
versüßen selbst die kältesten Monate.

Inhalt

Grace Stanton ist eine erfolgreiche Lifestyle-Bloggerin. Als sie jedoch
ihren Ehemann dabei erwischt, wie er sie mit ihrer Assistentin betrügt,
gehen die Pferde mit ihr durch: Sie fährt seinen teuren, heißgeliebten
Sportwagen in den Swimmingpool. Kurze Zeit später passt ihr
Haustürschlüssel nicht mehr, ihre Kreditkarten sind gesperrt und auch
der Zugang zu ihrem Blog ist gelöscht. Sie reicht die Scheidung ein,
doch der Richter verdonnert sie erst einmal zu einer
Trennungsbewältigungstherapie. Das hat ihr gerade noch gefehlt!
Am Anfang denkt Grace noch, dass sie mit den anderen vier Teilnehmern
absolut nichts gemeinsam hat. Doch dann verhält sich die Therapeutin so
seltsam, dass die fünf beschließen, ihre eigene Gruppensitzung jeden
Mittwochabend in der „Sandbox“ abzuhalten. Dabei stellen sie schnell
fest, dass sie doch mehr verbindet, als sie dachten. Können sie ihr
Schicksal selbst in die Hand nehmen und zusammen einen neuen Weg ins
Leben finden?
 
Erster Satz


Hätte Grace Stanton geahnt, dass ihr gewohntes Leben an jenem unauffälligen Maiabend enden würde, wäre sie besser vorbereitet gewesen.

Meine Meinung

Wenn ihr euch einfach nur am Strand mit einem guten Buch entspannen wollt, ist das das perfekte Buch dafür. Ich habe es nicht am Strand gelesen, hatte aber gleich ein Sommer- und Urlaubsfeeling. Es ist ein leichtes, schönes Buch. Man kann sagen: einfach ein perfektes Sommerbuch.

Und dann… ist da noch diese winzige Detail, was mich dazu verleitet hat, mir das Buch zu kaufen: Protagonistin Grace ist Bloggerin. Lacht mich aus, aber das fand ich wirklich verführerisch. Ein Buch über eine Bloggerin? Klingt gut. Ein Buch über eine Bloggerin, die den Wagen ihres Mannes im Wasser versenkt? Klingt noch besser. Ein Buch über einen Bloggerin, die in Gruppentherapie muss, weil sie den Wagen ihres Mannes im Wasser versenkt hat? Klingt perfekt! Und enttäuscht hat mich das Buch definitiv nicht. Mary Kay Andrews beschreibt schon den Betrug und diese Poolszene absolut humorvoll und federleicht. Und dann kriegt man Mitleid, denn Graces Ehemann entpuppt sich als richtiges Arschloch. Und der Richter ebenfalls, doch ohne diesen Richter würde sie nicht in der Gruppe landen und diese Gruppe ist gut. Richtig gut. Damit meine ich die Teilnehmerinnen. Diese werden übrigens schon gleich innen im Buch präsentiert, mit Namen, Beruf und ihren Vergehen. Hach… die Damen sind mir doch allesamt sympathisch. Man lernt sie kennen und ehrlich… ich kann verstehen, warum sie das machten.
Dann ist da noch die Liebesgeschichte, die sicher nicht unvorhersehbar, dafür aber entzückend ist. Recherchearbeit, der Scheidungsstreit und Grace‘ Blogger-Dasein. Kurzum: eine Liebesgeschichte, die alles hat.

Einen kleinen Extrapunkt will ich natürlich noch dem Blogger-Leben von Grace widmen: Ich fühle mit ihr. Ich kann sie verstehen. Grace liebt ihren Blog und das kommt auch in dem Buch richtig gut rüber. Und es ist nicht nur romantisiert, man kann zumindest die Arbeit, die dahinter steckt, erahnen, selbst als Leser ohne viel Ahnung vom Bloggen. Mir hat dieser Teil des Buches richtig viel Spaß gemacht.

Fazit

Die perfekte Sommer-, Sonne- und Strand-Lektüre, selbst wenn die Sonne nicht scheint und der Strand durch eine Couch ersetzt werden muss. Luftig, leicht und amüsant. Eine bezaubernde kleine Liebesgeschichte, jede Menge Recherchen und die Liebe einer Frau zu ihrem Blog.

Bewertung

 
Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

[Rezension] Die unglaubliche Reise des Fakir, der in einem IKEA-Schrank feststeckte – Romain Puértolas

Titel: Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem IKEA-Schrank feststeckte
Autor: Romain Puértolas
Original: L’extraordinaire voyage du fakir qui était resté coincé dans une armoire IKEA
Verlag: Fischer
Erschienen am: 24.04.2014
ISBN: 978-3100003959
Preis: 16,99€
Leseprobe




Autor

Romain Puértolas wurde 1975 am ersten Tag des Winters in Montpellier geboren. Als Kind stiehlt er die Romanideen seines Goldfischs Gérard, den er von seiner Mutter zum zehnten Geburtstag geschenkt bekommen hat. Er bekritzelet gerne Post-It-Zettel und hat in Frankreich, Spanien und England gelebt. Er war DJ, Zauberkünstler, Flugvekehrsmanager und Übersetzer.

Inhalt

Ayarajmushee Dikku Pradash, charmanter Hochstapler in Turban und Seide sowie Träger eines Schnurrbarts beträchtlicher Größe, fliegt eines Tages aus Indien nach Paris. Er ist von Berug Fakir und möchte sich bei Ikea ein brandneues Nagelbett zulegen: Modell „Likstupiksta“, schwedische Kiefer, 15 000 Nägel (rostfrei), Farbe: Puma-rot. Kaum am Flughafen Charles de Gaulle angekommen, handelt sich Ayarasmushee Ärger mit einem Taxifahrer ein, verliebt sich im Ikea-Bistro in die schöne Französin Marie, nistet sich über Nacht mit Möbellager ein und versteckt sich in einem Ikea-Schrank. Prompt gerät er in diesem Schrank auf eine irrwitzige Reise, die ihn über England, Barcelona, Rom und Tripolis zurück nach Paris führt…

Erster Satz

Das erste Wort, das der Inder Ayarajmushee Dikku Pradash nach seiner Ankunft in Frankreich aussprach, war ein schwedisches. Ausgerechnet!

Meine Meinung

Leute, allein wenn ich den Titel mehrmals erwähne, habe ich ja schon eine elendslange Rezension, also schreibe ich jetzt nur vom IKEA-Fakir. Aber… ist der Titel nicht genial? Ohne diesen Titel wäre ich einfach nicht auf dieses Buch aufmerksam geworden und ich liebe es! Neben Die große Wörterfabrik ist der IKEA-Fakir mein zweites bisheriges Jahres-Highlight. Und das liegt nicht nur an dem – ich wiederhole mich gerne – echt genialen Titel. Es liegt an der genauso genialen Idee. Ich meine, ein Fakir, der aus Indien nach Frankreich fliegt, um bei IKEA das neueste Nagelbett zu kaufen. Und dann stellt sich raus, dass dieser nette Fakir definitiv ein Betrüger ist, der so einige Tricks bereit hält. Doch, wie es oft so ist, verändert sich sein Denken. Nicht nur, weil er in einem IKEA-Schrank eine verrückte Reise antritt, da spielen auch andere Dinge mit rein.

Die Reise… die ist ein Ding… diese ganze Geschichte ist ein verrücktes Ding. Definitiv eines der abgedrehtesten Bücher, die ich so in letzter Zeit gelesen habe. Ayarajmushmee (ich gebe keine Garantie auf die richtige Schreibweise dieses Namens) ist ein Protagonist mit vielen Macken, mit sehr vielen Fehlern, der trotz seiner offensichtlichen Betrugsmasche einfach sympathisch bleibt. Ich konnte gar nicht anders, als diesen Fakir, der eigentlich gar nicht so gern Fakir ist und lieber auf einem bequemen Federbett schläft, in mein Herz zu schließen. In seinen Lügen war er doch noch so herzig… und seine Entwicklung war irgendwie auch niedlich. Ich mag seinen Umgang mit den Menschen, denen er begegnet und ich gestehe es, ich mag seine kleinen Lügen, um an das zu kommen, was er will. Endlich mal ein Charakter, der nicht offen ist und immer einen Trick in der Hinterhand hat. Das finde ich sehr erfrischend nach gefühlten tausend Mädchen, die schüchtern sind, sich nicht hübsch finden, dann aber den süßesten Typen ever angeln und/oder plötzlich Megakräfte entwickeln und einfach nur total tollig werden.

Allgemein ist der IKEA-Fakir einfach mal wieder eine Abwechslung. Der Stil ist einfach gehalten, dennoch aber sehr schön. Die Geschichte entbehrt manchmal doch gewisser Logik und versteht es, mich als Leserin mit immer neuen Wendungen zu überraschen. Irgendwie konnte ich nie so ganz rauskriegen, was als Nächstes passiert. Das gefiel mir richtig gut! Ich konnte mit dem guten Aya[…] mitfiebern und war einfach genauso planlos wie er. Also landete ich mal in dem einen und mal in dem anderen Land und begegnete dort neuen Charakteren, die irgendwie alle etwas anders waren.
 Fazit

Kurzfazit? Highlight! Erfrischend anders und das in jeder Hinsicht. Ein weiteres tolles Buch, das ich denen ans Herz legen möchte, die auch abgedrehten Geschichten etwas abgewinnen können.

Bewertung

Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

[Rezension] Letztendlich sind wir dem Universum egal – David Levithan

Titel: Letztendlich sind wir dem Universum egal
Autor: David Levithan
Original: Every Day
Verlag: Fischer
Erschienen am: 27.03.2014
ISBN: 978-3841422194
Preis: 16,99€
Leseprobe







Autor

David Levithan, geboren 1972, ist Verleger einer der größten Kinder- und Jugendbuchverlage in den USA und Autor zahlreicher erfolgreicher Jugendbücher, u.a. „Will & Will“ (gemeinsam mit John Green und „Nicht & Norah – Soundtrack einer Nacht“ (mit Rachel Cohn). Er lebt in Hoboken, New Jersey.

Inhalt


Jeden Morgen wacht A in einem anderen Körper auf, in einem anderen Leben. Nie weiß er vorher, wer er heute ist. A hat sich an dieses Leben gewöhnt und er hat Regeln aufgestellt: Lass dich niemals zu sehr darauf ein. Falle nicht auf. Hinterlasse keine Spuren.
Doch dann verliebt A sich unsterblich in Rhiannon. Mit ihr will er sein Leben verbringen, für sie ist er bereit, alles zu riskieren – aber kann sie jemanden lieben, dessen Schicksal es ist, jeden Tag ein anderer zu sein?
Wie wäre das, nur man selbst zu sein, ohne einem bestimmten Geschlecht oder einer bestimmten Familie anzugehören, ohne sich an irgendetwas orientieren zu können? Und wäre es möglich, sich in einen Menschen zu verlieben, der jeden Tag ein anderer ist? Könnte man tatsächlich jemanden lieben, der körperlich so gestaltlos, in seinem Innersten aber zugleich so beständig ist.

Erster Satz

Ich werde wach.

Meine Meinung

Letztendlich sind wir dem Universum egal ist ein Buch, über das ich auch jetzt noch, einige Tage nach dem Lesen, immer wieder nachdenke. Es ist ein Buch, das mich einfach nicht ganz loslässt und immer wieder aus einem Winkel meines Gehirns auftaucht. Woran das liegt, kann ich euch einerseits sagen und andererseits auch wieder nicht, denn mich hat es einfach schon mal allgemein gefesselt, angefangen mit der Idee bis hin zum Schreibstil.

Zuerst mal diese Idee: Wenn ich mir das vorstelle, jeden Tag in einem anderen Körper zu sein, keinen Vertrauten zu haben, allein zu sein und immer wieder zu erleben, wie andere Menschen interagieren und sich anvertrauen und glücklich sind, während ich dazu verdammt bin, allein zu bleiben. Schon wieder so eine beängstigende Vorstellung, die mich zugleich auch fasziniert. Und die Darstellung davon wurde durch As plötzliche Faszination und Verliebtheit gegenüber Rhiannon verstärkt. Dadurch dass A jeden Tag wirklich jemand anderer ist, Rhiannons Umgang damit… puh, das fand ich wirklich eindringlich beschrieben, so dass mich die Thematik wirklich geflasht hat.
In der Beschreibung wird ja auch besonders As Beständigkeit des Charakters betont, etwas dem ich auch wirklich zustimme. A bleibt immer sehr konstant, sehr höflich und sehr A selbst (ist A nun Männlein oder Weiblein? Ich weiß es nicht, ich bleibe daher also bei A). Auch wenn sich das Äußere verändert, bleibt da doch etwas gleich und das liegt nicht nur am Denken. A ist einfach so höflich gegenüber seinen Gastkörpern, das ist ja eigentlich auch nicht selbstverständlich.
Rhiannons Reaktion auf das Ganze fand ich super. Schlichtweg super. Nicht überzogen, nicht zu wenig, es war die richtige Reaktion an Unglauben und Glauben an dieses Mysteriös. Ach, allgemein fand ich die Rhiannon toll. Ein Charakter, den ich durchweg mag (und das liegt sicher nicht nur an As Verliebtheit!).
Was könnte ich noch erwähnen? Ah ja… da entwickelt sich ja noch so eine kleine Nebengeschichte, damit die Liebesstory nicht so einseitig ist. Die scheint anfangs ein bisschen seltsam und nicht so ganz passend zu sein, aber da entsteht für A letztendlich doch was Wichtiges, A erkennt etwas, was wichtig für die Zukunft und seine Entscheidungen ist. Vor allen Dingen hat mir hier gefallen, dass es zwar stattfindet, sich aber dann doch perfekt einschmiegt und nicht überhand nimmt.

Gelesen habe ich das Buch gerne. Der Stil war toll und gefällt mir und ist super. So. Das wars dazu, denn es ist einfach so: I like.

Und zu guter Letzt folgt hier das Ende. Nicht nur dass meiner Rezension, sondern auch das des Buches. Soll ich ehrlich sein? Es hat mich verblüfft, es lässt mich auch immer noch rätseln, aber auch wenn ich anfangs eben unsicher war, was ich davon halten soll, finde ich es, je mehr Zeit verstreicht, besser und besser und besser. Ein anderes Ende wäre nicht gut gewesen, für mich bekommt das Buch so meinen perfekten Abschluss, wie ich ihn mir doch auch wünschen würde.

Da fällt mir doch noch eine Kleinigkeit ein: Es gibt immer wieder Ansätze im Buch, die einen eben nachdenken lassen. Nicht alle dieser Fragen werden geklärt und es bleibt dem Leser selbst überlassen, diese für sich zu lösen und zu beantworten. Vielleicht ist das auch ein Punkt, der mich an diesem Buch fasziniert.

Fazit

Ich mags. Ich mag es wirklich und ich mag es euch auch empfehlen, obwohl ich mir sicher bin, nicht jeder von euch wird so begeistert sein wie ich. Spannender Inhalt, viele offene Fragen, die aber nicht stören, tolle Charaktere und ein – zumindest für mich – perfektes Ende. Was will man mehr? Chimiko jedenfalls nichts.

Bewertung

Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

[Rezension] Die Quadratur des Glücks – Rohinton Mistry

Titel: Die Quadratur des Glücks
Autor: Rohinton Mistry
Original: Family Matters
Verlag: Fischer
Erschienen am: 11.12.2003
ISBN: 978-3596156351
Preis TB: 9,95€













Autor

Rohinton Mistry wurde 1952 in Bombay geboren und lebt nun in Toronto, Kanada. Für seine Romane erhielt er viele Auszeichnungen, u.a. den kanadischen Staatspreis, den Commonwealth-Preis und zuletzt, für die „Die Quadratur des Glücks“, den Kiriyama-Preis.

Inhalt

Als geachteter Patriarch der Familie: so würde Nariman Vakeel in Bombay gern seinem Alter entgegensehen. Aber die Harmonie in seiner Familie ist brüchig. Er lebt bei seinen Stiefkindern, die ihm vorwerfen, ihre verstorbene Mutter nie richtig geliebt zu haben. Als er nach einem Unfall gepflegt werden muss, schieben sie ihn zu seiner Tochter Roxana ab, die mit ihrem Mann Yezad und zwei Kindern in einer engen Wohnung lebt. So sehr Roxana ihren Vater liebt, so sehr auch Yezad und die Kinder versuchen, den alten Mann in ihr Leben aufzunehmen, wird die Situation doch zur Belastung – und die Versuche, das Leben zu bewältigen, haben dramatische Folgen. Yezad wird von dem ganz Bombay ergreifenden Lotteriefieber erfasst und verspielt sein knappes Gehalt, dann will er seinen Chef für eine Lokalpolitikerkarriere begeistern, um so selbst befördert zu werden. Nariman flüchtet sich immer mehr in Erinnerungen an seine erste verbotene Liebe zu der Christin Lucy, und Roxana versuchte heimlich eine Versöhnung mit den Stiefgeschwistern zu erreichen. Und dann scheint es, als könne alles gut werden.


Erster Satz

Ein Sonnenfleck hatte sich am Fuß von Narimans Bett niedergelassen, als er von seinem Nachmittagsschläfchen aufwachte und auf die Uhr sah.
S.7

Meine Meinung


Es ist nicht mein erstes Buch von Rohinton Mistry und es wird wohl auch nicht mein letztes Buch von ihm sein. Seit über einem halben Jahr lag das Buch auf meinem SuB und jetzt, nachdem ich es gelesen habe, frage ich mich doch, warum ich nicht früher danach gegriffen habe.
Herr Mistry erzählt eine wirklich ergreifende Geschichte über den Alltag einer indischen Familie und zeigt dabei die Welt, die außerhalb der bunten Bollywoodfilme stattfindet. Ein Großvater und Vater mit Parkinson, dessen Geld zu wenig für die Medikamente ist. Zwei Stiefkinder, von denen die Tochter dem Stiefvater immer noch grollt und dessen Parkinsonerkrankung sie persönlich nimmt. Eine Tochter, die mit zwei Kindern und Ehemann in zwei kleinen Zimmern plus Küche und Bad lebt, dann aber noch den Vater aufnimmt, nachdem die Stiefschwester ihn los werden will. Der Ehemann ist ein Sauberkeitsfanatiker und manchmal sehr aufbrausend. Doch man lernt nicht nur die Familie kennen, auch Nachbarn und Freunde, Kollegen und Geschichten von völlig Fremden werden vom Autor geschickt in diese Hauptgeschichte verwoben.
Jeder Charakter hat seinen Moment, in dem er seine Sicht der Situation erzählt und im Vordergrund steht. War es anfangs oft der erkrankte Nariman, werden es mit zunehmender Krankheit und immer stärker werdendem Verlust seiner Sprach- und Bewegungsfähigkeit, die anderen.

Jeder der Charaktere entwickelt sich auch weiter, manchmal auf eine gute, manchmal auf eine schlechte Weise und manchmal geht diese Entwicklung sogar in beide Richtungen zugleich. Die Extremsituation der Krankheit schafft es, dass jeder sich neue Gedanken macht und sich der Situation stellt.
Da wäre beispielsweise Jal: Er ist Narimans Stiefsohn und wird von seiner Schwester eher unterdrückt, Coomy ist sozusagen die Chefin im Haus. Jal ist für mich am meisten im Gedächtnis geblieben, mit seinem immerwährenden Griff zum Hörgerät, um es richtig einzustellen. Es sind keine großen Sprünge, die er macht, aber dennoch entwickelt er sich und verändert sich auf einer sehr realistische Weise.
Yezad hingegen ist der Geldverdiener, der Ehemann von Roxana, auf Sauberkeit bedacht, albern und etwas gehässig gegenüber der religiösen Coomy und auch den religiösen Wünschen seiner Frau. Als der bettlägerige Nariman bei ihnen einzieht, muss er sich einer ganz anderen Wirklichkeit stellen: ein alter Mann, ans Bett gefesselt, gezwungen Bettpfanne und Urinflasche zu benutzen, Gerüche nach Krankheit und allem.

Dies ist der zweite Teil… Mistry erzählt eben nicht nur eine Familiengeschichte, sondern auch die Geschichte einer Krankheit und ihrer Wirkungen. Ob es nun der Umgang der anderen damit ist oder Narimans Flucht in seine Vergangenheit… dem Autor gelingt es, beides darzustellen.

Es ist eine stille Geschichte, die einem die nicht schöne Wirklichkeit Indiens zeigt, am Beispiel einer Familie. Melancholisch, ergreifend, emotional, bewegend – das sind nur ein paar Worte, die meine Gefühle angesichts dieser bewegenden Familientragödie ausdrücken. Es ist ein Buch, das mich nicht mehr losgelassen hat und das ich bedingungslos weiterempfehlen kann.


Fazit

Ich bin einfach hin und weg von diesem Roman, der so vielfältig ist, der die Kultur Indiens so unglaublich detailliert an einer Familie darstellt und dabei so wundervolle Figuren entwickelt, die man gleich vor dem inneren Auge sehen kann. Rohinton Mistry ist für mich einer der besten Autoren, die ich bisher gelesen habe und dieses Buch konnte ich nicht weglegen, ich musste es einfach immer weiter lesen, so sehr nahm die Familie und ihre Geschichte mich gefangen.

Bewertung


Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt